Ein Beispiel geben und Verantwortung übernehmen

04. Mai 2012

Seit mehr als zwei Wochen habe ich wieder Land unter den Füßen. Wie immer sind die Gefühle nach einer langen Schiffsreise zwiespältig: Es ist schön, wieder an Land zu sein, gleichzeitig fehlen das Meer und die Familie der “Arctic Sunrise”. Aber die Zeit vergeht schnell und die Tage sind vollgestopft mit der Aufbereitung von Daten der Expedition und Treffen mit politischen Entscheidungsträgern. In Deutschland bleibt das Engagement für die Gemeinsame Fischereipolitik noch immer verhalten, während aus Afrika mal wieder gute Nachrichten kommen:

Der senegalesische Fischereiminister hat die Fischereilizensen für 29 pelagische Trawler aus Russland, Litauen, Komoren, Saint Vicent Grenadine und Belize aufgehoben! Damit setzt der neue senegalische Präsident Macky Sall das um, was er erst vor wenigen Wochen bei seiner Wahl versprochen hatte. Ein mutiges und konsequentes Handeln, zu dem wir gratulieren und an dem sich die deutsche Fischereiministerin Ilse Aigner und die EU ein Beispiel nehmen sollten.

Sall setzt um, was er verspricht: die Sicherung von Jobs und Nahrung für die senegalesischen Fischer. Diese sind durch die Fischtrawler unter fremder Flagge, die ebenfalls Ressourcen vor der Küste Senegals befischen, gefährdet. Um das zu ändern, müssen zunächst die Lizensen für fremde Flotten aufgehoben und dann parallel ein nachhaltiges Fischereimanagement umgesetzt werden.

Auch das deutsche Fischereiministerium sieht es als seine Pflicht, die deutsche Fischerei zu erhalten und zu fördern. Doch wie soll das erreicht werden, wenn unsere Ministerin das Kernproblem der europäischen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) – die Überkapazitäten der EU-Flotte – bei den aktuellen Verhandlungen zur Reform der GFP verschläft? Da die Fischbestände in europäischen Gewässern gemeinschaftlich von den EU-Mitgliedstaaten befischt bzw. überfischt werden, muss der Blick unserer nationalen Minister auch auf diese gemeinschaftliche EU-Flotte gerichtet sein. Ein Zurückziehen auf die nationale Sicht nach dem Motto “wir haben keine Überkapazitäten in der deutschen Flotte und unsere Hausaufgaben ja gemacht” nützt nichts, denn wenn andere Mitgliedsstaaten ihre Hausaufgaben nicht machen, wird auch die eigene Flotte nicht aus dem Tief herauskommen. Denn noch einmal: Die Fischbestände werden ja von allen gemeinschaftlich genutzt.

Greenpeace-Aktivisten protestieren am Supertrawler Helen Mary

Greenpeace-Aktivisten protestieren am Supertrawler Helen Mary

Man hat sich entschieden die Fischerei gemeinschaftlich zu regeln und nun muss man auch gemeinschaftlich das Problem lösen – sich lautstark und engagiert dafür einsetzen, dass alle ihre “Hausaufgaben” machen. Und hier dürfen keine Deals bei anderen EU-Politiken wie z.B. der Agrapolitik den Weg zu einer erfolgreichen GFP-Reform versperren.

Vor allem die deutsche Kutter- und Küstenfischerei wird von einer Reduktion der Fangkapazität der EU-Flotte profitieren. Und die deutsche Kutter- und Küstenfischerei mit ihren rund 1700 Booten ist die “deutsche” Fischerei. Nicht die sechs Hochseetrawler, die zwar unter deutscher Flagge fahren, aber der holländischen Firma Parlevliet & van der Plas gehören. Erstaunlicherweise sind 1/3 der Subventionen zwischen 1994 und 2007, die die deutsche Fischereiflotte erhalten hat, in diese sechs Schiffe (0,4 Prozent der deutschen Flotte) geflossen. Wird so die “deutsche” Fischerei gefördert?

Supertrawler, die mittlerweile wirtschaftlich nur rentabel gehalten werden können, wenn sie auch in nichteuropäischen Gewässern fischen, wie z.B. vor Westafrika. Die Plünderung dort haben wir mit der “Arctic Sunrise” dokumentiert, ebenso wie die Auswirkungen an Land: Ein trauriges Bild, und eine Verantwortung der sich unsere Ministerin nicht stellt.

Schwimmer gegen Mittelmeer-Trawler

27. April 2012

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren gegen die Zerstörung und Überfischung (c) Panos Mitsios/ GreenpeaceGriechenland – Gestern Nachmittag haben Greenpeace-Aktivisten gegen die Zerstörung und Überfischung des griechischen Mittelmeeres protestiert. Vor dem griechischen Trawler ALBERTA II sprangen sie mit Bannern ins Meer. Auf den Bannern forderten sie “Scrap Destructiv Fishing“ (Weg mit der zerstörerischen Fischerei) und „Marine Reserves Now” (Schutzgebiete jetzt).
Mit dem Protest wollten die Aktivisten nicht nur auf die Zerstörung durch diese Art der Fischerei aufmerksam machen, sondern auch auf die finanziellen und sozialen Folgen für die handwerkliche Fischerei, die die griechische Rezession mit am heftigsten zu spüren bekommt.

Zusammen mit handwerklichen Fischern fordert Greenpeace seit Jahren, die Region um die nördlichen Kykladen zum fischereifreien Meeresschutzgebiet zu machen. Auch die griechische Regierung muss sich für eine konsequente Reform der europäischen Fischereipolitik einsetzen.

Zeitgleich zur Aktion verhandelten die europäischen Fischereiminister in Brüssel verschiedene Teile des von der Kommission vorgelegten Reformpaketes. Europa braucht dringend einen Paradigmenwechsel in der gemeinsamen Fischereipolitik. Dabei muss vor allen Dingen die viel zu große und zerstörerische Industrieflotte abgebaut und der regionale, handwerkliche Sektor weiter aufgebaut werden. Nur so können die EU-Fischbestände einerseits und die Arbeitsplätze in der Fischerei andererseits erhalten werden.

Im Oktober 2011 wurde dieses Video veröffentlicht, das die Meereszerstörung durch die Industrietrawler zeigt.

Trawler auf illegaler Jagd

25. Februar 2012

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit in den Gewässern vor der westafrikanischen Küste unterwegs, um vor Ort die Praktiken der ausländischen Fischereiflotten zu dokumentieren.

Pierre Gleizes/Greenpeace - Botschaft am Schiffsrumpf des illegal fischenden TrawlersImmer wieder hatte die Crew der “Arctic Sunrise” in den letzten Tagen festgestellt, dass viele der Fischtrawler ihr AIS (Automatic Identification System) abgeschaltet haben und daher aus der Ferne für uns nicht und schon gar nicht bei Nacht zu identifizieren waren. Gestern Abend dann stießen die Kollegen auf einen Trawler und folgten ihm über Nacht, um ihn identifizieren zu können. Am nächsten Tag: ein zweiter Trawler in Sicht, alle Namen und Zeichen zur Identifizierung hinter einer Persenning versteckt. Der Wind hob die Persenning hoch und so konnten wir den Namen erhaschen: “Oleg Naydenov”.

Kein eingeschaltetes AIS und der Name verdeckt – ein ganz klarer Regelverstoß! Zunächst fischte der Trawler in Gewässern von  Gambia, dann zog er weiter in senegalesische Gewässer. In beiden Gewässern fischte der Trawler illegal!

Pierre Gleizes/Greenpeace - Die Persenning gibt den Blick auf den Namen des illegalen Trawlers freiUnseren Protest gegen diesen illegalen Raubzug taten wir an der Schiffswand des Trawlers kund. Die Crew versuchte die Aktivisten mit Wasserschläuchen abzuhalten, trotzdem gelang es, die Persenning über dem Schiffsnamen zu entfernen. So wurde der Trawler enttarnt. Schnell versuchte die Crew, den Namen wieder zu verhängen.

Greenpeace informierte die zuständigen Behörden beider Länder und  Gambia gab bekannt, ein Patrouillienschiff zu senden. Die 120 Meter lange “Oleg Naydenov” ist nur ein Beispiel für die riesige Flotte aus fernen Ländern, die in Westafrika fischt. Sie fischen nicht nur in fremden Gewässern, sondern auch – wie zum Beispiel die Oleg Naydenov – ohne die Gesetze zu respektieren. Ein Skandal!

Pierre Gleizes/Greenpeace - Greenpeace-Aktivisten längsseits der "Oleg Naydenov"Diese Giganten haben Netze von mehreren hundert Metern, Netzöffnungen bis zu 50 Meter und können bis 250 Tonnen Fisch pro Tag fangen und verarbeiten. Die Netze der lokalen Fischer werden immer leerer.

Regierungen Westafrikas, wie die senegalesische, müssen für eine nachhaltige Fischerei sorgen, um die Ausbeutung der eigenen Ressourcen durch andere Länder zu stoppen und einen Kollaps der Fischbestände zu verhindern. Um die Wende herbeizuführen, ist ein sofortiger Stopp für alle neuen Fanglizenzen an andere Nationen notwendig. Senegal wählt am Sonntag seinen neuen Präsidenten. Fischerei und ein nachhaltiges Fischereimanagement sollten auf seiner Agenda ganz oben stehen.