Schützt John Kerry die Hohe See?

18. Juni 2014

Der amerikanische Außenminister John Kerry ist am Meer aufgewachsen. Als US-Senatsmitlgied hat er immer wieder Initiativen für mehr Meeresschutz gestartet und unterstützt. Auch als Außenminister bleibt er den Meeren treu: Diese Woche hat er Vertreter aus über 80 Ländern sowie Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft nach Washington eingeladen, um über “Unseren Ozean” – Our Ocean – zu diskutieren.

Im Vorfeld der Konferenz bekommt John Kerry Post, re. Daniel Mittler.

Im Vorfeld der Konferenz bekommt John Kerry Post, re. Daniel Mittler.

Zwei Tage lang werden fast 400 Menschen über Überfischung sowie über die Vermüllung und die durch den Klimawandel dramtisch ansteigende Versauerung der Meere diskutieren. Als Politischer Direktor von Greenpeace International vertrete ich Greenpeace – und freue mich auf zwei spannende Tage.

Dass ein Außenminister sich zwei Tage Zeit für ein zentrales umweltpolitisches Thema nimmt, ist sicher außergewöhnlich. Außenminister Steinmeier zum Beispiel hat bisher nicht zu einem Energieeffizienz- und Erneuerbaren Energien-Gipfel geladen – auch wenn dies in Zeiten der Ukraine-Krise für unser aller Sicherheit sehr sinnvoll wäre.

John Kerry gebührt also Anerkennung, dass er sich für die Meere Zeit nimmt. Kerry hat allerdings auch ein großes Problem: Die USA sind zwar in vielen Fragen der Meerespolitik progressiv – sie sind zum Beispiel entschieden gegen Walfang und wollen die Ross Sea der Antarktis unter Schutz stellen. Gleichzeitig blockieren die USA aber ein Abkommen zum Schutz der Hohen See. Und über dieses notwendige Abkommen verhandeln die Vereinten Nationen in New York zeitgleich zu Kerry´s Konferenz. Wird Kerry also in Washington Meeresschutz predigen, gleichzeitig aber zulassen, dass seine eigene Regierung in New York Meeresschutz torpediert?

Eines ist klar: Da über zwei Drittel der Weltmeere Hohe See sind, also außerhalb von nationalstaatlichen Gewässern liegen, werden sich die Meere nicht retten lassen, ohne dass auch die Hohe See unter Schutz gestellt wird. Bisher sind weniger als ein Prozent der Hohen See in irgendeiner Weise geschützt. Die Hohe See ist der Wilde Westen – und die Natur kommt dabei unter die Räder.

Die UNO hat vereinbart bis 2015 einen Weg zu finden, den Schutz der Hohen See weiter voranzutreiben. Eine überwältigende Mehrheit von Ländern will den Schutz der Hohen See verbessern. Nur wenige – neben den USA vor allem Russland, Kanada, Japan und Island – verweigern sich noch den notwendigen nächsten Schritten. Die nächsten Monate sind also entscheidend.

Die USA müssen ihre Position endlich ändern und aufhören, die notwendigen internationalen Regeln für die Hohe See zu blockieren. Wenn sich die USA bewegen, wird das auch die anderen Blockierer zum Nachdenken bringen. Ich werde in den nächsten Tagen alle Möglichkeiten nutzen, um das Thema bei der Konferenz anzusprechen.

Auch Deutschland sollte noch entschiedener den Schutz der Hohen See vorantreiben. Das Thema war 2012 beim Nachhaltigkeitsgipfel Rio+20 präsent. Daraufhin fand sich die Hohe See im 10-Punkte-Program vom damaligen Umweltminister Altmaier wieder. Heute ist das Thema bei der Bundesregierung nicht sichtbar. Deutschland (und die EU) unterstützt zwar weiter ein Abkommen zum Schutz der Hohen See, was wir begrüßen. Aber es ist Zeit für noch mehr Engagement – nicht nur auf der Fachebene, sondern auch persönlich durch Ministerin Hendricks.

Ich werde berichten, was wir in den nächsten Tagen in Washington und New York erreichen.

Daniel Mittler ist der Politische Direktor von Greenpeace International und lebt in Berlin.

Außenminister Kerry, retten Sie die Meere!

02. Juni 2014

Eine übergroße Postkarte mit der Aufschrift “Lieber John, Act for the High Seas!” soll US-Außenminister Kerry daran erinnern, dass die Meere nicht nur Worte, sondern handfeste Maßnahmen zum Schutz brauchen. Gelegenheit dafür hat Kerry, der öffentlich gerne die Notwendigkeit eines umfassenden Meeresschutzes bekundet, bei der Mitte Juni stattfindenden Meereskonferenz “Our Ocean Conference”.

Daniel Mittler (re) wird für Greenpeace an der Konferenz teilnehmen.

Daniel Mittler (re) wird für Greenpeace an der Konferenz teilnehmen.

Vom 16. – 17. Juni lädt die US-Regierung Repräsentanten der Staatengemeinschaft und Meeresforscher nach Washington ein um, um über den Zustand der Ozeane und seine Konsequenzen zu konferieren. Deshalb haben wir heute die US-Botschaft in Berlin besucht. Im Gespräch wurde uns mitgeteilt, wie sehr die Meere der US-Regierung am Herzen liegen. Das ist gut so. Damit nichts vergessen wird, haben wir in einem Brief an John Kerry unsere Forderung für ein Hochseeschutzabkommen deutlich gemacht und zusammen mit einem detaillierten Positionspapier übergeben.

Die Meere außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer – das ist der Bereich, der als Hohe See bezeichnet wird – sind kaum geschützt. Weniger als ein Prozent Schutzgebiete gibt es dort.

Es wäre dringend an der Zeit, dass sich die US-Regierung deutlich positioniert und in der Abschlusserklärung der Konferenz ein klares Signal an die Generalversammlung der Vereinten Nationen geht: Die Hochsee braucht dringend Schutzgebiete! Nur so ist sie gegen die Folgen von Klimawandel, Überfischung und Tiefseebergbau gewappnet.

Unterwegs mit Kleinfischer Wolfgang Albrecht

17. Dezember 2013


5 Uhr aufstehen, 6 Uhr am Hafen auslaufen – der Tag von Wolfgang Albrecht beginnt in aller Frühe. Um die Mittagszeit läuft er wieder in den Hafen von Großenbrode ein. Nachmittags geht es weiter. Den frischen Fisch verarbeiten, Filets schneiden, abpacken – bis hin zum Verkauf. Der Arbeitsalltag des Kleinfischers aus Neuratjensdorf ist klar strukturiert. Irgendetwas ist zusätzlich immer zu tun: Netze reparieren, die Technik auf dem Kutter und nicht zuletzt gehört auch die Buchhaltung zum Job als selbständiger Kleinfischer im Nebenerwerb. Wir haben Wolfgang Albrecht einige Stunden lang beim Fischen begleitet und mit ihm beim anschließenden Mittagessen zuhause über Fischereipolitik und sein ehrenamtliches Engagement gesprochen. Denn der 72-Jährige ist langjähriger Vorsitzender des Fischereischutzverbands und engagiert sich zudem wie Greenpeace auch für eine nachhaltige EU-Fischereipolitik. Dazu muss man wissen: Die Regeln, wer in Europa wie und wie viel fischt, setzt die Europäische Union. Alle 10 Jahre wird die sogenannte Gemeinsame Fischereipolitik – kurz GFP – überprüft und den neuen Gegebenheiten angepasst. In diesem Jahr fand die Reform ihren Abschluss. Und sie war dringend notwendig, denn bis zu 88 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände sind nach offiziellen Angaben schlichtweg überfischt. Als die Reform endlich stand, atmeten die Meeresschutz-Verbände auf – die Richtung stimmte, um weg von einer zerstörerischen, überdimensionierten Fischereiindustrie in Europa hin zu einer nachhaltigen, umweltschonenden Fischerei zu kommen. Ein besonders kritischer Punkt: Ein Rückwurf-”Verbot”.

Herr Albrecht, unerwünscht gefangener Fisch soll laut EU-Beschluss nicht mehr über Bord geschmissen werden. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Welche Fischerei sehen Sie im Hinblick auf Nachhaltigkeit und speziell das Beifangproblem besonders kritisch – vielleicht auch im Vergleich zur kleinskaligen Fischerei?


Über die Fischerei-Subventionen wurden einige Monate später gesondert entschieden. Auf den ersten Blick mit einem guten Ergebnis: Laut der CFP-Reform sollen umweltschädliche Fischereien zukünftig nicht mehr wie bisher von EU-Geldern profitieren. Allerdings kritisierte Greenpeace damals bereits einige Schlupflöcher, die auf Druck der Fischereimafia durchgewunken wurden.

Welche Auswirkungen sehen Sie aus Ihrer Perspektive als Kleinfischer in der bisherigen Subventionspolitik der EU?


Bisher wurden etwa 97 Prozent der Fangquoten an die industrielle Massen-Fischerei vergeben, was den Kleinfischern bleibt, kann man sich ausrechnen. Auf dem Papier der Fischereireform steht, dass zukünftig besonders nachhaltiger Fischerei bevorzugt Zugang zu Fischgründen gegeben und handwerkliche Fischerei gefördert werden soll, indem soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden sollen.

Denken Sie, dass die ungerechte Vergabe der Fangquoten zukünftig ein Ende hat?

Stichwort Überfischung. Wenn Sie den Fischbestand in der Ostsee heute und damals vergleichen – was hat sich für Sie spürbar geändert?


Wolfgang Albrecht vertritt als Vorstand des Fischereischutzverbands 214 Fischereibetriebe und weitere 500 Mitglieder. Zudem ist er europaweit unterwegs, um für die handwerkliche, schonende Fischerei einzutreten. Zuletzt führte ihn sein Engagement nach Spanien, um gemeinsam mit rund 80 Fischern aus ganz Europa den Grundstein für einen europäischen Kleinfischerverband (Low Impact Fishers of Europe – kurz LIFE)) zu legen.

Was motiviert Sie, sich so stark für die umweltschonende Fischerei einzusetzen?