Unterwegs mit Kleinfischer Wolfgang Albrecht

17. Dezember 2013


5 Uhr aufstehen, 6 Uhr am Hafen auslaufen – der Tag von Wolfgang Albrecht beginnt in aller Frühe. Um die Mittagszeit läuft er wieder in den Hafen von Großenbrode ein. Nachmittags geht es weiter. Den frischen Fisch verarbeiten, Filets schneiden, abpacken – bis hin zum Verkauf. Der Arbeitsalltag des Kleinfischers aus Neuratjensdorf ist klar strukturiert. Irgendetwas ist zusätzlich immer zu tun: Netze reparieren, die Technik auf dem Kutter und nicht zuletzt gehört auch die Buchhaltung zum Job als selbständiger Kleinfischer im Nebenerwerb. Wir haben Wolfgang Albrecht einige Stunden lang beim Fischen begleitet und mit ihm beim anschließenden Mittagessen zuhause über Fischereipolitik und sein ehrenamtliches Engagement gesprochen. Denn der 72-Jährige ist langjähriger Vorsitzender des Fischereischutzverbands und engagiert sich zudem wie Greenpeace auch für eine nachhaltige EU-Fischereipolitik. Dazu muss man wissen: Die Regeln, wer in Europa wie und wie viel fischt, setzt die Europäische Union. Alle 10 Jahre wird die sogenannte Gemeinsame Fischereipolitik – kurz GFP – überprüft und den neuen Gegebenheiten angepasst. In diesem Jahr fand die Reform ihren Abschluss. Und sie war dringend notwendig, denn bis zu 88 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände sind nach offiziellen Angaben schlichtweg überfischt. Als die Reform endlich stand, atmeten die Meeresschutz-Verbände auf – die Richtung stimmte, um weg von einer zerstörerischen, überdimensionierten Fischereiindustrie in Europa hin zu einer nachhaltigen, umweltschonenden Fischerei zu kommen. Ein besonders kritischer Punkt: Ein Rückwurf-”Verbot”.

Herr Albrecht, unerwünscht gefangener Fisch soll laut EU-Beschluss nicht mehr über Bord geschmissen werden. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Welche Fischerei sehen Sie im Hinblick auf Nachhaltigkeit und speziell das Beifangproblem besonders kritisch – vielleicht auch im Vergleich zur kleinskaligen Fischerei?


Über die Fischerei-Subventionen wurden einige Monate später gesondert entschieden. Auf den ersten Blick mit einem guten Ergebnis: Laut der CFP-Reform sollen umweltschädliche Fischereien zukünftig nicht mehr wie bisher von EU-Geldern profitieren. Allerdings kritisierte Greenpeace damals bereits einige Schlupflöcher, die auf Druck der Fischereimafia durchgewunken wurden.

Welche Auswirkungen sehen Sie aus Ihrer Perspektive als Kleinfischer in der bisherigen Subventionspolitik der EU?


Bisher wurden etwa 97 Prozent der Fangquoten an die industrielle Massen-Fischerei vergeben, was den Kleinfischern bleibt, kann man sich ausrechnen. Auf dem Papier der Fischereireform steht, dass zukünftig besonders nachhaltiger Fischerei bevorzugt Zugang zu Fischgründen gegeben und handwerkliche Fischerei gefördert werden soll, indem soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt werden sollen.

Denken Sie, dass die ungerechte Vergabe der Fangquoten zukünftig ein Ende hat?

Stichwort Überfischung. Wenn Sie den Fischbestand in der Ostsee heute und damals vergleichen – was hat sich für Sie spürbar geändert?


Wolfgang Albrecht vertritt als Vorstand des Fischereischutzverbands 214 Fischereibetriebe und weitere 500 Mitglieder. Zudem ist er europaweit unterwegs, um für die handwerkliche, schonende Fischerei einzutreten. Zuletzt führte ihn sein Engagement nach Spanien, um gemeinsam mit rund 80 Fischern aus ganz Europa den Grundstein für einen europäischen Kleinfischerverband (Low Impact Fishers of Europe – kurz LIFE)) zu legen.

Was motiviert Sie, sich so stark für die umweltschonende Fischerei einzusetzen?

CCAMLR: Russland verhindert erneut Meeresschutz in der Antarktis

01. November 2013

Erneut endet ein Jahrestreffen der Antarktischen Schutzkommission in Hobart / Australien ohne eine klare Entscheidung  für den Meeresschutz. Auf der sogenannten CCAMLR, der „Commission for the conservation of Antarctic Marine Living Resources” lag nicht weniger auf dem Tisch als die Einrichtung der größten Meeresschutzgebiete weltweit. Und zum wiederholten Mal scheiterte die Entscheidung  an den Fischereiinteressen einer Minderheit im Teilnehmerkreis: Ukraine und Russland*. Der CCAMLR gehören 24 Mitgliedsstaaten und die EU an. Da aber dieses Gremium im Konsens entscheidet, halfen auch die diplomatischen Versuche der Mehrheit nicht.

Die russische Delegation hat sich auf der CCAMLR erneut wenig verhandlungsbereit gezeigt. Bereits 2012 und im Juli 2013 blockierte Russland mit seiner Stimme die Einrichtung des weltweit größten Netzwerks an Meeresschutzgebieten.  Mit der Einrichtung der Schutzgebiete, eins in der Ross See, eins in der Ostantarktis, hätten fast drei Millionen Quadratkilometer** unter Schutz gestellt werden können. Hätte, könnte, wäre – ist aber nicht.

Länder wie Russland müssen endlich ihre Blockadehaltung beim Meeresschutz aufgeben. Wir sind unseren nachfolgenden Generationen verpflichtet, jetzt die Weichen für eine lebenswerte Umwelt zu stellen. Unsere Meere brauchen dringend Schutz vor der industriellen Ausbeutung!

Auf dem CCAMLR-Treffen hätte Russland die Chance gehabt, einen wichtigen Schritt für den Antarktisschutz zu machen.  Doch das russische Veto ist konsequent umweltfeindlich – denn am gegenüberliegenden Pol gefährden russische Ölfirmen mit riskanten Ölförderungen die Meeresumwelt der Arktis.  Auch dort ist man resistent gegen jede Form von  Klima- und Meeresschutz.  Als unsere Aktivisten vor über einem Monat friedlich in der Arktis gegen die Förderung von arktischem Öl protestierten, setzte Russland sie sofort unrechtmäßig fest – sie sitzen bis heute in Untersuchungshaft. Den 28 Aktivisten und 2 Journalisten drohen mehrjährige Haftstrafen.

Zurück zur CCAMLR: Die nächste Chance, den mehr als 10.000 antarktischen Tier- und Pflanzenarten den dringend notwendigen Schutz zu geben, den sie verdienen, ergibt sich erst wieder in einem Jahr, wenn sich die CCAMLR erneut in Hobart trifft. So schwer es ist, die Hoffnung nicht aufzugeben -  wir bleiben dran!


Quelle des Videos: Antartic Oceans Alliance – ein Verbund von zahlreichen Meeresschutzorganisationen, dem auch Greenpeace angehört.

Aufgrund von User-Nachfrage >> Nachtrag 1.11.13, 17:36 Uhr:
*Russland und Ukraine blockierten beide Schutzgebietsvorschläge; China entzog seine Zustimmung zu dem Ostantarktisproposal wieder.
**Der Antrag der USA und Neuseeland bezog sich auf ein Schutzgebiet im Ross Meer über 1,25 Millionen Quadratkilometer, dieser Vorschlag wurde kurz vor dem Treffen in Hobart abgeschwächt, da eine größere Schutzzone bei der CCAMLR-Abstimmung wenige Monate zuvor gescheitert war. Die von Australien, Frankreich und der EU vorgeschlagene Schutzzone in der Ostantarktis sollte 1,6 Millionen Quadratkilometer abdecken.

EU-Parlament stimmt über Fischerei-Subventionen ab

23. Oktober 2013

Mit Spannung habe ich heute verfolgt, wie das EU-Parlament über die zukünftige Verwendung der Fischerei-Fördergelder aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) abgestimmt hat. Die gute Nachricht vorweg: Das Europaparlament will (fast) nur nachhaltige Fischerei fördern. Das war zwar zu hoffen, nachdem die EU im Juli eine ehrgeizige Reform der Fischereipolitik beschlossen hatte. Das Thema Fischereisubventionen wurde jedoch ausgelagert und sollte gesondert im Herbst verhandelt werden. Wie erwartet hat die Überfischungsmafia, allen voran die spanische, die Zeit genutzt. So lagen dann auch Vorschläge auf dem Tisch, die die weitere Überfischung der Meere zur Folge hätten haben können.

Doch im Großen und Ganzen sind wir vorsichtig zufrieden – zumindest fast, denn einige Schlupflöcher gibt es (siehe unten). Sicherlich brauchen wir noch mehr Zeit, um die Bedeutung der heutigen Entscheidung zu analysieren. Hier ein erster Überblick zur heutigen Entscheidung des Parlaments:

  • Es wird keine Subventionen für neue Schiffe geben mit einer Ausnahme (siehe unten).
  • Die Gelder für Datenerhebung und Kontrolle sollen (bis 40 Prozent) erhöht werden, das bedeutet weniger Gelder für die Finanzierung der Flotte.
  • Zusätzlich dürfen die Mitgliedsstaaten flexibler mit Geldern für die Datenerhebung und Kontrolle umgehen: Sie können z.B. Gelder aus einem anderen Topf für mehr Kontrolle und Forschung umschichten.
  • Operatoren und Mitgliedsstaaaten, die sich nicht an die Regeln der CFP-Reform halten, sollen schärfer sanktioniert werden.
  • Die Definition “Kleinskalige Fischerboote“ wurde nicht wie beantragt verwässert. Diese werden weiterhin definiert als Fangschiffe unter 12 Metern Länge (ohne Schleppgerät).
  • Die Regeln zur Transparenz bei der Fördermittelvergabe sollen verschärft werden.

Daneben gibt es allerdings auch eine Reihe von Entscheidungen, die wir angesichts dessen, dass die Flottenkapazität dringend reduziert werden muss, kritisch sehen:

  • Zwar soll die “Abwrackprämie” für alte Schiffe im Jahr 2016 auslaufen, dennoch sollen EU-Gelder in die Modernisierung und in neue Schiffsmotoren fließen. Diese wurden jedoch auf 20 Prozent der Ausgaben begrenzt, zudem soll die Anschaffung neuer Motoren auf kleine Kutter begrenzt werden. Jungfischer sollen zukünftig Fördergelder für den Kauf ihres ersten Bootes bekommen.
  • Es soll in der neuen Förderperiode Subventionen für neue Infrastrukturmaßnahmen bzw. zur Modernisierung der bestehenden Infrastruktur in Häfen geben.

Was passiert als nächstes? In einem sogenannten Trilog zwischen Parlament, Fischereirat und EU-Komission wird eine finale Entscheidung ausgehandelt werden, voraussichtlich im nächsten Monat. Dann wird sich zeigen, welche Winkelzüge und Kniffe die Interessenvertreter der spanisch-französischen Überfischungsbarone zum Einsatz bringen.
Unsere Meere sind bis an die Grenze des Erträglichen überfischt. Wir brauchen eine Subventionspolitik, die nicht dazu führt, dass noch mehr Geld in die schon längst überdimensionierte Fangflotte fließt.

(Quelle Video: Ocean2012)