Ein Herz für die Arktis dem Auswärtigen Amt übergeben

14. Mai 2013

Gestern, zwei Tage vor dem wichtigen Ministertreffen des Arktischen Rates im schwedischen Kiruna, haben wir dem Abgesandten der deutschen Regierung unser Herz für die Arktis in die Hände gelegt.

Für den Schutz der Arktis vor dem Auswärtigen Amt - (c) Mike Schmidt / Greenpeace

Am 20. April hatten sich weltweit fast 18.000 Menschen an der von Greenpeace initiierten Aktion „I ♥ Arctic“ beteiligt. In mehr als 280 Städten hatten sich Menschen – Aktivisten und Bürger – zusammengefunden und Menschenbanner in Herzform gebildet. Ihre Botschaft, an die sich die Forderung nach einem nachhaltigen Schutz dieser einzigartigen und hochsensiblen Region knüpft, richtet sich an die Vertreter des Arktischen Rates.

Am Mittwoch treffen sich die Außenminister der Arktis-Anrainerstaaten im schwedischen Kiruna, um über die künftige industrielle Nutzung der Arktis zu beraten und einen Notfallplan für den Fall einer Ölkatastrophe zu verabschieden. Die Bundesregierung ist, vertreten durch Herrn Steinig vom Auswärtigen Amt, mit Beobachterstatus vor Ort. Vor Reiseantritt haben wir ihn in Berlin getroffen und ihn eindringlich darum gebeten, sich vor Ort für mehr Arktisschutz stark zu machen.

Lissy bei der Übergabe des Buchs - (c) Mike Schmidt / Greenpeace

Als Einstimmung und Reiselektüre hat ihm Lissy Bauer von der Greenpeace Jugend ein Fotobuch mit allen in Deutschland entstandenen „I Love Arctic“- Bildern übergeben. In knapp siebzig deutschen Städten haben sich über 3.000 Greenpeace-Aktivisten und Bürger an der Aktion beteiligt.

Die Außenminister der Arktis-Anrainerstaaten USA, Kanada, Russland, Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark und Island werden in Kiruna von Greenpeace-Aktivisten ein ähnliches Buch erhalten. Darin finden sie alle weltweit entstandenen „I love Arctic“-Bilder – und mit diesem Buch die Aufforderung, die Arktis unter Schutz zu stellen und vor Ölkatastrophen und den Folgen industrieller Fischerei zu bewahren. Sie sind nun gefordert, das einzig Richtige zu tun. “Save the Arctic – Schützt die Arktis”! Denn die Arktis gehört uns allen und nicht nur einigen Staaten oder Konzernen.

Wir werden mit unserer Kampagne fortfahren und freuen uns über alle Unterstützerinnen und Freunde, die in den nächsten Monaten mit uns gemeinsam die Schiffstour begleiten, mit welcher wir an der Ost- und Nordseeküste für den Schutz der Arktis werben.

Fotogalerie mit allen I ♥ Arctic-Menschenbanner-Fotos aus Deutschland:

Autorin:Cathrin Groll

Annus Horribilis: Was gibt’s zu feiern, Shell?

08. März 2013

Ein Gastbeitrag von Richard George, Greenpeace Großbritannien (Original auf Englisch):

Am Mittwoch haben Greenpeace-Aktivisten im zweiten Jahr in Folge die schicke Party in der National Gallery in London besucht, die Shell für Investoren veranstaltet: Dieses Mal haben sie Shell dabei geholfen, der Öffentlichkeit neue Ausstellungsstücke vorzuführen: Annus Horribilis – Neue Arbeiten in Öl! Auch wenn Shell mit seinen arktischen Bohrplänen derzeit pausiert, werden wir nicht lockerlassen, bis der gefrorene Norden für Shell endgültig unerreichbar geworden ist.

Aktivisten tragen das Gemälde "Annus Horribilis" vor den Eingang der National Gallery in London - (c) Jiri Rezac / Greenpeace

Aktivisten tragen das Gemälde "Annus Horribilis" vor den Eingang der National Gallery in London - (c) Jiri Rezac / Greenpeace

Es war ein katastrophales Jahr für Shell. Der Ölkonzern begann 2012 mit viel Schwung, doch spätestens als die Bohrinsel Kulluk vor der Küste Alaskas auf Grund lief, hatte Shell die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Der Anker des Bohrschiffs Noble Discoverer hatte sich schon zuvor bei einer steifen Brise losgerissen, die Discoverer war zudem bei den einfachsten Sicherheitstests durchgerasselt.

Shell hat keine andere Wahl als die Pläne für die Ausbeutung der Arktis auf Eis zu legen und die Kulluk und die Discoverer zu Reperaturarbeiten in asiatische Werften zu schicken. Währenddessen überprüft die US-Regierung, was falsch gelaufen ist und hunderttausend Menschen weltweit haben US-Präsident Obama dazu aufgefordert, Shell die Bohrerlaubnis für Alaska zu entziehen.

Fordere auch du jetzt Obama dazu auf, die Shell-Bohrungen zu verhindern!

Als wir erfuhren, dass Shell in London eine Party schmeißt, fragten wir uns, was um alles in der Welt es für den Konzern zu feiern gibt? Hat Shell nicht rund fünf Milliarden Dollar für gefährliche Spielchen in der hochsensiblen Arktis verschleudert?

Greenpeace-Aktivisten haben deswegen in der National Gallery vorbeigeschaut und Shell dabei geholfen, sich für dieses schreckliche Jahr zu entschuldigen.

Shell gibt einen winzigen Bruchteil seiner Profite für kulturelle Einrichtungen wie die National Gallery aus, um das Image seiner Marke aufzupolieren. Wir können den Konzern nicht so einfach davonkommen lassen – die Menschen müssen die Wahrheit über Shells gefährliche Inkompetenz erfahren. Ölbohrungen bergen gewaltige Risiken für den guten Ruf eines Unternehmens und wir wollen sicherstellen, dass die richtigen Leute das mitbekommen.

Im letzten Jahr haben Greenpeace-Aktivisten Shell mit einem Riesenbanner dazu aufgefordert, die Arktis nicht für ein neues Ölgemälde zu missbrauchen – aber in diesem Jahr, inspiriert durch Shells tragisches und arrogantes Arktis-Projekt, haben sie sich dazu entschieden, die piekfeine Abendveranstaltung in eine Kunstveranstaltung zu verwandeln, auf der den Patzern von Shell gedacht wird.

Greenpeace-Aktivisten verteilen Flyer vor der National Gallery in London

Greenpeace-Aktivisten verteilen Flyer vor der National Gallery in London - (c) Jiri Rezac / Greenpeace

Die Aktivisten haben zwei große Ölgemälde von der gestrandeten Kulluk vor dem Eingang aufgehängt und Botschaften auf die Fassade des Gebäudes projeziert. Aktivisten in Abendgaderobe haben die Gäste begrüßt und sich für Shell entschuldigt.

Natürlich hat das Ganze auch eine weniger spaßige Seite: Shell hat versprochen, bereit für die Arktis zu sein (“Arctic ready”), doch stattdessen hat man bewiesen, dass auch die größten Ölkonzerne unter den harschen Bedingungen der Arktis nicht sicher nach Öl bohren können.

Shell wird in diesem Jahr nicht in der Arktis bohren – aber ist enschlossen, 2014 zurückzukehren. Das ist nicht akzeptabel. Die Arktis ist wertvoll und einzigartig, wir dürfen nicht zulassen, dass Konzerne wie Shell sie zerstören.

US-Präsident Obama kann Shell die Genehmigungen für das Arktis-Projekt entziehen und die US-amerikanische Arktis zur Sperrzone für Ölkonzerne erklären. Wir müssen ihn dazu bringen, Shell aufzuhalten und die Arktis zu retten. Los geht’s: Hilf’ uns Obama zu überzeugen!!

Der Arktische Rat hält nicht, was er verspricht

04. Februar 2013

Gletschereis in der Arktis

Lobenswerte Ziele setzt sich der Arktische Rat, gegründet im Jahre 1996 in der Ottawa-Erklärung. Er möchte die Zusammenarbeit, Koordination und Interaktion zwischen den Arktis-Staaten fördern. Von besonderer Bedeutung sind für ihn “Fragen der nachhaltigen Entwicklung und des Umweltschutzes in der Arktis”.

Doch gute Vorsätze spiegeln sich nicht immer in entsprechenden Handlungen wider. Obwohl sich der Rat gegründet hat, um die Einzigartigkeit dieser fragilen Region im Norden zu schützen und angesichts der Anfälligkeit der Region für Umweltzerstörung und den drohenden Klimawandel, hat er keine verbindlichen Gesetze auf den Weg gebracht. Nur ein einziges rechtsverbindliches Übereinkommen ist seit dem Bestehen des Rates entstanden: das “Aeronautical and Maritime Search and Rescue (SAR) agreement”, das die grenzüberschreitenden Rettungsmaßnahmen regelt. Unterzeichnet in Nuuk auf Grönland im Jahr 2011.

Die Umwelt verändert sich immer schneller, gierige Öl- und Gaskonzerne dringen vor, um die letzten Ressourcen auszubeuten. Trotz der komplexen Bedrohungen der Arktis hat der Rat keinerlei Regulierungen eingeführt. Nach fast zwei Jahrzehnten an Expertentreffen, runden Tischen und Umweltkonferenzen hat der Arktische Rat nichts vorzuweisen.

Die “Oil Spill Response”- Vereinbarung

Umweltorganisationen wie Greenpeace setzten große Hoffnungen in die Pläne des Rates, eine bindende internationale Vereinbarung zu entwickeln, um auf eine mögliche Ölpest, die aufgrund der aktuellen Entwicklung immer wahrscheinlicher wird, in der Arktis zu reagieren. Der Rat setzte eine “Task Force” ein, die einen Entwurf ausarbeiten sollte für ein Abkommen über die “Zusammenarbeit zur Bereitschaft und Reaktion im Falle einer Ölverschmutzung im Meer”. Ziel ist eine “rechtlich bindende zwischenstaatliche Vereinbarung”, die wirksame Maßnahmen im Falle eines Bohrunfalls in der Arktis garantieren würde.

Leider hat der Arktische Rat seine Linien aufgelockert

Vor kurzem gelangte ein Entwurf dieses “oil spill response agreement” (PDF) bei Greenpeace auf dem Schreibtisch. Wir waren geschockt über das, was wir dort zu lesen bekamen oder genauer, was wir eben nicht zu lesen bekamen.

Trotz offensichtlicher Risiken bei Ölbohrungen in der Arktis und enormen Herausforderungen auf einen Unfall zu reagieren, der in eisbedeckten Gewässern und stockdunkler Nacht eintreten kann, steht im Entwurf weder beschrieben, wie die benötigte Ausrüstung auszusehen hat, noch welche Methoden benötigt werden, um Bohrlöcher abzudichten oder wie mit verölten Flächen oder wild lebenden verölten Lebewesen umzugehen ist.

Würde der Vertrag genau umreißen, welche Schritte einzelne Länder zu unternehmen hätten, könnte der arktische Fuchs – das Logo der Organisation – beruhigt sein. Doch so, wie es sich derzeit darstellt, hat er jeglichen Grund zur Besorgnis. Würde eine Katastrophe wie die der Deepwater Horizon Plattform sich im arktischen Eis ereignen, wäre die Reaktion vollkommen unausreichend mit den vagen Aussagen, die der Vertrag enthält. Dort heißt es beispielsweise: die Staaten “sollten versuchen geeignete Schritte im Rahmen der verfügbaren Ressourcen zu unternehmen”. Solche Sätze schaffen kaum Vertrauen in die Fähigkeit des Arktischen Rates, die fragile Region im Falle eines Unfalls zu schützen.

Der Einfluss der Ölindustrie

Der Lebensraum des Eisbärs ist bedroht.

Zusätzlich stellt sich die Frage, inwieweit Ölfirmen bei der Erstellung der Vereinbarung eine Rolle gespielt haben. Vom Arktischen Rat herausgegebene Fotos auf flickr zeigen Vertreter aus der Ölindustrie, die in der Arbeitsgruppe anwesend waren. Auch bei der abschließenden Sitzung, als die endgültige Fassung erarbeitet wurde.

Es ist paradox, dass jene Unternehmen, u.a. Shell, die vor der Küste Alaskas in diesem Sommer mit einem völlig unzureichenden Notfallplan nach Öl bohren wollen,  über die Art und Weise von Reinigungsmaßnahmen entscheiden, die eigentlich zu Verantwortung gezogen werden müssen, wenn es denn zu einem Unfall kommt. Kein Ölkonzern hat jemals nachweisen können, dass er einen Ölunfall im ewigen Eis beherrschen kann und die Vereinbarung bietet nichts, um das zu ändern.

Die Augen sind auf die Arktis gerichtet

In dieser Woche tagen die Umweltminister des Arktischen Rates in Jukkasjärvi, Schweden. Die Vereinbarung ist derzeit nicht auf der Tagesordung, aber Greenpeace hofft, das ändern zu können. Mit etwas Glück wird der durchgesickerte Entwurf zur Vernunft der Beamten führen, so dass der Arbeitsgruppe noch eine Möglichkeit gegeben wird, das Dokument zu überarbeiten, bevor es im Mai von den Außenministern der Arktisstaaten verabschiedet wird.

Gegenwärtig zeigt das Dokument nur eines: Dass keine Nation ausreichend vorbereitet ist, um mit einer Ölpest in der Arktis umzugehen. Die Frage bleibt: Wird der Arktische Rat seine Arbeit tun und diese einzigartige Region tatsächlich vor Großkonzernen wie Shell oder Gazprom schützen? Greenpeace und alle Menschen, die sich der Kampagne angeschlossen haben, werden dies aufmerksam beobachten.

Auszeit für Bohrungen in der Arktis

Unterstützen Sie die Greenpeace-Kampagne zu Schutz der Arktis und fordern Sie Obama auf, den Ölbohrungen in der Arktis ein Ende zu setzen.

(Autor: Ben Ayliffe, Übersetzung: Daniela Milosevic)