Protest auf dem Ölbohrschiff: Aufstehen in 50 Meter Höhe

26. Februar 2012

Ra, einer der Aktivisten auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer, berichtet im Blog von Greenpeace Neuseeland direkt von der Aktion im Hafen von Plymouth, Neuseeland:

Greenpeace-Aktivisten auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer - (c) Greenpeace Neuseeland

Greenpeace-Aktivisten auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer - (c) Greenpeace Neuseeland

Es sind ein paar anstrengende Tage hier oben, aber ich bekomme gerade eine zweite Luft – vor allem, wenn ich mir angucke, wie unsere Aktion – sieben Kiwis auf einem Ölbohrschiff – eine solch massive Welle der Empörung gegen Shell ausgelöst hat.

Uns wurde gesagt, unser Aktion sei eine der längsten, wenn nicht die längste Aktion in der Geschichte von Greenpeace Neuseeland! Darauf sind wir stolz (…)

Es ist nicht sehr komfortabel hier oben, aber diese Unannehmlichkeiten sind ein kleines Opfer, wenn es uns gelingt, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, was Shell der Arktis und den Menschen in der Arktis antun will.

Vielen Dank für die vielen Nachrichten und die Unterstützung – das ist sehr hilfreich und gibt uns mehr Kraft als all die Müsliriegel.

Es ist skandalös, dass die Shell-Leute behaupten, sie könnten die Arktis – eine der beeindruckendsten, aber auch unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten – nach einem Ölunfall wieder aufräumen.

Wir werden immer noch von heftigen Winden geärgert, aber sind heute morgen zu einem wunderschönen Sonnenaufgang und blauem Himmel aufgewacht. Unser Camp wird jeden Tag etwas gemütlicher. Mit Solarmodulen fangen wir Sonnenstrahlen ab und mit Planen wehren wir den Wind ab. Wir haben Hängematten und in unseren Schlafsäcken sind Wärmepads, die uns nachts vor Kälte schützen.

Die Tage verbringen wir damit, in luftigen Höhen Banner aufzuhängen, das Camp tiptop aufzuräumen und Fotos und Blogeinträge hochzuladen. Ich habe sogar das erste Mal in meinem Leben getwittert!

Wir haben ein super Team hier oben und obwohl wir ein ernstes Anliegen haben, bleibt immer noch Zeit für ein Späßchen hier und da: Die Stimmung ist die meiste Zeit ausgezeichnet.

Stand up for what we all stand on! (etwa: Aufstehen für die Erde, auf der wir stehen, d. Red.)

- Ra

Unterstützt Ra und die anderen Aktivisten mit unserer Mitmachaktion und schreibt eine Protestmail an Shell!

Die zweite Nacht auf dem Ölbohrschiff

25. Februar 2012

Viv, eine der Aktivistinnen auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer, berichtet im Blog von Greenpeace Neuseeland direkt von der Aktion im Hafen von Plymouth, Neuseeland:

Greenpeace-Aktivisten machen sich für die zweite Nacht auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer bereit- (c) Greenpeace Neuseeland

Greenpeace-Aktivisten machen sich für die zweite Nacht auf dem Ölbohrschiff Noble Discoverer bereit- (c) Greenpeace Neuseeland

Wir sind am Ende des zweiten Tages angelangt, an dem wir uns auf dem Turm des Ölbohrschiff Noble Discoverer aufhalten. Es gibt einen ziemlich spektakuläres Panorama von hier oben zu sehen – im Süden lümmeln sich Robben am Strand und im Westen schlagen Wellen gegen die kleinen Inseln.

Wenn man direkt nach unten guckt, ist es schon sehr viel weniger schön. Als ich gestern früh den Bohrturm hoch bin, dachte ich, dass ich noch nie an so einer hässlichen Oberfläche geklettert bin. Das Wort “Rostlaube” hatten wir alle mehr als einmal auf den Lippen. Es ist eine beängstigende Vorstellung, dass sie mit dieser alten Mühle in die Arktis wollen – mal ganz davon zu schweigen, was sie dann damit vor haben.

Ein paar Arbeiter sind auch noch an Bord – nicht ansatzweise so viele, wie ohne unsere Anwesenheit da wären. Die Polizei ist auch immer mal wieder an Bord gewesen. Mir kommt es vor, als würde uns die ganze Zeit jemand mit Ferngläsern beobachten. An diesem Nachmittag bin ich die Zugangsleiter herunter geklettert, um zu sehen, ob unsere Schlösser noch da sind. Als ich unten war, konnte ich drei Polizisten sehen (…). Sie müssen sich fragen, wie um alles in der Welt sie uns hier herunter kriegen sollen

Wir wissen natürlich, dass wir nicht ewig hier oben bleiben können, aber im Moment haben wir es warm und trocken, wir haben Proviant und wir sind zusammen. Und 100.000!! Menschen aus der ganzen Welt haben uns schon unterstützt, was einen demütig macht und Mut gibt. (…)

Als die Polizei gestern den Turm bis auf halbe Strecke hochgekommen war, um mit mir zu reden, waren die Polizisten sehr ruhig und respektvoll. Sie haben mir erklärt, dass wir alle festgenommen werden, weil wir unerlaubterweise auf einem Schiff seien. Ihre Hauptsorge schien jedoch unsere Sicherheit zu sein. Greenpeace hat eine gute Beziehung zur Polizei hier in Neuseeland, weil unsere Aktionen immer sicher und friedlich ablaufen und wir immer die Verantwortung für sie übernehmen. Wir wissen, dass die Polizisten nur ihre Job machen. Wir hoffen, dass sie wissen, dass wir auch einen ziemlich großen Job machen müssen.

Ich frage mich, was morgen passiert, aber jetzt ist es an der Zeit für mich, ein wenig zu schlafen. Das ist gar nicht so leicht – 50 Meter über Deck.

Unterstützt Viv und die anderen Aktivisten mit unserer Mitmachaktion und schreibt eine Protestmail an Shell!

Finger weg von der Arktis: Protest gegen Shell

22. Februar 2012

Die National Gallery in London bewahrt eine imposante Sammlung wertvoller Meisterwerke aus sieben Jahrhunderten, viele davon aus Ölfarbe. “Sehr passend!”, dachte sich Shell und lud am Dienstagabend einen Kreis ausgewählter Gäste zu einer Soiree in das weltberühmte Museum. Der Ölkonzern beabsichtigt nämlich, in Bälde erneut selbst zum Pinsel zu greifen. Als Leinwand für seine neuesten Pfuschereien soll ihm dieses Mal die Arktis dienen.

National Gallery: Protest gegen Zerstörung der Arktis - (c) David Sandison

National Gallery: Protest gegen Zerstörung der Arktis - (c) David Sandison

Um Shell auf diese peinliche Verwechslung hinzuweisen, sind Greenpeace-Aktivisten gestern auf das Dach der Gallery geklettert und haben vor ihren altehrwürdigen Säulen ein Banner gehängt: “It’s no oil painting #savethearctic”. Der Hashtag nach der Raute verrät, worum es geht: Shell hat die Arktis in den Fokus seiner wirtschaftlichen Planungen gerückt. Vier Milliarden Dollar hat der Konzern bereits in das Arktis-Projekt gebuttert, noch in diesem Sommer soll es mit Probebohrungen losgehen. Ungewöhnliche Perspektiven auf die Aktion in London eröffnen die Fotos, die die Greenpeace-Kletterer selbst vom Ort des Geschehens gemacht haben. Hut ab!

Mal abgesehen davon, dass Öl rein klimabilanztechnisch eine riesige Sauerei ist, ist vor allem die Aussicht auf einen Ölunfall unter arktischen Bedingungen (unter anderem wegen der niedrigen Temperaturen) hochgradig beunruhigend. Die Ölindustrie versteht sich allgemein besser darauf, mit Ölbohrungen Milliarden zu scheffeln, als die mit beeindruckender Regelmäßigkeit stattfindenden Ölunfälle unter Kontrolle zu bringen. In lebhafter Erinnerung haben die meisten sicher das Deepwater Horizon-Unglück vor knapp zwei Jahren.

BP hat nur etwa 17 Prozent des beim Deepwater-Unglück ausgelaufenen Öls wieder eingesammelt – trotz optimaler infrastruktureller Voraussetzungen. Bei einem Ölunfall in der Arktis wären diese Voraussetzungen nicht gegeben. Die extremen Wetterbedingungen und herumtreibendes Eis würden effektive Aufräumarbeiten nahezu unmöglich machen.

Obwohl Ölkonzernen oft erschreckend freie Hand bei der Umsetzung ihrer Vorhaben gewährt wird, kam Shell nicht drumrum, der zuständigen US-Behörde einen Katastrophenplan vorzulegen. In dem Plan wimmelt es von “Lösungen”, die niemals unter den harschen Bedingungen der Arktis erprobt werden konnten: Neben Rückhaltesystemen, die es noch gar nicht gibt, und Dämmen, die auf Eis nicht richtig funktionieren, beinhaltet der Plan auch Zeichnungen wie diese schnuckelige Anleitung zum Aufräumen :

Aber keine Sorge: Falls alle Stricke reißen, hat Shell noch eine kläffende Wunderwaffe im Arsenal. Die kleine braunhaarige Dackeldame auf dem Bild rechts hört auf den Namen Tara. Tara und ein paar Border-Collies werden von Shell und anderen Ölkonzernen dazu ausgebildet, Öl  zu erschnüffeln, das unter die Eisschichten entwichen ist.

Dürfen Tiere eigentlich bei “Wetten Dass?” antreten? Ich frag nur so…

Als Ausstellungsstück im Kuriositätenkabinett könnte Shells Katastrophenplan für allgemeine Erheiterung sorgen, die spätestens nach einem schwerem Ölunfall in blankes Entsetzen umschlagen würde. Dennoch hat die US-Behörde die Narretei am Freitag abgenickt. Der Startschuss im Rennen um die besten Bohrplätze in der Arktis ist längst gefallen. Die Ölkonzerne können perfiderweise noch von der globalen Erwärmung profitieren: Weil die Arktis jedes Jahr etwas weiter abtaut, entstehen neue Schifffahrtswege zu bislang unerreichbaren Gebieten.

Ein hübsches litauisches Sprichwort lautet übrigens: An der Leine ist jeder Dackel tapfer.