Mit Klimazeuginnen zu Besuch bei Vattenfall

11. November 2011
Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace

Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace

Einen Besuch der ganz besonderen Art haben wir heute dem Energiekonzern Vattenfall in der Lausitz abgestattet. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem schwedischen Staat gehört, ist der dreckigste Stromanbieter Deutschlands. Dies liegt daran, dass sein Hauptgeschäft in Deutschland im Abbau und der Verfeuerung von Braunkohle besteht. Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger und setzt etwa dreimal soviel CO2 frei wie Erdgas.

Heute nun habe ich Zukiswa Millicent Nomwa aus Südafrika, Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea in die Lausitz begleitet. Die drei Frauen sind auf Einladung von Oxfam nach Deutschland gekommen. Es war ihnen ein besonderes Anliegen mit Deutschland eines der Länder zu besuchen, die Hauptverursacher der Klimawandels sind. Denn in ihrer Heimat sind vor allem arme Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen, obwohl diese Länder so gut wie nicht zur Entstehung des Klimawandels beitragen. Gerade in Afrika, wo der Großteil der Menschen unmittelbar von den Erträgen ihrer Felder lebt, sind die Menschen durch den Klimawandel unglaublich verletzlich – und betroffen. Wenn eine Dürre die Felder vertrocknet und somit eine Ernte ausfällt, haben ganze Familien nichts zu essen.

Viele Menschen in Afrika wissen gar nicht genau einzuordnen, wodurch die Wetterextreme, die zu Nahrungsmittelknappheit und Wassermangel führen, verursacht werden. Umso mehr sind Zukiswa, Hauwa und Serafhina darüber bestürzt, dass die Menschen in Deutschland wissen, welche Folgen die Verfeuerung von Kohle hat und trotzdem einfach weitermachen. Und das, obwohl es längst Mittel und Wege gäbe, die Energieerzeugung sauber und erneuerbar zu gestalten. Ich habe den Frauen die Enttäuschung und Wut angemerkt, die sie Vattenfall, aber auch der deutschen Politik entgegen bringen. Warum nutzt Deutschland als hochentwickeltes und technologisiertes Land nicht alle Möglichkeiten und kehrt der Kohle noch immer nicht den Rücken?

Vertriebenen aus der Lausitz erzählen

Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace

Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace

Am Tagebau Jänschwalde-Nord trafen wir Mathias Berndt, Pfarrer aus Atterwasch und weitere vom Braunkohleabbau betroffene Lausitzer. Bei eisigem Wind, aber strahlendem Sonnenschein, der nur durch die Wasserdampfschwaden des Kraftwerks Jänschwalde am Horizont gedämpft wurde,  tauschten sich Zukiswa, Hauwa und Serafhina am Rand des Vattenfall-Tagebaus mit den Betroffenen aus der Lausitz aus. Vattenfalls Planungen zufolge sollen in der Lausitz, im Osten Brandenburgs, vier komplette Dörfer und weitere Ortsteile abgebaggert werden. Mehr als 3.500 Menschen sind von der Umsiedlung bedroht und müssten – kommt Vattenfall mit seinen Plänen durch – ihre Heimatdörfer gegen ihren Willen verlassen.

Von unserem Treffpunkt aus haben wir eine gute Aussicht über den Tagebau: Eine endlos scheinende braun-verkraterte Ödlandschaft. Am Horizont dominiert das Kraftwerk mit seinen neun Kühltürmen das Bild. Zukiswa und die anderen haben so etwas noch nicht gesehen. Sie unterbrechen Pfarrer Berndt mehrmals mit empörten Fragen, als er zu erzählen beginnt. Etwa 300 Meter von unserem Standpunkt entfernt lag einmal das Dorf Horno. Es ist das bislang letzte Dorf, welches den Baggern nach langem, doch letztlich erfolglosem Protest der Dorfbewohner zum Opfer gefallen ist. Ein ehemaliger Bewohner von Horno habe ihm mal gesagt “wir sind zwar in neue Häuser umgezogen, aber unsere Seele, die ist im alten Dorf geblieben”, erzählt Pfarrer Berndt. Auf Hauwas Nachfrage, was denn mit den Toten geschehen würde, die dort irgendwann mal beerdigt worden sind, lautet die Antwort: auch die Gräber werden umgesiedelt.

Vattenfall hat kein Interesse am Gespräch mit Klimazeuginnen

Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/GreenpeaceDie Klimazeuginnen hätten übrigens auch gerne persönlich mit Vattenfall geredet. Doch auf unsere freundliche Anfrage erteilte uns der Energiekonzern eine Absage. Stattdessen verbreiten sie mit einer Pressemitteilung die Neuigkeit, Vattenfall stehe zu seiner Verantwortung für Klimaschutz. Das wäre leider zu schön um wahr zu sein. Denn Klimaschutz kann nur mit einem Ausstieg aus der Braunkohle erzielt werden. Würde Vattenfall einen schrittweisen Ausstieg aus dem Abbau und der Verbrennung von Kohle einleiten, könnte das heißen, dass sie endlich anfangen ihrer regionalen und globalen Verantwortung gerecht zu werden. Aber solange die Kohlekraftwerke auf Hochtouren klimaschädliches CO2 in die Luft pusten und solange Vattenfall sogar noch weitere neue Tagebaue plant, solange werden wir Vattenfall weiter als Klimakiller outen.

Schnell und einfach aktiv werden: Gegen den neuen Tagebau in Welzow könnt ihr hier unterschreiben.

Geheimniskrämerei um CO2-Endlager – ein Erfahrungsbericht

14. Februar 2011

Um die Standorte, die von der Bundesregierung für die CO2-Endlagerung in Erwägung gezogen werden, wird in Deutschland ein großes Geheimnis gemacht. Mit welchen Tricks die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die Fachbehörde des Bundeswirtschaftsministeriums, der Öffentlichkeit Informationen vorzuenthalten versucht, ist schier unglaublich. Hier mein Erlebnisbericht, der mit einer einfachen Frage an eine Behörde beginnt. Gegenstand: eine Kapazitätsabschätzung der BGR für potentielle CO2-Endlager in Salzwasser führendem Tiefengestein.

Am 23. Juni 2010 richtete ich meine erste Anfrage an die BGR: Ich fragte nach den Namen der Speicherstätten unter Angabe der Ortskoordinaten. Die Behörde, die nach dem Umweltinformationsgesetz zu einer Antwort verpflichtet ist, schrieb mir in ihrem Antwortbrief am 26. Juli.2010:

Für standortbezogene Untersuchungen sind u.a. Bohrungsdaten erforderlich, die grundsätzlich eigentumsrechtlich geschützt sind.

Auf Nachfrage wurde mir dann am 9. September 2010 mitgeteilt:

Die gewünschten Angaben liegen in der BGR in dieser Form nicht vor und eine Auskunft in der beabsichtigten Weise ist nicht möglich (§8 Abs. 2 Nr.4 UIG).

Nun wissen wir ja alle, dass man bei Behörden oft auf Granit beißt. Da nützt einem auch nichts, das Recht auf seiner Seite zu haben. Nach einem persönlichen Gespräch mit dem Leiter des Fachbereichs B 3.3 (Nutzung des Untergrundes, Geologische CO2-Speicherung) und seinen Mitarbeitern formulierte ich die Frage etwas um und stellte sie aufs Neue. Am 26. November kam wieder die Antwort der Bundesanstalt:

Für unsere methodische Neuberechnung der Speicherkapazitäten wurden, wie wir Ihnen in unserem Schreiben vom 26.07.2010 und vom 09.09.2010, sowie im persönlichen Gespräch am 24.09.2010 mitgeteilt haben, keine Standortinformationen wie z.B. die angefragten Ortskoordinaten mitgeführt.

Damit wäre die Geschichte beinahe beendet gewesen. Aber so einfach ließ ich mich vom Leiter des Fachbereichs Nutzung des Untergrundes / Geologische CO2-Speicherung und seinen Mitarbeitern nicht an der Nase herumführen. Ich stellte also genau die gleiche Frage noch einmal und erläuterte in einem dreiseitigen Brief, warum es die Daten geben muss. Vereinfacht ausgedrückt argumentierte ich so: “Wer Ausgangsdaten erhält und eine naturwissenschaftliche Methode zur Berechnung der Daten nutzt, muss auch Eingangsdaten haben.”

Und siehe da: Am 19. Januar 2011, also ein halbes Jahr nach der ersten Anfrage, kam die überraschende Antwort:

Die BGR verfügt über die von Ihnen gewünschten Daten, …

Aber die findigen Beamten hatten sich noch etwas überlegt, um eine Veröffentlichung der Standortdaten für CO2-Endlager zu verhindern. So hieß es im Schreiben:

Die BGR gewährt den Zugang zu den Informationen zum eigenen Gebrauch gemäß § 53 UrhG. Sie erhalten keine Rechte zur Weitergabe oder Verbreitung der Daten.

Ungewöhnlich, denn das Umweltinformationsgesetz ist dafür gemacht, von den Behörden Informationen zu erlangen, die im öffentlichen Interesse sind. Und auf Grund von Industriekooperationen der geowissenschaftlichen Behörde mit Vattenfall und RWE sind die Daten allen, die die CO2-Verpressung hinter den Kulissen vorantreiben, natürlich längst bekannt. Nur die betroffenen Bürger sollen nichts davon mitkriegen.

Doch eine Anfrage bei unseren Anwälten ergab schnell: “Harte Fakten” können gar nicht urheberrechtlich geschützt werden. Und die schöpferische Tiefe einer Exceltabelle ist auch nicht mit einem Musikstück von Beethoven vergleichbar. Der Veröffentlichung stand demnach nichts im Wege.

Und hier sind sie, die Daten. Wir haben sie grafisch als Karte, als Tabelle und zum Surfen mit Google Earth aufgearbeitet. Somit ist jetzt Schluss mit der Geheimniskrämerei um die Standorte für CO2-Endlager. Denn die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, was, wo und wie viel CO2 unter ihren Füßen in den Untergrund verpresst werden soll.

#03: Verbrauchertäuschung bei Vattenfall – GreenBites – der Podcast von Greenpeace

14. Januar 2011

Vattenfall kann es einfach nicht lassen: Der dreckigste Stromanbieter Deutschlands macht mal wieder auf grün. Diesmal wirbt Vattenfall mit grünem Autrostrom für ganz Hamburg. Grund genug für eine Greenpeace-Aktion – GreenBites war vor Ort dabei. Hört rein in Folge 3!

 

Kein Player zu sehen? Klick hier!

Vattenfalls grünes Mäntelchen – das musst du wissen!

  • Vattenfall macht Werbung für Elektro-Autos mit dem Slogan: “Hamburg tankt grünen Strom”
  • Ganz Hamburg? Nein, bisher hat Greenpeace lediglich zwei solcher Tanksäulen in ganz Hamburg entdeckt. Und: Tanken können an denen bisher nur Vattenfall-Mitarbeiter!
  • Vattenfall produziert seinen Strom zu 90 Prozent aus klimaschädlicher Kohle!
  • Das bedeutet: Erneuerbare Energien machen nur einen Bruchteil des Vattenfall-Strommix aus.
  • Vattenfall pustet für jede erzeugt Kilowattstunde Strom doppelt so viel Kohlendioxid in die Luft wie der deutsche Durchschnitt!

.Du willst mehr? Mach mit!

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GreenBites – das ist der neue Podcast von Greenpeace! Aktuelles aus der Greenpeace-Welt – kurz und knapp erzählt. Was wollt ihr von uns hören? Schreibt in das Kommentar-Feld, welche Fragen euch bewegen. Hier findet ihr alle bisherigen Podcast-Folgen. Ihr könnt euch den Podcast auch als RSS-Feed abonnieren.