
Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace
Einen Besuch der ganz besonderen Art haben wir heute dem Energiekonzern Vattenfall in der Lausitz abgestattet. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem schwedischen Staat gehört, ist der dreckigste Stromanbieter Deutschlands. Dies liegt daran, dass sein Hauptgeschäft in Deutschland im Abbau und der Verfeuerung von Braunkohle besteht. Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger und setzt etwa dreimal soviel CO2 frei wie Erdgas.
Heute nun habe ich Zukiswa Millicent Nomwa aus Südafrika, Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea in die Lausitz begleitet. Die drei Frauen sind auf Einladung von Oxfam nach Deutschland gekommen. Es war ihnen ein besonderes Anliegen mit Deutschland eines der Länder zu besuchen, die Hauptverursacher der Klimawandels sind. Denn in ihrer Heimat sind vor allem arme Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen, obwohl diese Länder so gut wie nicht zur Entstehung des Klimawandels beitragen. Gerade in Afrika, wo der Großteil der Menschen unmittelbar von den Erträgen ihrer Felder lebt, sind die Menschen durch den Klimawandel unglaublich verletzlich – und betroffen. Wenn eine Dürre die Felder vertrocknet und somit eine Ernte ausfällt, haben ganze Familien nichts zu essen.
Viele Menschen in Afrika wissen gar nicht genau einzuordnen, wodurch die Wetterextreme, die zu Nahrungsmittelknappheit und Wassermangel führen, verursacht werden. Umso mehr sind Zukiswa, Hauwa und Serafhina darüber bestürzt, dass die Menschen in Deutschland wissen, welche Folgen die Verfeuerung von Kohle hat und trotzdem einfach weitermachen. Und das, obwohl es längst Mittel und Wege gäbe, die Energieerzeugung sauber und erneuerbar zu gestalten. Ich habe den Frauen die Enttäuschung und Wut angemerkt, die sie Vattenfall, aber auch der deutschen Politik entgegen bringen. Warum nutzt Deutschland als hochentwickeltes und technologisiertes Land nicht alle Möglichkeiten und kehrt der Kohle noch immer nicht den Rücken?
Vertriebenen aus der Lausitz erzählen

Klimazeuginnen aus Nigeria, Südafrika und Papua-Neuguinea protestieren bei Vattenfall. © Gordon Welters/Greenpeace
Am Tagebau Jänschwalde-Nord trafen wir Mathias Berndt, Pfarrer aus Atterwasch und weitere vom Braunkohleabbau betroffene Lausitzer. Bei eisigem Wind, aber strahlendem Sonnenschein, der nur durch die Wasserdampfschwaden des Kraftwerks Jänschwalde am Horizont gedämpft wurde, tauschten sich Zukiswa, Hauwa und Serafhina am Rand des Vattenfall-Tagebaus mit den Betroffenen aus der Lausitz aus. Vattenfalls Planungen zufolge sollen in der Lausitz, im Osten Brandenburgs, vier komplette Dörfer und weitere Ortsteile abgebaggert werden. Mehr als 3.500 Menschen sind von der Umsiedlung bedroht und müssten – kommt Vattenfall mit seinen Plänen durch – ihre Heimatdörfer gegen ihren Willen verlassen.
Von unserem Treffpunkt aus haben wir eine gute Aussicht über den Tagebau: Eine endlos scheinende braun-verkraterte Ödlandschaft. Am Horizont dominiert das Kraftwerk mit seinen neun Kühltürmen das Bild. Zukiswa und die anderen haben so etwas noch nicht gesehen. Sie unterbrechen Pfarrer Berndt mehrmals mit empörten Fragen, als er zu erzählen beginnt. Etwa 300 Meter von unserem Standpunkt entfernt lag einmal das Dorf Horno. Es ist das bislang letzte Dorf, welches den Baggern nach langem, doch letztlich erfolglosem Protest der Dorfbewohner zum Opfer gefallen ist. Ein ehemaliger Bewohner von Horno habe ihm mal gesagt “wir sind zwar in neue Häuser umgezogen, aber unsere Seele, die ist im alten Dorf geblieben”, erzählt Pfarrer Berndt. Auf Hauwas Nachfrage, was denn mit den Toten geschehen würde, die dort irgendwann mal beerdigt worden sind, lautet die Antwort: auch die Gräber werden umgesiedelt.
Vattenfall hat kein Interesse am Gespräch mit Klimazeuginnen
Die Klimazeuginnen hätten übrigens auch gerne persönlich mit Vattenfall geredet. Doch auf unsere freundliche Anfrage erteilte uns der Energiekonzern eine Absage. Stattdessen verbreiten sie mit einer Pressemitteilung die Neuigkeit, Vattenfall stehe zu seiner Verantwortung für Klimaschutz. Das wäre leider zu schön um wahr zu sein. Denn Klimaschutz kann nur mit einem Ausstieg aus der Braunkohle erzielt werden. Würde Vattenfall einen schrittweisen Ausstieg aus dem Abbau und der Verbrennung von Kohle einleiten, könnte das heißen, dass sie endlich anfangen ihrer regionalen und globalen Verantwortung gerecht zu werden. Aber solange die Kohlekraftwerke auf Hochtouren klimaschädliches CO2 in die Luft pusten und solange Vattenfall sogar noch weitere neue Tagebaue plant, solange werden wir Vattenfall weiter als Klimakiller outen.
Schnell und einfach aktiv werden: Gegen den neuen Tagebau in Welzow könnt ihr hier unterschreiben.












