Die größte Holzfirma Kanadas verliert drei ihrer FSC-Zertifikate

12. Dezember 2013
Waldkaribu in Kanada

Waldkaribu in Kanada

Der kanadischen Holzfirma “Resolute Forest Products” werden drei ihrer FSC-Zertifikate für über sechs Millionen Hektar Wald aberkannt.  Der Zertifizierer “Rainforest Alliance” hatte die Firma erneut überprüft, nachdem der Ältestenrat der Cree Indianer, „Grand Council of the Crees“, Beschwerde gegen Verstöße der FSC-Kriterien eingelegt hatte. Der Rat repräsentiert die neun betroffenen indigenen Gemeinden in der Region.

Eins der zentralen Prinzipien vom Forest Stewardship Council (FSC) ist, dass die Rechte der den Wald bewohnenden Menschen respektiert werden. Dies ist laut der Cree nicht passiert. Zudem hat Resolute zentrale Prinzipien des FSC missachtet, etwa die Erhaltung von Wäldern mit hohem Schutzwert oder den Schutz wichtiger Lebensräume für das Waldkaribu. Resolute darf nun einen Großteil des hergestellten Papieres und Sägeholzes nicht mehr mit dem Logo des FSC vermarkten.

Schon 2012 hatte der Ältestenrat eine Beschwerde eingelegt. Damals wurde der Konflikt nicht gelöst. Nun haben die Cree-Gemeinden endlich ihr Recht bekommen: Unter anderem habe sich die Holzfirma über die gewohnheitsmäßigen Rechte der Cree hinweggesetzt, so der Zertifizierer. Doch nicht nur die sozialen Kriterien des FSCs werden von Resolute missachtet, die Aktivitäten der Firma bedrohen auch ökologisch besonders sensible Gebiete. Dagegen hat Greenpeace in Kanada ebenfalls eine offizielle Beschwerde gegen die Vergabe des FSC-Zertifikates an Resolute Anfang des Jahres 2013 eingereicht, die noch vom FSC behandelt wird.

Grund der Auseinandersetzung zwischen den Cree und “Resolute Forest Products” ist eine mehrere Millionen Hektar große Waldfläche in den Weißen Bergen in der Nähe von Val d Or, 500 Kilometer nördlich von Montreal. Die “Montagnes Blanches” sind ein wichtiger Teil der letzten großen Urwälder im Norden Kanadas und die Heimat mehrerer gefährdeter Karibu-Herden. Wissenschaftler fordern daher den Schutz der verbliebenen Karibuherden. Nur ein kleiner Teil der Fläche hat einen Schutzstatus. Wenn der FSC nicht gewährt, dass seine Kriterien zumindest in diesen Wäldern eingehalten werden, hat dies für die dort lebenden Menschen und die dortige Natur verheerende Effekte.

Das FSC-Siegel musste zwar auch Kritik einstecken, stellt jedoch nach wie vor das weltweit glaubwürdigste Waldzertifizierungssystem dar. Dass Firmen, die wie Resolute die Grundprinzipien des FSCs nicht erfüllen, trotzdem eine Zertifizierung haben, setzt deswegen die weltweite Glaubwürdigkeit des Siegels aufs Spiel. Ein wichtiges Zeichen also,  dass “Resolute Forest Products” jetzt das Siegel für das Waldmanagement in den kritisierten Gebieten entzogen worden ist.

Fotos findest Du im Blog von Greenpeace Canada.

20 Jahre Engagement für den Regenwald: Friedliche Proteste, verhaftete Aktivisten

09. November 2013
Der Great Bear Regenwald (c) Oliver Salge / Greenpeace

Der Great Bear Regenwald (c) Oliver Salge / Greenpeace

Heute vor 20 Jahren: Greenpeace-Aktivisten, darunter auch der damalige Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Thilo Bode, werden auf einer Straßenbrücke verhaftet und einige Tage ins Gefängnis gesperrt. Der Grund der Gefangennahme ist ein friedlicher Protest gegen den Kahlschlag im Clayoquot Sound auf Vancouver Island. Die Aktivisten hatten sich auf eine Straße gestellt und wollten diese nicht verlassen.

Hat dieser Protest etwas erreicht? Erst vor sechs Wochen bin ich erneut, dieses Mal zusammen mit meinem kanadischen Kollegen Eduardo Sousa, in den Great Bear-Regenwald gereist, den Küstenregenwald an Kanadas Westküste. Wir wollten mit den Ureinwohnern (First Nations genannt) vor Ort über den aktuellen Stand des Waldschutzes austauschen. Greenpeace setzt sich seit 1993 für den Schutz der Küstenregenwälder an Kanadas Westküste ein. Mit Erfolg: Seit 2006 sind mit 2,8 Millionen Hektar große Teile des Urwaldes rechtlich verbindlich geschützt.

Diesem Beschluss der Regierung in der Provinz British Columbia, den Wald zu schützten, ging eine langjährige Kampagne von Greenpeace und anderen NGOs voraus. Wir protestierten gegen die Kahlschläge in Kanada, aber auch hier in Deutschland. Wir standen wochenlang vor dem Verlagshaus des Stern und forderten den Verlag Gruner + Jahr auf, kein Papier aus Urwaldzerstörung zu verwenden. Der Verlag setzte sich schließlich mit anderen Verlagen für den Schutz des Waldes ein.

Während ich im Wald einige Tage bei strömenden Regen umherstreifte, dachte ich daran, dass für den Schutz dieser Wälder bereits vor zwei Jahrzehnten Greenpeace-Aktivisten protestiert hatten – und dafür sogar in Kauf nahmen, für Wochen oder Monate ins Gefängnis zu gehen.

Kermodebär oder „Geisterbär“ im Great Bear Rainforest (c) Oliver Salge / Greenpeace

Kermodebär oder „Geisterbär“ im Great Bear Rainforest (c) Oliver Salge / Greenpeace

Während ich die riesigen Zedern im Wald stand und dabei über den Schutz dieses Waldes und noch bestehende Probleme oder neue Gefahren der Waldwirtschaft mit den Vertretern vor Ort sprach, erinnerte ich mich an dieses lange Engagement vieler Menschen bei Greenpeace für den Schutz der Umwelt. Und dann erreichte mich während meiner Reise Ende September die schockierende Nachricht, dass 28 Greenpeace Aktivisten sowie zwei Medienvertreter von russischen Polizisten auf Hoher See verhaftet wurden. Und das, weil sie friedlich gegen die Ölbohrung von Gazprom in der Arktis protestiert hatten. Es wurde gar auf sie geschossen. Ich bin noch immer fassungslos. Und vergleiche die zwei Ereignisse: In Kanada fand langjähriger Protest für den Schutz der Wälder statt. Viele Menschen wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt – wegen des bloßem Sitzens auf der Straße. Später wird der Wald geschützt. Ein langer Atem war dafür notwendig.

In der Arktis: Ebenfalls friedlicher Protest , Verhaftungen wegen des Heranfahrens an eine Ölplattform, Untersuchungshaft seit nunmehr acht Wochen. Ich hoffe sehr,  dieser friedliche Protest der Aktivisten wird eines Tages dazu beigetragen haben, dass die Arktis, einer der letzten intakten Eismeere der Erde, zu einem Weltpark für die ganze Menschheit erklärt wird.

Denn damals wie heute ist es oft der persönliche Einsatz dieser Aktivisten, der zum Umdenken führt. In Kanada hat der Straßenprotest dazu beigetragen, dass letztendlich der Wald geschützt wurde. Deshalb sind wir heute in der Lage, die tollen Urwaldtäler und seine Tiere zu sehen und können uns mit den Ureinwohnern gemeinsam von der Magie der Regenwälder bezaubern lassen.

Ich hoffe, dies auch irgendwann über die Arktis sagen zu können.

10 Gründe, Indonesiens Wälder zu schützen

30. Oktober 2013

Greenpeace hat im vergangenen Jahr erneut massive Umweltzerstörung in Indonesiens letzten Wäldern aufgedeckt, dokumentiert und untersucht. Unsere Recherchen zeigen, dass große Palmölkonzerne hinter der illegalen Zerstörung des Regenwaldes stecken. Die Ergebnisse machen wir der Öffentlichkeit zugänglich, wie zum Beispiel in unserem aktuellen Report: „Lizenz zum Töten – Palmölindustrie treibt Sumatra-Tiger an den Rand des Aussterbens“ und nutzen sie, um die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen.

Palmöl ist Bestandteil vieler unserer Alltagsprodukte: Es wird zum Beispiel in Oreo-Keksen, Gilette-Rasierschaum oder Clearasil-Hautpflege verwendet. Die Hersteller beziehen das Palmöl von Wilmar, dem größten Palmölhändler weltweit. Greenpeace konnte nachweisen, dass Wilmar zum Beispiel mit Palmöl handelte, das von illegalen Plantagen im Tesso Nilo Nationalpark auf Sumatra stammte.(UPDATE: Wilmar International, der weltgrößte Palmölhändler, hat sich am 5. Dezember öffentlich verpflichtet, zukünftig keine Regenwälder und Torfmoore mehr zu zerstören. Diese Erklärung folgt auf den Druck, denGreenpeace, andere Umweltschutzorganisationen und Verbraucher weltweit jahrelang auf den Konzern ausgeübt haben.)

Mit solchen Geschäftspraktiken wird der Verbraucher zum unfreiwilligen Komplizen bei der Zerstörung schützenswerter Wälder gemacht. Wir fordern von den Palmöl-Produzenten als auch -Abnehmern, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Das bedeutet konkret: Sie müssen Null-Entwaldungs-Richtlinien entwickeln und sicherstellen, dass der Palmölanteil in ihren Produkten nicht auf Kosten der letzten indonesischen Regenwälder geht. Palmöl muss einen echten Beitrag zu Indonesiens Entwicklung leisten, statt die Zukunft seiner Bewohner, ihrer Wälder sowie das globale Klima zu zerstören.

Es gibt unzählige Gründe, die indonesischen Regenwälder zu bewahren – einige davon haben wir im Folgenden zusammengestellt:

(Gekürzt auf Basis des Textes von Joao Talocchi / Greenpeace UK)

1. Wälder sind die Lungen der Erde und unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Kurzum: Unser Überleben auf diesem Planeten hängt vom Wald ab. Niemand hat das Recht, sie zu zerstören – schon gar nicht für den kurzfristigen wirtschaftlichen Profit.
Healthy forest in Bukit Tigapuluh National Conservation Area in Jambi province. Greenpeace, together with representatives from the National Parliament and the Indonesian National Police, bear witness to the huge destruction of Indonesias natural peatland forest in Sumatra. Deforestation is a key source of Indonesias greenhouse gas emissions, making the country the third largest contributor to global emissions. Greenpeace is demanding the Indonesian government to fully review the existing logging concessions and to institute full protection of peatland and natural forests.
2. Zwei Drittel aller Landlebewesen sind im Wald zuhause und auf ihn als Lebensraum angewiesen.

3. Wenn der Wald den Tigern keinen Lebensraum mehr bietet, ist das Überleben des Waldes selbst sowie das seiner vielen anderen tierischen Bewohner in Gefahr. Denn Tiger sind eine Zeigerart, das bedeutet sie gelten als Gradmesser für den Gesundheitszustand des Waldes. Es wird angenommen, dass nur noch etwa 400 Sumatra-Tiger in freier Wildbahn durch die Wälder Sumatras streifen. Derzeit stehen die Sumatra-Tiger auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN und werden als „vom Aussterben bedroht“ eingeordnet – die letzte Stufe vor „In freier Wildbahn ausgestorben“. Ihr Lebensraum verschwindet in erschreckender Geschwindigkeit– jährlich eine Viertelmillion Hektar. Die Ausbreitung von Ölpalmplantagen und Plantagen für die Papierindustrie war zwischen 2009 und 2011 für fast zwei Drittel der Zerstörung von Tigerhabitat verantwortlich.
An endangered Sumatran tiger is caught on the border of PT Arara Abadi, an APP related acacia plantation in the province of Riau. The tiger died before it could be evacuated. Rainforest and tiger habitats were being cleared on this concession. The Sumatran tigers rainforest habitat is being destroyed, forcing it into closer contact with humans and into areas where traps are laid for wild boar. There are fewer than 400 Sumatran tigers left in the wild. More than one million hectares of rainforests are estimated to be cleared every year.
4. Entwaldung erhöht das Konfliktpotential zwischen Tigern und Menschen und macht die Tiger anfälliger für Wilderei. Zwischen 1998 und 2011 wurden 638 Mensch-Tiger-Konflikte in Sumatra erfasst. Dabei töteten Tiger 72 Menschen und verwundeten 63 weitere. Diese Konflikte wiederum führten zum Tod von 59 Tigern.

5. Indonesiens Wälder bieten neben dem Tiger auch anderen gefährdeten Arten ein Zuhause, so zum Beispiel dem Borneo-Zwerg-Elefanten, der kleinsten Elefantenart Asiens und einer der weltweit am wenigsten erforschten.
An elephant from flying squad camp reveals itself inside Tesso Nilo National Park. This pristine peatland forest environment is threatened by irresponsible expansion of oil palm plantations. Greenpeace's 'Tiger's Eye Tour' was launched to bear witness to the real condition of Indonesia's forests. Greenpeace is urging the government to review existing concessions and protect peatland and urges industries to implement a zero deforestation policy in their operations.

6. Der Lebensraum des Baum-Kängurus schwindet rapide. Es ist auf Bäumen sehr wendig und kann fast 10 Meter weit von einem Baum zum anderen springen. Diese einzelgängerischen Lebewesen leben in den Regenwäldern Indonesiens, Papua-Neuguineas und Australiens.
A tree Kangaroo at the Melbourne zoo. Tree kangaroos live in lowland and mountainous rainforests in Papua New Guinea, Indonesia and the far north of Queensland, Australia. They have adapted to life in the trees, with shorter legs and stronger forelimbs for climbing, giving them somewhat of the appearance of a cross between a kangaroo and a lemur. Many tree kangaroo species are incredibly rare and most are decreasing in number.

7. In zehn bis zwanzig Jahren könnten sowohl der Sumatra- als auch der Borneo-Orang-Utan in freier Wildbahn ausgestorben sein. „Orangutan“ bedeutet aus dem Malaiischen übersetzt „Waldmensch“. Diese Primaten teilen über 97 Prozent ihrer DNA mit uns Menschen! Mit einer enormen Armspanne – ein Männchen kann seine Arme gute zwei Meter von Fingerspitze zu Fingerspitze ausstrecken – ist diese Art hervorragend an das Leben in den Baumkronen angepasst, in denen sie auch den Großteil ihres Lebens verbringen. Dies   macht sie sehr anfällig für die Folgen der Regenwaldzerstörung.
An orangutan at the Melbourne zoo. The decline of orangutan populations in Sumatra and Borneo has been driven by the destruction of their rainforest habitat, mainly due to the expansion of pulpwood and oil palm plantations.

8. Ein großer Anteil des Waldes in Indonesien wächst auf Torfböden, den weltweit größten Kohlenstoffspeichern. Diese Torfböden werden entwässert, um gute Anbaubedingungen für Ölpalmen zu erzeugen. Die Entwässerung verursacht signifikante Kohlenstoffemissionen und heizt den Klimawandel an – Indonesien gilt als einer der weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Die Provinz Riau auf Sumatra ist dabei die größte „CO2-Vorratskammer“ und enthält nach Schätzungen 40 Prozent des gesamten Kohlenstoffs, der in den indonesischen Torfböden gespeichert ist. Die dort gelagerten Mengen entsprechen mehr als dem jährlichen Treibhausgasausstoß weltweit.
Brände in Indonesien 2013 - zahlreiche davon fanden auf Ölpalm-Konzessionen statt

9. Der Tesso Nilo Nationalpark auf Sumatra ist hinsichtlich seiner Pflanzenwelt eins der artenreichsten, vielfältigsten Waldgebiete auf der Erde. Unser Report „Lizenz zum Töten“ zeigt jedoch, wie seit dem Jahr 2011 massive, illegale Rodung im Nationalpark – hauptsächlich für die Anlage von Palmölplantagen – fast die Hälfte des dort noch bestehenden Regenwaldes zerstört hat. Im Juni 2013 waren nur noch 39.000 Hektar Regenwald erhalten, also kaum ein Viertel des ursprünglichen Areals des Waldkomplexes.

10. Der Verbraucher soll sich nicht an der Waldzerstörung mitschuldig fühlen, wenn er beispielsweise Kekse isst oder Rasierprodukte benutzt. Deshalb müssen Hersteller dafür sorgen, dass ihre Produkte, die Palmöl enthalten, nicht in Verbindung mit Regenwald-Zerstörung stehen. Greenpeace bezweifelt nicht, dass Palmöl durchaus Nutzen und Vorteile birgt, wenn es wirklich nachhaltig angebaut wurde.
Palm oil harvests take place twice a month and last for a week. Motorbikes are loaded with kernel and taken to Dosan where the harvest is weighed. The fruit is then taken by truck to a milling station in Lubuk Dalam. This farming activity is part of an innovative, independent small-holder approach to palm oil production that has delivered social and economic benefits and helped protect the remaining forest. The Dosan community has committed to protecting its forests and moving to improved environmental management practices that include zero burning, no herbicide use and improved water management to maintain the peatland water system.