Urteil: Japan darf in der Antarktis keine Wale mehr jagen

31. März 2014

Ein Meilenstein für den Meeresschutz: Heute Vormittag haben die Richter des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag entschieden, den bestehenden wissenschaftlichen Walfang Japans in der Antarktis zu beenden! Dieses Urteil ist bindend: Australien hatte den Fall vor das Gericht gebracht und sich ebenso wie Japan bereits im Vorfeld verpflichtet, dem Urteil Folge zu leisten. Jetzt muss die japanische Walfangflotte eingemottet und das Fangschiff verschrottet werden. Jeder weitere Versuch der japanischen Regierung, das Walfangmoratorium zu umgehen, wäre unethisch, unzeitgemäß und unwirtschaftlich. Walfang gehört nicht ins 21. Jahrhundert, sondern ins Geschichtsbuch!

Was bisher zum Urteil bekannt ist:

-Das heutige Urteil bezieht sich nur auf das wissenschaftliche Walfangprogramm Japans im Südpolarmeer.  Das bedeutet, der japanische Walfang im Nordpazifik bleibt davon unberührt – und dort werden jährlich auch hunderte Wale geschossen.

- Nach wie vor darf Wissenschaftswalfang betrieben werden. Allerdings müssen dabei tatsächlich wissenschaftliche Daten herauskommen. Das bedeutet: Japan könnte ein neues Wissenschaftsprogramm aufsetzen und weiter Wale in der Antarktis jagen.- Teil der Gerichtsanalyse war, ob das Ziel des japanischen Wissenschaftswalfangs auch durch nichttödliche Methoden hätte zustande kommen können. Dies haben die Wissenschaftler nach Meinung des Gerichtes nicht genug geprüft.

- Nach Ablauf des vorangegangenen Programms wurden die Fangzahlen für Minke-Wale um 100% erhöht. Außerdem kamen Finn- und Buckelwale hinzu. Es gibt keine Erklärung für die Erhöhung der Abschussquoten. Die Quote für Finnwale war zu klein, um die wissenschaftlichen Ziele zu erreichen.

- Deit Jahren wurden die gesetzten Abschussquoten nicht erreicht, trotzdem behauptet Japan, die gesetzten Ziele zu erreichen.
- Offensichtlich hatten bei der Quotenfestsetzung ökonomische Gründe eine Rolle gespielt.

Diese Fakten haben zu dem Gerichtsurteil geführt.

Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft

Der von Regierungsseite subventionierte Walfang in der Antarktis dient keinen wissenschaftlichen Zwecken; er wurde kommerziellen Gründen betrieben. Die Fakten sprechen für sich:
- Das japanische Walfangprogramm hat bis heute keine anerkannten wissenschaftlichen Daten hervorgebracht.
- Den Japanern ist der Appetit auf Walfleisch längst vergangen! Massenweise Walfleisch lagert unverkauft in Japans Kühlhäusern. Eine Umfrage der japanischen Tageszeitung Asahi belegt, dass Walfleisch in Japan keineswegs Teil der herkömmlichen Ernährung ist.
- Umfragen von Greenpeace Japan zeigen, dass bis zu 80 Prozent der Befragten den Walfang nicht befürworten. 85 Prozent gaben an, dass sie gar nicht wussten, dass bedrohte Tierarten von der japanischen Flotte in der Antarktis getötet würden.
- Und nicht zu vergessen, dass es Beweise dafür gibt, dass Japan ärmere Länder bezahlt, damit diese auf UN-Ebene ihre Stimme für den Fortbestand des japanischen Walfangprogramms geben. Diese Praxis nennt sich „vote consolidation“.

Ungeachtet dieser Fakten ging die Jagd auf Wale in der Antarktis bisher weiter. Seit 1930 jagte Japan in diesen Gewässern – rund 6.000 Kilometer entfernt von der eigenen Küste. Seit rund 25 Jahren geschah dies unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Die japanische Regierung bezieht sich auf eine lange Walfangtradition. Eine Tradition, in die sich die Internationale Gemeinschaft offensichtlich nicht einmischen sollte, ginge es nach der japanischen Regierung. Glücklicherweise hat die australische Regierung genau das – erfolgreich! – gemacht: Sie hat bereits 2010 den ersten Fall gegen Japan aufgerollt. Seit Juni 2013 musste sich die japanische Regierung nun vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten. Das heutige Urteil bedeutet hoffentlich das endgültige Aus für den japanischen Walfang in der Antarktis.

Schlupflöcher beim Walfangverbot

Fangschiff und "Forschungs"-Schiff der japanischen Flotte bei der Abfahrt Richtung Antarktis (Archivbild 2005)

Fangschiff und "Forschungs"-Schiff der japanischen Flotte bei der Abfahrt Richtung Antarktis (Archivbild 2005)

Tatsache ist, dass die internationale Walfangkommission den Fang und die Tötung von Walen auf See für kommerzielle Zwecke verbietet. Die japanische Walfangindustrie nutzt jedoch ein Schlupfloch; die Walfänger berufen sich auf Artikel 8 der Internationalen Konvention zur Regulierung des Walfangs. Demnach dürfen sie Wale zu wissenschaftlichen Zwecken töten und die Nebenprodukte dieser Forschung, also das Walfleisch, verkaufen. Auch Norwegen und Island haben sich geschickt aus der Affäre gezogen und setzen ihre Jagd auf Wale fort. Greenpeace arbeitet hierzulande daran, ein gesetzliches Verbot von Walfleischtransporten zu erwirken, um den Walfängern diesen Handelsweg abzuschneiden.  Wir werden uns weiterhin gemeinsam mit anderen Meeresschutzorganisationen weltweit für ein Ende des Walfangs einsetzen.

#Walfleisch: Bürger schreiben @peteraltmaier

12. Juli 2013

Update 12. Juli: 21:20 Uhr: Gerade hat uns das Büro von Peter Altmaier eine alternative funktionierende Emailadresse geschickt. Wir hatten vor relativ genau 24 Stunden Herrn Altmaier via Direktnachricht und öffentlichem Tweet angeboten, dass wir die Empfängeradresse in der Emailpetition ändern können, wenn er uns eine alternative Emailadresse nennt, die ihn erreicht. Heute Abend hat das BMU reagiert und wir haben wie versprochen die Empfängeradresse umgehend geändert. Herr Altmaier hat getwittert:

Wir gehen auf Vertrauensbasis und mit mündlicher Zusicherung der BMU-Pressestelle davon aus, dass die Protestemails der Walschützer über die neue Emailadresse ebenfalls direkt Herrn Altmaier erreichen. 13.103 Menschen haben sich innerhalb der letzten zwei Tage an Herrn Altmaier gewandt. Wir nehmen den Bundesumweltminister beim Wort – und warten auf seinen nächsten Schritt für den Walschutz. Update Ende

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184 bedrohte Finnwale stehen in dieser Saison auf der Abschussliste der isländischen Waljäger. Island muss den Artenschutz achten. Das fordert Greenpeace, das fordern viele Menschen – und diese Forderung dürfte auch im Sinne des deutschen Umweltministers sein. Umso überraschender die harsche Reaktion von Herrn Altmaier auf eine Emailpetition gegen den Transport von Walfleisch, mit der sich tausende Bürger seit gestern an ihn wenden. Was ist passiert? Auf Twitter kommentierte Herr Altmaier die Anschreiben als “Massen-Mails”, “Sammel-Mail” und als “Spam”. Dabei tragen alle Emails einen persönlichen Absender (sie werden nicht von einer Greenpeace-Adresse verschickt). Die Emails können zwar über ein Formular auf der Greenpeace-Seite verschickt werden, hinter jeder Email steckt aber eine Person, die die Seite aufruft, den Text liest, ihn gegebenenfalls persönlich ändert und an Herrn Altmaier schickt. Spam wird hingegen automatisiert verschickt. Unsere erste Reaktion auf Herr Altmaiers Gegenwehr war folgende:

Das sah der Minister allerdings weiterhin etwas anders. Er twitterte:

Sie legen meinen Account lahm mit identischen Mails. Das ist unverschämt und kurzsichtig, denn es wird diesen Account dann nicht mehr geben. Und eine Chance weniger für Bürger, mit dem Minister direkt zu kommunizieren. Das ist dann Ihre Schuld.

Dabei nehmen die Bürger genau dieses Angebot wahr. Zudem erklärten dem Minister kurz darauf zahlreiche Nutzer via Twitter, wie man ganz einfach die Protestemails zum Walfleischtransportverbot in einen separaten Ordner schieben kann. Als Kompromiss machten wir dem Bundesumweltminister einen Vorschlag – per Direktnachricht und später über den Twitterstream.

Das hätte Herrn Altmaier die Möglichkeit gegeben, den Überblick über seinen Posteingang zurückzugewinnen. Und die Walschützer hätten sich weiterhin direkt an ihn wenden können. Auf unser Angebot ist Peter Altmaier bisher nicht eingegangen, ebenfalls nicht auf die Bitte, unsere Meeresexpertin Iris Menn zu kontaktieren. Schade. Aktuell läuft die Emailpetition deshalb weiter – die Empfängeradresse ist die gleiche wie zuvor.

Soweit der aktuelle Stand. Doch was steckt hinter dieser starken Reaktion des Umweltministers?

Ein Rückblick: Was tun, wenn plötzlich sechs Container Finnwalfleisch aus Island auf dem Weg nach Japan den Hamburger Hafen passieren? Am 5. Juli fuhren unsere Aktivisten in Schlauchbooten kurzentschlossen dem Frachtschiff “Cosco Pride” entgegen und protestierten von der Landesgrenze bis in den Hamburger Hafen hinein mit Bannern gegen den Walfleisch-Transport. Das fand Peter Altmaier damals noch sehr unterstützenswert und versprach:

Damit war der Kommunikationsweg festgelegt: Herr Altmaier twittert bekanntlich gerne und viel. Ebenfalls via Tweet versprach er, den Hamburger Bürgermeister anzusprechen. Dessen Meinung dazu ist allerdings bis heute nicht bekannt. Herr Scholz konnte sich bisher nicht zu einer öffentlichen Einschätzung durchringen, obwohl zahlreiche Hamburger ihn per Email und auf Facebook dazu aufgefordert haben. Aber immerhin: Die Zollfahndung beschlagnahmte vorläufig die Container. Immer mehr Menschen wurden auf den Walfleischtransport aufmerksam und stellten sich die Frage: Was kann ich tun, um Walfleischtransporte zukünftig zu verhindern? Die Lösung liegt auf der Hand: Island kann das Fleisch nur nach Japan absetzen, die isländischen Walfänger sind auf den Export angewiesen. Also setzen wir uns dafür ein, dass der Transport von Walfleisch über deutsche Häfen zukünftig nicht mehr möglich ist. Eine gesetzliche Regelung muss her, nach der dies auch kontrolliert und ggf. sanktioniert wird. Ein klares Signal an Islands einzigen verbliebenen Walfänger, sein blutiges Handwerk einzustellen. Wir haben unseren Unterstützern vorgeschlagen, sich mit ihrem Anliegen an Herrn Altmaier zu wenden. Als Bundesumweltminister ist der Artenschutz immerhin sein Zuständigkeitsgebiet. Unsere Forderung: Lieber Herr Altmaier, bitte tun Sie alles, damit ein Transportverbot von Walfleisch über deutsche Häfen auch gesetzlich festgeschrieben wird. Ab diesem Punkt aber Herr Altmaier schob die Verantwortung lieber auf die Hamburger. Walschutz ja, aber wieso sollte das Finnwalfleisch im Hamburger Hafen seine Baustelle zu sein?

Greenpeace forderte den Bundesumweltminister wiederholt auf, auch auf Bundesebene aktiv zu werden. Und immerhin, Herr Altmaier machte am 9. Juli einen weiteren Schritt nach vorne: Er wandte sich an die deutschen Hafenbetreiber und bat, auf freiwilliger Basis künftig auf den Transit von Walfleisch zu verzichten. Schön und gut, aber freiwillig reicht in diesem Fall leider trotzdem nicht – das zeigt das Beispiel unserer europäischen Nachbarn: In den Niederlande gibt es bereits eine ähnliche freiwillige Verpflichtungserklärung – und trotzdem haben die besagten sechs Walfleischcontainer ohne Probleme von Island aus den Rotterdamer Hafen passiert, bevor sie in Hamburg ankamen. Die Container hatte der Zoll mittlerweile wieder freigegeben, sie sollten mit dem nächsten Schiff, der “Eilbek”, nach Japan weitertransportiert werden. Die “Eilbek” traf am 10. Juli ein, um ihre Fracht zu laden – und die lagerte tatsächlich immer noch genau vor unserer Nase, gegenüber der Hamburger Greenpeace-Zentrale im Tollerort-Terminal. Erneut protestieren Greenpeace-Aktivisten, diesmal direkt am Schiff – und mit Erfolg! Die involvierten Transportunternehmen und Reedereien distanzierten sich innerhalb weniger Stunden vom Transport des Walfleischs. Sie stornierten ihre Aufträge und sorgen gerade dafür, dass das Fleisch zurück nach Island geschickt wird. Und: Samskip – der größte isländische Transporteur von Walfleisch – versprach, nie wieder Walfleisch zu transportieren. Ein Schlag ins Gesicht der isländischen Walfänger – denn so viele Transportmöglichkeiten bleiben ihnen nicht mehr übrig. Nach der Samskip-Erklärung wird es sicherlich schwierig, in Island eine Firma zu finden, die etwas mit dem Abschlachten bedrohter Tiere zu tun haben möchte. Walfleischtransporte sind ein Aufreger – natürlich wollten viele Menschen etwas dagegen tun. Wir schufen also das Angebot: Ein Formular, das engagierte Bürger nutzen können, um Herrn Altmaier in Sachen Walschutz zu schreiben. Die Nachfrage war hoch. Über die konkrete Möglichkeit, für den Walschutz einzutreten, haben wir Unterstützer, Follower, Fans über soziale Netzwerke und Mailverteiler informiert. Mehr als 12.000 Bürger haben bisher an Umweltminister geschrieben (Stand: 12. Juli, 16 Uhr). Und unser twitternder Umweltminister erhielt seine Post auf einem Weg, der ihm eigentlich zusagen sollte: digital.

 

 

 

Email an Altmaier: Über 12.000 Menschen schrieben Peter Altmaier und forderten ihn auf als Umweltminister aktive für den Walschutz einzutreten. Jede Email trägt die Mailadresse des Absenders, der Text kann individuell angepasst werden.

Email an Altmaier: Über 12.000 Menschen schrieben Peter Altmaier und forderten ihn auf als Umweltminister aktive für den Walschutz einzutreten. Jede Email trägt die Mailadresse des Absenders, der Text kann individuell angepasst werden.

 

 

 

Oder doch nicht? Denn hier könnte jetzt ein Happy End stehen. Herr Altmaier hätte sich über die Unterstützung tausender Bürger freuen können, die ihm den Rücken stärken für eine Sache, die ihm selbst am Herzen liegt. Er hätte die Dringlichkeit eines Gesetzes gegen Walfleischtransporte auch vor den Bundestagswahlen im September noch gut angesichts der zahlreichen Bürgerproteste vertreten und anschieben können. Das Beispiel USA zeigt, dass eine rechtlich verbindliche Regelung möglich ist. In dem amerikanischen “Endangered Species Act” schließt man neben dem Import und Export auch die Durchfuhr durch US-Häfen von allen Arten, die unter dem Gesetz gelistet sind, aus.

Wie geht es weiter? Ein Ausblick.

Wir nehmen auch online getroffene Aussagen durchaus ernst – von daher zitieren wir unseren Bundesumweltminister gerne ein letztes Mal an dieser Stelle und hoffen auf sein Engagement:

ZUR MITMACHAKTION: Kein Transit von Walfleisch über deutsche Häfen

Autoren: Hanno Groth und Michelle Bayona

Isländer jagen wieder Finnwale

17. Juni 2013

Islands bekanntester Walfänger Kristján Loftsson hat die diesjährige Jagdsaison eröffnet. Doch er bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Der erste 2013 in Island getötete Finnwal

Der erste 2013 in Island getötete Finnwal © Greenpeace

Kristján Loftsson braucht eigentlich keine Konkurrenz fürchten – er steuert das Familienunternehmen Hvalur hf, die mittlerweile letzte isländische Firma, die überhaupt noch an der Finnwaljagd festhält. Eine fragwürdige Tradition, der man sich nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verschrieben hat. In dieser Fangsaison stehen 180 Finnwale auf Loftssons Abschussliste. Die isländische Regierung hat für 2013 eine Fangquote für 154 Walen erteilt and erlaubt zusätzlich, aus der nicht ausgeschöpften Quote des letzten Jahres 20 Prozent zu übertragen.

Schon lange protestieren nicht nur die Umweltverbände gegen den Walfang. Jetzt kommt Kritik aus einer ungewohnten Ecke: Birna Björk Ármadóttir ist eine Enkelin einer der Firmengründer, ebenfalls Stakeholderin von Hvalur hf und hat sich öffentlich gegen deren Jagdpläne ausgesprochen.  Früher eine klare Verfechterin der „Tradition Walfang“, sagt sie nun:

Ich habe meine Meinung jetzt geändert und ich schätze, ich bin nicht die Einzige. (…) Walfang ist ein Teil unserer Vergangenheit, nicht unserer Zukunft. (…) Es ist traurig zu hören, dass der neue Fischereiministers sich auf eine Tradition des vergangenen Jahrhunderts bezieht (…), wenn ausländische Medien den Walfang kritisieren.

(Quelle für die Übersetzung: Der Blog der isländischen Auslandskorrespondentin Sigrún Davíðsdóttir)

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftlichen Gründe für die Waljagd.

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftliche Gründe für die Waljagd.

In Island darf seit 2009 wieder offiziell Jagd auf Finnwale gemacht werden – für kommerzielle Zwecke und aus Traditionsgründen, obwohl es in Island selbst keinen Markt dafür gibt.
Die Absatzzahlen sinken, das Fleisch ist nur für den japanischen Markt bestimmt. Dort will es aber auch niemand haben – vor kurzem berichteten Medien, dass Walfleisch stattdessen in Luxus-Hundefutter landet. Hvalur-Teilhaberin Birna Björk Ármadóttir redet Klartext:

Der einzige Markt ist Japan und dort verkauft sich das Fleisch überhaupt nicht – der Fang von 2009 bis 2010 ist zum Teil immer noch nicht verkauft und wird tiefgefroren eingelagert. So sieht die Situation aus – trotz der zahlreichen Marketingkampagnen in Japan in den letzten Jahren und den regelmäßigen Statements, der Markt würde sich erholen.

Finnwale können bis zu 27 Meter lang und 70 Tonnen schwer werden, selten werden sie über 90 Jahre alt – nach dem Blauwal das größte Tier auf unserem Planeten. (Videotipp: Ein Finnwal in Berlin) Die meisten Isländer erkennen, welche Möglichkeiten ihnen statt der Waljagd offenstehen, und sehen ihre Wale lieber lebendig als tot. Auch der Druck aus dem Ausland wächst – und wirkt. Kürzlich übergab die Protestorganisation Avaaz in den Niederlanden eine Petition mit über einer Million Unterstützern, die gegen den Transfer von isländischem Walfleisch über ihre Häfen protestieren. Das zuständige niederländische Ministerium will diesem Anliegen folgen. Und auch der isländische Tourismusverband SAF hat sich massiv gegen Loftsson gestellt. Kein Wunder, denn der Auftakt zur Waljagd platzt mitten in die Hochsaison für Whale Watching; viele Besucher kommen vor allem wegen der Möglichkeit, die sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Die Tourismusbranche hat bereits im Mai ihre Regierung aufgefordert, nicht den Interessen eines einzigen Mannes nachzugeben.

Tatsächlich könnte Kristján Loftsson wahrscheinlich ganz alleine entscheiden, die Waljagd aufzugeben – immerhin hält er den Löwenanteil an der Firma, weitere 89 Stakeholder teilen sich den Rest. Doch die Chancen stehen schlecht: In Interviews prahlt der passionierte Walfänger damit, dass man zwischen 1948 und 1985 bei Hvalur hf rund 15.000 Wale erlegt habe und reißt schlechte Scherze darüber, dass er genau wie die „Whale Watcher“ schließlich auch die Wale beobachte. Letztlich hängt es an der isländischen Regierung, die dem Gemetzel auf See ein Ende setzen muss.

Nach der Rückkehr Islands zum kommerziellen Walfang wird 2006 dieser getötete Finnwal in den Hafen von Hvalfjrour gezogen © Ragnar Axelsson / Greenpeace

Nach der Rückkehr Islands zum kommerziellen Walfang wird 2006 dieser getötete Finnwal in den Hafen von Hvalfjrour gezogen © Ragnar Axelsson / Greenpeace