Isländer jagen wieder Finnwale

17. Juni 2013

Islands bekanntester Walfänger Kristján Loftsson hat die diesjährige Jagdsaison eröffnet. Doch er bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Oktober 2006:Hvalfjrour/Island - Ein harpunierter Finnwal wird im Hafen von Hvalfjrour an Land gezogen. Es ist der erste Finnwal, den islaendische Walfaenger seit Jahren erlegt haben. Trotz internationaler Proteste hat die islaendische Regierung beschlossen, den kommerziellen Walfang wiederaufzunehmen ©Greenpeace/Ragnar Axelsson

Oktober 2006: Hvalfjrour/Island - Ein harpunierter Finnwal wird im Hafen von Hvalfjrour an Land gezogen. Es ist der erste Finnwal, den isländische Walfänger seit Jahren erlegt haben. Trotz internationaler Proteste hat die isländische Regierung beschlossen, den kommerziellen Walfang wiederaufzunehmen © Greenpeace/Ragnar Axelsson

Kristján Loftsson braucht eigentlich keine Konkurrenz fürchten – er steuert das Familienunternehmen Hvalur hf, die mittlerweile letzte isländische Firma, die überhaupt noch an der Finnwaljagd festhält. Eine fragwürdige Tradition, der man sich nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verschrieben hat. In dieser Fangsaison stehen 180 Finnwale auf Loftssons Abschussliste. Die isländische Regierung hat für 2013 eine Fangquote für 154 Walen erteilt and erlaubt zusätzlich, aus der nicht ausgeschöpften Quote des letzten Jahres 20 Prozent zu übertragen.

Schon lange protestieren nicht nur die Umweltverbände gegen den Walfang. Jetzt kommt Kritik aus einer ungewohnten Ecke: Birna Björk Ármadóttir ist eine Enkelin einer der Firmengründer, ebenfalls Stakeholderin von Hvalur hf und hat sich öffentlich gegen deren Jagdpläne ausgesprochen.  Früher eine klare Verfechterin der „Tradition Walfang“, sagt sie nun:

Ich habe meine Meinung jetzt geändert und ich schätze, ich bin nicht die Einzige. (…) Walfang ist ein Teil unserer Vergangenheit, nicht unserer Zukunft. (…) Es ist traurig zu hören, dass der neue Fischereiministers sich auf eine Tradition des vergangenen Jahrhunderts bezieht (…), wenn ausländische Medien den Walfang kritisieren.

(Quelle für die Übersetzung: Der Blog der isländischen Auslandskorrespondentin Sigrún Davíðsdóttir)

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftlichen Gründe für die Waljagd.

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftliche Gründe für die Waljagd.

In Island darf seit 2009 wieder offiziell Jagd auf Finnwale gemacht werden – für kommerzielle Zwecke und aus Traditionsgründen, obwohl es in Island selbst keinen Markt dafür gibt.
Die Absatzzahlen sinken, das Fleisch ist nur für den japanischen Markt bestimmt. Dort will es aber auch niemand haben – vor kurzem berichteten Medien, dass Walfleisch stattdessen in Luxus-Hundefutter landet. Hvalur-Teilhaberin Birna Björk Ármadóttir redet Klartext:

Der einzige Markt ist Japan und dort verkauft sich das Fleisch überhaupt nicht – der Fang von 2009 bis 2010 ist zum Teil immer noch nicht verkauft und wird tiefgefroren eingelagert. So sieht die Situation aus – trotz der zahlreichen Marketingkampagnen in Japan in den letzten Jahren und den regelmäßigen Statements, der Markt würde sich erholen.

Finnwale können bis zu 27 Meter lang und 70 Tonnen schwer werden, selten werden sie über 90 Jahre alt – nach dem Blauwal das größte Tier auf unserem Planeten. (Videotipp: Ein Finnwal in Berlin) Die meisten Isländer erkennen, welche Möglichkeiten ihnen statt der Waljagd offenstehen, und sehen ihre Wale lieber lebendig als tot. Auch der Druck aus dem Ausland wächst – und wirkt. Kürzlich übergab die Protestorganisation Avaaz in den Niederlanden eine Petition mit über einer Million Unterstützern, die gegen den Transfer von isländischem Walfleisch über ihre Häfen protestieren. Das zuständige niederländische Ministerium will diesem Anliegen folgen. Und auch der isländische Tourismusverband SAF hat sich massiv gegen Loftsson gestellt. Kein Wunder, denn der Auftakt zur Waljagd platzt mitten in die Hochsaison für Whale Watching; viele Besucher kommen vor allem wegen der Möglichkeit, die sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Die Tourismusbranche hat bereits im Mai ihre Regierung aufgefordert, nicht den Interessen eines einzigen Mannes nachzugeben.

Tatsächlich könnte Kristján Loftsson wahrscheinlich ganz alleine entscheiden, die Waljagd aufzugeben – immerhin hält er den Löwenanteil an der Firma, weitere 89 Stakeholder teilen sich den Rest. Doch die Chancen stehen schlecht: In Interviews prahlt der passionierte Walfänger damit, dass man zwischen 1948 und 1985 bei Hvalur hf rund 15.000 Wale erlegt habe und reißt schlechte Scherze darüber, dass er genau wie die „Whale Watcher“ schließlich auch die Wale beobachte. Letztlich hängt es an der isländischen Regierung, die dem Gemetzel auf See ein Ende setzen muss.

Japanische Walfänger kehren zurück – 34 Minkwale getötet

07. Juni 2013

Japanische Walfänger bezeichnen ihren Walfang als wissenschaftlich.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass das Fleisch isländischer Finnwale in japanischen Hundefutter landet, veröffentlichten heute japanische Medien die traurige Bilanz der diesjährigen Küstenwaljagd. Demnach wurden in der Zeit von April bis Juni 34 Minkwale im Namen der Wissenschaft getötet, 17 Walbullen und 17 Walkühe fanden den Tod. Die Menge des angefallenden Fleisches erhöht den ohnehin schon auf über 7.000 Tonnen angewachsenen tiefgefrorenen Walfleischberg, auf dem Japan sitzt.

Gleichzeitig fasst sich die Weltöffentlichkeit wieder an den Kopf und fragt sich, was das Ganze soll. Die kalten Fakten lesen sich so: Die Jagd war die am wenigsten erfolgreiche, seit Beginn des Forschungsprogramms 2003, die Wale waren hauptsächlich kleine Jungtiere und ihre Nahrung setzte sich aus Sandaalen zusammen. Eine Erkenntnis, die man spielend hätte gewinnen können, ohne die Tiere zu töten.

In den nächsten Wochen wird sich der internationale Seegerichtshof mit der Frage beschäftigen, ob der japanische Forschungswalfang als kommerzielle Jagd gewertet werden muss und somit illegal ist. Australien hatte entsprechend geklagt und sollten die Richter zustimmen, ist hoffentlich auch dieses Kapitel der menschlichen Ignoranz beendet.

Thilo Maack ist auch auf Twitter zu finden.

Japaner essen keine Wale mehr

28. November 2012
greenpeace / Hiroto Kiryu

Das japanische Fabrikschiff "Nishin Maru"

Alle Jahre wieder…
Laut australischen Medienberichten lehnt die japanische Bevölkerung den Verzehr von Walfleisch immer häufiger ab. Dies ergab eine Meinungsumfrage des unabhängigen Nippon Forschungsinstitutes, die gestern veröffentlicht wurde. In einer repräsentativen Umfrage befragte das Institut insgesamt 1200 Japaner nach ihren Kauf- und Essgewohnheiten.

Das Ergebnis spricht für sich: 89 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr kein Walfleisch gekauft zu haben. Von den verbleibenden elf Prozent gaben viele an, lediglich ein einziges Mal darauf zugegriffen zu haben. Bemerkenswert ist außerdem, dass sich 90 Prozent der Befragten gegen die Verwendung von Regierungsgeldern für den Bau eines neuen Fabrikschiffes aussprachen (siehe dazu Japan will wieder Wale jagen).

Die Walfangflotte wird in den nächsten Tagen ihren Heimathafen in Shimonoseki verlassen und Kurs Richtung Antarktis nehmen. Die diesjährige Fangquote beläuft sich auf 880 Minke- und 50 Finnwale. Die Jagd beginnt erfahrungsgemäß früh im neuen Jahr.