Isländischer Walfang 2014: Traurige Zwischenbilanz

18. Juli 2014

Pünktlich zum isländischen Unabhängigkeitstag am 17. Juni eröffnete der größte Walfänger Islands, Kristjan Loftsson, mit seiner Flotte die diesjährige Jagd auf die bedrohten Finnwale des Nordost-Atlantiks. Seither mussten 14 dieser Tiere ihr Leben lassen. Ein einzelner Finnwal liefert zwischen acht und zehn Tonnen Fleisch, das in riesigen Tiefkühlhäusern gelagert wird. Denn in Island ist Finnwalfleisch unverkäuflich.

Fisch ist das isländische Exportgut Nummer eins, es wird in alle Welt verschifft. In Europa ist unter anderem Deutschland ein Hauptimporteur. Vor einigen Wochen haben wir bereits gezeigt, wie hiesige Unternehmen ihren Beitrag zur Einstellung des unnötigen Waleschlachtens leisten könnten.

Der größte deutsche Fischproduzent, das Unternehmen “Deutsche See”, bezieht einen Teil seines Fisches von der isländischen Firma HB-Grandi. Diese ist mit fast vierzig Prozent Anteilen im Besitz der Walfangfirma Hvalur des oben erwähnten Unternehmers Kristjan Loftsson. Die Geschäftsführung von “Deutsche See” muss ihre Verantwortung ernst nehmen und ihren Einfluss geltend machen, indem sie ihre Verträge mit HB-Grandi solange auf Eis legt, bis der isländische Finnwalfang eingestellt ist.

Wir haben “Deutsche See” und die großen deutschen Supermarktketten, alle Fischgroßabnehmer des Unternehmens, angeschrieben und aufgefordert sich dieser Verantwortung zu stellen. In der Vergangenheit wurde immer wieder behauptet, HB-Grandi habe nichts mit Walfang zu tun.

Aus diesem Grund lieferten wir die gegenteiligen Beweise gleich mit. Wir können nicht nur die direkte Verbindung zwischen dem Walfangunternehmen Hvalur und der Fischfirma HB-Grandi belegen, sondern auch die Nutzung von Werkshallen dieses Unternehmens zur Produktion von Finnwalfleisch für den japanischen Markt.

Noch im vergangenen Jahr ließ die Handels-Union der isländischen Region Akranes stolz verlauten, “die Jagd und das Verarbeiten der Wale sei in vollem Gange”. Dennoch gibt sich “Deutsche See” stur und beharrt auf die alte Argumentation. Auch die von uns kontaktierten Supermärkte folgen dieser Linie. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir erwarten konkrete Schritte.

Urteil: Japan darf in der Antarktis keine Wale mehr jagen

31. März 2014

Ein Meilenstein für den Meeresschutz: Heute Vormittag haben die Richter des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag entschieden, den bestehenden wissenschaftlichen Walfang Japans in der Antarktis zu beenden! Dieses Urteil ist bindend: Australien hatte den Fall vor das Gericht gebracht und sich ebenso wie Japan bereits im Vorfeld verpflichtet, dem Urteil Folge zu leisten. Jetzt muss die japanische Walfangflotte eingemottet und das Fangschiff verschrottet werden. Jeder weitere Versuch der japanischen Regierung, das Walfangmoratorium zu umgehen, wäre unethisch, unzeitgemäß und unwirtschaftlich. Walfang gehört nicht ins 21. Jahrhundert, sondern ins Geschichtsbuch!

Was bisher zum Urteil bekannt ist:

-Das heutige Urteil bezieht sich nur auf das wissenschaftliche Walfangprogramm Japans im Südpolarmeer.  Das bedeutet, der japanische Walfang im Nordpazifik bleibt davon unberührt – und dort werden jährlich auch hunderte Wale geschossen.

- Nach wie vor darf Wissenschaftswalfang betrieben werden. Allerdings müssen dabei tatsächlich wissenschaftliche Daten herauskommen. Das bedeutet: Japan könnte ein neues Wissenschaftsprogramm aufsetzen und weiter Wale in der Antarktis jagen.- Teil der Gerichtsanalyse war, ob das Ziel des japanischen Wissenschaftswalfangs auch durch nichttödliche Methoden hätte zustande kommen können. Dies haben die Wissenschaftler nach Meinung des Gerichtes nicht genug geprüft.

- Nach Ablauf des vorangegangenen Programms wurden die Fangzahlen für Minke-Wale um 100% erhöht. Außerdem kamen Finn- und Buckelwale hinzu. Es gibt keine Erklärung für die Erhöhung der Abschussquoten. Die Quote für Finnwale war zu klein, um die wissenschaftlichen Ziele zu erreichen.

- Deit Jahren wurden die gesetzten Abschussquoten nicht erreicht, trotzdem behauptet Japan, die gesetzten Ziele zu erreichen.
- Offensichtlich hatten bei der Quotenfestsetzung ökonomische Gründe eine Rolle gespielt.

Diese Fakten haben zu dem Gerichtsurteil geführt.

Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft

Der von Regierungsseite subventionierte Walfang in der Antarktis dient keinen wissenschaftlichen Zwecken; er wurde kommerziellen Gründen betrieben. Die Fakten sprechen für sich:
- Das japanische Walfangprogramm hat bis heute keine anerkannten wissenschaftlichen Daten hervorgebracht.
- Den Japanern ist der Appetit auf Walfleisch längst vergangen! Massenweise Walfleisch lagert unverkauft in Japans Kühlhäusern. Eine Umfrage der japanischen Tageszeitung Asahi belegt, dass Walfleisch in Japan keineswegs Teil der herkömmlichen Ernährung ist.
- Umfragen von Greenpeace Japan zeigen, dass bis zu 80 Prozent der Befragten den Walfang nicht befürworten. 85 Prozent gaben an, dass sie gar nicht wussten, dass bedrohte Tierarten von der japanischen Flotte in der Antarktis getötet würden.
- Und nicht zu vergessen, dass es Beweise dafür gibt, dass Japan ärmere Länder bezahlt, damit diese auf UN-Ebene ihre Stimme für den Fortbestand des japanischen Walfangprogramms geben. Diese Praxis nennt sich „vote consolidation“.

Ungeachtet dieser Fakten ging die Jagd auf Wale in der Antarktis bisher weiter. Seit 1930 jagte Japan in diesen Gewässern – rund 6.000 Kilometer entfernt von der eigenen Küste. Seit rund 25 Jahren geschah dies unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Die japanische Regierung bezieht sich auf eine lange Walfangtradition. Eine Tradition, in die sich die Internationale Gemeinschaft offensichtlich nicht einmischen sollte, ginge es nach der japanischen Regierung. Glücklicherweise hat die australische Regierung genau das – erfolgreich! – gemacht: Sie hat bereits 2010 den ersten Fall gegen Japan aufgerollt. Seit Juni 2013 musste sich die japanische Regierung nun vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten. Das heutige Urteil bedeutet hoffentlich das endgültige Aus für den japanischen Walfang in der Antarktis.

Schlupflöcher beim Walfangverbot

Fangschiff und "Forschungs"-Schiff der japanischen Flotte bei der Abfahrt Richtung Antarktis (Archivbild 2005)

Fangschiff und "Forschungs"-Schiff der japanischen Flotte bei der Abfahrt Richtung Antarktis (Archivbild 2005)

Tatsache ist, dass die internationale Walfangkommission den Fang und die Tötung von Walen auf See für kommerzielle Zwecke verbietet. Die japanische Walfangindustrie nutzt jedoch ein Schlupfloch; die Walfänger berufen sich auf Artikel 8 der Internationalen Konvention zur Regulierung des Walfangs. Demnach dürfen sie Wale zu wissenschaftlichen Zwecken töten und die Nebenprodukte dieser Forschung, also das Walfleisch, verkaufen. Auch Norwegen und Island haben sich geschickt aus der Affäre gezogen und setzen ihre Jagd auf Wale fort. Greenpeace arbeitet hierzulande daran, ein gesetzliches Verbot von Walfleischtransporten zu erwirken, um den Walfängern diesen Handelsweg abzuschneiden.  Wir werden uns weiterhin gemeinsam mit anderen Meeresschutzorganisationen weltweit für ein Ende des Walfangs einsetzen.

Isländer jagen wieder Finnwale

17. Juni 2013

Islands bekanntester Walfänger Kristján Loftsson hat die diesjährige Jagdsaison eröffnet. Doch er bekommt Gegenwind aus den eigenen Reihen.

Der erste 2013 in Island getötete Finnwal

Der erste 2013 in Island getötete Finnwal © Greenpeace

Kristján Loftsson braucht eigentlich keine Konkurrenz fürchten – er steuert das Familienunternehmen Hvalur hf, die mittlerweile letzte isländische Firma, die überhaupt noch an der Finnwaljagd festhält. Eine fragwürdige Tradition, der man sich nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verschrieben hat. In dieser Fangsaison stehen 180 Finnwale auf Loftssons Abschussliste. Die isländische Regierung hat für 2013 eine Fangquote für 154 Walen erteilt and erlaubt zusätzlich, aus der nicht ausgeschöpften Quote des letzten Jahres 20 Prozent zu übertragen.

Schon lange protestieren nicht nur die Umweltverbände gegen den Walfang. Jetzt kommt Kritik aus einer ungewohnten Ecke: Birna Björk Ármadóttir ist eine Enkelin einer der Firmengründer, ebenfalls Stakeholderin von Hvalur hf und hat sich öffentlich gegen deren Jagdpläne ausgesprochen.  Früher eine klare Verfechterin der „Tradition Walfang“, sagt sie nun:

Ich habe meine Meinung jetzt geändert und ich schätze, ich bin nicht die Einzige. (…) Walfang ist ein Teil unserer Vergangenheit, nicht unserer Zukunft. (…) Es ist traurig zu hören, dass der neue Fischereiministers sich auf eine Tradition des vergangenen Jahrhunderts bezieht (…), wenn ausländische Medien den Walfang kritisieren.

(Quelle für die Übersetzung: Der Blog der isländischen Auslandskorrespondentin Sigrún Davíðsdóttir)

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftlichen Gründe für die Waljagd.

Die Menge an Walfleisch, die überhaupt noch Abnehmer findet, ist gering. Dennoch beharrt Islands Walfänger auch auf wirtschaftliche Gründe für die Waljagd.

In Island darf seit 2009 wieder offiziell Jagd auf Finnwale gemacht werden – für kommerzielle Zwecke und aus Traditionsgründen, obwohl es in Island selbst keinen Markt dafür gibt.
Die Absatzzahlen sinken, das Fleisch ist nur für den japanischen Markt bestimmt. Dort will es aber auch niemand haben – vor kurzem berichteten Medien, dass Walfleisch stattdessen in Luxus-Hundefutter landet. Hvalur-Teilhaberin Birna Björk Ármadóttir redet Klartext:

Der einzige Markt ist Japan und dort verkauft sich das Fleisch überhaupt nicht – der Fang von 2009 bis 2010 ist zum Teil immer noch nicht verkauft und wird tiefgefroren eingelagert. So sieht die Situation aus – trotz der zahlreichen Marketingkampagnen in Japan in den letzten Jahren und den regelmäßigen Statements, der Markt würde sich erholen.

Finnwale können bis zu 27 Meter lang und 70 Tonnen schwer werden, selten werden sie über 90 Jahre alt – nach dem Blauwal das größte Tier auf unserem Planeten. (Videotipp: Ein Finnwal in Berlin) Die meisten Isländer erkennen, welche Möglichkeiten ihnen statt der Waljagd offenstehen, und sehen ihre Wale lieber lebendig als tot. Auch der Druck aus dem Ausland wächst – und wirkt. Kürzlich übergab die Protestorganisation Avaaz in den Niederlanden eine Petition mit über einer Million Unterstützern, die gegen den Transfer von isländischem Walfleisch über ihre Häfen protestieren. Das zuständige niederländische Ministerium will diesem Anliegen folgen. Und auch der isländische Tourismusverband SAF hat sich massiv gegen Loftsson gestellt. Kein Wunder, denn der Auftakt zur Waljagd platzt mitten in die Hochsaison für Whale Watching; viele Besucher kommen vor allem wegen der Möglichkeit, die sanften Riesen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Die Tourismusbranche hat bereits im Mai ihre Regierung aufgefordert, nicht den Interessen eines einzigen Mannes nachzugeben.

Tatsächlich könnte Kristján Loftsson wahrscheinlich ganz alleine entscheiden, die Waljagd aufzugeben – immerhin hält er den Löwenanteil an der Firma, weitere 89 Stakeholder teilen sich den Rest. Doch die Chancen stehen schlecht: In Interviews prahlt der passionierte Walfänger damit, dass man zwischen 1948 und 1985 bei Hvalur hf rund 15.000 Wale erlegt habe und reißt schlechte Scherze darüber, dass er genau wie die „Whale Watcher“ schließlich auch die Wale beobachte. Letztlich hängt es an der isländischen Regierung, die dem Gemetzel auf See ein Ende setzen muss.

Nach der Rückkehr Islands zum kommerziellen Walfang wird 2006 dieser getötete Finnwal in den Hafen von Hvalfjrour gezogen © Ragnar Axelsson / Greenpeace

Nach der Rückkehr Islands zum kommerziellen Walfang wird 2006 dieser getötete Finnwal in den Hafen von Hvalfjrour gezogen © Ragnar Axelsson / Greenpeace