Norwegische Walfänger töten die ersten Wale der Saison

03. Mai 2012

Sie haben wieder Harpunen auf ihr Vordeck geschraubt und so aus ihren Fischkuttern Walfangboote gemacht. Auf 18 Schiffe ist die norwegische Fangflotte in den letzten Jahren geschrumpft. Der Grund für den Rückgang von vormals 35 Schiffen ist laut einem Sprecher der norwegischen Vermarktungsorganisation das “Walfleisch-Absatzproblem”, im Klartext: “keiner will es mehr essen”. Warum auch? In Norwegen – einem der reichsten Länder der Erde – gibt es alles, was das Herz begehrt. Fleisch gezüchteter Haustiere, wenn man denn Fleisch essen will, Gemüse, Obst, schlicht alles, was man braucht.

(c) Cris Toala Olivares / Greenpeace - Ein Minkewal in der NordseeTrotzdem fahren sie wieder raus, ihre Jagd international geächtet und hoch subventioniert vom norwegischen Staat, damit das Unternehmen überhaupt rentabel bleibt. Auf die Gründe angesprochen kriegt man einen kruden, ewig gestrigen Antwortmix aus “ham wir immer so gemacht”, “gesunde Omega-3-Fettsäuren” und “die fressen uns sonst die Fischbestände weg”. Es wird auch angeführt, dass sobald das Handelsverbot für Walfleisch aufgehoben wird, der lukrative japanische Markt mit norwegischem Walfleisch beliefert werden soll.

Doch auch dieses Argument ist so fadenscheinig wie das Hemd der letzten norwegischen Walfänger. Auch die Japaner sitzen auf einem nunmehr über 6000 Tonnen schweren Walfleischberg, denn auch dort will die Bevölkerung längst kein Fleisch aus der hoch subventionierten, völkerrechtlich fragwürdigen Jagd.  Wie absurd darf’s denn noch werden? Einziger Trost ist, dass wie in den vergangenen Jahren auch, die Quote fast sicher nicht ausgeschöpft wird.

Dies ist die traurige Bilanz der vergangenen zehn Jahre:

Jahr       Quote       Fang

2002       671         634
2003       711         647
2004      670         543
2005      796         639
2006    1052         546
2007    1052         597
2008    1052         536
2009       885        484
2010     1286        468
2011      1286        529

Walfang: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht

08. Dezember 2011

Es ist ein Skandal, über den Greenpeace schon im Oktober berichtet hat: Teile des von der japanischen Regierung angelegten Hilfsfonds für die Opfer der Katastrophe von Fukushima sollen in den Walfang investiert werden. Meine Kollegen in Japan sowie eine Reihe anderer NGOs protestierten daraufhin vor Ort. Sie forderten die japanische Regierung auf, die veranschlagten zusätzlichen 21 Millionen Euro für konkrete Maßnahmen zu nutzen, die den Menschen in der Region Fukushima zugute kommen, anstatt sie für die antiquierte Jagd auf Wale zu verwenden.

Diese Woche ist in Japan die Walfangflotte ausgelaufen. Sie wollen in der Antarktis Jagd auf knapp 1.000 Wale machen, darunter etwa 50 der gefährdeten Finnwale.

Das sagt eigentlich schon genug aus:  Japan hat, was den Walfang in heutigen Zeiten angeht, nichts dazu gelernt. Die Walfangflotte setzt sich damit über internationale Gesetzte hinweg. Hinzu kommt in diesem Jahr die Unterstützung der japanischen Regierung zum Schutz der Flotte aus Geldern, die eigentlich den Opfern der Katastrophe von Fukushima vorbehalten war. Die vereinigte Gruppe aus NGOs in Japan hat daher einen offenen Brief geschrieben. Darin fordert sie die Verantwortlichen der Regierung auf, die Subventionen für den Walfang einzustellen und für humanitäre Projekte zu verwenden.

Zu dieser Verschwendung von Steuergeldern drückt sich mein japanischer Greenpeace-Kollege absolut treffend aus. Er meint: „Nicht nur, dass die Walfang-Industrie ohne steigende finanzielle Hilfe der Regierung gar nicht in der Lage wäre zu überleben, es werden jetzt zudem noch Gelder von den Menschen abgezogen, die sie derzeit am dringendsten benötigen. Dies stellt einen neuen Tiefpunkt für die schamlose Walfang-Industrie dar, unterstützt von kaltschnäuzigen Verantwortlichen in der Regierung“.

Der Markt für Walfleisch in Japan ist seit Langem überschuldet und nicht mehr profitabel. Außerdem lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Walfang ab. Zeitgleich sieht sich Japan mit den Folgen der Katastrophe von Fukushima konfrontiert. Wie viele Argumente gegen die Jagd auf Wale müssen eigentlich noch hervor gebracht werden, bevor die Verantwortlichen eine neue Richtung einschlagen?

(Autor: Sebastian Buschmann)

Willkommen zurück ihr Schlachter! Jetzt bleibt für immer zu Hause!

19. September 2011
Eine japanische Walfangflotte.

Eine japanische Walfangflotte.

Die japanische Walfangflotte ist nach dreimonatiger Fangfahrt aus dem Nordpazifik zurückgekehrt. Auf ihr Konto gehen insgesamt 195 Wale unterschiedlicher Arten. Obwohl damit die Pseudowissenschaftler ihre Quoten nicht ausgeschöpft haben, ändert das nichts Grundsätzliches an dem traurigen Ergebnis:

Arten         Minke     Sei     Bryde    Pott       Total

Fang            49          95        50        1            195
Quote          100        100       50       10           260

Pottwale haben keinen kommerziellen Wert, weil ihr Fleisch zu hoch mit Umweltchemikalien belastet ist, deswegen liegt der Fang schon seit langem unterhalb der  Quote. Die Minkewaljagd hat noch nicht mal die Häflte der Quote ergeben – dafür liefert das japanische Institut für Walforschung, das von der Regierung mit der Walforschung beauftragt wird und die Fangflotte unterhält, keine Erklärung. Das Wissenschaftskomittee der Internationalen Walfangkommission (IWC) bemängelt seit Jahren, dass die nordpazifische Jagd die in diesem Bereich gefährdete Minkewalpopulation weiter unter Druck setzt.

Üblicherweise sticht die Fangflotte Ende November in Richtung antarktische Gewässer in See, um dort knapp tausend Großwale zu schießen. Wir werden sehen, was dieses Jahr passiert, der Absatzmarkt für Walfleisch stagniert in Japan und in den Kühlhäusern lagern über 6000 Tonnen davon, unverkauft. Wann sehen die Verantwortlichen endlich ein, dass der Walfang keinen Platz im einundzwangzigsten Jahrhundert mehr hat?