Japan will wieder Wale jagen

06. November 2012

Harpunierter Wal

Und wieder nichts gelernt. Japanischen Presseberichten zufolge wird auch in diesem Winter die Walfangflotte Nippons in der Antarktis Wale töten. Dies gab der Fischereiminister Akira Gunji bekannt. Noch vor einigen Wochen war unklar, ob das in die Jahre gekommene Fabrikschiff “Nisshin Maru” in seinem jetzigen Zustand eine weitere Fernreise übersteht oder umgebaut werden soll, um rechtzeitig für die diesjährige Jagd fertig zu sein. Dies ist offensichtlich der Fall. Bereits vor einem Monat war das Schiff in ein Trockendock verlegt worden.

Mit der Jagd im Südpolarmeer verstößt Japan gegen das internationale Walfangverbot und betreibt unter dem Deckmantel der Wissenschaft so genannten Wissenschaftswalfang. Die aus dieser Art Forschung seit mehr als zwanzig Jahren gewonnenen Daten sind jedoch noch nie in namhaften Wissenschaftsjournalen veröffentlicht worden. Walschutznationen, zu denen auch Deutschland gehört, verurteilen den Wissenschaftswalfang als getarnten kommerziellen Walfang und haben die japanische Regierung mehrfach zu seiner Einstellung aufgefordert.

EU-Parlament fordert Japan zur Einstellung des kommerziellen Walfangs auf

30. Oktober 2012
Todd Warshaw / Greenpeace

Buckelwal

In der letzten Woche hat das Europaparlament eine Resolution zu einem Europäisch-Japanischen-Freihandelsabkommen beschlossen. Solche Abkommen lösen für die Vertragspartner vor allen Dingen Zollbarrieren und führen daher zu satten Gewinnen – in diesem Fall schätzt man die Gewinne für die EU auf 43 Milliarden und für Japan auf  53 Milliarden Euro.

Dieser Vorgang allein wäre für diesen Blog auch nicht wirklich berichtenswert. Doch die EU-Parlamentarier richten eine wichtige Botschaft an Japan: Das EU-Parlament fordert in mehreren Punkten der Resolution die “Einstellung des kommerziellen Walfangs unter dem Deckmantel der Wissenschaft” und die “Ausweisung und Akzeptanz von Walschutzgebieten”.
Hier findet Ihr die Resolution. Besondere Beachtung muss auf den Punkt H und vor allen Dingen 16 gelegt werden. Dort wird für die EU-Verhandlungen mit Japan als Agendapunkt eine Diskussion “zur Beendigung des Wissenschaftswalfangs und des Handels mit Walprodukten” gefordert.

Mit der Resolution macht das EU-Parlament einen wichtigen Schritt. Da sich die Inselnation trotz des einbrechenden Marktes und der internationalen Gegnerschaft nicht wirklich vom Walfang verabschieden will, bringen harte Wirtschaftsargumente hoffentlich die Kehrtwende.

Norwegische Walfänger töten die ersten Wale der Saison

03. Mai 2012

Sie haben wieder Harpunen auf ihr Vordeck geschraubt und so aus ihren Fischkuttern Walfangboote gemacht. Auf 18 Schiffe ist die norwegische Fangflotte in den letzten Jahren geschrumpft. Der Grund für den Rückgang von vormals 35 Schiffen ist laut einem Sprecher der norwegischen Vermarktungsorganisation das “Walfleisch-Absatzproblem”, im Klartext: “keiner will es mehr essen”. Warum auch? In Norwegen – einem der reichsten Länder der Erde – gibt es alles, was das Herz begehrt. Fleisch gezüchteter Haustiere, wenn man denn Fleisch essen will, Gemüse, Obst, schlicht alles, was man braucht.

(c) Cris Toala Olivares / Greenpeace - Ein Minkewal in der NordseeTrotzdem fahren sie wieder raus, ihre Jagd international geächtet und hoch subventioniert vom norwegischen Staat, damit das Unternehmen überhaupt rentabel bleibt. Auf die Gründe angesprochen kriegt man einen kruden, ewig gestrigen Antwortmix aus “ham wir immer so gemacht”, “gesunde Omega-3-Fettsäuren” und “die fressen uns sonst die Fischbestände weg”. Es wird auch angeführt, dass sobald das Handelsverbot für Walfleisch aufgehoben wird, der lukrative japanische Markt mit norwegischem Walfleisch beliefert werden soll.

Doch auch dieses Argument ist so fadenscheinig wie das Hemd der letzten norwegischen Walfänger. Auch die Japaner sitzen auf einem nunmehr über 6000 Tonnen schweren Walfleischberg, denn auch dort will die Bevölkerung längst kein Fleisch aus der hoch subventionierten, völkerrechtlich fragwürdigen Jagd.  Wie absurd darf’s denn noch werden? Einziger Trost ist, dass wie in den vergangenen Jahren auch, die Quote fast sicher nicht ausgeschöpft wird.

Dies ist die traurige Bilanz der vergangenen zehn Jahre:

Jahr       Quote       Fang

2002       671         634
2003       711         647
2004      670         543
2005      796         639
2006    1052         546
2007    1052         597
2008    1052         536
2009       885        484
2010     1286        468
2011      1286        529