EU-Parlament fordert Japan zur Einstellung des kommerziellen Walfangs auf

30. Oktober 2012
Todd Warshaw / Greenpeace

Buckelwal

In der letzten Woche hat das Europaparlament eine Resolution zu einem Europäisch-Japanischen-Freihandelsabkommen beschlossen. Solche Abkommen lösen für die Vertragspartner vor allen Dingen Zollbarrieren und führen daher zu satten Gewinnen – in diesem Fall schätzt man die Gewinne für die EU auf 43 Milliarden und für Japan auf  53 Milliarden Euro.

Dieser Vorgang allein wäre für diesen Blog auch nicht wirklich berichtenswert. Doch die EU-Parlamentarier richten eine wichtige Botschaft an Japan: Das EU-Parlament fordert in mehreren Punkten der Resolution die “Einstellung des kommerziellen Walfangs unter dem Deckmantel der Wissenschaft” und die “Ausweisung und Akzeptanz von Walschutzgebieten”.
Hier findet Ihr die Resolution. Besondere Beachtung muss auf den Punkt H und vor allen Dingen 16 gelegt werden. Dort wird für die EU-Verhandlungen mit Japan als Agendapunkt eine Diskussion “zur Beendigung des Wissenschaftswalfangs und des Handels mit Walprodukten” gefordert.

Mit der Resolution macht das EU-Parlament einen wichtigen Schritt. Da sich die Inselnation trotz des einbrechenden Marktes und der internationalen Gegnerschaft nicht wirklich vom Walfang verabschieden will, bringen harte Wirtschaftsargumente hoffentlich die Kehrtwende.

Norwegische Walfänger töten die ersten Wale der Saison

03. Mai 2012

Sie haben wieder Harpunen auf ihr Vordeck geschraubt und so aus ihren Fischkuttern Walfangboote gemacht. Auf 18 Schiffe ist die norwegische Fangflotte in den letzten Jahren geschrumpft. Der Grund für den Rückgang von vormals 35 Schiffen ist laut einem Sprecher der norwegischen Vermarktungsorganisation das “Walfleisch-Absatzproblem”, im Klartext: “keiner will es mehr essen”. Warum auch? In Norwegen – einem der reichsten Länder der Erde – gibt es alles, was das Herz begehrt. Fleisch gezüchteter Haustiere, wenn man denn Fleisch essen will, Gemüse, Obst, schlicht alles, was man braucht.

(c) Cris Toala Olivares / Greenpeace - Ein Minkewal in der NordseeTrotzdem fahren sie wieder raus, ihre Jagd international geächtet und hoch subventioniert vom norwegischen Staat, damit das Unternehmen überhaupt rentabel bleibt. Auf die Gründe angesprochen kriegt man einen kruden, ewig gestrigen Antwortmix aus “ham wir immer so gemacht”, “gesunde Omega-3-Fettsäuren” und “die fressen uns sonst die Fischbestände weg”. Es wird auch angeführt, dass sobald das Handelsverbot für Walfleisch aufgehoben wird, der lukrative japanische Markt mit norwegischem Walfleisch beliefert werden soll.

Doch auch dieses Argument ist so fadenscheinig wie das Hemd der letzten norwegischen Walfänger. Auch die Japaner sitzen auf einem nunmehr über 6000 Tonnen schweren Walfleischberg, denn auch dort will die Bevölkerung längst kein Fleisch aus der hoch subventionierten, völkerrechtlich fragwürdigen Jagd.  Wie absurd darf’s denn noch werden? Einziger Trost ist, dass wie in den vergangenen Jahren auch, die Quote fast sicher nicht ausgeschöpft wird.

Dies ist die traurige Bilanz der vergangenen zehn Jahre:

Jahr       Quote       Fang

2002       671         634
2003       711         647
2004      670         543
2005      796         639
2006    1052         546
2007    1052         597
2008    1052         536
2009       885        484
2010     1286        468
2011      1286        529

Walfang: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht

08. Dezember 2011

Es ist ein Skandal, über den Greenpeace schon im Oktober berichtet hat: Teile des von der japanischen Regierung angelegten Hilfsfonds für die Opfer der Katastrophe von Fukushima sollen in den Walfang investiert werden. Meine Kollegen in Japan sowie eine Reihe anderer NGOs protestierten daraufhin vor Ort. Sie forderten die japanische Regierung auf, die veranschlagten zusätzlichen 21 Millionen Euro für konkrete Maßnahmen zu nutzen, die den Menschen in der Region Fukushima zugute kommen, anstatt sie für die antiquierte Jagd auf Wale zu verwenden.

Diese Woche ist in Japan die Walfangflotte ausgelaufen. Sie wollen in der Antarktis Jagd auf knapp 1.000 Wale machen, darunter etwa 50 der gefährdeten Finnwale.

Das sagt eigentlich schon genug aus:  Japan hat, was den Walfang in heutigen Zeiten angeht, nichts dazu gelernt. Die Walfangflotte setzt sich damit über internationale Gesetzte hinweg. Hinzu kommt in diesem Jahr die Unterstützung der japanischen Regierung zum Schutz der Flotte aus Geldern, die eigentlich den Opfern der Katastrophe von Fukushima vorbehalten war. Die vereinigte Gruppe aus NGOs in Japan hat daher einen offenen Brief geschrieben. Darin fordert sie die Verantwortlichen der Regierung auf, die Subventionen für den Walfang einzustellen und für humanitäre Projekte zu verwenden.

Zu dieser Verschwendung von Steuergeldern drückt sich mein japanischer Greenpeace-Kollege absolut treffend aus. Er meint: „Nicht nur, dass die Walfang-Industrie ohne steigende finanzielle Hilfe der Regierung gar nicht in der Lage wäre zu überleben, es werden jetzt zudem noch Gelder von den Menschen abgezogen, die sie derzeit am dringendsten benötigen. Dies stellt einen neuen Tiefpunkt für die schamlose Walfang-Industrie dar, unterstützt von kaltschnäuzigen Verantwortlichen in der Regierung“.

Der Markt für Walfleisch in Japan ist seit Langem überschuldet und nicht mehr profitabel. Außerdem lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Walfang ab. Zeitgleich sieht sich Japan mit den Folgen der Katastrophe von Fukushima konfrontiert. Wie viele Argumente gegen die Jagd auf Wale müssen eigentlich noch hervor gebracht werden, bevor die Verantwortlichen eine neue Richtung einschlagen?

(Autor: Sebastian Buschmann)