Stau auf der Autobahn
Greenpeace Gastautor
24.07.2017

Dieselkartell: Die deutsche Autoindustrie auf dem Weg in die Sackgasse

Als die US-Umweltschutzbehörde EPA am 18. September 2015 mitteilte, Volkswagen habe mit manipulierten Abgaswerten gegen den amerikanischen Clean Air Act verstoßen, bemühten sich Vertreter und Freunde der deutschen Autoindustrie um Rufschadensbegrenzung. Von einem beklagenswerten Einzelfall war die Rede, vom schwarzen Schaf VW, das eine ganze Branche unverdient in Misskredit bringe. Dieser Erzählung schenkten viele nur zu gerne Glauben.

Vom Dieselgate zum Dieselkartell

Nur 22 Monate später ist von dem Urvertrauen in die einstige deutsche Vorzeigeindustrie nichts mehr übrig. Das Verhalten der deutschen Autobauer dürfte inzwischen auch unter eingefleischten Hütchenspielern als unseriös gelten. Mit den Enthüllungen zum Dieselkartell ist ihr Ansehen auf ein neues Rekordtief geschrumpft.

Aus reiner Profitgier unterlaufen die Autokonzerne Umweltauflagen. Dieses Verhalten ist nicht nur für saubere Luft und gutes Klima verheerend, es bedeutet auch eine massive Gefahr für die Branche selbst. Während in Ländern wie Norwegen, Frankreich und Indien das Ende des Verbrennungsmotors beschlossene Sache ist und man sich dort auf den Umstieg auf eine Neue Mobilität vorbereitet, versanden die kreativen Energien der deutschen Autoindustrie beim Versuch, eine todgeweihte Technologie noch irgendwie über die Runden zu retten.

Crash mit Ansage

Jahrelang hat die Autoindustrie hierzulande auf die Überzeugungskünste ihrer Lobbyisten gesetzt – statt auf den Hirnschmalz ihrer Ingenieure. Innovationen wurden durch Kartellabsprachen und Betrug ersetzt. Ohne klare politische Vorgaben braust Deutschlands Schlüsselindustrie damit nahezu ungebremst in eine technologische Sackgasse. Die Bundesregierung darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie eine offenkundig orientierungslose und obendrein kriminell agierende Branche Klima und Umwelt zerstört.

Nur wenn Angela Merkel dem Auslaufmodell Verbrennungsmotor schon heute ein klares Enddatum setzt, kann sie diesen Crash mit Ansage verhindern. Ein solches Verbot für das fossile Geschäftsmodell kann dafür sorgen, dass aus Behäbigkeit wieder Kreativität wird – und zwar in den Forschungsabteilungen und nicht in bei den Lobbyisten und Juristen der Konzerne.

Autor: Tobias Austrup 


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Hallo, ihr Blogger zum Thema Diesel,
Die an den Dieselabgas-Manipulationen beteiligten Firmen der Autoindustrie haben die Abgaswerte ihrer Dieselmodelle aus Profitgier in betrügerischer Absicht manipuliert und sehr vielen Menschen und Institutionen großen Schaden zugefügt.

Geschädigt wurden - zunächst noch ohne eine Wichtung nach Schwere und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
a) Die Käufer der betroffenen Fahrzeuge,
b) Unser Land und das Image "Made in Germany", was eine generelle Auswirkung auf die Arbeitsplätze - und zwar generell, nicht nur bei den Autokonzernen und Zulieferern - haben wird,
c) Die Aktionäre aller diese Firmen,
d) Die Menschen, die durch die giftigen Abgase gesundheitlich beeinträchtigt oder krank geworden sind.
e) unsere Umwelt, lokal und global

Ich bin nicht der Meinung, dass die Geschädigten sich mit einem Deal zwischen Bundesregierung und Autoindustrie, zum Beispiel "Software Update" abfinden müssen.
Ganz abgesehen von dem offensichtlich vorliegenden Straftatbestand: Es gilt das Verursacherprinzip. Die Geschädigten also müssen adäquat entschädigt werden.
Das ist keine einfache oder gar schnell lösbare Aufgabe, aber wir haben so viele kluge Wissenschaftler.
In Deutschland sind keine Sammelklagen zugelassen.
Vielleicht wäre das einmal eine Aufgabe für die Politik, über ihre Zulassung auch in Deutschland nachzudenken.
Denn wo ist die Instanz, die einen Ausschuss von kompetenten - und gleichzeitig unbestechlichen - Fachleuten zusammenstellt, die die Höhe der Schäden in Währungseinheit ermitteln kann?
Herzlichst
Jwark
Natürlich ist das Verhalten von VW unananehmbar. Jedoch muss in diesen Zusammenhang auch die Umweltauflagen auf Sinnhaftigkeit überprüft werden. Aktuelles Beispiel ist die Diskussion in Dt bezgl Dieselfahrverbote wegen Stickoxiden. Wenn die 40 Mirkogramm gesundheitschädlich (toxikologische Untersuchnugen fehlen hier!) sind, dann ist die Grenze von 950 Mikrogramm am Arbeitplatz mit wesentlicher höherer Priorität zu diskutieren, da a) um über das 20 fache höher und b) die Leute 8h+ den Stickoxiden ausgesetzt.
Leider sehe ich hier keine Transparente an Bürogebäuden zb V Greenpeace. So bleibt leider ein schaler Beigeschmack.
Beide Grenzwerte sind unvereinbar entweder beide bei 40 Mikrogramm (mit dem fehlenden Nachweis des direkten Zusammenhangs) oder beide bei 950.
Wahrhaftig postfaktische Zeiten
Diese Autolobby ist an Arroganz mit nichts zu überbieten.Im Jahre 1979 stellte ich den ersten City -E-Shopper für Berlin in der Sendung Telemot mit dem Moderator Herrn Friedrichs im ZDF/SFB vor.Das von mir entworfene E-Muster Auto( 2 Personen und Gepäck)sollte nur für den Stadtbereich die Innenstädte entlasten vom Benzin und -DieselAuto Verkehr.Die einzige Antwort der Herren von VW war," Ja das E-Auto gibt es ja schon seit 1903" meine Antwort darauf <" Dann haben Sie 76 Jahre verschlafen" denn die Zeit ist reif,das war vor --38 -Jahren und bis Heute von der Autolobby bewust nicht weitergebracht,denn ich hatte damals schon die Batterien als Einschub- Schnellwechseleinrichtung konzipiert.Das Auto,als Zweitwagen fuhr ca 140 -.180km mit einer Ladung welche damals ca.1,60-1,90 DM kostete.Kein Wunderwerk der Technik,sondern alles aus Kaufteilen zusammen gebaut.Man hätte also Erfahrungen sammeln können mit einem E-Auto was mich als "Tech.-Bastler " ca.9000DM gekostet hat,aber wenn wir solche Volksvertreter wie Frau Merkel haben ,die noch nach Brüssel fährt um der deutschen Autolobby die Abgasnormenhaben hoch zuhalten und einen auf Neujob hin arbeitenden Verkehrsminister Herrn Dobrindt der ein "Software Update " vereinbart zuläßt welches Meilenweit von der europäischen Norm abweicht,
z.T bis 600%!!!! dann "Gute Nacht Deutschland" Mich wundert nur wie man solche Parteien wählen kann.