Grillteller ohne Fleisch
Greenpeace Gastautor
04.09.2017

Fleisch: Macht, Stärke, (Im)potenz!

Das Klischee vom starken Mann mit der Grillzange ist immer noch der Liebling der Werbebranche. Warum gerade Männer sich davon nicht locken lassen sollten, erklärt Gastautorin Marieke Graf.

Feuerprasseln. Tannenwald. Kanonenrauch und Schlachtenlärm. Darüber eine Stimme direkt aus Game of Thrones: „Am Anfang war das Feuer, das aus Knaben Männer macht.“ Aus dem Werbespot „#Herren des Feuers“ quillt das Testosteron. Am Ende steht ein Mann am Grill und wird zum einzig wahren Symbol von Männlichkeit bekehrt: Fleisch.

Geil gemachter Spot mit Millionen Views. Er schreit heraus, was – der verfluchten Grillsaison sei Dank – in nur wenig abgewandelter Form derzeit aus allen Supermärkten dröhnt: Männer, grillt euer Steak!

Nun vergessen wir mal kurz, dass es „echte Männer“ genauso wenig gibt wie falsche Männer. Wir vergessen, was wir über Geschlechterrollen und das Ablegen derselben wissen und lassen auch außer Acht, dass Männer genau wie alle anderen Menschen niemandem etwas beweisen müssen; schon gar nicht, was ihr Geschlecht betrifft.

Also tief durchatmen und ab geht’s: Was sagen die drolligen Geschlechterklischees denn nun über Männlichkeit? Was zeichnet sie aus?

Macht!

Stärke!

Potenz!

Aha, interessant - nur der Link zum Fleisch, der wird dadurch ja so gar nicht klar.

Denn, lieber Mann, wenn du das alles wirklich haben möchtest, wenn du also “ultimativ männlich“ sein möchtest, dann lautet die erste Regel: Kein Fleisch essen.

Halt stopp, was?

Klingt jetzt hart, aber das hat die Weltgesundheitsorganisation nunmal in den letzten Jahrzehnten rausgefunden: Fleisch macht weder mächtig noch stark noch potent sondern vor allem Krebs. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist verarbeitetes Fleisch, sprich das Grillwürstchen, krebserzeugend. Rotes Fleisch, sprich das Steak, ist wiederum wahrscheinlich krebserzeugend. Krebs, das bedeutet Schwindel, Schmerzen, Krankenhaus, vielleicht sogar Tod. Wer Krebs hat, fühlt sich oft ohnmächtig und ausgeliefert. Chemotherapie und Macht passen nicht zusammen.

Der ehemalige Feuerwehrmann Rip Esselstyn erzählt, warum er Veganer geworden ist.

 

Aber stark! Fleisch macht doch auf jeden Fall Muskeln! Rohe Kraft und Schlachtplatte sind ein super Team, oder?

Fleisch enthält Proteine und die helfen zunächst beim Muskelaufbau. Man kann also stolz mit seinen prallen Oberarmen prahlen – bis der erste Herzinfarkt kommt. Dass der sich irgendwann einstellt, ist ziemlich wahrscheinlich, weil Fleisch neben Proteinen viel Cholesterin, gesättigte Fettsäuren und oft auch viel Salz enthält. Mit gutem Grund empfehlen Ärzt*innen zur Vorbeugung von Herzinfarkten, wenig Fleisch zu essen. Ignoriert man das geschieht folgendes: Die Blutgefäße setzen sich zu, Herzinfarkt, Operation, ans Bett gefesselt, Reha. Leider gar nicht stark.

Der vegane Bodybuilder Patrik Baboumian zeigt auf Instagram, dass man kein Fleisch braucht, um groß und stark zu werden.

Zum Abschluss die Potenz. Das ewige Symbol der Manneskraft ist bald nicht mehr so aufrecht und fest, wenn sich auch die Adern da unten zusetzen. Wenn schon die fetten Herzgefäße verstopfen, schließen sich auch kleinere Blutgefäße. Eventuell gerade die für den Aufwärtstrend dringend benötigten. Fleisch kann also impotent machen.

Blogger Mic. the Vegan erklärt noch mal ausführlich, welche Auswirkungen Fleischkonsum auf die männliche Potenz haben kann.

Fleisch macht also überhaupt nicht „männlich“. Lach bei der nächsten Biergartenrunde einfach über die Vegetarierwitze deiner Kumpels oder erklär ihnen, was sie noch nicht gerafft haben. Und später beim Fußball ziehst du sie mit deiner Fitness richtig ab.

Für alle anderen Menschen ist ein geringer Fleischkonsum übrigens auch eine schlaue Idee.

 

Zur Autorin:

Marieke Graf hat Umweltwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg studiert. Sie lebt vegan und macht derzeit ein Praktikum bei Greenpeace.

Auf Instagram zeigt Greenpeace, was man außer Fleisch noch so essen kann.

PS: Übrigens ist Impotenz ein wichtiges Alarmzeichen für einen drohenden Herzinfarkt. Schnell zum Arzt oder zur Ärztin und bloß nicht darüber schweigen.


Greenpeace Gastautor

Gastautor

Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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