Japaner wollen weniger Wale im Südpolarmeer schießen?!

05. September 2014

Die japanische Presse verkündete gestern, die kommende Waljagd in den antarktischen Gewässern auf Minkewale beschränken zu wollen. Keine Finn- oder Buckelwale sollen getötet werden. Im März hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, dass das zu dieser Zeit aktuelle Walforschungsprogramm JARPA II (für englisch Japanese Whale Research Program under Special Permit in the Antarctic) eingestellt werden müsse. Zusammen mit vielen weiteren Walschutzorganisationen feierten wir die Entscheidung als Riesenschritt für die komplette Einstellung der kommerziellen Jagd.

Auch die japanische Administration lenkte zunächst ein und ließ die Welt wissen, sich an das Fangverbot halten zu wollen. Doch nur wenige Wochen später ruderten die japanischen Entscheidungsträger zurück – man wolle die Walforschung neu auflegen, dies ließ allen voran Shinzo Abe, der japanische Premierminister öffentlichkeitswirksam verlauten. Während des kommenden Jahrestreffens der Internationalen Walfangkommission IWC, die vom 15. bis 18. September in Slowenien stattfinden wird, soll das neue Forschungsprogramm präsentiert werden.© Jeremy Sutton-Hibbert/Greenpeace - Getöteter Minkewal an japanischem Fangschiff im Südpolarmeer

Mit der gestrigen Nachricht will man offensichtlich so tun, als ob man den Walschutznationen entgegenkomme, nur Minkewale und davon deutlich weniger als früher, sollen in den eisigen Gewässern der Antarktis geschossen werden. Doch hier lohnt sich ein zweiter Blick, denn de facto ändert sich nicht wirklich etwas:

Für JARPA II lag die Fangquote von Finn- und Buckelwalen bei 50 Tieren pro Saison. Tatsächlich wurden während des vorgesehenen JARPA-Zeitraums von sechs Jahren 18 Finnwale und kein einziger Buckelwal geschossen, obwohl die Quote bei jeweils 300 Tieren lag. Außerdem wird betont, es solle eine deutliche Reduktion der Minkewal-Quote geben. Auch dies dürfte in der Realität keine echten Auswirkungen haben, da zum Beispiel die letztjährige Quote bei 935 Tieren lag, tatsächlich wurden aber 251 Minkes geschossen.

Fakt ist, die antarktische Jagd im Walschutzgebiet ist ein knallhartes Minusgeschäft. Eine Fangflotte über 6000 Seemeilen von ihrem japanischen Heimathafen operieren zu lassen, kostet vor allen Dingen japanische Steuern. Unverständnis für das Stillhalten der japanischen Bevölkerung ist daher wirklich angebracht. Denn die will das Fleisch der Wale offensichtlich gar nicht essen, über 6000 Tonnen Walfleisch lagern bereits in Nippons Kühlhäusern. Der Absatz stagniert.

Auch Norwegen und Island beharren auf der Waljagd. Am isländischen Walfang ist über Handelsbeziehungen zum Fischereikonzern HB Grandi hf auch die deutsche Firma Deutsche See beteiligt. Greenpeace fordert die Geschäftsführung von Deutsche See deshalb auf, ihre Handelsbeziehungen zu HB Grandi hf so lange einzustellen, bis der Walfang beendet ist. Unterstützen Sie unsere Kampagne und wenden Sie sich direkt an Deutsche See. Eine Briefvorlage finden Sie hier.

Keiner mag Walfleisch

27. August 2014

Unglaublich – Norwegens Walfänger feiern die höchste Abschussquote seit über zwanzig Jahren. Die Walfangsaison 2014 neigt sich dem Ende zu und 729 Minkewale fanden den Tod durch Harpunen.

Offensichtlich haben das gute Sommerwetter, die entsprechend ruhige See und wenig Wind den Walfängern in die Hände gespielt. Menschliche Gier und ein klein wenig Mordlust waren dabei wohl auch von Bedeutung. Denn eigentlich ist bekannt, dass niemand das Fleisch essen will. Weder die Norweger selbst, noch die Japaner, an die ein Teil des Walfleisches geliefert werden soll. Der Markt für Walfleisch ist eingebrochen, er existiert nahezu nicht mehr. Das gibt ein Sprecher der norwegischen Fangflotte  auch unumwunden zu. Und doch interessiert ihn die Absatzschwierigkeit relativ wenig. Wie traurig, wie dumm.

Auch die isländischen Walfänger melden den Abschuss von beinahe 100 Finnwalen – und die Saison ist noch nicht vorbei. Die Quote liegt bei 154 Tieren, im letzten Jahr wurden 139 Finnwale getötet. Anders als bei der norwegischen Minkewaljagd gibt es für das Fleisch der Finnwale überhaupt keinen nationalen Markt,es ist ausschließlich für den japanischen Verbraucher bestimmt. Doch auch hier  das gleiche Phänomen, keiner will es essen. Kristjan Loftsson, einer der reichsten Männer Islands und Betreiber der Finnwalfangflotte will mit dem Festhalten an der Jagd seine Unabhängigkeit und Macht demonstrieren. Anders ist das offensichtliche Defizitgeschäft nicht zu erklären.

Es ist an der Zeit, dass ihn jemand in die Schranken weist. Eine Möglichkeit dazu hat das größte deutsche Fischhandelsunternehmen „Deutsche See“ und Greenpeace fordert die Geschäftsführung dazu auf, endlich aktiv zu werden. Deutsche See bezieht einen großen Teil des Fischangebots vom isländischen Anbieter HB-Grandi hf. Hinter HB-Grandi hf. wiederum steht als Aufsichtsratsvorsitzender Kristjan Loftsson. Die Aussage “Deutsche See finanziert den isländischen Walfang” ist also alles andere als falsch. Aber die Geschäftsführer des deutschen Unternehmens zeigen sich uneinsichtig. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Die Linke: Sommerfest statt Kohleprotest

23. August 2014

Gemütlich mit Würstchen, Bier und einem angenehmen Unterhaltungsprogramm zur Berieselung feiert Die Linke am heutigen 23.08.2014 im Potsdamer Lustgarten ihren Wahlkampfauftakt. Ehrengäste: der brandenburgische Spitzenkanditat Christian Görke und die Bundesvorsitzende Katja Kipping. Wie schon bei der fragwürdigen Entscheidung zum Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd II, ducken sich die  Landespartei in Brandenburg und die Bundesvorsitzende Katja Kipping, wenn es um Kohle geht.

Während im Lustgarten Friede, Freude, Eierkuchen suggeriert wird, protestieren zur gleichen Zeit in der Lausitz mehrere tausend Menschen gegen die vielleicht größte Umweltkatastrophe, die derzeit in Europa passiert. In Brandenburg und Sachsen, ebenso wie in Polen sollen gigantische neue Braunkohlegruben ausgehoben werden. Dabei reichen die schon genehmigten Lausitzer Tagebaue aus, um die Kraftwerke der Region für weitere 20 Jahre mit Braunkohle zu beliefern. Und bis spätestens 2030 muss mit der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger ohnehin Schluss sein, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Für Deutschlands Energieversorgung wird der Braunkohleabbau in Welzow Süd II und weiteren neuen Tagebauen nicht benötigt, wie u.a. ein Gutachten im Auftrag der linken Umweltministerin Anita Tack bestätigt. Der boomende Ausbau der Erneuerbaren Energien macht es möglich. Denn im ersten Halbjahr 2014 wurden 28% der Stromversorgung Deutschlands durch Erneuerbare bereitgestellt.

(c) Mike Schmidt/Greenpeace - Sommerfest statt Kohleprotest bei den Linken und Katja Kipping

(c) Mike Schmidt/Greenpeace - Katja Kipping auf dem Sommerfest der Linken in Potsdam

Kein Wunder also, dass der Protest gegen neue Braunkohlevorhaben wächst. Nicht nur in der Lausitz, Deutschland und Polen. Aus 19 europäischen Ländern sind die Menschen heute zur ersten internationalen Menschenkette gegen Kohle angereist. Die Parteioberen der Linkspartei hingegen, im Selbstverständnis politisches Sprachrohr der Zivilgesellschaft, halten sich aus diesem Protest raus.

Ein Affront für die 800 Menschen, die in Brandenburg ihre Häuser räumen und ihre Heimat verlassen sollen, um dem Tagebau Welzow-Süd II Platz zu machen. Durch den weiterhin geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord wären in  Brandenburg weitere 900 Menschen von Heimatverlust und Abbaggerung betroffen.

Mit ihrer fragwürdigen Positionierung zum Thema Braunkohle widerspricht sich die Linkspartei zum wiederholten Male selbst. Mit der Zustimmung des rot-roten Kabinetts zum Braunkohlenplan Welzow-Süd II ist Brandenburg von einem Ausstieg aus der klimaschädlichen Energieerzeugung aus Braunkohle weiter entfernt denn je.  Auf Bundesebene hingegen macht sich die Linkspartei scheinbar für einen Kohleausstieg stark – als Oppositionspartei. Doch was nützt dies, wenn die Partei, sobald in Regierungsverantwortung, ihre kohlekritischen Wahlverspechen vergisst. War Die Linke Brandenburg noch im Jahr 2008/2009 Mit-Initiator des Volksbegehrens “Keine neuen Tagebaue – für eine zukunftsfähige Energieversorgung”, treibt sie heute als Regierungspartei die Abbaggerung ganzer Dörfer und die Fortsetzung der klimaschädlichen Verstromung von Braunkohle voran.

Gerade eine Partei, die von anderen fordert mit gutem Gewissen voranzugehen, nimmt somit am Ende des Tages nicht einmal ihr eigenes Wahlprogramm ernst.

Zwar bekennt sich Die Linke Brandenburg im aktuellen Wahlprogramm erneut zum Kohleausstieg. Doch wie passt das mit der Zustimmung zum Tagebau Welzow-Süd II zusammen? Und kann man einer Partei überhaupt Glauben schenken, die bei der Kohlefrage schon einmal Wort gebrochen hat und die lieber im Lustgarten feiert statt in der Lausitz mit der Zivilgesellschaft für eine lebenswerte und erneuerbare Zukunft zu demonstrieren?

Wäre der Kohleabbau in der Lausitz nicht ein so unglaublich zerstörerischer Raubbau an Mensch und Natur, dann könnte man meinen, man hat es hier mit einem Witz zu tun.

Den Menschen in der Lausitz, der Umwelt und dem Klima jedenfalls nützt es rein gar nichts, wenn Die Linke immer nur dann gegen Kohle ist, wenn sie Oppositionspartei ist. Es ist mehr als Zeit, dass sich die Partei nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Regierungsverantwortung für den Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohle stark macht.