Seit vergangenem Donnerstag logieren Greenpeace-Aktivisten in einem Waldcamp im Spessart - umgeben von über 140 Jahre alten Buchen und Eichen. Damit diese wertvollen Bäume auch in Zukunft dort stehen, müssen sie dringend vor profitorientiertem Einschlag geschützt werden. Greenpeace dokumentiert den Bestand vor Ort, da die bayerische Landesregierung Informationen über öffentliche Waldflächen zurückhält.
Am Sonntag fand eine Informationsveranstaltung von Greenpeace für die Bürger in Heigenbrücken statt. Wir haben ihnen erklärt, warum wir im Wald sind: „Wir brauchen dringend Auskunft, wo sich die besonders wertvollen Bestände befinden, sagt Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. Nur so können wir sicher gehen, dass diese Wälder ausreichend geschützt werden können.“
Silvia, eine Aktivistin aus Würzburg, ist im Waldcamp dabei und war gestern Abend im Gasthaus “Zur frischen Quelle” bei der Infoveranstaltung. Sie erzählt:
„Gestern Abend bin ich im Greenpeace Camp im Spessart angekommen und heute war gleich so einiges los. Das Highlight des ersten Tages für mich war die Informationsveranstaltung im Gasthof „Zur frischen Quelle“. Wir kamen dort so ungefähr um halb fünf an und schon da war der Raum fast voll. Eine halbe Stunde später, als die Veranstaltung begann, war der Raum so voll, dass nicht alle Besucher in den Saal konnten. Die Türe blieb daher offen, so konnte trotzdem jeder gut hören. Ich war echt begeistert von dem immensen Interesse der Bevölkerung. Echt klasse!
Auch die Vertreter von der Presse sind zahlreich erschienen und es wurde viel fotografiert und gefilmt. Die Stimmung im Gasthaus war freundlich, aber dennoch habe ich mich als Greenpeace-Aktivistin etwas komisch gefühlt. Ein bisschen so, als wäre plötzlich eine Giraffe im Raum. Wir wurden auf jeden Fall mit viel Interesse begutachtet.
Wolfgang Sadik von Greenpeace hat die Veranstaltung mit ein paar einleitetenden Worten eröffnet. Dabei hat er auch den Bürgermeister von Heigenbrücken und Herrn Neft, Mitglied des Vorstands der BaySF und zuständig für den Spessart, begrüßt.
Oliver Salge und Martin Kaiser, Waldexperten bei Greenpeace, haben anschließend Zahlen, Daten und Fakten geliefert. Das haben sie auf schöne Art, durch Grafiken und aussagekräftige Bilder, rüber gebracht. Auch für mich war es noch mal sehr hilfreich das alles zu hören. Dass in Naturschutzgebieten eingeschlagen werden darf, hat mich echt schockiert.
Die Vertreter vom Bund Naturschutz waren ebenfalls dabei. Sie haben ihre Infos, die sie selbst im Spessart gesammelt haben, mitgebracht und Greenpeace damit unterstützt. Den Argumenten der BaySF haben sie dagegen den Wind aus den Segeln genommen – mit Bildern über Kahlschlag und einem Wald, der aussieht wie ein Flickenteppich.
Auch Herr Neff und der Bürgermeister haben ihre Statements abgegeben. Bei der BaySF dachte ich, ich höre nicht richtig – angeblich läuft ja in den bayrischen Wäldern alles super, nachhaltig und alte wertvolle Buchen werden nicht abgeholzt. Das Bild, dass ich mir im Wald machen konnte sah da ganz anders aus.
Die Diskussion kam wirklich gut in Gang und hat die Blickwinkel aller beteiligten Parteien aufgezeigt.
Allerdings haben sich einige Bürger mit ihrer Meinung zurückgehalten. Das hat mich gewundert, schließlich geht es doch um “ihren” Wald. Es gab jedoch auch Bürger, die das Vorgehen von Greenpeace gut finden und das auch geäußert haben.
Fest steht für mich nach diesem Abend, dass es bestimmt nicht einfach wird. Dennoch hat es auch gezeigt, dass wir Unterstützer vor Ort haben. Mich hat es riesig gefreut, dass sich die Leute am Sonntagabend die Zeit für die Veranstaltung genommen haben. Egal, ob sie den Arbeiten im Camp positiv oder negativ gegenüber stehen.“
Auch Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace, zieht ein positives Feedback:
„Für den Abend wurden 100-120 Leute erwartet. tatsächlich kamen nach Schätzung der Wirtin 250-300 Interessierte! Alle haben gar nicht in den Raum gepasst, sondern mussten im Vorraum zuhören.
Reinhardt Neft von den bayrischen Staatsforsten (BaySF), hat auf die Nachfrage, ob er jetzt bereit sei, die Daten komplett herauszugeben, entgegnet, dass wir am 19. Februar ein paar Daten bekämen, aber sicher nicht das, was wir erwarten würden. Das kam gar nicht gut an bei der Bevölkerung!
Die Statements der Bürgerinnen und Bürger waren klar pro Greenpeace. Von ‘Warum macht ihr das nicht einfach?’ (zehn Prozent der Wälder schützen), bis hin zu ‘Vor zwanzig Jahren hatten wir noch Wald, jetzt nur noch durchsichtige Baumgerippe’.
Nach der Veranstaltung haben wir derart viel Zuspruch von alten Förstern, Jägern sowie vielen besorgten Bürgern und Bürgerinnen bekommen. Wald ist ein Thema in Heigenbrücken!“
Main.tv berichtete von der Veranstaltung. Das Video könnt ihr euch hier ansehen.
Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen! Wie es im Camp aussieht, zeigt euch Waldexpertin Gesche Jürgens im Video:












