Sebastian Bock (c) Sebastian Bock / Greenpeace
Sebastian Bock arbeitet zurzeit für Greenpeace in London. Als Teil des internationalen Waldnetzwerks beschäftigt er sich hauptsächlich mit der Rolle des Regenwaldes für den Schutz des Klimas und der Artenvielfalt.
„Wer andere berät, glaubt fest an die eigene Überlegenheit. Wer alles besser weiß, wird nichts verstehen.“, so der Untertitel eines Anfang März in der FAZ erschienen Artikels über die Unternehmensberatung McKinsey & Company. McKinseys Berater, so verkündete Herbert Henzler, ein ehemaliger Leiter, kürzlich in der ZEIT, seien „Teil einer außergewöhnlichen Organisation, eines Spitzenteams“. Die horrenden Kosten einer McKinsey-Beratung, so Henzler weiter, zeigten dann auch, „dass es um die ganz wichtigen Themen gehen muss“, wenn ein Elitetrupp von McKinsey eingeflogen wird. Dass ein ehemaliger Mitarbeiter dieses Selbstverständnis in derselben Zeitung als „künstliches Wertegerüst“ oder sogar als „Gehirnwäsche“ bezeichnet, kratzt dabei wenig am Selbstvertrauen der Meckies, wie die Berater oft genannt werden.
Diese Kritik an McKinsey mag nicht ungewöhnlich erscheinen, aber die Unternehmensberatung mit steigenden Treibhausemissionen und Klimawandel in Verbindung zu bringen, käme wohl den wenigsten in den Sinn.
Doch der Schein trügt. Vor knapp einem Jahr veröffentlichte Greenpeace eine Studie, um auf den schlechten Einfluss von McKinsey auf Konzepte zum Wald- und Klimaschutz in Entwicklungsländern hinzuweisen. Weil rund ein Fünftel aller weltweit freigesetzten Treibhausgase aus der Zerstörung von Wäldern stammen, sollen Entwicklungsländer, die ihren Wald schützen, hierfür einen finanziellen Ausgleich erhalten. Um von diesen Ausgleichzahlungen zu profitieren, müssen die Länder jedoch Konzepte ausarbeiten, die zeigen, wie sie den Waldschutz umsetzen werden. An dieser Stelle kommt McKinsey ins Spiel: Die Firma berät die Regierungen vieler Regenwaldnationen bei der Ausarbeitung dieser Konzepte. Die Vorschläge, die McKinsey hierzu unterbreitet hat, zeigen jedoch vor allem eins: Dass die Berater sehr wenig vom Wald und dessen Komplexität verstehen. Glaubt man McKinsey, ist alles sehr einfach. Die Firma hat ein Modell entwickelt, welches scheinbar erlaubt, die Kosten verschiedener Methoden zur Reduzierung der Entwaldung zu vergleichen und dann einfach die günstigste auszuwählen. Was zunächst wie eine gute Idee klingt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als katastrophale Vereinfachung.
Für die Berater scheint Wald vor allem eins zu sein: Ein riesiger und vor allem günstiger Speicher für Treibhausgase. Vergessen wird dabei, dass der Wald unverzichtbar für unzählige Tier- und Pflanzenarten und gleichzeitig die Lebensgrundlage für 1,2 Milliarden Menschen ist, die von oder im Wald leben.
McKinsey spielt die großflächige Zerstörung von Regenwald durch Bergbau, Abholzung oder die Umwandlung in kommerzielle Plantagen systematisch herunter und identifiziert traditionelle landwirtschaftliche Methoden als Hauptursache für Entwaldung. Ginge es nach den Beratern, würden solche traditionellen Praktiken durch industrielle Landwirtschaft ersetzt. Unklar bleibt hierbei, was mit den Menschen, die bisher im oder vom Wald gelebt haben, passieren soll.
Während die meisten von uns Urwälder mit einer einmaligen Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen verbinden, ist für McKinsey ein Baum so gut wie der andere. So kommt es dann, dass die Berater häufig Maßnahmen zur Aufforstung durch kommerziellen Plantagen – oft Monokulturen – vorschlagen und gleichzeitig erschreckend wenig darüber sagen, was für Effekte ihre Vorschläge auf die lokale Artenvielfalt hätten.
Leider macht McKinsey es unmöglich, nachzuvollziehen, warum so wichtige Aspekte des Waldschutzes einfach außer Acht gelassen werden. Die Firma weigert sich bis heute, die Annahmen und Daten, die ihren Empfehlungen zugrunde liegen, zu veröffentlichen. Ein Problem, auf welches nicht nur Greenpeace hingewiesen hat. Kurz nach Veröffentlichung des Berichtes bestätigte Benoît Bosquet, Waldexperte der Weltbank, bei einer Präsentation der Arbeit, dass McKinseys Verschwiegenheit ein großes Problem für alle Beteiligten sei .
Seit mittlerweile mehr als einem Jahr fordert Greenpeace McKinsey auf, dieser Praxis der Geheimniskrämerei ein Ende zu setzen. Wer sich so nachdrücklich als Elite versteht, sollte zumindest eine unabhängige Überprüfung seiner Arbeit ermöglichen.
Während McKinsey sich bis heute nicht offiziell zu der vorgebrachten Kritik geäußert hat, ziehen betroffene Regierungen mittlerweile die Konsequenzen. Ende letzten Jahres setzte die neue Regierung in Papua-Neuguinea einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit McKinsey. Ein Regierungsvertreter sagte, man „sei erleichtert, dass sie [McKinsey] weg seien, jetzt können unsere nationalen Experten wieder die Führungsrolle übernehmen“. Als Gründe für das Ende der Kooperation nannte eine weitere Quelle unter anderem „den Greenpeace-Report über McKinsey sowie einen früheren Bericht der Rainforest Foundation, [welche] Fragen über ihre [McKinseys] Arbeit aufwarfen“ . Neben der Qualität von McKinseys Beratung dürften auch die saftigen Honorare der Firma eine Rolle für die Entscheidung gespielt haben. Der papua-neugineanische Blog PNGexposed veröffentlichte interne Dokumente, welche zeigen, dass McKinsey Papua-Neuguinea mehr als 11.000 US-Dollar pro Seite für einen knapp 40-seitigen Bericht zum Waldschutz berechnete. Dies ist umso unverständlicher, als das McKinsey selbst in einem vertraulichen Dokument an die Regierung bestätigt, das die eigenen Berater während der Ausarbeitung des Berichts „sehr wenig Zeit in Papua-Neuguinea verbracht haben“.
Greenpeace-Recherchen zeigen, dass McKinsey weiterhin Regierungen in Entwicklungsländer in Bezug auf Waldschutz und andere Klimathemen, wie zum Beispiel Green Growth, berät. Es wird Zeit, dass McKinsey offenlegt, warum so wichtige Themen wie der Schutz der Artenvielfalt und die Rechte der Menschen, die im oder vom Wald leben, in den Analysen der Firma kaum vorkommen, während der Einfluss der wahren Verursacher der Waldzerstörung systematisch heruntergespielt wird.
„Wer andere berät, glaubt fest an die eigene Überlegenheit. Wer alles besser weiß, wird nichts verstehen.“, so der Untertitel eines Anfang März in der FAZ erschienen Artikels über die Unternehmensberatung McKinsey & Company. Ein Blick auf die Homepage der Berater offenbart schnell, dass McKinsey dem ersten Teil dieser Aussage sicher zustimmen würde. Man versteht sich als Elite. Nur die Besten der Besten arbeiten hier. McKinseys Berater, so verkündete Herbert Henzler, ein ehemaliger Leiter, kürzlich in der ZEIT, seien „Teil einer außergewöhnlichen Organisation, eines Spitzenteams“. Die horrenden Kosten einer McKinsey-Beratung, so Henzler weiter, zeigten dann auch, „dass es um die ganz wichtigen Themen gehen muss“ wenn ein Elitetrupp von McKinsey eingeflogen wird. Das ein ehemaliger Mitarbeiter dieses Selbstverständnis in der selben Zeitung als „künstliches Wertegerüst“ oder sogar als „Gehirnwäsche“ bezeichnet, kratzt dabei wenig am Selbstvertrauen der Meckies, wie die Berater oft genannt werden.
Auch wenn selbst die Financial Times und das Manager Magazin kürzlich davon sprachen, das mittlerweile insolvente Solarunternehmen Q-Cells, welchem McKinsey noch im Dezember 2011 ein „funktionierendes Geschäftsmodell“ bescheinigte, sei in die Pleite beraten worden, so verbindet man McKinsey ansonsten doch eher selten mit steigenden Treibhausemissionen und Klimawandel.
Doch der Schein trügt. Vor knapp einem Jahr veröffentlichte Greenpeace eine Studie, um auf den schlechten Einfluss von McKinsey auf Konzepte zum Wald- und Klimaschutz in Entwicklungsländern hinzuweisen. Weil circa ein Fünftel aller weltweit freigesetzten Treibhausgase aus der Zerstörung von Wäldern stammen, sollen Entwicklungsländer, die ihren Wald schützen hierfür einen finanziellen Ausgleich erhalten. Um von diesen Ausgleichzahlungen zu profitieren müssen die Länder jedoch Konzepte ausarbeiten, die zeigen, wie sie den Waldschutz umsetzen werden. An dieser Stelle kommt McKinsey ins Spiel: Die Firma berät die Regierungen vieler Regenwaldnationen bei der Ausarbeitung dieser Konzepte. Die Vorschläge, die McKinsey hierzu unterbreitet hat zeigen jedoch vor allem eins: Dass die Berater sehr wenig vom Wald und dessen Komplexität verstehen. Glaubt man McKinsey ist alles sehr einfach. Die Firma hat ein Modell entwickelt, welches scheinbar erlaubt die Kosten verschiedener Methoden zur Reduzierung der Entwaldung zu vergleichen und dann einfach die günstigste auszuwählen. Was zunächst wie eine gute Idee klingt, erweißt sich bei genauerem Hinsehen als katastrophale Vereinfachung.
Für die Berater scheint Wald vor allem eins zu sein: Ein riesiger und vor allem günstiger Speicher für Treibhausgase. Vergessen wird dabei, dass der Wald unverzichtbar für unzählige Tier- und Pflanzenarten ist und gleichzeitig die Lebensgrundlage für 1.2 Milliarden Menschen, die von oder im Wald leben darstellt.
Hierzu spielt McKinsey die großflächige Zerstörung von Regenwald durch Bergbau, Abholzung oder die Umwandlung in kommerzielle Plantagen systematisch herunter und identifiziert traditionelle landwirtschaftliche Methoden als Hauptursache für Entwaldung. Ginge es nach den Beratern würden solche traditionellen Praktiken durch industrielle Landwirtschaft ersetzt. Unklar bleibt hierbei, was mit den Menschen die bisher im oder vom Wald gelebt haben passieren soll.
Während die meisten von uns Urwälder mit einer einmaligen Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen verbinden, ist für McKinsey ein Baum so gut wie der Andere. So kommt es dann, dass die Berater häufig Maßnahmen zur Aufforstung durch kommerziellen Plantagen, oft Monokulturen, vorschlagen und gleichzeitig erschreckend wenig darüber sagen, was für Effekte ihre Vorschläge auf die lokale Artenvielfalt hätten.
Leider macht McKinsey es unmöglich nachzuvollziehen, warum so wichtige Aspekte des Waldschutzes einfach außer Acht gelassen werden. Die Firma weigert sich bis heute die Annahmen und Daten die ihren Empfehlungen zugrunde liegen zu veröffentlichen. Ein Problem, auf welches nicht nur wir hingewiesen haben. Kurz nach Veröffentlichung unseres Berichtes bestätigte Benoît Bosquet, Waldexperte der Weltbank, bei einer Präsentation unserer Arbeit, dass McKinseys Verschwiegenheit ein großes Problem für alle Beteiligten sei .
Seit mittlerweile mehr als einem Jahr fordert Greenpeace McKinsey auf, dieser Praxis der Geheimniskrämerei ein Ende zu setzen. Wer sich so nachdrücklich als Elite versteht, sollte zumindest eine unabhängige Überprüfung seiner Arbeit ermöglichen.
Während McKinsey sich bis heute nicht offiziell zu der vorgebrachten Kritik geäußert hat, ziehen betroffene Regierungen mittlerweile die Konsequenzen. Ende letzten Jahres setzte die neue Regierung in Papua-Neuguinea einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit McKinsey. Ein Regierungsvertreter sagte, man „sei erleichtert, dass sie [McKinsey] weg seien, jetzt können unsere nationalen Experten wieder die Führungsrolle übernehmen“. Als Gründe für das Ende der Kooperation nannte eine weitere Quelle unter anderem „den Greenpeace Report über McKinsey sowie einen früheren Bericht der Rainforest Foundation, [welche] Fragen über ihre [McKinseys] Arbeit aufwarfen“ . Neben der Qualität von McKinseys Beratung dürften auch die saftigen Honorare der Firma eine Rolle für die Entscheidung gespielt haben. Der papua-neugineanische Blog PNGexposed veröffentlichte interne Dokumente, welche zeigen, dass McKinsey Papua-Neuguinea mehr als 11.000 US-Dollar pro Seite für einen knapp 40-seitigen Bericht zum Waldschutz berechnete. Dies ist umso unverständlicher, als das McKinsey selbst in einem vertraulichen Dokument an die Regierung bestätigt, das die eigenen Berater während der Ausarbeitung des Berichts „sehr wenig Zeit in Papua-Neuguinea verbracht haben“.
Greenpeace Recherchen zeigen, dass McKinsey weiterhin Regierungen in Entwicklungsländer in Bezug auf Waldschutz und andere Klimathemen, wie zum Beispiel Green Growth, berät. Es wird Zeit, dass McKinsey offenlegt warum so wichtige Themen wie der Schutz der Artenvielfalt und die Rechte der Menschen die im oder vom Wald leben in den Analysen der Firma kaum vorkommen während der Einfluss der wahren Verursacher der Waldzerstörung systematisch heruntergespielt wird.