Ein letztes Mal kann ich aus dem Flugzeug heraus einen Blick auf die “Arctic Sunrise” erhaschen, die vor Longyeabyen auf Spitzbergen vor Anker liegt. Sie wird kleiner und kleiner und dann verdecken die Wolken die Sicht. Unsere mehr als dreimontage Expedition in der Arktis ist zu Ende!
Wir haben das geschafft, was wir uns vorgenommen hatten – sogar mehr als auf dem Papier geplant. Das ist in unserer Arbeit nicht immer der Fall, denn Papiere sind eben Papiere und müssen in die Realität umgesetzt werden. Da gibt es trotz aller Erfahrung immer wieder Momente, in denen andere Bedingungen oder Veränderungen unmöglich machen, was man sich vorgenommen hatte. Diese Erfahrung hat jeder in unserem Kampagnenteam für diese Expedition schon gemacht. Umso froher sind wir alle, auf eine erfolgreich verlaufene Expedition zurückblicken zu können. Natürlich werden wir uns unsere Arbeit noch genauer anschauen und sicher auch die eine oder andere “lessons learned” für das nächste Mal herausarbeiten.
Zunächst jedoch fahren wir alle nach Hause und lassen das Schiff samt Crew zurück. Ihnen stehen neue Aufgaben bevor. Mir fällt der Abschied schwer. Ich mache eine Runde über alle Schiffsdecks, um jeden einmal zum Abschied in den Arm zu nehmen: Valerie, unseren Doktor aus der Ukraine; Babu, den Koch aus Indien; Pete, den Kapitän aus den USA; Jon, den Ingenieur aus Tonga; Martin, den Helikopterpilot aus Irland; Sarah, die Bootsfrau aus Neuseeland…. und natürlich Yohena, mit der ich die letzten sieben Wochen auf engstem Raum zusammengelebt habe.
Die “Arctic Sunrise” war für diese sieben Wochen mein Zuhause und sie war das, was das Wort sagt: ein Zuhause. Die Menschen an Bord verbindet dieselbe Leidenschaft, dieselbe treibende Kraft, sich für den Schutz unserer Umwelt einzusetzen und dabei sich selber nicht ganz so wichtig zu nehmen. Man hat eine gemeinsame Heimat, auch wenn man aus verschiedenen Ländern kommt, verschiedene Ausbildungen hat und verschiedene Leben führt.
Im Laufe der Rückreise, je näher ich Hamburg komme, wird aus dem Gemisch meiner Gefühle auch die Freude auf das Rückkehren stärker, die Freunde hier, meine Wohnung, Ruhe. Und als ich schließlich von Chef und bester Freundin am Flughafen in dem Arm genommen werde ist es ganz deutlich da: auch hier bin ich zuhause. In meiner Wohnung empfangen mich Blumen, eine Auswahl Zeitungen, und der Kühlschrank ist mit dem Nötigsten gefüllt. Die erste Nacht ohne das Krachen des Eises und mit ungewöhnlich viel Platz war unruhig, aber auch wunderbar.
Nach ein paar Tagen Erholung geht es dann zurück in den Büroalltag. Dort warten die nächsten Projekte und auch der Klimagipfel in Kopenhagen rückt unaufhörlich näher. Unsere alte und neue “Klimakanzlerin” Angela Merkel muss bis dahin noch verstehen, dass man Klimakanzlerin nur sein kann, wenn man handelt und nicht nur redet. Dafür brauchen wir auch Ihre Unterstützung. Danke.















