In Aachen protestieren Greenpeace-Aktivisten beim Besuch von Emmanuel Macron.
Greenpeace Gastautor
17.05.2018

Mit aller Härte: Frankreich verteidigt seine Atomkraft

Sie warnten vor einem Atomunfall mitten in Europa - heute stehen sie dafür vor Gericht. Ein Gastbeitrag von Paul-Marie Manière.

Es erfordert Mut, viel Mut in Frankreich gegen Atomkraft zu demonstrieren. 22 Aktivistinnen und -Aktivisten von Greenpeace haben ein beeindruckendes persönliches Risiko auf sich genommen, um uns alle – in Frankreich, in Deutschland, in Europa zu schützen: Ein Atom-Unglück vor unserer Haustür ist eine reale Gefahr, mit der wir täglich leben. Die Politik lässt ihre Bürgerinnen und Bürger damit vollkommen allein. Schlimmer noch: Wer sich engagiert, wird vor Gericht gezerrt.

Kein leichter Tag für Greenpeace

Heute beginnen die Gerichtsverhandlungen für diejenigen, die im November letzten Jahres am Atomkraftwerk Cruas in Südfrankreich protestiert haben. Mehrere Monate Haft stehen im Raum. Das wäre eine der schwersten Strafen, die jemals gegen Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten verhängt wurde. Wie müssen sie sich fühlen heute bei ihrem Gang in den Gerichtssaal? Was, wenn sie tatsächlich hinter Gitter müssen? Was sagen sie ihren Kindern, ihren Arbeitgebern, der Universität? Wie halten sie den Druck aus?

Eine bunte Versammlung zur Unterstützung der Aktivistinnen und Aktivisten heute in Privas/Frankreich.

Bestraft werden die Whistleblower

Es ist doch grotesk, dass diejenigen bestraft werden sollen, die auf eine längst bewiesene Gefahr für die Bevölkerung hinweisen, anstatt die Betreiber der unsicheren Atomkraftwerke endlich in die Pflicht zu nehmen und die tickenden Zeitbomben abzuschalten! Wie kann es sein, dass friedlicher Protest mit den härtesten Mitteln mundtot gemacht werden soll – mitten in Europa, im 21. Jahrhundert?

Frankreich verteidigt seine Atomkraft mit allen Mitteln

In diesem Jahr ist es bereits der zweite Fall in Frankreich, bei dem Aktivistinnen und Aktivisten für ihren Atom-Protest vor Gericht stehen. Zwei von ihnen waren im Februar zu mehrmonatigen Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden, sechs Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Das Verfahren ist aktuell in Berufung. Sie alle müssen weiterhin zittern.

Es sind schlechte Signale für die Meinungsfreiheit und das bürgerliche Engagement in Frankreich. Der Staat schützt seine Atomkraft rigoros – aber wer schützt die Menschen?

Solidarität mit den Aktivistinnen und Aktivisten

Umso wichtiger ist jetzt die Solidarität: in Berlin haben sich heute Menschen vor der französischen Botschaft versammelt, vor dem Gericht im französischen Privas protestieren zur Stunde Hunderte und seit über fünf Wochen zeigt sich die Unterstützung auch auf Twitter unter dem Hashtag #AvecGreenpeace. 

Auch in Berlin wurde heute demonstriert: die Ehrenamtlichen spielten stundenlang Cello vor der französischen Botschaft am Pariser Platz.

Wenn ich an die lange Geschichte der deutschen Anti-Atomkraftbewegung denke, gibt sie mir Hoffnung; Gemeinsam und mit langem Atem kann auch Frankreich eines Tages den Ausstieg schaffen. Mit Menschen, die sich engagieren und mit Menschen, die sich solidarisieren so wie heute.

 

Über den Autor: Paul-Marie Manière ist in Paris geboren und arbeitet seit 2015 für Greenpeace Deutschland zum Thema Energiewende. Auf Twitter ist er aktiv unter dem Namen @pmmaniere.

Topic
Energiewende
Format
Analyse

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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