Neue Schutzhülle Tschernobyl
Greenpeace Gastautor
08.04.2016

15 Fakten über Tschernobyl

"Die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der Menschheit" nannte die UN den Atomunfall, der sich vor ziemlich genau dreißig Jahren - am Morgen des 26. April 1986 - in Tschernobyl ereignete. Die Menschen in der Region leiden noch immer unter den Folgen der radioaktiven Kontaminierung.

15 Fakten über die Tschernobyl-Katastrophe:

1. Vor genau dreißig Jahren explodierte Block 4 des Atomkraftwerks in Tschernobyl in der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland. Noch heute leben fünf Millionen Menschen in einem Gebiet, das als kontaminiert gilt.

In Vezhytsia in der Ukraine
Bewohner Vezhytsias, ein ukrainisches Dorf etwa 260 Kilometer westlich vom Reaktor. Greenpeace-Experten haben 2015 in der Region die Verstrahlung von Lebensmitteln und der Wälder gemessen.

2. Die Menge an insgesamt freigesetztem radioaktiven Material ist in etwa 200 mal höher als die Menge, die durch die Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima freigesetzt wurde.

Kindergarten in Pripjat
Aufnahme aus einem verlassenen Kindergarten in Pripjat aus dem Jahr 2005.

3. Das nahe gelegene Pripjat wurde erst zwei Tage nach dem Unfall evakuiert. Die Menschen waren bis zur Evakuierung hohen Dosen Radioaktivität ausgesetzt.

Rückkehrer in die 30km-Zone
Einige vor allem ältere Menschen sind in ihre Häuser in der 30 Kilometer-Zone um Tschernobyl zurückgekehrt - trotz immer noch hoher Strahlenwerte. Im Bild die 72-jährige Maria Sholjaruk im Jahr 2011.

4. Noch in Irland kam es nach dem Unfall zu radioaktivem Niederschlag. Die Ukraine, Weißrussland und Russland waren am stärksten betroffen und bekamen 63 Prozent der radioaktiven Strahlung ab.

Kontrolle beim Einlass in die 30 Kilometer-Zone
Kontrolle beim Einlass in die 30 Kilometer-Zone in Pripjat im Jahr 1995.

5. Nachdem Pripjat von dem Menschen verlassen wurde, eigneten sich Wölfe, wilde Pferde, Bieber, Wildschweine und andere Tiere die Stadt als Lebensraum an.

Wilde Pferde in Pripjat
Wilde Pferde in Pripjat

6. Tiere, die in der 30 Kilometer-Zone rund um Tschernobyl leben, weisen eine höhere Sterblichkeit, geringere Fruchtbarkeit und überdurchschnittlich oft genetische Mutationen auf.

2015 Grasprobe Weideland Tschernobyl
Auch weiter entfernt wirkt sich die Strahlung bis heute aus: Hier nimmt Greenpeace-Campaigner Jan Vande Putte im Jahr 2015 eine Grasprobe in der Region Rivne (ca. 300 Kilometer westlich von Tschernobyl), um die Caesium-Belastung von Weideland zu messen.

7. Man würde vermuten, nach dem Unglück wären die übrigen drei Blöcke in Tschernobyl abgeschaltet worden. Dem ist nicht so. Die Reaktoren wurden wiederangefahren und zum Teil noch 13 Jahre betrieben.

Reaktorblöcke 1 und 2 in Tschernobyl
Aufnahme der Reaktorblöcke 1 und 2 aus dem Jahr 1997. Block 1 wurde erst 1996 endgültig abgeschaltet. Block 3 lief sogar noch bis zum Jahr 2000.

8. Der marode Zement-Sarkophag, der über dem havarierten Kraftwerksblock errichtet wurde, ist radioaktiv stark belastet. An einer neuen, riesigen Schutzkonstruktion wird derzeit gebaut. Auch diese wird nur 100 Jahre lang "halten".

Der neue Sarkophag
Die neue Schutzhülle soll in erster Linie dafür sorgen, dass kein radioaktives Material in die Umwelt gelangt. Außerdem gibt es Pläne, das alte Reaktorgebäude unter dem Sarkophag teilweise abzubauen.

9. Der Wald in der Nähe der Unglücksstätte wird auch "Roter Wald" genannt. Die hohe Strahlung tötete viele Bäume und sorgte bei den abgestorbenen Kiefern in weiten Teilen für die rötlichen Verfärbungen.

Probennahme am Roten Wald nahe Tschernobyl
Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer nimmt eine Probe im Gebiet des "Roten Waldes".

10. Statt die Überlebenden der Reaktorkatastrophe angemessen zu entschädigen und zu versorgen, wollen die Atomindustrie und die Regierungen in der Ukraine, Weißrussland und Russland erneut Milliarden in Atomkraft-Projekte stecken. Die Folgen der Katastrophe werden systematisch kleingeredet und verschleiert.

In Drosdyn, 200 Kilometer westlich von Tschernobyl
Oksana und ihr kleiner Bruder Stasik aus dem Dorf Drosdyn, 200 Kilometer westlich von Tschernobyl. Auch die Äcker und Felder dieser Region sind immer noch radioaktiv belastet.

11. Es gibt tatsächlich Tourismus in Tschernobyl. Verschiedene Reiseanbieter organisieren Tagestripps in die Geisterstadt Pripjat.

Pripjat 30 Jahre nach der Katastrophe.
Pripjat 30 Jahre nach der Katastrophe.

12. Pripjat ist immer noch hochgradig verstrahlt. Menschen können hier in absehbarer Zeit nicht mehr leben, ohne sich hoher Strahlendosen auszusetzen. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren.

Reaktorruine am Horizont
Pripjat im Jahr 2016: Am Horizont ist die Reaktorruine zu erkennen.

13. Die Strahlung nach dem Unfall war so stark, dass sie die Augenfarbe von Feuerwehrmann Vladimir Pravik veränderte: von braun zu blau.

Vladimir Pravik Statue
Der Feuerwehrmann Vladimir Pravik starb nach seinem Einsatz am Unglücksort an den Folgen
der Verstrahlung im Mai 1986. Er gehörte zu den ersten Opfern, die der Unfall forderte.

14. Die sowjetische Regierung versuchte, den Unfall zunächst zu verheimlich. Schweden informierte die Öffentlichkeit als erstes Land über die Ereignisse.

Pripjat im Jahr 1995.
Pripjat im Jahr 1995.

15. Tschernobyl beeinträchtigt sämtliche Lebensbereiche in den kontaminierten Regionen. Radioaktivität ist in der Milch, die die Menschen trinken, in der Nahrung, die sie essen, in den Spielplätzen, auf denen ihre Kinder spielen und in dem Holz, mit dem sie heizen.

Markt in Novozybkov nahe Tschernobyl
Händler in Novozybkov in der Bryansk-Region in Russland verkaufen lokal geerntetes Gemüse, Früchte und Pilze. In dieser Gegend wird die Ware nicht auf Radioaktivität geprüft.
Topic
Energiewende

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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