Berliner E-Linienbus
Daniel Moser Portrait
05.02.2016

5 gute Gründe gegen die Elektroauto-Prämie

Die Bundesregierung hat sich zur Verbesserung der CO2-Werte das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen. Anfang 2016 ist dieses Ziel in utopische Ferne gerückt. Elektroautos sind fast doppelt so teuer wie normale Autos und bieten wesentlich weniger als konventionelle Benzin- und Dieselfahrzeuge. Die gerade einmal 19.000 E-Autos sind vor allem als Dienstfahrzeuge angemeldet. 

Die Regierung will den Kauf von Elektroautos und Hybridfahrzeugen nun mit bis zu 5000 Euro pro Fahrzeug subventionieren. Damit soll der Ausbau der Elektro-Automobilindustrie gefördert werden. Doch auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und weniger CO2-Ausstoß ist das ein Schritt in die falsche Richtung.

5 gute Gründe sprechen gegen die Einführung einer E-Auto-Prämie:

E-Autos sind nur mit sauberem Strom gut fürs Klima

Eine E-Auto-Prämie hilft nur dann dem Klima, wenn die Bundesregierung auch gleichzeitig den Ausstieg aus der Braunkohle vorantreibt. Denn die Elektro-Fahrzeuge erzeugen zwar keine Emissionen während des Fahrens, benötigen aber Strom, der im deutschen Strommix zurzeit noch größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt. E-Fahrzeuge sind nur dann sinnvoll für den Klimaschutz, wenn die Bundesregierung auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreibt.

Wo bleibt der Ausstieg aus Verbrennungsmotoren?

Mehr E-Autos können nur dann den CO2-Ausstoss beim PKW-Verkehr verbessern, wenn zeitgleich auch die Anzahl von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor reduziert wird. Der Einstieg in die Elektromobilität muss deshalb mit dem Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe verknüpft sein. Doch die Bundesregierung subventioniert die Nutzung von Dieselfahrzeugen weiterhin mit über 7 Milliarden Euro im Jahr!

Protest bei VW in Wolfsburg
9. November 2015: Greenpeace-Aktivisten vor dem VW-Werk in Wolfsburg fordern von der Konzernführung mehr Transparenz bei Abgastests.

Die Regierung subventioniert weiter Dieselautos

Bevor neue Subventionen in der Automobilindustrie eingeführt werden, sollte die Bundesregierung  deswegen zuerst alte Subventionen wie die Dieselsubventionen abschaffen. Denn Dieselautos sind extrem schädlich für Mensch und Umwelt. Sie stoßen eine große Menge Stickstoffdioxid aus, das Atemwegserkrankungen, Allergien, Herzkreislauferkrankungen und sogar Krebs verursachen kann.

Elektroauto-Subventionen sind sozial ungerecht

E-Autos werden in den nächsten Jahren – selbst mit 5000 Euro Subvention - sehr teuer bleiben. In der Regel werden sie von Großverdienern als  Zweit- oder Drittfahrzeug gekauft werden. Mit Einführung der E-Prämie werden diese eigentlich unnötigen Zusatzfahrzeuge aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert - sogar von Steuerzahlern, die selbst überhaupt kein Auto besitzen. 

Die Autoindustrie verdient prächtig

2015 war eines der profitabelsten Jahre in der Geschichte der deutschen Autoindustrie. Gleichzeitig ist der Abgas-Betrug, einer der größten Umwelt- und Gesundheitsskandale der letzten Jahrzehnte, noch nicht ansatzweise aufgeklärt. Tatsachen, die absolut nicht dafür sprechen, dass die Automobilindustrie momentan staatliche Förderung benötigt.

Das schlägt Greenpeace vor

Greenpeace hat deswegen einen klimafreundlicheren Vorschlag für die Bundesregierung: Statt eine umwelttechnisch sinnlose E-Auto-Prämie einzuführen, sollte die deutsche Stadtbusflotte komplett elektrifiziert werden. Wären alle Busse in deutschen Städten elektrisch, würde das deutlich mehr CO2 einsparen als die E-Auto-Prämie es vermag. Mit unserer Kurzexpertise erklären wir diesen Vorschlag etwa detaillierter.

Ladestation für E-Autos in Berlin
Sieht sauber aus, so eine E-Auto-Ladestation, aber leider stammt der Strom, den Elektroautos tanken, zu einem Großteil aus Braunkohlekraftwerken.

Das spricht dafür:

•    Im Gegensatz zu Privatautos, die durchschnittlich 23 ½ Stunden am Tag nur parken, sind Stadtbusse deutlich besser ausgelastet.
•    Busse sind auch für sozial Schwächere ein einfach erreichbares und bezahlbares Mobilitätsmittel.
•    Durch vorsehbare Routen lässt sich das Aufladen und die energieeffiziente Nutzung perfekt orchestrieren.
•    Es ließen sich so jährlich 2,65 Millionen Tonnen CO2 einsparen - insgesamt. 

Auf Grundlage einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Kurzexpertise wurde berechnet, dass die Umstellung aller deutschen Stadtbusse auf E-Busse mit Fördermitteln von sieben Milliarden Euro innerhalb nur eines Jahres möglich wäre – genau der Betrag, den die Bundesregierung jährlich zur Subventionierung umwelt- und gesundheitsschädlicher Dieselautos ausgibt.

Greenpeace fordert den Ausbau einer jetzt schon umweltfreundlichen und nachhaltigen Mobilitätsform statt weitere staatliche Förderung der Automobilindustrie und des ineffizientesten Verkehrsträgers - des PKW. Die Elektrifizierung aller Stadtbusse in Deutschland wäre nicht nur ein bedeutender Fortschritt für den Klimaschutz im Verkehr. Durch die Abschaffung der Dieselsubventionen und der daraus folgenden Reduzierung des Anteils der Dieselfahrzeuge trüge diese Maßnahme auch erheblich zur Verbesserung der Luftqualität in Deutschlands Städten bei – Vorteile, die am Ende uns allen zugutekommen. 

Topic
Klimawandel
Format
Analyse

Daniel Moser Portrait

Daniel Moser

Daniel Ernesto Moser ist „Mobility and Transport“-Campaigner.


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Warum muss z. B. die Frau des Bankers, die bisher die Kinder mit dem X5 zum Kindergarten gefahren hat, weil sie es schick findet, mit 5.000 Euro Zuschuss auf einen i3 wechseln, weil sie plötzlich ihr ökologisches Gewissen entdeckt haben will? Wenn die wenigen Fahrten auch noch über Land stattfinden, macht das alles überhaupt keinen Sinn mehr.

Es geht um die Verbesserung der Luft in den Innenstädten, oder etwa nicht?

Was ist mit den ganzen Bussen mit veralteter Technik? Da oder für Dachbegrünungsmaßnahmen wäre das Geld besser angelegt.

Aber natürlich geht es wie immer nicht um einen ökologischen Nutzen, sondern darum, welche Industriezweige gefördert werden sollen.

Sinnvoller wäre eine Steuerbefreiung für alle Autos unterhalb bestimmter Abgasgrenzwerte, egal mit welcher Technik dies erreicht wird.

Denn so könnte PSA den Hybridair aus dem Hut zaubern. Es kommt aber so, wie man es bei PSA schon richtig vorhergesagt hatte.

Das habe ich gestern noch im ACC-Forum gepostet. Schön, das meine Forderung, Busse endlich auf den technisch saubersten Stand zu bringen mit Greenpeace übereinstimmt. Damit meine ich allerdings nicht unbedingt nur Elektroantrieb, sondern auch Dieselmotoren. Ein Vergleich moderner LKW mit einem neuen smart, hat gezeigt, dass der smart 4 mal soviel NOX ausstößt wie ein neuer LKW.

Bevor sich Greenpeace an einer allgemeinen Hetze über den Dieselmotor beteiligt:
Macht doch mal einen realistischen Vergleich der Emissionen zwischen einen aktuellen Benzineinspritzer, einem aktuellen Diesel und einem aktullem Elektroauto. Bitte auch unter Berücksichtigung der Herstellungsenergie, der Entsorgungskosten, des aktuellen Strommixes, der Übertragungsverluste beim E-Auto und der Investitionskosten beim Kauf.
Bitte mal alle Emissionen anhand eines üblichen Fahrprofils (Mix aus Stadt/Land Autobahn) schön übersichtlich gegenüberstellen.

Dann können wir über eure Antidieselkampagne gerne weiterreden, vorher nicht. Stelle meinen neuen Peugeot 308 SW Euro 6 Diesel gerne dafür zur Verfügung.

Diesen
Ich finde die genannten 5 Gründe gegen die E-Auto-Prämie aus den folgenden Gründen nicht wirklich nachvollziehbar:

1. E-Autos sind nur mit sauberem Strom gut fürs Klima
-> Das stimmt nicht, es gibt genügend Berechnungen (auch in meinem Blog), die zeigen dass selbst ein mit Kohlestrom angetriebenes E-Auto über seinen gesamten Lebenszyklus besser für das Klima ist als ein Verbrenner. Das ist bei Wirkungsgraden von 20 bis 25 % beim Verbrennungsmotor und über 95 % beim Elektromotor auch nicht weiter verwunderlich. Es ist davon unabhängig zudem immer effizienter und menschenfreundlicher das Benzin z.B. in einem Blockheizkraftwerk zu verbrennen als in einem Auto.

2. Wo bleibt der Ausstieg aus Verbrennungsmotoren?
-> Ja, die Subventionierung von Diesel muss bei uns, so wie in Frankreich bereits geschehen, dringend abgeschafft werden. Das hat aber nichts mit der Prämie zu tun.

3. Die Regierung subventioniert weiter Dieselautos
-> dieser Punkt enthält die gleiche themenfremde Aussage wie Punkt 2.

4. Elektroauto-Subventionen sind sozial ungerecht
-> Das halte ich für ein Gerücht ohne Belege und ich kann mir kaum vorstellen, dass Großverdiener mit den erfolgreichsten Elektrofahrzeugen wie dem Renault Zoe, Volkswagen e-Up/Golf oder Nissan Leaf durch die Gegend fahren. Oberklassefahrzeuge werden übrigens explizit aus der Förderung ausgeschlossen.

5. Die Autoindustrie verdient prächtig
-> Inwiefern diese Prämie eine Förderung der Automobilindustrie sein soll erschließt sich mir nicht. Wer ein neues Auto braucht, der überlegt sich zukünftig halt eher ob er nicht gleich ein E-Auto nimmt, aber wegen 4000 Euro wird doch niemand ein Auto kaufen, das er eh nicht braucht. Und die Hersteller verlieren Geld, wenn sie 50% von dieser Prämie finanzieren müssen, ohne dabei gleichzeitig ihre Listenpreise erhöhen zu dürfen. Ich behaupte auch, dass gerade die deutschen Hersteller bei E-Autos aufgrund zugekaufter Akkus keine besonders großen Margen haben, das rein wirtschaftliche Interesse am Verkauf solcher Fahrzeuge also eher gering ist.

Versteht mich nicht falsch, auch ich bin für mehr E-Busse, für die Abschaffung der Diesel-Subventionen und vor allem für den Ausbau der Radl-Infrastruktur, denn Autos haben nichts in den Zentren großer Städte zu suchen. Aber die Argumentation in diesem Artikel ist ziemlich fragwürdig und zielt größtenteils auch noch am Thema vorbei.
Auch ich bin für umweltfreundlichen Nahverkehr, aber ich bitte alle bei diesem Thema den ländlichen Raum nicht zu vergessen. Ich wohne in einer Gemeinde, in der gerade der Busverkehr am Wochenende eingestellt wurde, Bahn gibt es nicht, nach 18Uhr fährt gar nichts mehr. Und auch in der Woche ist es unmöglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln seine Arbeitsstelle zu erreichen. Ärzte, Schulen, Supermarkt sind mehrere Kilometer entfernt, d.h. jede Familie hat mindestens 2 Autos. Für uns wäre ein günstiges Elektroauto kein zusätzlicher Luxus, sondern eine echte Alternative zu Benzin und Diesel.