Akku alle
Portrait Jannes Stoppel
11.05.2018

Akku alle: Was Wälder mit Klimaschutz zu tun haben

Man kann sich die Erde als riesengroßen Energiespeicher vorstellen: Sonnenenergie verwandelt sich in gespeicherte Energie, die in Form von Kohlenstoff in Pflanzen und Bäumen gebunden wird.  Wenn diese Biomasse zerfällt, bilden sich Kohlenstoff-Reserven in Form von Kohle, Öl und Erdgas. Über Millionen von Jahren wurde die Erde auf diese Weise wie ein Akku mit Energie aufgeladen.

Photosynthese als Aufladegerät

Zwar sind auch Torfmoore und Urwaldböden Energiespeicher, doch entscheidend ist die Photosynthese der lebenden Vegetation an Land, also der Bäume und Pflanzen. Die Gleichung ist einfach: Je mehr Vegetation und Waldflächen, desto größer der Energiespeicher und desto besser kann sich unsere entladene Batterie Erde wieder aufladen.

Biomasse auf der Erde
Biomasse auf der Erde: Was möglich wäre (oben), was ist (unten).

Durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe haben wir über die letzten 100 Jahre große Teile der gespeicherten Energie in Form von Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre entladen. Gleichzeitig haben wir die Fläche, die für eine zukünftige Speicherung des zu hohen Kohlendioxid-Anteils in der Atmosphäre in Frage kommt, drastisch reduziert.   

Um katastrophale Klimawandelfolgen zu verhindern, müssen wir dringend umdenken: Der Wiederaufbau von natürlicher Vegetation in Wäldern und anderen Ökosystemen birgt ein beachtliches Potential, um überschüssige CO2-Emissionen zu speichern und so der Atmosphäre wieder zu entziehen. Nur so ließe sich die Biosphäre der Erde wieder in eine Balance bringen.

Wie erreichen wir das 1.5 Grad Klimaziel?

Bang erwarten Klimaforscher einen für Anfang Oktober angekündigten Report des Weltklimarates (IPCC), der untersucht, wie die Menschheit das ambitionierte Ziel des Pariser Klimaabkommens noch erreichen kann. Der jetzige Entwicklungspfad dürfte geradewegs zu über 3 Grad globaler Erwärmung führen. Eine beängstigende Vorstellung, da bereits das in Paris vereinbarte Ziel einer Erwärmung von „nur“ 1,5 Grad (gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung) für viele Menschen, Regionen und Ökosysteme katastrophale Folgen haben wird.

Der IPCC-Report wird wahrscheinlich aufzeigen, dass ohne sehr drastische Emissionsreduzierung in allen Sektoren die Notwendigkeit für die Entnahme und Bindung von CO2 aus der Atmosphäre weiter zunehmen wird. Wir sollten uns hierfür nicht auf den angestrebten Ausbau von Bioenergy durch die Verbrennung von Biomasse (BECCS) und verrückte Zukunftstechnologien zur Bindung von CO2 verlassen, die noch ungeahnte Konsequenzen haben können.

Das Potenzial in deutschen Wäldern

Vergangenen Montag haben wir auf der Klimakonferenz in Bonn unsere Waldvision für Deutschland präsentiert. Es handelt sich um eine Studie des Öko-Instituts in Zusammenarbeit mit der Naturwaldakademie, die das Potenzial für die CO2-Speicherung in Deutschland durch naturnahe Waldbewirtschaftung aufzeigt. Die Aussagen der Waldvision haben es in sich: Deutschland kann bis zum Ende des Jahrhunderts potentiell bis zu zwei Gigatonnen CO2 speichern – nur durch eine extensivere und naturnahe Waldbewirtschaftung. Weil Deutschland historisch betrachtet hohe CO2-Emissionen zu verantworten hat, sind wir zu einer naturverträglichen Rückspeicherung dieser Emissionen auch moralisch verpflichtet.  

Unsere Waldvision zeigt, was ein Industrieland wie Deutschland zum Aufbau der globalen Vegetation beitragen kann, ohne die Verantwortung durch die Förderung von Wiederbewaldung allein auf die Tropenländer abzuwälzen.
 
Die Weltbevölkerung wächst und damit auch der Hunger auf natürliche Ressourcen, doch eine Balance der Biosphäre ist für die Menschheit überlebenswichtig. Es braucht eine gemeinsame Anstrengung aller Staaten, die weitere Waldzerstörung zu stoppen, die Waldflächen sozial verträglich und ökologisch nachhaltig wieder aufzubauen und auf diese Weise den Energiespeicher Erde erneut aufzuladen.

 

Topic
Wälder
Format
Analyse

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


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