Greenpeace-Aktivisten vor der brasilianischen Botschaft in Berlin
Gesche Jürgens
26.04.2019

Angriff auf das grüne Herz der Erde

Der brasilianische Amazonas-Regenwald ist nicht nur Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten, sondern auch das Zuhause vieler Menschen. Tausende Indigene protestieren derzeit gegen die Abholzung des Waldes, der für sie Wohnzimmer, Supermarkt und Apotheke gleichermaßen bedeutet.

Mein bislang einziger Besuch im Amazonas-Regenwald glich einer emotionalen Achterbahnfahrt. Zwar mag ich grundsätzlich jeden Baum und habe schon viele wunderschöne Wälder erlebt, doch der Amazonas war für mich gleichzeitig der schönste, aber auch der beklemmendste. Und das lag nicht an der furchtbaren Abholzung, denn die bekam ich glücklicherweise gar nicht zu Gesicht. Der Grund war banaler: Ich habe eine wirklich schlimme Spinnenphobie. Kleine bis mittelgroße Spinnen: kein Problem. Aber diese riesigen Vogelspinnen! Mir zieht sich schon beim Gedanken daran der Magen zusammen. Die Tage im Amazonas-Regenwald konnte ich daher eigentlich nur auf dem Wasser unbeschwert genießen - nachdem ich das Boot gründlich gecheckt hatte, versteht sich. Aber dann war alles faszinierend: Die überbordende Vielfalt, das wilde Leben und gleichzeitig die Ruhe und Gelassenheit, die Wald und Fluss ausstrahlen - all das hat mich tief berührt.

Wir brauchen den Amazonas

Doch nicht nur, weil ich selbst eine Zeit lang in Brasilien gelebt habe, beschäftigt mich die Vernichtung dieses riesigen Lebensraumes besonders. In meine - allen Spinnen zum Trotz - große emotionale Verbundenheit mit diesem einzigartigen Waldgebiet mischt sich die Gewissheit, diesen Wald auch für das Überleben der Menschheit schützen zu müssen: Ohne den Amazonas können wir das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens schlichtweg nicht erreichen. In der Konsequenz würden wir unbeherrschbare und sich selbst verstärkende Prozesse in Gang setzen und unsere eigene Existenz als Menschheit bedrohen.

Wir Europäer brauchen also den Amazonas ebenso sehr wie die Menschen in den Anrainerstaaten. Dort ist die Abholzung des Regenwaldes jedoch viel unmittelbarer zu spüren. Sie führt schon jetzt zu Dürreperioden und dadurch auch zu Ernteausfällen und Wasserknappheit in Millionenstädten wie São Paulo.

Zurück zu den oben erwähnten Protesten der indigenen Gemeinschaften in Brasília. Für diese Gemeinschaften ist die Lage am dramatischsten. Denn der Amazonas ist ihre Lebensgrundlage, und wird diese zerstört, verlieren die Menschen ihre Heimat. Man stelle sich nur kurz vor, jemand würde beispielsweise Hamburg oder Berlin nach und nach abtragen, weil er meint, die Steine für sein eigenes Bauwerk zu benötigen. Undenkbar!

Proteste in Brasília und auf der ganzen Welt

Genauso undenkbar fände ich es, dem teils illegalen Treiben einiger profitgieriger Menschen und Firmen in Brasilien tatenlos zuzusehen. Mit weltweiten Protestveranstaltungen, darunter auch vor der brasilianischen Botschaft in Berlin, haben Greenpeace-Aktivist*innen deshalb darauf aufmerksam gemacht, dass die Anzahl der gerodeten Flächen im Amazonas nach jahrelangem Rückgang zuletzt wieder stark gestiegen ist. Seit ihrem Amtsantritt haben der neue Präsident Jair Bolsonaro und seine Regierung weitere Maßnahmen getroffen, die einem wirksamen Regenwaldschutz entgegenstehen. Zudem schwächen sie die Rechte der indigenen Gemeinschaften enorm.

Tausende Indigene protestieren deshalb in Brasília gegen diese Politik und nehmen auch persönliche Risiken in Kauf – denn die Hüter*innen des Waldes sind ständigen Bedrohungen ausgesetzt. Greenpeace-Aktivist*innen haben mit weltweiten Protestaktionen zum Ausdruck gebracht, dass sie an ihrer Seite stehen in Wien wie in Oslo, in Santiago de Chile wie in Buenos Aires. Und natürlich auch in Deutschland. Über 100 Menschen richteten am Mittwoch die Forderung an die brasilianische Botschaft in Berlin, die Rechte der Indigenen zu achten und den Regenwaldschutz zu verstärken. Danke nochmals an alle, die in Berlin mitprotestiert haben!

Wer nicht dabei sein konnte oder die tolle Veranstaltung noch einmal Revue passieren lassen möchte: Hier einige Eindrücke!

Txana Bane, Repräsentant der indigenen Huni Kuin
Txana Bane, Repräsentant der indigenen Huni Kuin aus dem brasilianischen Acre, bedankte sich bei uns herzlich für die Solidarität und brachte es auf den Punkt: Die indigenen Gemeinschaften seien erwiesenermaßen die besten Beschützer der Natur. Nun liege es an uns allen, diesem Schutz die notwendige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Gesichter des Amazonas auf der Leinwand. In Berlin haben wir Werke von der visuellen Künstlerin Roberta Carvalho gezeigt
Barbara Marcel vom RefrACTa-Kollektiv und Christian Russau
Neben Txana Bane und mir selbst nahmen auch Barbara Marcel vom RefrACTa-Kollektiv und Christian Russau als Vertreter der kritischen Aktionäre zur Situation in Brasilien Stellung.
Flampel für den Amazonas
Auf kleinen Flaggen (oder sind es Wimpel? Nennen wir sie einfach Flampel...) schrieben und malten Kinder ihre Botschaften für den Schutz des Amazonas.

Ein Tanz darf nicht fehlen - wunderbar angeleitet von Tainá Guedes, Gründerin der BerlinerFood Art Week, sowie Videokünstler, Tänzer und Schauspieler Zé de Paiva und Txana Bane. Zum Abschluss hielten wir uns alle an den Händen und konnten die Botschaft der Redner*innen spüren: Nur zusammen können wir den Schutz des Amazonas und die Sicherung der Rechte der indigenen Gemeinschaften in Brasilien erreichen! Dazu braucht es “Demarcação Já!” - die sofortige, offizielle Anerkennung und Demarkierung des Landes der indigenen Gemeinschaften. Es gibt ein wunderbares Musikvideo, an dem über 25 brasilianische Künstler*innen mitgewirkt haben, das genau diese Demarkierung einfordert:

25 brasilianische Künstler*innen fordern die Demarkierung 

 Insgesamt war es eine tolle Veranstaltung, die mir viel Kraft und Hoffnung gegeben hat. Im Herzen verbunden machen wir weiter und werden nicht ruhen, bis die Vernichtung dieses für den Planeten essentiellen Ökosystems gestoppt ist!

Du möchtest mehr wissen und tun?

Topic
Wälder

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.