Auto und Radfahrer auf dem Neckartor in Stuttgart
Daniel Moser Portrait
10.10.2016

Auf dem Weg zu einer neuen Mobilität

Das Ende von Benzinern und Diesel: Nur eine Frage der Zeit

Technologie ohne Zukunft: Das Ende von Benzin- und Dieselmotoren ist unausweichlich. Auch die Politiker haben das erkannt. Ein Vorstoß von sowohl SPD- als auch unionsgeführten Ländern im Bundesrat befürwortet, dass ab 2030 keine Benzin- und Dieselautos mehr zugelassen werden. Richtig so. Immer wieder hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt: Man muss der Autoindustrie Druck machen, damit Innovationen entstehen!

Durch das Pariser Klimaabkommen wurde der Abschied vom Verbrennungsmotor endgültig besiegelt. Bricht man die Pariser 1,5 Grad-Obergrenze auf konkrete Maßnahmen für Deutschland runter, wird deutlich, dass tatsächlich schon ab 2025 kein weiteres Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zugelassen werden sollte. Im Jahr 2035 muss der gesamte Verkehr auf Basis erneuerbarer Energien realisiert werden.

YouTurnTheStreets in Berlin
24.09.2016: Mit dem Aktionstag #YouTurnTheStreets fordern Aktivisten von Greenpeace Berlin und Berliner Bürger eine Stadt für Menschen statt für Autos.

Leitlinien für Innovationen

Wenn die Politik ein konkretes Ablaufdatum für Verbrennungsmotoren nennt, dann bietet sie der Autoindustrie eine Leitlinie, die sie bei der Entwicklung neuer Modellgenerationen berücksichtigen kann. Klar ist, dass Investitionen in Diesel- oder Benzintechnologien sich nicht mehr amortisieren und die innovationsresistente deutsche Autoindustrie ihr Geschäftsmodell radikal verändern muss, wenn sie überleben will.

Mit unreifen Pseudo-Lösungen wie synthetischen Kraftstoffen - ins Spiel gebracht beispielsweise von Chef-Lobbyist Matthias Wissmann - sollte sich die Politik nicht abspeisen lassen. Auch synthetische Kraftstoffe müssen unter hohem Energieeinsatz hergestellt werden - die Emissionen verlagern sich hier einfach an andere Stelle. Anstatt den Fortschritt zu torpedieren, sollte sich die Automobilindustrie vielmehr darauf konzentrieren, Technologien und Ansätze zu verfolgen, die auch nach dem Diesel- und Benzinzeitalter  von Wert sind. Dazu gehören neben einer drastischen Reduzierung der Fahrzeuggewichte durch Leichtbau auch neue Geschäftsmodelle.

Die Konturen für eine neue Mobilität, die nicht länger um das Automobil kreist, zeichnen sich bereits ab: Im Mittelpunkt steht die Erreichbarkeit. Die Politik muss jetzt daran arbeiten, den Menschen attraktive Alternativen zum eigenen Auto zu bieten. Der konsequente Ausbau eines ökologisch betriebenen ÖPNVs, von Radwegen und Car-Sharing-Angeboten und die größtmögliche Reduzierung des Autoverkehrs müssen im Mittelpunkt einer besseren Mobilität stehen.

Blaue Plakette auf Verkehrsministerkonferenz
7.10.2016: Greenpeace-Aktivisten stellen vor der Konferenz der Verkehrsminister eine riesige blaue Plakette auf. Die Aktivisten fordern die Einführung der Maßnahme zu Verbesserung der innerstädtischen Luftqualität.

Städte für Menschen, nicht für Autos

Dafür hat die Politik ein überwältigendes Mandat aus der Bevölkerung: In einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts zum Umweltbewusstsein der Deutschen sagen beispielsweise mehr als 80 Prozent der Bevölkerung, sie wünschen sich die Abkehr von der am Auto orientierten Stadt. Unter jungen Menschen steigt diese Ablehnung sogar auf über 90 Prozent. Die großen Hersteller sollten die Herausforderung der Zukunft annehmen und die Potentiale der neuen Mobilität ausschöpfen: Das bedeutet eine intensive Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor, um innovative und ganzheitliche on demand Mobilitätsdienstleistungen bereitzustellen.

Unsere Abhängigkeit vom Auto und die Anzahl von Autos zu reduzieren, bedeutet auch, dass großräumig Flächen, die zur Zeit parkenden und fahrenden Autos überlassen werden, neuen und wertvolleren Nutzungsformen zur Verfügung gestellt werden. Öffnet sich die Politik diesen Möglichkeiten, so kann der Verkehr einen bedeutenden Beitrag nicht nur zu mehr Klimaschutz leisten - sondern auch zu mehr Lebensqualität.

Topic
Klimawandel
Format
Analyse

Daniel Moser Portrait

Daniel Moser

Daniel Ernesto Moser ist „Mobility and Transport“-Campaigner.


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