Fleischproduktion in Deutschland, Fleischfabrik, Schlachterei
Stephie Töwe
08.02.2016

Billigfleisch-Weltmeister Deutschland

8,22 Millionen Tonnen Fleisch haben deutsche Schlachthöfe im Jahr 2015 produziert. Das hat das Statistische Bundesamt am Freitag veröffentlicht. So viel wie nie zuvor. Gleichzeitig nimmt der Fleischkonsum in der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr leicht ab. Ist Deutschland auf dem Weg, einer der größten Billigfleisch-Exporteure der Welt zu werden? Und was bedeutet das?

 

Während das Fleisch auf Reisen geht und Märkte in anderen Ländern kaputt macht, bleiben die Folgen der Massentierhaltung natürlich weiterhin hierzulande spürbar. Beispiel Gülle: In Regionen mit viel Tierhaltung wissen die Bauern kaum noch wohin mit dem Zeug. Also wird gedüngt ohne Ende. Der Handel mit Gülle ist zu einem lukrativen Geschäft geworden. Vielerorts ist extreme Überdüngung die Folge. Böden und Wasser werden massiv verunreinigt, in Gewässer blühen die Algen, Abwasserpilze schädigen Fische und andere Wasserorganismen. Wasserwerke haben nicht nur mit Nitrat, sondern auch mit Rückständen von Antibiotika in Grundwasserbrunnen zu kämpfen.  

Wenn viele Tiere auf engem Raum gehalten werden, können Krankheiten sich besser ausbreiten. Der Einsatz von Antibiotika gehört zum Alltag in Deutschlands Massentierhaltungsställlen. Das wiederum führt zu multiresistenten Keimen, die für die menschliche Gesundheit gefährlich sind und es auch schon mal vom Stall auf den Teller schaffen.  

Import/Export in der globalen Fleischindustrie

Bevor die Tiere Gülle produzieren, müssen sie fressen. Europa ist inzwischen nach China zweitgrößter Importeur von Soja. Die eiweißhaltige Futtermittelpflanze wird überwiegend aus Südamerika und den USA importiert. In Brasilien und Argentinien werden dafür immer mehr wertvolle Regenwaldflächen gerodet. 80 bis 90 Prozent der dort in großflächigen Monokulturen angebauten Soja ist gentechnisch verändert. Die Gen-Soja ist so genmanipuliert worden, dass sie das umstrittene und von der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend eingestufte Spritzmittel Glyphosat verträgt. Der Einsatz von Glyphosat auf diesen Gen-Sojafeldern ist immens hoch.   

Zwar diskutieren Lebensmitteleinzelhandel und Fleischproduzenten über Maßnahmen für ein besseres Tierwohl, gleichzeitig setzt die Branche aber weiter auf Wachstum und Exportmärkte und damit auf Billigproduktion. Fatal. Für Mensch, Tier und Umwelt. Ganz zu schweigen von den verheerenden Arbeitsbedingungen und Zuständen in deutschen Schlachthöfen - wie sie jüngst ein NDR-Reportage dokumentiert hat.

Billige Arbeitskräfte aus Osteuropa schuften unter dem Mindestlohn und schlechten hygienischen Bedingungen oft in Doppelschichten. Hals aufschneiden, aufhängen, Rektum aufbohren, enthäuten, aufschneiden, zerteilen, verpacken. Immer wieder das gleiche, Stunde für Stunde.

Landwirtschaftsminister Schmidt muss diesem künstlich geschaffenen System endlich Einhalt gebieten. Deutschland muss die Klimagase in der Landwirtschaft senken und auf Qualität statt Masse, auf den heimischen Markt, statt auf den Weltmarkt setzen. Ökologische Betriebe brauchen ein vernünftiges Einkommen, artgerechte Tierhaltung muss Standard werden. Nötig ist eine gute Kennzeichnung von Fleisch und Milch, so dass der Verbraucher erkennt, aus welcher Tierhaltung und woher die Lebensmittel kommen. 

Format
Analyse

Stephie Töwe

Stephanie Töwe

Stephanie Töwe arbeitet seit 1999 bei Greenpeace Deutschland als Campaignerin im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft.


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