Eisbär nahe Spitzbergen Header
Larissa Beumer
18.04.2016

Bloß nicht einfrieren

Unterwegs in der Arktis auf dem Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" - Teil 3

Nach Tagen mit sehr wechselhaften Temperaturen wird es kalt. 

Thermometer auf der Arctic Sunrise
Das Thermometer zeigt fast -20 Grad an.

Bei unserer Ankunft im Woodfjord markiert eine Kante den Übergang zwischen Eis und offenem Wasser. Wir fahren eine Schneise in das Eis, um die Arctic Sunrise zu parken. Doch bei den Minus-Temperaturen müssen wir aufpassen, nicht im Eis eingeschlossen zu werden. Die Arctic Sunrise ist zwar stabil genug, um dem Eis standzuhalten, aber sie hat nicht genug PS, um festes Eis zu durchbrechen. 

Helideck Mooring-Lines Arctic Sunrise
Hinter der "Arctic Sunrise" friert der Fjord zu.
Kettensägen auf dem Eis vor der Arctic Sunrise
Damit wir in ein paar Tagen wieder losfahren können, verbringt die Crew vier Stunden damit, die Arctic Sunrise „loszueisen“: Mit Kettensägen und Eisbohrern, durch seitliches Schaukeln des Schiffes und durch Vor- und Zurückfahren.
Larissa im Büro auf der Arctic Sunrise
Auch im Büro auf dem Schiff wird's kalt. Ich hätte trotzdem nichts dagegen, hier noch ein paar Wochen länger bleiben zu können.

„Bambi“

Gegen Mittag bekommen wir erneut Besuch von einem Eisbären. Das Männchen nähert sich seitlich und will hinter der Arctic Sunrise vorbei. Genau da ist das Eis jedoch am dünnsten, der Bär bricht durch die dünne Eisdecke und schwimmt einige Schneisen. 

Eisbär schwimmt durch Eiswasser
Man könnte meinen, der Bär würde uns einen Weg durch das Eis brechen.
Der Bär versucht, sich wieder aufs Eis zu schieben. Gar nicht so einfach bei so einem Gewicht. Wir taufen ihn „Bambi“, weil seine Bewegungen ähnlich grazil aussehen wie die des kleinen Rehkitzes, als es versucht, auf Glatteis zu laufen.

OMV verkündet nördlichsten Ölfund in der norwegischen Arktis

Wir erfahren, dass der österreichische Mineralölkonzern OMV im Wisting-Ölfeld – etwa auf halbem Weg zwischen Nordkap und Spitzbergen – Öl gefunden haben soll. Das wäre der bislang nördlichste Ölfund in der norwegischen Arktis – in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes Bäreninsel. Bei Probebohrungen zwischen Januar und März ist OMV angeblich auf 200 bis 500 Millionen Barrel gestoßen: Keine riesige Menge, aber leider genug, dass Bohrungen in Erwägung gezogen werden könnten.

Die Crew war bei den Protesten vor wenigen Wochen an der OMV-Bohrplattform dabei. Es sind niederschmetternde Neuigkeiten und wir fragen uns, wie es jetzt weiter geht. Wie können wir OMV stoppen? Es ist nicht zu fassen, dass man hier noch mehr von dem Zeug aus dem Boden holen will, das für den Klimawandel und das große Schmelzen in der Arktis verantwortlich ist.

Protest an der OMV-Plattform unweit der Bäreninsel.
Protest an der OMV-Plattform unweit der Bäreninsel. Mitten im arktischen Winter bei fast durchgehender Dunkelheit, extremer Kälte und Stürmen hat der österreichische Konzern OMV hier nach Öl gesucht.

Nur zu Gast

Am Abend legt sich der Wind, die dicke Wolkendecke verzieht sich und die Sonne kommt heraus. Winzige Schneeflocken schweben sanft durch das Sonnenlicht: Die Luft glitzert. Über den Fjord legt sich eine unendlich friedliche Atmosphäre. Wir entdecken die mächtigen Spuren eines Eisbärens. Es wird uns immer bewusster, dass wir hier in ihrem Reich nur Gäste sind.

Glitzern in der Arktischen Luft
Das Glitzern in der Luft durch Schneeflocken wird im englischen „diamond dust“ genannt – Diamantenstaub.
Spuren von Eisbären nahe Spitzbergen
Eisbären - die Könige und Königinnen der Arktis.

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Topic
Arktis
Format
Analyse

Larissa Beumer

Larissa Beumer

Larissa Beumer (*1987) hat Geographie in Berlin und Global Change Management in Eberswalde studiert.


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