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Benjamin Borgerding
07.12.2015

Das "Fossil des Tages" geht an: Saudi-Arabien

Saudi-Arabien wurde in den letzten Tagen gleich zweifach mit dem Fossil Of The Day-Award bedacht. 

Am Freitagabend gab's die erste Trophäe: Saudi-Arabien redet auf der Konferenz die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen klein, die deutlich zeigen, dass für viele Länder bereits ein Temperaturanstieg von 2 Grad katastrophale Folgen haben wird. Für diese Staaten, die sich für ein 1,5-Grad-Ziel einsetzen, geht es bei der Konferenz buchstäblich um die Existenz. Saudi-Arabien tut alles dafür, dass diese Zahl es nicht in das Abkommen schafft.

Gemeinsam mit den USA und Norwegen macht sich Saudi-Arabien außerdem dafür stark, dass wichtige Elemente für einen Übergang in das Zeitalter der Erneuerbaren aus dem Haupttext der Abmachung in das Vorwort verschoben werden: Menschenrechte, Nahrungssicherheit, Bewahren von Ökosystemen, Generationen- und Gender-Fragen. 

Noch in einem weiteren Punkt benimmt sich Saudi-Arabien daneben. Das Land versucht zu verhindern, dass es einen Überprüfungs-Prozess (bzw. "Ambitionsmechanismus") für die sogenannten INDCs gibt: Das sind die Selbstverpflichtungen, die die Länder vor der COP eingereicht haben. Saudi-Arabien will nicht, dass die Ziele im Jahr 2018 oder früher überprüft werden. Doch gerade das wäre notwendig, damit ergänzende Maßnahmen ergriffen werden können.

Am Samstagabend dann musste sich Saudi-Arabien das Siegertreppchen mit Venezuela teilen. Dass die beiden Länder auf der COP21 als Blockierer auftreten, ist wenig überraschend. Ein knappes Drittel der globalen Ölreserven befindet sich auf ihren Herrschaftsgebieten. Bei den Verhandlungen in Paris haben sie sich in wichtigen Arbeitsgruppen gegen eine Dekarbonisierung gestellt, obgleich beide Länder für die Stabilisierung von Treibhausgas-Emissionen eintreten: Ein klarer Widerspruch. Die Verhandlungsführerin der venezolanischen Delegation hat das Langfrist-Ziel einer Dekarbonisierung auf einer Pressekonferenz als "Slogan" abgetan.

Bis zum 12. Dezember verhandelt die Welt auf der UN-Klimakonferenz über ein neues Klima-Abkommen. Täglich verleiht das "Climate Action Network" in Paris den Schmähpreis "Fossil of the Day" an den (oder die) Blockierer des Tages. Unsere Beiträge orientieren sich an der Blogserie, die im Original hier veröffentlicht wird.


Benjamin Borgerding

Benjamin Borgerding

Benjamin Borgerding (*1982) hat in Frankfurt am Main Anglistik und Medienwissenschaften studiert.


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