Feier zur landwirtschaftlichen Vielfalt auf den Philippinen
Dirk Zimmermann
07.08.2012

Ergebnis der Genforschung: Gentechnik überflüssig!

Ein Artikel aus dem Jahr 2012

Das Erbgut von immer mehr Kulturpflanzen wird komplett entschlüsselt. 2012 machte die Tomate den Anfang, gefolgt von der Zuckermelone. Seit Mitte Juli ist nun auch die Sequenz einer wilden Bananenart vollständig bekannt. Untergebracht auf 520 Millionen Bausteinen befinden sich in ihr über 36.500 Gene, deren genaue Funktion größtenteils unbekannt ist. Die Ergebnisse erlauben aber immerhin schon einmal, der Banane einen genaueren Platz in der pflanzlichen Evolution zuzuschreiben. Darüber hinaus werden die gewonnenen Erkenntnisse einen wichtigen Beitrag leisten können, die Banane zukunftssicher zu machen. Das bei uns beliebte und in Teilen der Welt als Grundnahrungsmittel unentbehrliche Obst sieht sich nämlich zunehmend der Bedrohung durch eine Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt.

 

Bananenplantagen zählen daher zu den Kulturen mit dem intensivsten Pestizideinsatz weltweit. Eine der Ursachen hierfür liegt in der Art der Vermehrung der Pflanzen: sie geschieht nicht über Samen, sondern vegetativ über Klone. Das genetische Material verändert und entwickelt sich dabei nicht, die Pflanzen werden zunehmend anfälliger. Auch die Züchtung neuer Bananensorten ist schwieriger als bei anderen Nutzpflanzen – aber durchaus möglich. Die Entwicklung neuer Sorten ist aber lange vernachlässigt worden, zudem hat man sich mehr oder weniger auf eine einzige Sorte für den Welthandel festgelegt. Erfolgreich gezüchtete Sorten mit Resistenzen gegen bedeutende Krankheiten erfüllten häufig nicht alle Ansprüche von Handel und Verbrauchern.

Gentechnik ist aussichtslos

Auch Versuche mit Gentechnik wurden unternommen. Unlängst berichtete die Los Angeles Times von äußerst dürftigen Erfolgen. Durch die Komplexität der genetischen Grundlagen von Resistenz war das Unterfangen, mit Hilfe von Genen aus Reis oder Paprika zum Erfolg zu kommen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und auch die aktuellen Forschungsergebnisse sprechen keineswegs dafür, jetzt im Erbgut der Banane nach Resistenzgenen zu suchen und diese gentechnisch von Banane zu Banane zu übertragen.

 

Zwar steht man nach der Entschlüsselung eines Genoms erst am Anfang von dessen genauer Funktionsanalyse, doch lässt sich für die Banane schon jetzt sagen, dass ihre Erbsubstanz komplizierter gesteuert wird als erwartet. So verfügt die Banane über große Abschnitte sogenannter „nicht-codierender Regionen“, d.h. hier befinden sich keine Gene. Die Abschnitte werden dennoch über Millionen Jahre in unveränderter Form vererbt. Längst weiß man, dass diese ursprünglich auch schon als „Müll“ bezeichneten Regionen („junk DNA“) wichtige Funktionen in Genregulation und Evolution übernehmen. Dem Einfluss gentechnischer Manipulation entziehen sie sich dabei durch ihre Komplexität. Ähnliches gilt für ein in der Banane identifiziertes, überraschend umfangreiches Arsenal sogenannter „Transkriptionsfaktoren“. Das sind regulatorische Elemente, welche die Aktivität von Genen hochspezifisch steuern. Mit Gentechnik in die komplizierte Natur der Pflanze eingreifen zu wollen, ist offensichtlich aussichtslos.

Die bessere Alternative: konventionelle Züchtung

Dennoch: die erfolgreiche Sequenzierung könnte die Banane über konventionelle Züchtung entscheidend und schnell voranbringen. Die Suche nach sogenannten „genetischen Markern“ wird nämlich bedeutend erleichtert. Sie erleichtern im Züchtungsprozeß die frühe Identifikation von Kreuzungsprodukten mit bestimmten Charaktereigenschaften. Die Eigenschaften können dabei auf sehr komplexen genetischen Grundlagen beruhen, ohne dass diese im Detail verstanden sein müssen. Es handelt sich um ein biotechnologisches Verfahren, es wird aber nicht manipulativ in die Pflanze eingegriffen. Im Gegensatz zu gentechnischen Methoden funktioniert diese „markergestützte Selektion“ und hat auch schon erfolgreiche Züchtungsprodukte hervorgebracht. (Details zum Verfahren gibt es hier und hier.)

 

Auch wenn weitere Anstrengungen nötig sind und nicht übermorgen mit Wunderpflanzen zu rechnen ist, dürfte die Methode in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Die Ergebnisse der genetischen Grundlagenforschung an Banane, Tomate und Melone haben die Rufe nach gentechnischen Scheinlösungen jedenfalls weitgehend verstummen lassen. Die zerschlagenen Versprechen der Agro-Gentechnik und die Erfahrungen aus 16 Jahren kommerzieller Nutzung dürften ihr Übriges zu einem grundsätzlichen Umdenken beigetragen haben. Der Weg scheint frei, um zumindest auf der Ebene der Pflanzenzüchtung schneller und günstiger echte Lösungen für die Landwirtschaft bereitstellen zu können. Die Gentechnik hat sich dafür einmal mehr disqualifiziert.

Tags
Gentechnik
Format
Analyse

Dirk Zimmermann

Dirk Zimmermann

Dr. Dirk Zimmermann ist Kampaigner im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft bei Greenpeace Deutschland.


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