Larissa Beumer
02.03.2016

Geheimnisse unter dem Eis

Die faszinierende Unterwasserwelt des Arktischen Ozeans

Der Arktische Ozean ist weniger erforscht als der Mond. Wir wissen nur wenig darüber, was unter dem Eis vor sich geht: Wer sind die Bewohner dieser dunklen, kalten Unterwasserwelt? Wie schaffen sie es, in diesen extremen Bedingungen zu überleben? Und wie wird sich all dies durch den Klimawandel verändern?

Fest steht: Der Arktische Ozean steckt trotz Dunkelheit und Kälte voller Leben. Und fest steht leider auch, dass sich kaum ein Lebensraum so drastisch durch den Klimawandel verändert wie der Ozean im hohen Norden. Eine neue Gefahr für die leidgeprüfte Arktis entsteht: Der dramatische Eisverlust ermöglicht es der Fischereiindustrie in immer nördlichere Gefilde vorzudringen. Fischtrawler wurden schon bei 81 Grad nördlicher Breite beobachtet. 

Kaum ein Mensch hat je einen Blick in die Tiefen des Arktischen Ozeans geworfen. Vereinzelte Forschungsexpeditionen bringen allmählich Licht ins Dunkel: Viele der hier präsentierten Fotografien stammen vom Meeresbiologen, Forscher und Fotografen Alexander Semenov, der das Taucher-Team der Forschungsstation der Uni Moskau an der Weißen See leitet.

Arktische Meereisdecke
Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt – mit dramatischen Folgen für die arktischen Ökosysteme. In der Barentssee hat sich die Meereisfläche zwischen 1998 und 2008 halbiert. Damit ist die Barentssee eine der Regionen im Arktischen Ozean, die am schlimmsten vom Rückgang des Meereises betroffen ist.
Ruderschnecke
Entrückt und geheimnisvoll: Ruderschnecken (Gymnosomata) sehen aus wie schwebende Engel der Tiefsee. Im Englischen werden sie auch als "Sea Angel" bezeichnet.
Löwenmähnenqualle in der Arktis
Die Tiefen des Arktischen Ozeans sind die Heimat von faszinierenden Lebewesen: Die Löwenmähnenqualle (Cyanea capillata) ist die größte Quallenart der Welt. Ihr Schirm kann einen Durchmesser von zwei Metern erreichen. Die Tentakel des größten je gefundenen Exemplars waren 37 Meter lang – länger als ein Blauwal!
Löwenmähnenqualle
Löwenmähnenquallen ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton, kleinen Fischen und anderen Quallenarten. Im offenen Ozean sind Löwenmähnenquallen wie schwimmende Oasen für einige Arten wie z.B. Garnelen und verschiedene Fischarten: Sie bieten Schutz vor Raubtieren und Nahrung. Zu den Fressfeinden der Art gehören vor allem Seevögel und größere Fische.
Rippenqualle
Wie aus einer anderen Welt: Mittels Biolumineszenz können Rippenquallen in den Tiefen des Ozeans Licht erzeugen. Weil sie so fragil gebaut sind, ist es schwierig, ihre Lebensweise zu erforschen.
Irisierender Seeringelwurm
Arktische Seeungeheuer? Die sogenannten irisierenden Seeringelwürme (Alitta virens) können bis zu 120 Zentimeter lang und bis zu 3 Jahre alt werden. Sie leben im Boden vergraben und jagen Krustentiere, Weichtiere und kleine Würmer, indem sie aus ihren Höhlen hervorschießen und mit ihren pinzettenartigen Zähnen zuschnappen. Manchmal müssen sie ihre Höhle verlassen und werden dann selber zu potenziellen Beutetieren. Einer Studie von britischen Forschern zufolge können diese Würmer chemische Signale, die von Artgenossen ausgesandt werden, als Warnung vor aktiven Fressfeinden erkennen.
Darth Vader-Qualle
Fantasie? Wirklichkeit! In Tiefen von über 1000 Metern ist eine Qualle zuhause, deren erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Bösewicht aus Star Wars ihr den Namen "Darth Vader-Qualle" eingeheimst hat (Bathykorus bouilloni).
Meeresboden vor Spitzbergen
Dieses Bild entstand während einer Greenpeace-Schiffsexpedition im Jahr 2010, bei der mit Wissenschaftlern der Meeresboden nördlich von Spitzbergen kartiert wurde.

Am Boden des arktischen Ozeans finden sich zerbrechliche Lebensgemeinschaften: Seelilien und Haarsterne, Seeanemonen und Kaltwasserkorallen sowie viele weitere Arten. All dies könnte bald durch Fischtrawler mit Grundschleppnetzen unwiederbringlich zerstört werden. Mit Metallwalzen beschwert, hinterlassen die Netze eine Spur der Verwüstung und zertrümmern alles, was ihnen in den Weg kommt. 

Wie eine neue Untersuchung von Greenpeace zeigt, rückt die Fischerei-Industrie immer weiter nach Norden vor, um aus dem Rückgang des Meereises Profit zu schlagen und die bislang durch das Eis geschützten Fischbestände auszubeuten. Vor allem in der Barentssee nördlich von Norwegen und in den Gewässern rund um Spitzbergen, wo der Rückgang des Eises besonders dramatisch ist, nehmen die Aktivitäten der Fischerei-Industrie zu. Während 65 Prozent der Landfläche Spitzbergens unter Schutz stehen, versagt die norwegische Regierung bislang beim adäquaten Schutz der umliegenden Meeresgebiete.

Unterstützen Sie Greenpeace beim Schutz der Arktis mit Ihrer Unterschrift!

Topic
Arktis

Larissa Beumer

Larissa Beumer

Larissa Beumer (*1987) hat Geographie in Berlin und Global Change Management in Eberswalde studiert.


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