Greenpeace Gastautor
04.11.2019

Ghost Gear: Gefahr für Meeresbewohner

Herumirrende Geisternetze bedrohen unsere Ozeane

Unser neuer Report Ghost gear: the abandoned fishing nets haunting our oceans (Herumirrende Geisternetze bedrohen unsere Ozeane) wirft einen Blick auf verlorene, vergessene oder auf See entsorgte Fischereiausrüstung, die das Leben in den Meeren tötet und die Unterwasserlandschaft zerstört.

12 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer – so viel wie ein durchschnittlicher Müllwagen pro Minute entsorgt. Jegliches Plastik in den Ozeanen wird möglicherweise zur tödlichen Falle für Tiere, kann sie ersticken, fesseln oder schwer verletzen. Eine ganz bestimmte Art Plastik jedoch wurde extra hierfür gebaut: Fischereigerät, das auch dann noch tödliche Beute macht, wenn es längst verloren, weggeworfen oder vergessen wurde.

Geisterausrüstung treibt im Pazifik.

Aufgrund des geringen Gewichts, des Auftriebs, der Haltbarkeit und des niedrigen Preises eignet sich Kunststoff ideal für den Fischfang. Leider sind dieses jedoch auch jene Eigenschaften, die für die wachsende Bedrohung durch Fischereigerät aus Plastik für marine Lebewesen und Unterwasserlandschaften sorgen.

Die Entsorgung unbrauchbar gewordener Fischereiausrüstung auf See ist vor allem in der illegalen, nicht regulierten und nicht gemeldeten Fischerei weit verbreitet. Seeberge sind besonders betroffen, da sie aufgrund ihrer großen Artenvielfalt häufig stark befischt werden. Auch auf Mount Vema sind alte Hummerkäfige früherer Fangflotten heute noch tödliche Fallen für Fische. Krebse und andere Meereslebewesen.

Geisternetze im Pazifik

Unser neuer Bericht fasst die Bedrohung durch Geisterausrüstung zusammen: Jährlich landen rund 640.000 Tonnen altes Fischereigerät in den Ozeanen, was einem Gewicht von mehr als 50.000 Doppeldeckerbussen entspricht. 10 Prozent des Plastikeintrags in die Meere stammen von Netzen, Leinen, Bojen oder ähnlichem. Zugehörige Abfälle aus der Fischerei wie Verpackungsbehälter oder Klebeband tragen ebenfalls dazu bei.

In einigen Regionen der Ozeane bildet Fischereiausrüstung den größten Teil des dort vorkommenden Plastiks, darunter mehr als 85% des Abfalls auf bestimmten Seebergen und Ozeanrücken sowie der größeren Plastikstücke im großen pazifischen Strudel. Bei einem einzigen Zwischenfall in mexikanischen Gewässern im Jahr 2018 wurden 300 Meeresschildkröten in einem Geisterfischernetz tot aufgefunden. Geisterausrüstung ist auch eine Gefahr für die Schiffsnavigation und die Sicherheit auf See und konkurriert mit den Fischern um ihren Fang.

Schildkröte gefangen in einem Geisternetz.

Um der wachsenden Bedrohung durch verlorenes oder auf See entsorgtes altes Fischereimaterial zu begegnen, müssen mindestens 30 Prozent der Ozeane vor menschlichem Zugriff geschützt werden. Ein starker globaler Ozeanvertrag der Vereinten Nationen könnte den Weg für die Schaffung eines weltweiten Netzes von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern ebnen. In diesen Schutzgebieten sollten weder Fischfang noch Bergbau noch andere zerstörerische Aktivitäten stattfinden können. Dann bekäme die großartige Biodiversität unter Wasser eine Chance zur Erholung und Regeneration.

Unterzeichne unsere Petition zum Schutz der Meere und fordere gemeinsam mit uns einen starken globalen Ozeanvertrag: https://www.greenpeace.de/hochseeschutzabkommen

Autor*in: Helena Spiritus (Greenpeace Deutschland)

Topic
Meere

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