Greenpeace Gastautor
06.08.2018

Pride 2018: Wir feiern die Farben des Regenbogens

Greenpeace hat dieses Jahr ein klares Zeichen für gleiche Rechte für alle gesetzt. Gianna Martini aus Hamburg war mitten drin in der Pride in Amsterdam.

Aus der ganzen Welt sind sie angereist, um dieses Wochenende die Pride in Amsterdam zu feiern. Es sind Menschen aus der Greenpeace Community aus Russland, Italien, England, den USA, Indien, Brasilien, Indonesien und China. Wie ich sind sie gekommen, um ein Zeichen für eine friedliche Welt ohne Homophobie und Diskriminierung zu setzen. So viele tolle Menschen - ich bin mega-aufgeregt!

Impressionen von der Pride in Amsterdam. (Auf Niederländisch zwar, aber die Bilder sprechen für sich.)

Für die Parade am nächsten Tag haben wir ein Elektroboot organisiert. Das Boot soll aussehen wie das große Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior III. Wir haben uns also viel vorgenommen und machen uns gemeinsam ans Basteln und Schmücken. Alle Greenpeace-Schiffe tragen traditionell einen großen Regenbogen mit einer Friedenstaube am Bug. Denn schon seit der Gründung versteht sich die Organisation als 'Regenbogenkriegerin' nicht nur für den Umweltschutz, sondern auch für Frieden und Toleranz. An diesem Wochenende wird unser Regenbogen zwischen all den Fahnen wohl gar nicht auffallen.

Deshalb ist Greenpeace dieses Jahr bei der Pride dabei. (Englisch)

"Ob wir als Neulinge wohl besonders kritisch beobachtet werden?", frage ich mich. Wir sind ein wenig angespannt, wir wissen nicht wie die Leute auf uns reagieren werden. Wir stechen schon sehr aus den Booten heraus. Erstens sind wir alle sehr angezogen und zweitens sind wir weit und breit die einzigen, die nicht komplett in Glitzer getaucht sind. (Wegen Mikroplastik)

Wir fahren auf eine große Brücke zu, auf der schon viele Leute stehen, um den Anfang der Parade zu sehen.
Hinter der Brücke dann plötzlich der Kanal, der vor Menschen quasi überquillt. Sie stehen auf den Straßen, auf ihren Balkonen, auf den Hausbooten, auf Motorboten vor den Hausboten, in Schlauchbooten vor den Motorboten und dann gerne noch vor den Schlauchbooten auf einem Gummieinhorn. Und als wir unser Segel-Banner mit einem kleinen Stunt hissen und wir unsere Botschaft „We`re all Rainbow Warriors" mit allen teilen, gibt es einen riesen Szenenapplaus und Luftküsse die uns entgegen fliegen.

Die Stimmung kocht: Musik, Tausende von fröhlichen, bunten Menschen - und ich mitten drin - genauso bunt verkleidet wie unser Boot. In guter Greenpeace-Tradition haben wir viele Banner dabei: „Melt hearts not icecabs“, “ We love all bears”, „Don`t death drop the planet“, „We`re all Rainbow Warriors" und “Let`s make biomass together”. Die Seite unseres Bootes ziert ein langes Banner mit der Aufschrift: „I`m a queer climate activist“.

Die Leute fangen an zu unserer Musik zu tanzen und machen begeistert Fotos von unseren Bannern. Wir tanzen mit den Leuten am Ufer und der DJ schaltet zeitweise seine Musik aus, um die Menge weitersingen zu lassen. Alle jubeln uns zu, aber vereinzelt können wir auch noch spezielle Greenpeace-Fans erkennen, die besonders begeistert auf unser Boot reagieren. Außerdem finden uns die Leute, die sich als Hippies verkleidet haben, besonders gut – Hmm, könnte es da einen kausalen Zusammenhang geben? :-) Es macht unfassbar viel Spaß hier zu sein!

Gianna mitten drin.

Nach vier Stunden ist die Pride für uns zu Ende und wir sind wieder im Hafen von Amsterdam angekommen. In dem Moment, als wir die letzte Gracht hinter uns lassen, sagt mein direkter Tanznachbar aus Österreich: „Ich möchte nicht, dass es zu Ende ist, aber ich kann auch einfach nicht mehr tanzen!“

Langsam macht sich Erleichterung und Zufriedenheit bei uns breit und ich habe ein Gespräch mit einer Kollegin NC Kwong aus Hong Kong. Sie sagt mir, dass für viele Menschen, gerade für nicht queere Personen, die Pride immer aussieht wie eine riesige Party. Aber für sie ist es viel mehr als das:
Für NC war ihre erste Pride ein Meilenstein darin ihre Identität zu finden. Sie hat sich dort das erste Mal weniger alleine und sich mit den anderen Menschen vor Ort verbunden gefühlt. Dabei war sie in Berlin - weit weg von Zuhause. Ihr wurde klar, dass es wahnsinnig viele Menschen gibt, die so sind wie sie.

Ich habe bei ihrer Geschichte eine Gänsehaut bekommen. Für mich, als nicht queere Person, geht es darum, bei einer Pride Diversität zu feiern und auch ein Zeichen gegen rechte Bewegungen mit entsprechenden homophoben Meinungen zu setzen. Als nicht queere Person ist mir nie so klar gewesen, dass solche politischen Veranstaltungen für viele Personen sehr wichtig sind, um die eigene Identität zu finden. Das eine Pride etwas so Großes bei einer Person auslösen kann, finde ich fantastisch.


Um so glücklicher bin ich, dass Greenpeace an dieser wahnsinnig wichtigen Veranstaltung so aktiv wie möglich teilnimmt. Ich bin überzeugt:

Um auf diesem Planeten in Frieden zu leben, ist es unverzichtbar Menschen egal welchen Alters, ethnischer Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität, Weltanschauung und egal welcher Physiognomie als gleichberechtigt anzuerkennen. Gerade in diesen politischen Zeiten, steht Greenpeace mehr denn je in der Pflicht dies verstärkt nach außen zu kommunizieren.

Denn nur weil seit letztem Jahr homosexuellen Menschen das Recht zugesprochen wird zu heiraten, dürfen wir uns in Deutschland nicht zurücklehnen. Die Autorin Grethe Nestor schrieb einmal so treffend: „Der größte Feind der Gleichberechtigung ist die Meinung, wir hätten sie schon.“

 

Über die Autorin:

Gianna Martini ist Sozialökonomin (M.A.) und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg. Für Greenpeace arbeitet sie im Kommunikationsbereich.

 


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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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