Protest mit Schildkröte für Meeresschutzgebiete in New York
Greenpeace Gastautor
17.09.2018

Im Einsatz für unsere Weltmeere

Historisch: Die Verhandlungen für ein UN-Abkommen zum Schutz der Hohen See haben begonnen

Vor fast zwei Wochen bin ich um 6 Uhr früh auf einem Schlauchboot den East River in New York entlang gefahren, neben mir drei weitere Boote mit Greenpeace-Aktivisten und mit Journalisten. Vor uns ging die Sonne auf und ließ die Skyline von Manhattan in goldenem Schimmer erstrahlen. Es war ein wunderschöner Anblick, aber wir waren nicht dort, um die Morgensonne zu genießen. Unser Ziel war das Hauptquartier der Vereinten Nationen.

 

Direkt vor dem Gebäude ließen wir eine fliegende Schildkröte mit Hilfe von Lenkdrachen steigen und ein Transparent mit der Aufschrift “Global Oceans - Global Treaty!”. Mit der Aktíon haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass bei der UN historische Verhandlungen beginnen: Für das erste weltweite Abkommen zum Schutz der Hohen See.

 

Protest in New York für die Weltmeere

 

Wenn die internationale Staatengemeinschaft es schafft, bis zum Jahr 2020 ein starkes Abkommen zu beschließen, wäre das die Grundlage für ein weltweites Netz an Meeresschutzgebieten. Und das brauchen wir dringend! Denn obwohl die Hohe See die Hälfte der Erdoberfläche und zwei Drittel aller Meere ausmacht, ist nur ein Prozent tatsächlich geschützt. Das muss sich ändern, damit unsere Meere nicht komplett aus dem Gleichgewicht geraten. Denn wir plündern, verschmutzen und zerstören sie, als ob es kein Morgen gäbe! 

 

Jetzt geht diese historische erste Verhandlungsrunde zu Ende. Greenpeace hat auf mehreren Wegen versucht, sie voran zu bringen. Mit der Aktion haben wir die Augen der Welt auf diese Konferenz gelenkt und die Botschaft in viele Länder gebracht. Meine KollegInnen und ich gaben ein Interview nach dem anderen und berichteten von den Verhandlungen. Wir sprachen mit vielen Delegierten und überreichten ihnen kleine Origamis in Form von Meerestieren und der aufgedruckten Botschaft:  “The fate of our oceans is in your hands” (Das Schicksal unserer Meere liegt in Ihren Händen). Auch im Konferenzsaal haben wir das Wort ergriffen und klar gemacht, dass sich Greenpeace nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden geben wird.

 

Origami für die Meere
Ein Delegierter aus Monaco und Greenpeace-Aktivistin Louise Casson mit einem Origami-Faltkunstwerk im UM-Hauptquartier in New York.

 

Unser politisches Fazit dieser ersten Runde: Es war ein guter Anfang, aber der Weg ist noch weit. Einige Staaten in Afrika, dem pazifischen Raum, Karibikinseln, aber auch Europa haben sich stark gemacht für ein wirkungsvolles Abkommen, das ein Netzwerk an Schutzgebieten möglich macht. Die genauen Stellungnahmen können Sie nachlesen im Treaty Tracker. Der Delegierte aus Südafrika beispielsweise hielt eine aufrüttelnde Rede und forderte: “Wir brauchen einen Vertrag, der Zähne hat und wenn nötig zubeisst. Einen Vertrag, der ein echter Tiger ist, kein Papiertiger.” Andere Länder wie die USA, Norwegen, Russland und Australien hinken allerdings noch weit hinterher.  

 

Mein persönliches Fazit nach fast zwei Wochen Verhandlungen: Viele interessante Gespräche und Vorschläge – aber auch viele politische Floskeln, einige Stellungnahmen, die wir erst einmal interpretieren mussten. Zudem viele Stunden künstliches Licht in fensterlosen Räumen. Vor allem aber weiß ich, dass der Kampf für ein starkes Abkommen jetzt erst richtig losgeht. Wir haben maximal zwei Jahre, um jene Länder zum Umdenken zu bewegen, die bisher noch zögern, und ein starkes Abkommen zum Schutz der Hohen See zu erreichen. Die nächsten zwei Jahre sind entscheidend für die Zukunft unserer Weltmeere, und Greenpeace wird mit aller Kraft für dieses Abkommen kämpfen.

Sie können dabei sein: Im Oktober steht die Entscheidung über das weltweit größte Meeresschutzgebiet in der Antarktis an. Wenn dies gelingt, würde es einem weltweiten Schutzabkommen für die Hohe See enormen Schub verleihen. Fast zwei Millionen Menschen unterstützen bereits die Errichtung dieses Schutzgebiets. Doch wir brauchen noch mehr Menschen, die sich für die antarktische Tierwelt einsetzen. Jetzt ist ihre Unterstützung dringender, als jemals zuvor! Deshalb, falls Sie noch nicht Teil der Bewegung zum Schutz der Antarktis sind, machen Sie jetzt mit!
 

Autor: Lukas Meus, Meerescampaigner bei Greenpeace in Österreich

Topic
Meere

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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