"Stand For Forests" in Rumänien
Gesche Jürgens
18.08.2016

Kartieren in den Karpaten

Das Leben in einer Urwaldschutzstation ist nicht ohne Herausforderungen. Erste Herausforderung am Morgen: Nicht auf die kleinen, dunklen Flecken im Auffangbecken der Dusche treten. Denn die erweisen sich bei genauerem Hinsehen als Erdkröten. Vielmehr Erdkrötchen. Kein Witz. Diese Art gehört zu den Lurchen und ist in fast ganz Europa verbreitet. Auch in dem Wäldchen, in dem Greenpeace-Aktivisten seit einer guten Woche eine Urwaldschutzstation errichtet haben.

Erdkröte auf Hand in Rumänien Urwald
Winzig, oder?

Um den Fortbestand der Erdkröten mache ich mir keine Sorgen. Die größte unmittelbare Gefahr für sie scheinen mir unbedacht gesetzte Schritte zu sein. Anders steht es um Bären, Wölfe und Luchse. Noch sind sie in den rumänischen Karpaten weit verbreitet. Die größte europäische Braunbärenpopulation ist hier zu finden. Auch in der Gegend, in der wir derzeit Teile der noch verbliebenen Urwälder Europas kartieren, lebt einer. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber auch in seinen Hinterlassenschaften im Wald kann man unbedachten Schrittes hineintreten. Aktuell stehen offenbar Himbeeren auf seinem Speisezettel.

Der Lebensraum des Bären ist bedroht: Die rumänischen Urwälder erstrecken sich noch auf geschätzte 120.000 Hektar und gehören zu den letzten verbliebenen Naturschätzen unseres Kontinents. Durch Holzwirtschaft und teils illegalen Einschlag schwinden sie jedoch. Mit der Urwaldschutzstation und der Kartierung der Region wollen wir diese Entwicklung aufhalten. Was genau wir tun und warum gerade ein guter Zeitpunkt dafür ist, erfahrt ihr hier.

Greenpeace-Aktivist Luca am Berghang im Urwald in Rumänien
Harte Arbeit: Greenpeace-Aktivist Luca misst am Hang

Urwaldschutz ist Teamarbeit

Es ist großartig zu sehen, wie Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund innerhalb kurzer Zeit als Team zusammenwachsen und wie hochmotiviert sie die nicht gerade unanstrengende Arbeit im Wald übernehmen. Ein Grund, warum die Wälder der Holzwirtschaft noch nicht komplett zum Opfer gefallen sind: Sie liegen meist an ziemlich steilen Hängen. Und sie sind sehr beeindruckend! Jeden Tag entdeckt man hier etwas Neues:

Fraßbild von Borkenkäfern in Rumänien
Das kunstvolle, fast an Hieroglyphen erinnernde „Fraßbild“ von Borkenkäfern.

 

Stachelbart in Rumänien
Stachelbart: Eine seltene Pilzgattung.
Bergbach in Rumänien
Ein kleiner Bergbach, der uns mit trinkbarem Quellwasser versorgt.
Nisthöhle eines Vogels im Urwald in Rumänien
Nisthöhle eines Vogels in einem Baum

Obwohl wir erst seit einer guten Woche hier sind, kommt es mir durch die vielen Eindrücke viel länger vor. Im Wald ticken die Uhren anders.

 

Topic
Wälder
Format
Analyse

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


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