Junges Patchwork aus Jeans
Greenpeace Gastautor
17.03.2016

Kleidung wegwerfen? Ich mache Upcycling!

In einem Gastbeitrag stellt Sonja Wöhrenschimmel-Wahl ihre Leidenschaft vor: Redesign!

Meinen ersten Rock entwarf ich mit sechs: Ich zerschnitt das Hauskleid meiner Mutter. Das war mein Einstieg ins ReDesign. Danach folgten selbst genähte Puppenkleider aus alten Leintüchern und die ersten Pullover. Ab 18 besuchte ich Flohmärkte. Dort kaufte ich das, was mir gefiel, meist Herrenkleidung, und dort lernte ich, Kleidung auch als Stoffquelle zu sehen.

Warum ich nähte: Erstens liebte ich Handarbeit, zweitens wollte ich Modelle tragen, die nur ich hatte. Und drittens reichte mein Budget gerade so für Secondhand-Kleidung. Als die ersten Filialen von H&M und Co. bei uns Fuß fassten, kaufte ich dort das eine oder andere Stück, aber nicht mehr. Damals dachte ich noch nicht an Umwelt und Ausbeutung, das kam erst später. Was mich jedoch  zutiefst verstörte, war die Tatsache, dass eine große Firma wie H&M so erfolgreich sein konnte, obwohl sie sich traute, schlechtproduzierte, kurzlebige Kleidung herzustellen.

Beanie und Loop aus Band T-Shirt
Beanie und Loop aus Band T-Shirt

Zur Sache: Wie geht Upcycling? Ich zeige dir, wie ich mein Beanie und Loop aus T-Shirt erstellt habe. Du kannst es nachmachen oder dich zu eigenen Kreationen inspirieren lassen.

Das Ausgangsprodukt war ein großes Band- T-Shirt meines Neffen, das er mir zur Weiterverwertung geschenkt hat. Der Beanie ist doppelt gearbeitet, so kann man ihn nach Belieben wenden und etwa mit einem neuen Biostoff kombinieren. Bedruckte T-Shirts sind besonders gut geeignet, um auf diese Weise verwertet zu werden, weil ihre Motive als gestaltendes Element eingesetzt werden können. Das Zerschneiden hilft aber auch, unschöne Motive, Schriften und ähnliches „aufzulösen“ in Farbflecken und Textfragmente.

Zutaten:

  1. ein großes T-Shirt mit Motiv
  2. Stoffrest aus Jersey, altes Shirt oder neue Bioware
  3. Beanie-Schnitt aus dem Internet, ausgedruckt und ausgeschnitten

So geht´s: T-Shirt bügeln. 

Beanie: Um das T-Shirt bestmöglich zu nutzen, empfiehlt es sich, den Beanie aus dem oberen Teil des T-Shirts herauszuschneiden. Schnitt auf den Stoff auflegen und darauf achten, dass die bevorzugten Motivteile neben dem Abnäher liegen, denn sonst kann es passieren, dass das Motiv beim Abnähen weggeschnitten wird. Beanie aus Vorder- und Rückseite schneiden, darauf achten, dass die Nahtzugabe inkludiert ist. Zweiten Beanie aus altem T-Shirt oder Stoff zuschneiden. Abnäher auf allen Teilen stecken und mit Elastikstich oder kleinem Zickzackstich steppen. Jeweils 2 Beanie- Teile aufeinanderlegen, stecken und steppen, bei der voraussichtlich inneren Haube etwa 5 cm zum Wenden offenlassen! Nahtzugaben zurückschneiden.


Beanies zusammennähen: Beanies an den Säumen zusammenstecken und die Runde steppen. Fäden abschneiden. Beanie durch die offene Stelle durchziehen und wenden. Zurechtziehen. Offene Stelle mit kleinen Stichen zunähen.

Loop: T-Shirt unterhalb der Ärmel durchschneiden. Stoff genau aufeinanderlegen. Fransen schneiden: Von der geschnittenen Seite im Abstand von einem Zentimeter 15cm lang in den Stoff schneiden.  Auseinanderfalten und zurechtschütteln.

FERTIG! Und aus Altem lassen sich noch viele andere schöne Dinge produzieren...

Weiße Hemden werden zum Faltenrock
Weiße Hemden werden zum Faltenrock
Junges Patchwork aus Jeans
Junges Patchwork aus Jeans
Tropfendruck mit Kartoffelstempel
Tropfendruck mit Kartoffelstempel

Wie ich Upcycling für mich entdeckt habe

Während meines Studiums an der Kunstuniversität Linz begann ich mich künstlerisch mit der Verschwendung von Ressourcen zu beschäftigen. Besonders interessierte mich  die kurze Nutzungsdauer von Kleidung: Mehr als 10 Kilogramm Kleidung werfen wir pro Jahr weg. Ich las Bücher wie „The waste makers“ von Vance Packard, der die Überproduktion und seine unschönen Auswirkungen schon zu Beginn der 1960er Jahre(!) beschrieben hatte. Bücher wie diese und weitere Recherchen wurden zur Grundlage meiner Arbeit und führten 1999 zur ersten ReDesign-Kollektion aus alten Herrenhosen und Wollpullovern.

Nach Studium, Designjob und Kinderkriegen wurde mein Lebensstil konsumkritischer. Ich startete 2007 mit meinem Blog Frau Jona&son über Design, Eco Fashion und Lebensstil und entwickelte mein Konzept der hochwertigen Umgestaltung von Kleidung weiter. Das Entwerfen und Nähen von wunderschönen Einzelstücken erwies sich als beglückende, aber zeitaufwändige und finanziell wenig lukrative Beschäftigung. Ich erkannte für mich, dass es mehr Sinn macht, Menschen zu zeigen, wie sie selbst kreativ werden können, als einige Einzelstücke zu verkaufen. Ich begann Workshops zu geben und mir kam die Idee, ein Buch zum Thema zu schreiben, mit Informationen und schönen Anleitungen zum Nachnähen.

In den Kursen zeichneten sich wiederkehrende Themen ab, wie das zu kurze T-Shirt, die nicht zur Person passende Kleiderform, die falschen Farben, fehlende Ideen und die Scheu, zur Schere zu greifen. Ich begann meine Beobachtungen aufzuschreiben und Fälle wie diese zu sammeln. Darüber hinaus entwickelte ich außergewöhnliche Designs, die noch mehr vom künstlerischen Potenzial von ReDesign zeigten (und trotzdem noch leicht nachzuarbeiten sind). Und als ich es mir endlich zutraute, ein gutes Buch schreiben zu können, legte ich los.

 

Mein Buch als Rundum-Workshop

Mein Buch ReDesign ist eine Reise, als Rundum-Workshop für alle, die mehr lernen wollen als das bloße Umnähen eines Kleidungsstückes. Ich räume mit den Leserinnen den Schrank aus, denke laut über Formensprache und Farben nach, zeige, dass Kleidung niemals nur eine glatte Oberfläche ist und gebe Tipps, wie sich eine schöne und grüne Garderobe auch mit weniger Budget zusammenstellen lässt. Ich sage nur Secondhand, ReDesign, Eco Fashion und der eigene Kleiderschrank! Der Praxisteil beginnt mit der Vorstellung kreativer Techniken, zeigt kleine Reparaturmöglichkeiten und mündet in 45 Nähprojekte, die in vier Levels unterteilt sind. Neues zu nähen aus alter Kleidung kann schlicht, experimentell oder einfach schön sein und beinahe Zauberei, wenn man es beherrscht. Diesen Zauber erlebe ich oft in meiner Arbeit und bei meinen Workshops - diese kleinen und großen Aha-Erlebnisse. Wenn sich aus alter Kleidung etwas neues Besonderes entwickelt, das genau zum Typ passt. Wenn man lernt, in einem Kleidungsstück mehr zu sehen als seine bisherige Funktion. Und wenn man erkennt, dass man sich die schönsten Kleider selbst schaffen kann.

Weitere Informationen: www.fraujonason.com


Greenpeace Gastautor

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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