Women's March in Washington, Januar 2017
Lisa Göldner
08.03.2019

Klimagerechtigkeit braucht Feminismus

Warum ich auch am Internationalen Frauentag für ambitionierten Klimaschutz kämpfe

Der Internationale Frauentag mahnt Jahr für Jahr, dass noch ein langer Weg vor uns liegt bis zu einer echten Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Frauenrechte sind leider nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden und werden hart erkämpft. Und es liegt an uns allen, sie immer wieder aufs Neue zu verteidigen. Heute gehe ich für die Selbstbestimmung von Frauen und eine Gleichberechtigung der Geschlechter auf die Straße. Und dabei finde ich es wichtig; auch über die Klimakrise zu sprechen.

Die Klimakrise verschärft bestehende soziale Ungerechtigkeiten. Überall auf der Welt sind besonders diejenigen Menschen von den Folgen der Erderhitzung betroffen, die ohnehin schon benachteiligt sind. Dazu gehören Menschen in Armut, Indigene, Frauen und Kinder. Die Klimakrise geht uns alle an, aber nicht alle Menschen sind auf die gleiche Weise betroffen und haben dieselben Möglichkeiten, mit den Folgen umzugehen. Dabei spielen Aspekte wie der Wohnort, das Einkommen und Alter und auch das Geschlecht eine Rolle.

Keine Klimagerechtigkeit ohne Geschlechtergerechtigkeit
"Keine Klimagerechtigkeit ohne Geschlechtergerechtigkeit" steht auf dem Plakat dieser Demonstrantin auf einer Klimademo anlässlich der Klimakonferenz in Kattowitz (Polen) im Jahr 2018.

Es ist erschütternd, dass die Klimakrise vielfach zu Rückschritten auf dem mühsamen Weg hin zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft beiträgt. Geschlechtsspezifische Diskriminierung führt beispielsweise dazu, dass bei Naturkatastrophen, die in Folge der Erderhitzung weiter zunehmen werden, weniger Frauen überleben. Wenn Familien in Folge von Wetterextremen in Armut geraten, sind es meist zuerst die Töchter, die aus der Schule genommen werden und denen Bildung verwehrt bleibt. Wenn Menschen in Folge der Erderhitzung vertrieben werden, steigt die Zahl an Mädchen und Frauen, die in die Prostitution gedrängt werden. Und in Zeiten nach katastrophalen Naturereignissen nimmt sexuelle und körperliche Gewalt gegen Frauen dramatisch zu.

Klar, der Klimawandel ist nicht schuld an bestehenden Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern. Aber wer die Dringlichkeit der Klimakrise herunterspielt und eine ambitionierte Klimapolitik ausbremst, nimmt auch in Kauf, dass hart erkämpfte Fortschritte hin zu einer gerechten Gesellschaft zunichte gemacht werden.

Es gibt keine Klimagerechtigkeit ohne Geschlechtergerechtigkeit

Für einen gerechten Umgang mit der Klimakrise müssen wir nicht nur fragen, wer die Leidtragenden sind, sondern auch: Wer sind die Hauptverursachenden von Treibhausgasemissionen? Und wessen Interessen stehen bei klimapolitischen Entscheidungen im Mittelpunkt?

Frauen sind auf allen Ebenen der Klimapolitik und der Klimaforschung unterrepräsentiert. Und das ist nicht nur schlecht für die Chancengleichheit, sondern wirkt sich auch negativ auf die Vielfalt und die Wirksamkeit der Lösungsansätze aus. Eine ungleiche Beteiligung von Frauen kann dazu führen, dass die männlichen Perspektiven stärker berücksichtigt werden.

Greta Thunberg aus Schweden
Greta Thunberg aus Schweden kämpft unbeirrt für eine lebenswerte Zukunft

Das hat zur Folge, dass die Lebensrealitäten und Interessen eines großen Teils der Bevölkerung bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz außen vor gelassen werden– und damit auch nicht ihr volle Wirkkraft entfalten können. Wenn es etwa darum geht, klimafreundliche Städte zu planen, ist es eben wichtig, dass Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensentwürfen dort ein gutes Leben haben können. Wer Klimaprobleme lösen will, muss Wege finden, an denen alle Menschen teilhaben können, unabhängig davon, wo sie aufwachsen, wie alt sie sind oder welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Ansonsten werden neue Probleme geschaffen. Geschlechtergerechte Klimapolitik heißt, die Vielfalt der Menschen in unserer Gesellschaft mitzudenken. Und davon profitieren wir alle.

Die Devise kann also nicht lauten: „Erst retten wir das Klima und dann kümmern wir uns um das Gedöns.“ Vielmehr gilt: Die Klimakrise kann nicht gelöst werden, solange Geschlechterungerechtigkeiten unangetastet bleiben. Und das gilt überall auf der Welt, denn geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten herrschen nach wie vor auch in so genannten „entwickelten Ländern“.

Mädchen und Frauen gehen voran für ambitionierten Klimaschutz

Es macht mir Mut, all die starken Mädchen und Frauen zu sehen, die weltweit an der Spitze von Klimagerechtigkeitsbewegungen stehen. Greta Thunberg und Luisa Neubauer beispielsweise inspirieren Woche für Woche zehntausende Schüler*innen, an den "Fridays For Future" statt in die Schule oder die Uni für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Sie trotzen hasserfüllten Kommentaren in den sozialen Netzwerken und kämpfen unbeirrt für eine Zukunft ohne Klimakrise.

Liebe Klimaschützerinnen - Lasst uns weiterhin laut sein und uns einmischen in Klimapolitik, Klimaforschung und Klimabewegungen! Lasst uns gemeinsam kämpfen für ambitionierten Klimaschutz und eine gerechte Gesellschaft für alle Geschlechter.

 


Lisa Göldner

Lisa Göldner

Lisa Göldner (*1990) ist Kampaignerin für Klima und Energie bei Greenpeace.


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