Tauschparty in Hannover
Greenpeace Gastautor
25.11.2015

Mein Jahr ohne Klamotten-Shopping

Modisch bleiben, ohne Neues zu kaufen. Ein Gastbeitrag von Chiara Milford

Das letzte Mal habe ich mir im Juli 2014 etwas Neues zum Anziehen gekauft: Ein blaues Kleid für meine Abi-Feier. Seitdem habe ich jedes Kleidungsstück second hand besorgt, geerbt oder ausgeliehen.

Ich habe dem Shopping nicht entsagt, um irgendwen zu beeindrucken. Es geschah vor allem aus Faulheit. Nicht aus moralischer Überlegenheit oder für den Umweltschutz (obwohl es sich ziemlich gut anfühlt!).

Mach mit: #IAmKeepingThis statt Wegwerfen

Nichts Fabrikneues zum Anziehen zu kaufen ist viel einfacher, als es klingt! Jeder Einkauf hat nicht nur Auswirkungen auf Deinen Kleiderschrank. Sobald diese Erkenntnis angekommen ist, wird es einfacher, nichts zu kaufen. Wegwerf-Mode hat es sich in unserem Leben unglaublich bequem gemacht, viele Leute sind abhängig von ihr. Übermäßiger Konsum ist jedoch der Kraftstoffe für einen toxischen Kreislauf. Spontankäufe verstopfen Mülldeponien. Zwei Milliarden Kleidungsstücke liegen ungenutzt in deutschen Schränken.

Ich habe noch 31 Kleidungsstücke im Schrank, plus Unterwäsche. Eigentlich bin ich keine Minimalistin, aber inzwischen kann ich jedes Stück, das ich trage, beschreiben. Ich kenne alle gut. Einige Sachen habe ich seit Jahren – sie sind immer noch total tragbar: Zum Beispiel das Sommerkleid für ein Picknick im Jahr 2010 oder die glitzernden Disco-Shorts, Begleiterin  unzähliger Nächte.

Mode ändert sich, Stil nicht. Trau Dich, ein gutes altes Kleidungsstück so umzugestalten, dass es wieder gut aussieht. Billige Wegwerfmode interessiert mich nicht. Meine alten Kleider passen zu mir. Ich habe sie so lange getragen, dass sie ein Teil von mir geworden sind.

Meine 31 Kleidungsstücke
Meine 31 Kleidungsstücke: Strick – geerbt; Shirts – gehören meinem Freund;
Kleider - ausgeliehen, oder einige Jahre alt; Röcke - gebraucht;
Jeans - uralt; Tops – mit meinem Mitbewohner getauscht;
Oberbekleidung – vom Flohmarkt; Schuhe - aus zweiter Hand, Absatz erneuert.

Repaieren und Upcycling!

Ich habe das Glück, dieselben Jeans wie mit 18 tragen zu können. Nicht jeder hat über Jahre die gleiche Konfektionsgröße. Manchmal lohnt es sich jedoch, eine Lieblingshose umnähen zu lassen, anstatt eine neue zu kaufen, die nur halb so gut gefällt. 

Meine Kleider sind alt. Sie zeigen die Spuren meines Lebens. Knöpfe fehlen, es gibt Flecken und Löcher überall. Aber wenn Kanye West mit einem löchrigen T-Shirt gefeiert wird, kann ich sowas auch tragen. Oder ich versuche, die Klamotten wieder flott zu machen. Upcycling ist das neue Schlagwort der Slow-Mode.

Meine Lieblings-Rock
Meine Lieblings-Rock hat etwa vier Löcher. Einige davon habe ich
versucht zu vernähen, die anderen lasse ich einfach so.


Trödel-Shopping

Vintage geht gerade durch die Decke, Dank den Hipstern und Fashionistas. Secondhand-Läden und Flohmärkte sind so gut besucht wie nie. Wer nicht wie ich in Berlin wohnt, das mit Secondhand-Läden gepflastert ist (hier gibt es eine Karte mit Secondhand-Läden), kann bei Online-Communities wie www.kleiderkreisel.de suchen.

Vorteile: 

  • Es ist billig! 
  • Du bist automatisch hip! 
  • Du kannst immer den schönen Satz sagen: "Danke! Es ist Vintage", wenn Dir Jemand ein  Kompliment macht.

Nachteil: 

  • Man kann nicht immer genau das bekommen, was man gerade sucht. 

Vorteil des Nachteils: Man ist offen dafür, auf etwas ganz anderes zu stoßen, als das, was man sich in den Kopf gesetzt hat.

Sommer-Outfit aus dem Secondhand-Laden
Sommer-Outfit aus dem Secondhand-Laden kombiniert mit ein Paar alten Schuhen.


Tausche Dich aus!

Nach den 60erm werden jetzt die 70er Jahre modisch recycelt. Wir sehen alle ein bisschen wie unsere Eltern aus, als sie jung waren, inklusive Zauselbärten und Ethnomustern (plus iPhone). Am besten ist der Look mit Original-Klamotten, anstatt mit modischen Imitaten. Holt Euch die Kleidungsstücke second hand und teilt sie untereinander.

Outfit2
Hoffentlich will das niemand wiederhaben... #ImKeepingThis

Wenn jeder seine Kleidung mit einer anderen Person teilen würde, bräuchten wir nur halb so viele Kleidungsstücke. Und: Es ist schön, Kleidungsstücke von Menschen zu leihen und zu tragen, die man mag! Viele tauschen sich bereits aus und zeigen, dass leihen, tauschen und selbermachen der neue Trend ist: www.greenpeace.de/konsumbotschaft  

In der Mode ging es nie darum, wie alle anderen auszusehen. Es geht darum, sich in seinen Sachen super zu fühlen, vor allem wenn sie sechs Jahre alt sind, ein paar Löcher haben oder ein goldener Fund auf dem Flohmarkt waren. 

Vielleicht reduzierst Du einfach die Menge an neu gekaufter Kleidung oder gelobst gleich, von heute an alles selbst zu stricken und zu schneidern. Dazwischen ist viel Luft für eigene  Ideen. Fang klein an an diesem Buy Nothing Day: Nichts kaufen.

Chiara Milford ist freie Schriftstellerin in Berlin. Sie versucht, ein umweltfreundliches Leben zu führen.

Tags
Mode

Greenpeace Gastautor

Gastautor

Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.

Hallo Chiara, ich habe mir an dir ein Beispiel genommen und auch aussortiert, da ich so fasziniert davon war, dass du trotz Modebewusstsein deinen Kleiderschrank auf ein Minimum reduziert hast. Ich habe außerdem all meine Onlinekonten von Bekleidungshäusern gekündigt und werde in Zukunft auf faire Kleidung zurückgreifen - falls ich denn etwas Neues benötige. Vielen Dank für deinen tollen und bewundernswerten Beitrag. Lg line_update