29.01.2019

Mythen zur Klimawissenschaft unter der Lupe

Wie man Klimaskeptikern den Wind aus den Segeln nehmen kann

Über den Klimawandel kursieren jede Menge Mythen und falsche Behauptungen. Wir präsentieren hier eine kleine Auswahl - zusammen mit den passenden Argumenten, mit denen sich die Dinge in einer Diskussion richtigstellen lassen. Weitere Tipps für ein einigermaßen entspanntes Diskussionsklima findet ihr hier.

Mythen zur Klimawissenschaft

1. Das Klima hat sich schon immer verändert, das ist alles ganz normal.

Dass sich das Klima in der Vergangenheit auf natürliche Art und Weise verändert hat, ist richtig. Dennoch ist es ein Trugschluss, dass der heutige Klimawandel deshalb nicht vom Menschen verursacht ist.

Wichtig zu wissen ist, dass das Klima auf der Erde variiert, wenn äußere Faktoren darauf Einfluss nehmen. Die globalen Temperaturen auf unserem Planeten verändern sich, wenn sich der Energiehaushalt der Erde wandelt und die Erdatmosphäre Wärme verliert oder hinzu gewinnt. Tritt dies ein, spricht man von einem Energieungleichgewicht.

Wir können uns die Erde als einen Topf mit Wasser vorstellen, der auf dem Herd steht und hoch oder runter gedreht wird.

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einem Energieungleichgewicht führen und damit das Klima auf der Erde beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel die Erdumlaufbahn um die Sonne oder die Verschiebung der kontinentalen tektonischen Erdplatten. Aber auch Sonne, Wind und Meer, Vulkanausbrüche und Einschläge von Asteroiden können Einfluss darauf haben.

Die Klimaveränderungen in der Vergangenheit sind auf natürliche Weise durch externe Faktoren verursacht worden. Heutzutage stehen wir jedoch vor dem Problem, dass der Mensch der Atmosphäre immer mehr und immer schneller Treibhausgase hinzufügt und so das Phänomen einer globalen Erhitzung massiv beschleunigt. Stefan Rahmstorf fasst diesen Befund so zusammen:

  1. Die CO2-Konzentration ist seit Beginn der Industrialisierung von 280 ppm (dem Wert der vorangegangenen Jahrtausende des Holozäns) auf inzwischen 405 ppm angestiegen.
  2. Dieser Anstieg um 45 Prozent (bzw. 125 ppm) ist komplett vom Menschen verursacht.
  3. Die CO2-Konzentration ist damit jetzt bereits höher als seit mehreren Millionen Jahren.
  4. Die zusätzlichen 125 ppm CO2 haben eine Heizwirkung von 2 Watt pro Quadratmeter Erdoberfläche durch den bekannten Treibhausseffekt – genug, um bis heute die globale Temperatur um rund 1 °C anzuheben.

(Quelle: Stefan Rahmstorf, Der globale CO2-Anstieg: die Fakten und die Bauernfängertricks)

2. Wie sollen die Klimavorhersagen für 2100 stimmen, wenn schon der Wetterbericht für nächste Woche falsch ist?

Wenn von Wetter gesprochen wird, ist ein augenblicklicher Zustand der Atmosphäre als Zusammenwirken meteorologischer Messgrößen gemeint. Dazu gehören unter anderem Lufttemperatur, Luftdruck, Windgeschwindigkeit und Windrichtung, Luftfeuchte, Bewölkung und Niederschlag. Klima dagegen beschreibt laut WMO den gemittelten Zustand und gewöhnlichen Verlauf der Witterung an einem Ort in einem Zeitraum von mindestens 30 Jahren.  

Das bedeutet, dass wenn es um Klima geht, wir über einen langen Zeitraum reden, bei dem chaotische Ereignisse statistisch ausgeglichen werden und wir Trends feststellen können. Wenn wir von einem wärmer werdenden Klima sprechen, heißt das also nicht, dass es keine kalten Winter mehr gibt.

Vorhergesagt wird das Klima mit Computermodellen. Weltweit gibt es circa 20 davon, die langfristige Trends prognostizieren können. Zu den beiden wichtigsten gehören die Modelle beim Hadley Center in Großbritannien und am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Die genausten Vorhersagen erhält man durch das Nutzen aller Modelle.

3. Andere Einflüsse sind bedeutender als die menschlichen Treibhausgase

Diese Aussage passt nur in die vorindustrielle Zeit. Im Verlauf der Erdgeschichte hat sich sowohl das Klima als auch die Zusammensetzung der Atmosphäre immer wieder mal weniger, mal mehr verändert. Verschiedene Faktoren nehmen dabei Einfluss auf unser Klima. Zu diesen gehörte der Mensch bis vor einigen hundert Jahren noch nicht. Damals hatte er keinen nennenswerten Einfluss auf unser Klima. Der Mensch begann das Klima zumindest regional erst zu beeinflussen, als er mit großflächigen Landnutzungsverfahren begann, wie beispielsweise dem Nassanbau von Reis. Mit Beginn der Industrialisierung stieg der Anteil an Treibhausgasemission in der Atmosphäre durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern immer weiter an. So kommt es, dass der Mensch ein bedeutender Klimaeinflussfaktor ist. Außerdem wird Klima durch natürliche Klimafaktoren über Jahrzehnte und Jahrhunderte beeinflusst. Dazu gehören unter anderem die Sonnen- oder Vulkanaktivität.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts können die Klimaschwankungen mit diesen natürlichen Klimaeinflüssen begründet werden. Allerdings ist die Erdererhitzung besonders in den vergangenen 40 Jahren durch den Anstieg der Treibhausgase zu erklären, da die natürlichen Faktoren, insbesondere die Sonneneinstrahlung, in diesem Zeitraum sich kaum veränderten. Die Verbrennung fossiler Energieträgern ist jedoch stark angestiegen.

4. Noch nicht mal alle Wissenschaftler sind vom Menschen verursachten Klimawandel überzeugt

Weltweit sind die allermeisten Klimawissenschaftler/innen vom menschengemachten Klimawandel überzeugt.

Wissenschaftlicher Konsens entsteht, wenn sich Wissenschaftler/innen nicht mehr über ein Thema uneinig sind. Wenn eine Frage aufkommt, entstehen dazu viele verschiedene Hypothesen über Ursachen und Wirkungen. Jede Annahme wird daraufhin getestet und überprüft und oftmals widerlegt. So ändern sich die Meinungen von Forscher/innen auf Grundlage von Beweisen.

Die sogenannten Klimaskeptiker/innen werden immer weniger. Die, die es noch gibt, arbeiten oft für die Öl- oder Kohleindustrie, wo eine andere Haltung ungünstig wäre. Teilweise kommen Klimaskeptiker/innen auch aus ganz anderen Fachgebieten als der Klimaforschung.

Die Einschätzungen des Weltklimarats IPCC ist sich dagegen über den menschengemachten Klimawandel einig. Für den IPCC-Bericht arbeiten Wissenschaftler/innen, aus der ganzen Welt gemeinsam als Autor/innen und Gutachter/innen zusammen, um gemeinsam mit Regierungen von 195 Staaten, sowie Beobachter/innen aus internationalen Organisationen und aus der Zivilgesellschaft den aktuellen Stand der Klimaforschung auszuwerten und darzustellen.

Topic
Klimawandel


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.