Diesel treibt auf dem Fluss Ambarnaja
Greenpeace Gastautor
15.06.2020

Riesige Umweltkatastrophe in Russland

21.000 Tonnen Diesel geraten bei Ölkatastrophe in Sibirien in die Umwelt

Am 29. Mai 2020 hat sich in der Nähe der Stadt Norilsk, 300 nördlich des Polarkreises, eine schwere Ölkatastrophe ereignet. Norilsk gilt als nördlichste Großstadt der Welt. Ein Tank eines Kraftwerkes schlug Leck und rund 21.000 Tonnen Diesel traten aus und verschmutzten die  sibirische Tundra und den Fluss Ambarnaja. Die Flüsse sind auf einer Länge von 20 Kilometern teilweise rot verfärbt. Es besteht die Gefahr, dass Schadstoffe bis in den Arktischen Ozean gelangen. Russlands Präsident Wladimir Putin rief den Notstand aus, um schneller Hilfe zu organisieren. Hunderte Einsatzkräfte sind vor Ort und versuchen den Unfall zu bekämpfen. Der Fluss ist auf einer Länge von 20 Kilometern verseucht, großflächig ist das Erdreich vergiftet. Ölsperren auf den Flüssen sollen verhindern, dass das Öl sich weiter verteilt. Verseuchtes Erdreich wird großflächig abgetragen.

Es bleibt jedoch abzuwarten, was die Einsatzkräfte letztendlich ausrichten können. Die Erfahrung zeigt leider, dass man meistens nicht in der Lage ist, die gesamte Schadstoffmenge zu bergen. Ein großer Teil der Giftstoffe wird wahrscheinlich in der Natur bleiben. 

Ölige Substanzen wie Diesel sind giftig. Diesel enthält z.B. Alkane, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe, auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese haben zum Teil krebserregende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften. Einige Stoffe sind persistent und bioakkumulierend, bleiben also lange in der Umwelt und reichern sich in Organismen an und können in die Nahrungskette gelangen.

Einsatzkräfte versuchen die massive Dieselverschmutzung im Fluss Ambarnaja aufzuhalten.

Norilsk in Sibirien liegt 300 km nördlich des Polarkreises, es ist die nördlichste Großstadt der Welt. Hier herrscht ein unwirkliches Klima. Im Winter wird es bis zu minus 30 Grad kalt, fast das ganze Jahr ist es kalt, nur der Juni, Juli und August sind warm, bis 20 Grad. In solch kalten Regionen kann die Natur sich nicht so schnell regenerieren. In der Natur gibt es überall zum Beispiel ölabbauende Bakterien. In kalten Klimaregionen sind die allerdings kaum aktiv und können nur wenig Öl abbauen. Wie langsam die Natur sich in kalten Regionen erholt zeigt der Unfall der Exxon Valdez von 1989. Bei diesem Tankerunglück vor Alaska flossen 39.000 Öl ins Meer. Noch heute findet man ölige Rückstände, noch heute hat sich die Natur nicht vollständig erholt.

Ist diese Ölkatastrophe eine Folge der Klimakrise?

Durch die Klimaerhitzung taut der Permafrostboden auf. Die gesamte Infrastruktur in der russischen hohen Arktis ist auf Permafrostboden gebaut. Taut dieser, ist keine Stabilität mehr gewährleistet. Straßen sacken ab, Gebäude stürzen ein. Es muß untersucht werden, ob auch der Tank in Norilsk beschädigt wurde, weil der Permafrostboden auftaute. 

Die tauenden Böden stellen ein großes Problem dar. Denn der eigentlich ganzjährig gefrorene Boden setzt beim Tauen neben Kohlendioxid auch das enorm klimaschädliche Gas Methan frei. Beide Gase werden freigesetzt, wenn Permafrostboden taut und organisches Material im Boden von Mikroorganismen zersetzt wird. Steht Sauerstoff zur Verfügung, wird Kohlendioxid freigesetzt. Herrscht aber Sauerstoffmangel - wie dies bei mit Wasser bedeckten tauenden Böden der Fall ist - setzen Fäulnisprozesse ein, und es entsteht Methan. Methan ist rund 25 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Ein gefährlicher Teufelskreis: Durch die fortschreitende Erderhitzung tauen die Böden und verstärken so den Klimawandel. 

Die Erderhitzung und die Klimakrise sind schon weit fortgeschritten. In der Arktis sind nicht nur die Tiere, wie zum Beispiel die Eisbären bedroht, sondern auf die Menschen, die einheimische Bevölkerung, die dort lebt. Denn mit dem Auftauen des Permafrostbodens könnten viele Siedlungen unbewohnbar werden.

Eisbär auf arktischem Eis
Wir müssen die Arktis und ihre Bewohner vor den negativen Einflüssen menschlicher Aktivitäten schützen.

Greenpeace hat an die russische Regierung aufgefordert, alle Einrichtungen in der Arktis, die erhebliche Mengen an Öl oder Erdölprodukten enthalten, einer genauen Prüfung zu unterziehen. Greenpeace fordert, die Gesetze und Umweltauflagen so zu verschärfen, dass zukünftig solche Umweltkatastrophen wie jetzt bei Norilsk verhindert werden können. Greenpeace fordert außerdem ein grünes Konjunkturpaket für Russland auf Grundlage von klimafreundlichen Technologien und Konzepten. 

Damit wir die Arktis und ihre Bewohner langfristig und nachhaltig schützen können, brauchen wir einen starken globalen Ozeanvertrag der Vereinten Nationen und müssen endlich aufhören, die Meere und die Natur industriell auszubeuten. 

Hilf mit, die Arktis zu schützen!

Topic
Arktis

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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