Fischschwarm in der Sargassosee
Greenpeace Gastautor
16.08.2019

Sieben Arten (einschließlich Plastik), die wir in der Sargassosee gefunden haben

Bedrohte Artenvielfalt im Westatlantik

Auf dem Weg des Greenpeace-Schiffs Esperanza durch die Sargassosee dokumentiert das Wissenschaftlerteam an Bord die vorkommenden Meeresarten sehr genau.

Das Schiff befindet sich auf einer einjährigen Expedition vom Nord- zum Südpol, bei der die Schönheit des Meeres aber auch die Gefahren für unsere Ozeane aufgezeigt und ein starkes, globales Hochseeschutzabkommen von den Vereinten Nationen (UN) gefordert wird.

Indem wir zeigen, wie wichtig Orte wie die Sargassosee für Meerestiere sind und welche Gefahren sie bedrohen, wollen wir Entscheidungsträger davon überzeugen, sich für unsere Ozeane einzusetzen. Das Team an Bord des Schiffes sammelt verschiedene Daten - Beobachtungen vom Schiff, Schnorcheluntersuchungen von treibenden Sargassummatten, Schwarzwasserfotografie (eine Technik, die mit speziellem Licht Bilder von einzigartigen Meereslebewesen aufnimmt, die meist nur nachts sichtbar sind) und eDNA-Sampling (Sammeln von DNA-Fingerabdrücken aus Meerwasser, was uns eine Momentaufnahme der Arten liefert, die in diesen Gewässern in den letzten 48 Stunden  zu Besuch waren).

Mit all diesen Methoden ist es uns gelungen, ein einzigartiges und komplexes Ökosystem besser zu verstehen. Leider finden wir auch riesige Mengen an Kunststoff, das all diese Arten gefährdet.

Hier sind einige der Highlights, die wir bisher vom Schiff aus gesehen haben:

Pottwale (Archiv)

Pottwale

Die Esperanza begegnete einer kleinen Gruppe dieser prächtigen Tiere in den Gewässern der Sargassosee.  Pottwale sind die größten Zahnwale und haben das größte Gehirn aller Tiere.  Wie Delfine nutzen sie die Echolokation, um ihre Beute zu finden und zu betäuben.  Pottwale sind legendär für ihre epischen Kämpfe mit riesigen Tintenfischen, allerdings ernähren sie sich von einer Vielzahl von Tintenfischarten sowie einigen Fischen, einschließlich Rochen und Riesenmaulhaien.

Leider gilt die Art weltweit als gefährdet, da sie im 19. Jahrhundert ein Hauptziel der Walfangindustrie waren, um an das Öl in ihren Kopfhöhlen (Walrat oder Spermazeti) in ihren zu kommen. Vor der Erfindung gas- oder strombetriebener Leuchten war dieses Öl beliebt als Brennmittel für Laternen und zur Herstellung von Kerzen. Heute sind Pottwale zwar geschützt, aber dennoch den Gefahren durch Plastikmüll, zurückgelassenen Fanggeräten und den Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt. 

Weißschwanz-Tropikvogel im Flug
Der Weißschwanz-Tropikvogel ist der kleinste der drei Tropikvögel-Arten. Er verbringt die meiste Zeit auf dem offenen Meer der tropischen Ozeane.

Weißschwanz-Tropikvogel

Der auf den Bermudas als "Longtail" bekannte Weißschwanz-Tropikvogel ist für das Team der Esperanza während des Sargassosee-Abschnitts zu einem Totem geworden.  Dieser wunderschöne Vogel sucht weit draußen auf See nach Tintenfischen, Fliegenden Fischen und Krabben und ist damit einer der wenigen regelmäßigen Begleiter, die vom Deck des Schiffes aus gesehen werden, auch in großer Entfernung vom Land.  Greenpeace arbeitet mit Wissenschaftlern der Regierung von Bermuda zusammen, um wichtige Daten über diese Vögel zu sammeln - die Erfassung von Standort, Tageszeit, Verhalten und Flugrichtung, um ihr Verhalten besser zu verstehen. Der Vogel ist an Nistplätzen auf tropischen Inseln weltweit Bedrohungen durch Ratten und Tauben ausgesetzt, gilt aber nicht als gefährdet.

Graue Drückerfische unter Plastikmüll
Der Graue Drückerfisch auch Atlantischer oder Mittelmeer-Drückerfisch genannt, lebt im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, im östlichen Atlantik von den Britischen Inseln bis Angola, sowie im westlichen Atlantik von Nova Scotia über den Golf von Mexiko bis an die Küste des nördlichen Argentinien in Tiefen von 10 bis 100 Metern.

Grauer Drückerfisch

Auf diesem Foto, das in der Sargassosee aufgenommen wurde, sehen wir zwei Drückerfische, die einen Plastikeimer mit ihrem natürlichen Lebensraum verwechseln, der normalerweise durch Sargassum (schwimmende Braunalgenart) oder andere schwimmende Trümmer gebildet wird.

Drückerfische sind sehr territorial, auf diesem Bild sehen wir sie im Kampf um ihr Heim. Große Plastikstücke wie diese erreichen den Ozean und zerfallen aufgrund von Wellentätigkeit, Strömungen und Salzerosion langsam in immer kleinerer Mikropartikel. Drückerfische zerbeißen auch das Plastik, ein häufiges Verhalten bei dieser Art. Jede Art von Kunststoff, ob klein oder groß, ist schädlich für die Umwelt und unsere Ozeane.

Sargassofisch bei Nacht
Der Sargassofisch lebt in treibenden Braunalgen der Gattung Sargassum an der Oberfläche des tropischen und subtropischen Atlantik und Indopazifik. Da er auf die Tange angewiesen ist, kann er weit aus seinem Verbreitungsgebiet abgetrieben werden. So wurden schon vor der Küste Nordnorwegens Sargassofische gefunden, die vom Golfstrom verdriftet wurden.

Sargassofisch

Beim Leben in Sargassum-Matten dreht sich alles ums Verstecken. Junge Fische und Schildkröten färben sich "kryptisch", um nicht von Raubtieren gesehen zu werden, aber einige Raubtiere - wie dieser Sargassumfisch - gehen den umgekehrten Weg. Ihre Farbe und Form fügt sich perfekt in den goldenen Seetang ein und bietet ihnen den Vorteil, sich an Beutetiere anzuschleichen.  Als eine Art Anglerfisch kommt der Sargassumfisch nur in den treibenden Algen des pelagischen Sargassumlebensraums vor und nirgendwo sonst auf der Erde. Wie der Seeteufel benutzt auch der Sargassumfisch einen "Köder" auf dem Kopf, um die Beute dazu zu bringen, näher zu kommen.  Sie ernähren sich hauptsächlich von kleinen Garnelen, Krebsen und Fischen, die im Sargassum leben, darunter auch kleinere Sargassumfische.

Sargassum und Plastik                       

Sargassum ist eine Braunalge, die in der Sargassosee reichlich vorhanden ist. Es ist leicht zu erkennen, dass die Pflanze aus vielen grünen Anhängseln, Zweigen und runden, beerenartigen Strukturen besteht. Aber was wie "Beeren" aussieht, sind eigentlich winzige Luftpolster, die die Pflanze über Wasser halten. Schwimmende Flöße von Sargassum können sich manchmal kilometerweit über den Ozean erstrecken.

Dieser schwimmende Lebensraum bietet Nahrung, Zuflucht und Brutplätze für eine Reihe von Lebewesen wie Meeresschildkröten, Seevögel, Krebse, Fische, Garnelen und mehr. Aber das Sargassum selbst ist durch Klimawandel, Plastikbelastung und Frachtschiffe bedroht, die riesige Teppiche des Sargassums zerbrechen und damit Lebensräume zerstören. Hier in der Sargassosee haben alle diese schwimmenden Matten Kunststoffe in ihrer Struktur eingefangen - von großen Kunststoffstücken bis hin zu winzigem Mikroplastik - und stellen eine Gefahr für die Tiere dar, deren Überleben von diesem Lebensraum abhängig ist.

Fliegender Fisch bei Nacht
Fliegende Fische sind Knochenfische aus der Ordnung der Hornhechtartigen, die mit ihren flügelähnlichen Flossen gleichermaßen gut für das Gleiten durch Wasser und Luft angepasst sind. Fliegende Fische kommen in tropischen und subtropischen Regionen von Atlantik, Indopazifik und im Mittelmeer vor.

Fliegende Fische

Obwohl fliegende Fische bei Tageslicht schnell fliehen, sind sie nachts zugänglicher und sogar neugierig - was unseren Schwarztauchern erlaubte, diese schönen Aufnahmen von ihnen in ihrem natürlichen Lebensraum zu machen. Fliegende Fische sind Meeresfische der Familie Exocoetidae, die für ihre Gleitfähigkeit bekannt sind. In warmen Gewässern gibt es weltweit etwa 50 Arten.  Trotz ihres Namens fliegen sie nicht aktiv: Ihre Flossen flattern nicht wie Vogelschwingen! Was sie tun, ist schnell mit Geschwindigkeiten von bis 60 Kilometer pro Stunde zur Oberfläche zu schwimmen und sobald sie in der Luft sind, gleiten sie, manchmal über eine überraschende Distanz. Es wird allgemein angenommen, dass der Grund für diese Anpassung die erleichterte Flucht vor Raubtieren ist. 

Glasaal bei Nacht
Als Glasaal bezeichnet man das Jugendstadium der Aale (Anguillidae), das auf das Weidenblattlarven-Stadium folgt. Der Jungfisch wird als „Glasaal“ bezeichnet, weil er in diesem Stadium noch durchscheinend ist.

Aale

Das Greenpeace-Team begegnete dieser Weidenblattlarve (eine Larvenform, die spezifisch für Aale ist) bei Nachttauchgängen in der Sargassosee.  Die Geschichte des Aals ist eins der vielen Wunder der Sargassosee.  Ausgewachsen leben Aale in Mündungen und Flüssen an der Ostküste Nordamerikas und Westeuropas.  Wenn es jedoch an der Zeit ist zu brüten, schwimmen sie zurück in die Sargassosee - wenn nötig quer über den Atlantik - um dort zu laichen.

Aale schlüpfen hier und lassen sich in ihrer ersten Lebensphase von den Meeresströmungen treiben, bevor sie sich in halbtransparente "Glasaale" verwandeln und auf den Weg zu den Flussmündungen der Kontinente machen. Der Amerikanische Aal gilt als gefährdet, während der Europäische Aal fast ausgestorben ist. Beide Arten sind aufgrund ihrer Beliebtheit in Sushi-Gerichten sowie durch Umweltverschmutzung und Flussverbauungen erheblichen unter Druck. 

Helft mit und schützt unsere Meere

Diese und viele andere erstaunliche Meerestierarten sind durch die Herausforderungen unserer Ozeane bedroht. Unterschreibt unsere Petition und sagt den Vereinten Nationen (UN), dass wir einen starken globalen Hochseeschutzvertrag brauchen, um unsere Ozeane und die erstaunliche Artenvielfalt, die von ihnen abhängt, zu schützen.

Autor*innen: Arlo Hemphill und Celia Ojeda
Senior Ocean Campaigner
Greenpeace USA und Greenpeace Spanien

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Meere
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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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