Was hilft bei Hitze Tipps gegen dieHitzewelle
Benjamin Borgerding
26.07.2018

Hitzewelle in Deutschland: Tipps, die deinen Körper schonen und das Klima schützen

Ein ungewöhnlich heißer Sommer hat Deutschland im Schwitzkasten. Ein paar Tipps, wie man sich vor der Hitze wappnen und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch das Klima schonen kann - und das nicht nur im Sommer:

Klug abhängen statt Klimaanlagen!

Sonnenstrahlen verwandeln Räume, in denen man eigentlich nichts weiter als arbeiten, wohnen oder schlafen möchte, in lebensfeindliche Schwitzhütten. Klimaanlagen versprechen Abhilfe. Dummerweise verbrauchen diese praktischen Geräte ziemlich viel Energie und entwickeln sich deshalb mehr und mehr zum Klimakiller.

Durch einen vorausschauenden Gebrauch von Jalousien und Vorhängen lässt sich der Einsatz von Klimaanlagen minimieren: Eine Kollegin von mir beispielsweise achtet penibel darauf, unser Büro abends mit heruntergelassenen Außenjalousien zu verlassen. Jalousien und Rollläden, die draußen hängen, sind besonders effektiv, weil sie die Lichtstrahlen erst gar nicht in den Raum lassen.

Außerdem empfiehlt es sich, dann zu lüften, wenn es draußen einigermaßen kühl ist, also am Morgen und in der Nacht. Vor allem tagsüber ungenutzte Räume wie Schlafzimmer lässt man am besten abgeschirmt und abgedichtet. Nachts sorgt ein nasses Bettlaken vor dem aufgerissenen Fenster für einen zusätzlichen Kühleffekt.

Brennendes Feld in Sachsen
Es brennt: Die anhaltende Hitze und Trockenheit sorgen für Ernteausfälle in Deutschland. Hier löschen Feuerwehrleute ein Feld in Sachsen. Der deutsche Bauernverband rechnet allein beim Getreide mit einem wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Viel trinken, aber bitte nicht aus Plastikflaschen!

Wegen der Hitzewelle rät das Rote Kreuz aktuell dazu, mindestens einen Liter pro Tag mehr zu trinken: Ein wunderbarer Anlass, sich endlich eine wiederverwertbare und formschöne Trinkpulle zuzulegen statt zu umweltschädlichen und hässlichen Plastikflaschen zu greifen. Und damit auch der Tatsache zu gedenken, dass die hervorragende Qualität des Leitungswassers fast überall in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist! Sauberes Wasser aus der Leitung ist vielmehr eine zivilisatorischen Errungenschaft, die wir unbedingt vor mannigfachen Gefahren schützen müssen.

Vor allem bei Hitze ist Leitungswasser auch ernährungsphysiologisch die bessere Wahl als zuckerreiche Limonaden und Fruchtsäfte oder alkoholhaltige Getränke. Eisgekühlte Getränke sind dabei übrigens in zweifacher Hinsicht Energiefresser: Erst verbraucht der Kühlschrank Energie, um sie zu kühlen, und dann der Körper, um sie wieder auf 36,7 Grad aufzuwärmen. Kontraintuitives Resultat: Nach ihrem Genuss schwitzt man noch mehr und nicht weniger. Getränke, die ungefähr Körpertemperatur haben, sind weniger schweißtreibend.

Vegetarisch essen und einkaufen, was man braucht!

Fettreiche Speisen zu verdauen kostet den Körper viel Energie, deshalb sollte man bei Hitze leichter Kost den Vorzug geben. Im Sommer kein Problem, denn zu keiner Jahreszeit ist die Sortenvielfalt für Obst und Gemüse aus heimischem Anbau größer! Der Umstieg auf eine fleischlose Ernährung ist deshalb auch nie so einfach, lecker und gesund wie zwischen Juni und September. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zudem, im Sommer nur kleine Lebensmittelmengen einzukaufen und diese schnell zu verbrauchen. Bei hohen Temperaturen verderben besonders Fleisch, Geflügel, Fisch, Eierspeisen und Milchprodukte rasant schnell. Das Bundeszentrum für Ernährung gibt an, dass jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Nur soviel einzukaufen, wie man absehbar auch wirklich verbraucht, ist also eine lobenswerte Angewohnheit, der man auch den Rest des Jahres über treu bleiben sollte.

Auto stehen lassen und mal so richtig abschalten!

Ein Auto in der Sonne wird ruckzuck zu einer fahrbaren Sauna. Die Temperatur wieder einigermaßen erträglich zu machen, kostet auch in diesem Fall viel Energie. Allein in den USA verschlingen Klimaanlagen in Autos bis zu 30 Milliarden Liter Benzin im Jahr. Eine andere Methode wirkt viel zuverlässiger gegen den Hitzeschlag in der Blechkabine: Einfach nicht reinsetzen. Mit dem Rad ist es entspannter, zu Fuß erst recht.

Apropos entspannen: Wer richtig abschalten will, fange damit am besten bei den Fernsehern, BlueRay-Playern und HiFi-Anlagen zu Hause an, die im Standby-Betrieb nicht nur Energie saugen, sondern auch noch Wärme abstrahlen und so das Hitze-Problem weiter verschärfen. Also: Aus ist ein Gerät nur, wenn es nicht mehr blinkt, der Stecker gezogen oder die Steckdose ausgeknippst ist!

Macht das Beste draus: Balkonien statt Balearen!

Angesichts unleugbarer Nachteile wäre es geradezu frevelhaft die Vorteile hoher Temperaturen ungenutzt zu lassen. Wenn es auf Balkonien wärmer ist als auf den Balearen entfällt der Hauptgrund für nicht wenige Urlaubsreisen: Sonne tanken. Macht es einen Unterschied, ob man auf dem Elbstrand in sein Badehandtuch schwitzt oder in Rimini? Überraschende Antwort: Ja, macht es! Ersteres spart jede Menge CO2 (natürlich nur wenn man in Hamburg wohnt).

Übrigens gibt es mittlerweile richtig viele Modefirmen, die Badebekleidung aus recyclten Materialien herstellen - zum Beispiel aus Plastikmüll, der an Stränden eingesammelt wurde. Inspirationen sind nur eine Google- oder DuckDuckGo-Suche entfernt! 

 

 

Topic
Klimawandel
Format
Analyse

Benjamin Borgerding

Benjamin Borgerding

Benjamin Borgerding (*1982) hat in Frankfurt am Main Anglistik und Medienwissenschaften studiert.


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