Gesche Jürgens
13.11.2018

Palmöl: Und täglich grüßt das Murmeltier….

Palmöl ist in vielen Produkten zu finden. Egal ob Nahrungsmittel, Kosmetik oder Treibstoff. Für die Gewinnung von Palmöl werden Regenwälder zerstört und Lebensräume gefährdet. Firmen müssen ihre Verantwortung endlich wahrnehmen und ihre Lieferketten bereinigen.

UPDATE 11.12.2019: Der weltgrößte Palmöl-Händler Wilmar hat einen detaillierten Plan vorgestellt, nach dem er künftig seine Zulieferer kontrollieren will. Wenn Wilmar - eine Firma, die 40 Prozent des weltweiten Palmöl-Handels steuert - diesen Plan tatsächlich implementiert, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung, um Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus seiner Lieferkette zu entfernen. 

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Manchmal komme ich mir vor wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“… Seit fast zehn Jahren haben große Konsumgüterhersteller wie Mondelēz, Nestlé und Unilever versprochen, Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihren Lieferketten zu verbannen.

Und immer wieder haben wir ihnen nachgewiesen, dass sie weit davon entfernt sind, dies in die Tat umzusetzen. Andauernd gab es neue Versprechen. Doch leider kommen diese nicht dort an, wo wir sie am dringendsten benötigen: im Wald und bei den Menschen und Tieren, die auf diesen angewiesen sind.

Unterstütze unsere Petition und fordere die großen Konzerne auf, kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu beziehen!

Vor allem in Indonesien ist die Situation nach wie vor katastrophal. Greenpeace hat erst in diesem September das Ausmaß der jüngsten Zerstörung durch Palmöl-Produzentengruppen in Südostasien aufgedeckt. Zwischen 2015 und 2017 zerstörten 22 Gruppen über 70.000 ha Regenwald in Südostasien, von denen 25.000 ha bewaldeter Orang-Utan-Lebensraum waren. Alarmierend ist, dass dies nur die Fälle sind, die die Untersuchung von Greenpeace International aufdecken konnte - diese Zerstörung ist wahrscheinlich lediglich die Spitze des Eisbergs. Aber wohin liefern diese Firmen ihr Palmöl?

Durch die Abholzung des Regenwalds ist der Lebensraum der Orang-Utans gefährdet.
Durch die Abholzung des Regenwalds ist der Lebensraum der Orang-Utans gefährdet.

Gucken wir uns einen der Abnehmer des Palmöls genauer an…

Mondelēz ist einer der weltweit größten Käufer von Palmöl, das in vielen seiner bekanntesten Produkte enthalten ist, dazu gehören Cadbury-Schokoladenriegel, Oreo-Cookies und Ritz-Cracker. Laut der Firma ist Oreo der weltweit beliebteste Keks und die meistverkaufte Keksmarke des 21. Jahrhunderts. Mondelēz ist in 80 Ländern tätig und verkauft Produkte in 165 Ländern. Der globale Hauptsitz befindet sich in Illinois, und es handelt sich um ein börsennotiertes Unternehmen, das an der New York Stock Exchange notiert ist.

Allein im Jahr 2017 kaufte der Hersteller über 300.000 Tonnen Palmöl und Palmölprodukte.

Mondelēz bezog schmutziges Palmöl von genau diesen 22 Produzentengruppen, die für die Zerstörung der Regenwälder und des Orang-Utan-Lebensraums verantwortlich sind. Einen Großteil von Wilmar International - dem weltweit größten Palmöl-Händler und dem ersten, der sich verpflichtet hat, seine Lieferkette zu bereinigen. Mehr als 80 Prozent des Palmöls von Wilmar stammt von Drittanbietern. Trotz der Einführung einer Richtlinie zum Verbot von Ausbeutung sowie von Zerstörung von Wäldern und Torfmooren im Jahr 2013 überwacht Wilmar seine Lieferanten immer noch nicht in allen ihren Betrieben. Daher kann nicht festgestellt werden, ob sie ihre Richtlinien einhalten oder weiterhin Wälder zerstören.

Mondelēz, Wilmar und andere Unternehmen, die Palmöl verwenden und handeln, haben es völlig versäumt, ihre Lieferketten zu bereinigen und ihren Teil zur Reform des Palmöl-Sektors beizutragen. Firmen müssen ihre Verantwortung endlich wahrnehmen und konsequent Zulieferer wie Wilmar ausschließen, bis diese glaubwürdig nachweisen können, dass ihr Palmöl nicht länger mit Regenwaldvernichtung, Ausbeutung und sozialen Konflikten in Verbindung steht.

Waldzerstörung für Palmöl-Anbau in Indonesien.
Waldzerstörung für Palmöl-Anbau in Indonesien.

Nicht nur Firmen haben ein Problem…

Betrachtet man Deutschland und die EU, haben auch Staaten ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Nicht nur Palmöl aus Regenwaldzerstörung ist ein Riesenproblem, auch der Einsatz von Palmöl in völlig unsinnigen Anwendungen wie im Treibstoff. Denn der Löwenanteil des Palmöls landet in Europa im Tank der Dieselautos. Zudem hat die EU nach wie vor keine konkreten Maßnahmen ergriffen, um Agrarrohstoffe und Produkte aus Waldzerstörung vom europäischen Markt zu verbannen. Hoffnung kam diese Woche von einer Gruppe aus EU-Staaten unter der Führung von Dänemark: die sieben Staaten, darunter Deutschland, fordern von der EU-Kommission ambitioniertes Handeln und das Vorantreiben des lange angekündigten Aktionsplans gegen Entwaldung.

Und es eilt! Weltweit führende Wissenschaftler haben vor kurzem einen Report veröffentlicht, aus dem klar hervorgeht, dass die Menschheit noch 12 Jahre hat, um die Erderhitzung um maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Schaffen wir dies nicht, erhöht sich das Risiko für noch katastrophalere Folgen des Klimawandels als die, die wir ohnehin schon wahrnehmen und unter den bereits Millionen Menschen leiden: Extremwetterereignisse, Hitze und Dürre, Waldbrände, Überschwemmungen,…

Die gute Nachricht ist: wir können das schaffen! Neben dem Ausstieg aus fossilen Energien ist ein Wandel im Landsektor von fundamentaler Bedeutung. Der Schutz von Wäldern (und den Rechten von Indigenen und lokalen Gemeinschaften als beste Waldschützer), die Wiederherstellung von Wäldern und anderen Ökosystemen sowie eine Agrarwende sind zentrale Bausteine dafür.

Vor allem, aber nicht nur Firmen und Politiker sind in der Verantwortung: Wir alle können uns mit unserem täglichen Verhalten für eine lebenswerte Zukunft einsetzen!

Ideen findet ihr beispielsweise hier!

Der Weg des Palmöls.
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Wälder

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


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