Greenpeace Gastautor
17.02.2016

Upcycling: Viel Spielraum für Kreativität

Viel zu gut für den Müll, sagt sich Annika Busse in unserem Gastbeitrag. Sie entwirft lieber Neues statt Stoffe wegzuwerfen.

Als wir vor rund vier Jahren mit unserem sozialen und nachhaltigen Taschenlabel beliya starteten, stolperte ich über den Begriff Upcycling als ich unsere erste Pressemitteilung schrieb - denn als Gründerin war ich damals von PR, Website, Onlineshop, Pakete packen, Rechtsfragen zu Marke, Gesellschaftsform & Co. mit meiner Mitgründerin Andrea für alles verantwortlich. Ich suchte beim Schreiben nach einem Begriff, der das edle Material unserer Taschen beschrieb: Neu- und hochwertige Lederretouren aus der Polstermöbelindustrie. Denn unseren Produkten sieht man es überhaupt nicht an, dass ihr Material bereits einmal ausgemustert wurde. Denn zusätzlich zu unserer sozialen Mission, einem Kind pro Kauf 1 Schuljahr zu ermöglichen, verwenden wir ausschließlich nachhaltige Materialien. Da fand ich den Begriff Upcycling perfekt.

Weiterlesen: Selbstversuch: 365 Tage secondhand

Damals gab es bereits einige Hersteller, die aus überschüssigen Materialien Neues schufen, nur nannten diese es nicht Upcycling. So entdeckte ich in die Möbel von Zur Schönen Linde aus Turngeräten, die Taschen von Zirkeltraining aus Turnmatten, Segeltuchbeutel von Canvasco und Taschen aus LKW-Planen von Freitag. Auch faszinierten mich die Taschen aus Feuerwehrschläuchen oder Autoreifen von Feuerwear

Kurz nach unserer Gründung Anfang 2012 überzeugten wir beispielsweise das Nachrichtenportal spiegel.de zu dem neuen Trend Upcycling einen der ersten Artikel in Deutschland zu veröffentlichen. So schwappte das Thema Upcycling in den letzten vier Jahren immer stärker aus dem angelsächsischen Raum nach Deutschland. Mittlerweile berichtet sogar die Brigitte darüber; im ZEIT Magazin gibt es seit kurzem eine wöchentliche Kolumne mit Ideen zum Selbermachen z.B. wie man aus Weinkisten ein schönes Regal kreiert. 

Was versteht man denn nun unter Upcycling? Auf Wikipedia liest sich folgendes dazu: Beim Upcycling werden [...] scheinbar nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung. Demnach ist es für mich eine hochwertige Form des Wiederverwertens. Die Vielfalt der Upcycling-Produkte und -Projekte kann man beispielsweise im Upcycling Deluxe oder The Upcycling Fashion Store persönlich in Berlin oder online durchstöbern.

Ich persönlich freue mich, dass der Trend jetzt Masse wird, denn dies bietet viel Spielraum für Kreativität und ist gleichzeitig nachhaltig. So verwenden wir bei beliya mittlerweile auch andere Materialien für unsere Produkte z.B. Lederüberschüsse von Designerhäusern aus Italien. Jedes Mal wieder bin ich aufs Neue fasziniert welche Schätze es in den unterschiedlichsten Industriezweigen und in scheinbar Überflüssigem zu heben gibt. Mein Rat: Versucht es selber mal, denn es macht unheimlich viel Spaß und man kommt mit Menschen ins Gespräch!

In den letzten Jahren wurden in Deutschland viele Upcycling-Marken gegründet. Bei ihnen findet man besondere Materialien und individuelle Produkte. Die spannensten Marken mit eigenem Online-Store hat Arianna Nicoletti vom Upcycling Fashion Store hier für euch zusammen gestellt.


Greenpeace Gastautor

Gastautor

Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.