Munduruku tanzen um das Banner
Portrait Jannes Stoppel
15.04.2016

Verdammte Dämme

Zu Besuch bei den Munduruku im brasilianischen Regenwald

Wir fahren über die rote Erde der Urwaldstraße. Ich bin unterwegs in Amazonien, unterwegs zum Volk der Munduruku im brasilianischen Regenwald. Am Rio Tapajós soll ein gigantisches Staudammprojekt verwirklicht werden - auf Kosten der Munduruku, einer einzigartigen Artenvielfalt und einer intakten Urwaldregion. Wir wollen die Munduruku bei ihrem Kampf gegen die Dämme unterstützen.

Munduruku-Krieger im Amazonas

An einem kleinen Hafen, an dem auch die illegalen Goldsucher ihre Saugplattformen beladen, steigen wir in das Flussboot - einen langen Kahn aus Alu mit Sonnendeck und einem 90PS-Außenborder.  Nur während der Regenzeit sind die Stromschnellen des Tapajós in einer solchen Nussschale passierbar. Die regenverhangenen Ufer sind von unglaublicher Schönheit. Wie riesige Schirme überragen die Baumkronen von Sumaúma- oder Kapok-Bäumen den Wald.

Wir erreichen Sawré Muybu, das Hauptdorf der Munduruku. Kinder springen aus zehn Metern Höhe von den Bäumen in den Fluss. Man spürt, wie eng die Verbindung zwischen Menschen und dem Tapajós hier ist. In einer Palmendachhütte schlagen wir unser Hängematten und Moskitonetze auf, aus Schutz vor kleinen Stechmücken – und vor handgroßen Spinnen. Nach der Begrüßung der Häuptlinge, der Krieger und des Dorfes erfahren wir alles über die Geschichte des heiligen Ortes, an dem eine Aktion zum internationalen Tag des Waldes geplant ist.

Munduruku-Mädchen mit Affe

In der Nacht schreien Brüllaffenbanden in der Ferne. Das Geschrei rückt näher, wird immer lauter. Man befürchtet fast, die Affen könnten gleich das Dorf überfallen. Wir schlafen in der Mitte des Palmendaches. Schließlich wurden wir gewarnt, dass man am Rand eher vom Jaguar erwischt werde.

Die Begegnungen mit den Munduruku beeindrucken mich zutiefst: Ihr strenger Ehrenkodex und respektvoller Umgang miteinander, ihr Leben zwischen den Welten, auch wie offen und angstfrei gerade die Kinder uns Fremde empfangen. Wir helfen den Munduruku bei ihrem Kampf für ihr Land und sie helfen uns bei unserem Einsatz gegen die Konzerne. Unser gemeinsames Ziel: Wir wollen den Rio Tapajós und dadurch diesen Teil Amazoniens schützen!

Drohnenaufnahme von Banneraktion bei den Munduruku

Wir fahren mit acht Flussbooten an eine enge Stelle im Tapajos, um dort das große Schwimmbanner auszubreiten. Begleitet von Gesang und vielen lachenden Stimmen breiten wir das zwanzig mal dreißig Meter große Banner am Strand aus. Krieger, Frauen und Kinder tanzen um den schwarzen Schriftzug auf gelbem Grund. Immer wieder rufen sie: „SAWRÉ!“ Wir filmen alles mit einer Drohne, geben Interviews und verbrennen uns natürlich ordentlich in der gleißenden Sonne.

Es folgt ein Tag mit Starkregen. Es sind regelrechte Sturzbäche, die da aus den Wolken fallen. Wir wollen den Munduruku helfen, sich Gehör zu verschaffen und machen Fotos, auf denen sie sich mit persönlichen Botschaften an deutsche Firmen wenden, die sich am Bau der Staudämme beteiligen könnten. Adulto, das Oberhaupt von 5000 Kriegern und Kriegerinnen, ruft zu einer Zeremonie zusammen. Frauen und Kinder färben ihre Hände mit dem blutroten Saft einer Frucht. Mit ihren Handabdrücken formen sie auf einem Banner die Nachricht „Siemens: Keine Amazonas-Zerstörung“.

Protest vor der Siemens-Zentrale in München

Diese Botschaften von den Munduruku habe ich bei der Siemens-Zentrale in München übergeben. Nicht nur die Munduruku, auch der Rest der Welt ist auf intakte Urwälder im Amazonas angewiesen. Die CO2-Senken dieser Wälder liefern einen unverzichtbaren Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung. Die fortschreitende Zerstörung dieser Region würde die Chancen auf eine Umsetzung der Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens dramatisch verschlechtern.

Tags
Amazonas
Topic
Wälder

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.