13.02.2019

Versteckten Umweltsünden auf der Spur

Nicht immer sind die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt sichtbar. So schaden wir womöglich unserem Planeten, ohne es zu wissen.

Weniger Auto fahren, kürzer duschen und nicht zu stark heizen – diese Tipps zum Umweltschutz sind vielen bekannt. Es gibt auch Bereiche, in denen weniger offensichtlich ist, was umweltfreundliches Verhalten ist und was nicht. Deshalb haben wir hier für euch 7 Tipps, um versteckte Umweltsünden zu vermeiden.

 

1. Den persönlichen Fußabdruck berechnen

Es ist verständlich, wenn ihr schlecht einschätzen könnt, wie viel ihr selbst zum Klimawandel beitragt. Die von euch verursachten CO2-Emissionen könnt ihr schließlich nicht direkt sehen. Ein erster Schritt, um versteckte Umweltsünden zu vermeiden, ist es daher, euren eigenen ökologischen Fußabdruck zu berechnen. Im Internet bieten sich dafür verschiedene Möglichkeiten. Ob Essen, Heizen oder Fortbewegungsmittel – hier könnt ihr sehen, in welchen Bereichen Verbesserungspotenzial steckt.

 

2. Bewusster surfen

Bei der Internetnutzung benötigen nicht nur Computer, Tablets und Smartphones Strom, auch die Rechenzentren müssen unter enormem Energieaufwand betrieben werden. Ein großer Teil des Energieverbrauchs entfällt auf Cloud Computing, denn zur Speicherung der Dateien werden unzählige Server benötigt. Einige Anbieter, zum Beispiel Google, verwenden erneuerbaren Energien für den Betrieb. Aber nicht alle. Wenn ihr persönlich etwas tun wollt, könnt ihr zu E-Mailanbietern wie Posteo wechseln, die ihre Server mit Strom von Greenpeace Energy betreiben. Mistet regelmäßig eure Cloud und das E-Mailpostfach aus. Habt ihr eine Webseite? Dann zieht um auf Ökostrom-Server. Ein interessantes Konzept verfolgt der Suchmaschinenanbieter Ecosia. Das Unternehmen gibt einen Teil seiner Werbeeinnahmen aus, um Bäume zu pflanzen. Es sollen mittlerweile schon fast 50 Mio. Stück sein.

 

3. Kein Geld für Kohle

Selbst wenn ihr eure Energie von einem Ökostromanbieter bezieht, kann es sein, dass ihr ohne es zu wissen zur Finanzierung von Kohle- und Atomkraft beitragt, denn viele Banken investieren in Energieprojekte. Dabei werden auch eure Geldanlagen genutzt. Allein die Deutsche Bank investierte zwischen 2016 und 2018 mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar in Kohleunternehmen. Der Großteil ging an RWE, also das Unternehmen, das den Hambacher Wald für den Klimakiller Braunkohle roden will.

Es gibt jedoch Banken, die sich bewusst ökologische und ethische Standards setzen. Statt Waffenexporten und Nahrungsmittelspekulationen könnt ihr dort nachhaltige und soziale Projekte unterstützen. Ihr solltet aber nicht einfach die Bank wechseln, sondern vorher mit eurer aktuellen Bank sprechen und euer Anliegen klar machen. Denn nur wenn viele Menschen kritisch nachfragen, merken die Banken, dass ihr Verhalten den Kunden nicht egal ist.

Achtung bei Kryptowährungen! Da beim “Mining” enorme Rechnerleistungen nötig sind und der Strom dafür oft aus Kohlekraftwerken kommt, wurde verschiedentlich die Kritik geäußert, Bitcoin und Co. seien Klimakiller. Laut eines 2018 erschienenen Berichts verbraucht allein die Währung Bitcoin fast so viel Strom wie ganz Irland. Ein weiterer Anstieg wurde prognostiziert. (UPDATE 19.02.2019: Die Studie wurde hier u.a. für ihre Methodik kritisiert, hier verteidigt der Autor die Ergebnisse erneut.)

4. Schluss mit dem Shoppingwahn im Internet

Es gibt Stimmen, laut derer das Shopping im Internet umweltfreundlicher ist als der Kauf im Laden. Die Argumente klingen erst einmal logisch: Die Versandzentren sparen Platz. Außerdem wird weniger Energie für Klimatisierung und Beleuchtung verbraucht als in einem großen Kaufhaus. Und ob die Ware ins Geschäft oder zu mir nach Hause geliefert wird, ist doch egal. Ich spare sogar CO2, weil ich nicht einkaufen fahren muss. Leider ist es aber nicht so rosig, wie es klingt.  

Die Tatsache, dass Onlineshopping bequem und der Versand oft kostenfrei ist, verleitet zu einem erhöhten und spontanen Kaufverhalten. Weil man die Ware nicht vorab austesten oder anprobieren kann, bestellt man womöglich mehrere Alternativen, die Retoure ist ja häufig gratis. Beim Rückversand fällt jedoch erneut CO2 an. Dazu kommt, dass einige Händler zurückgesendete Waren zerstören, anstatt sie wieder zu verkaufen. Wenn ihr offline shoppen geht, könnt ihr die Ware vor dem Kauf genau betrachten und außerdem eine Menge Verpackung sparen. Kartons, Klebeband und Füllmaterialien – bei Onlinebestellungen kommt einiges an Müll zusammen.

Am besten wählt ihr für den Weg zum Laden das Fahrrad oder geht zu Fuß. Noch besser ist es, wenn ihr statt in Kaufhäusern in Secondhand-Geschäften oder auf Flohmärkten nach neuen Schätzen stöbert. Oder ihr überlegt, ob ihr das neue Produkt überhaupt braucht. Womöglich lässt sich das alte Teil reparieren. Dinge, die ihr nur gelegentlich braucht, könnt ihr außerdem ausleihen und teilen.

 

5. Elektroschrott fachgerecht entsorgen

Elektronik benötigt nicht nur Strom, viele Geräte enthalten zudem Metalle der seltenen Erden. Diese werden oft in China abgebaut. Bei der Gewinnung bleiben giftige Abfälle zurück, welche den Arbeiter*innen sowie der Umwelt katastrophale Schäden zufügen. Elektrogeräte solltet ihr deshalb so lange wie möglich nutzen. Fragt schon beim Kauf nach der Haltbarkeit und der Dauer der Garantie. Wenn ein Gerät doch kaputt geht, versucht es in einem Repair Café. Hilft das auch nicht, sollte das Gerät kein trauriges Dasein in einer Abstellkammer fristen, sondern fachgerecht entsorgt werden. In einigen Vereinen, Unternehmen und Schulen stehen bereits Sammelboxen für Handys. Wenn nicht, könnt ihr diese ganz einfach selbst bestellen, zum Beispiel beim NABU. Manche Städte haben zudem Sammelcontainer für andere Kleingeräte aufgestellt. Was ihr dort nicht entsorgen könnt, solltet ihr zum Wertstoffhof bringen. So führt ihr die Metalle der seltenen Erden dem Recyclingkreislauf wieder zu und es müssen weniger neue abgebaut werden.

 

6. Reduce, Reuse, Recycle

Müll trennen und gut is’? Leider nein. Nicht nur passieren häufig Fehler und der Müll landet in der falschen Tonne, auch was ihr richtig entsorgt, wird nicht unbedingt wiederverwertet. In Deutschland werden nur etwa 40 Prozent der weggeworfenen Plastikverpackungen recycelt. Daraus entsteht meist Plastik verminderter Qualität. Lebensmittel sind selten in Recyclingplastik verpackt. Dies liegt an besonderen Vorschriften, um die Sicherheit der Lebensmittel zu gewährleisten.

Deshalb sagt “nein” zu Plastik, wo immer ihr könnt. Findet heraus, ob es in eurer Nähe einen verpackungsfreien Lebensmittelmarkt gibt. Ersetzt Einwegprodukte durch wiederverwendbare Alternativen. Fordert Hersteller mit der App “Reduce Plastic” dazu auf, ihre Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. Und wenn sich das Plastik mal nicht vermeiden lässt, dann entsorgt es fachgerecht. Denn nur so hat es überhaupt die Chance, recycelt zu werden.

 

7. Ein kritischer Blick auf die Inhaltsstoffe

In Kosmetika oder Reinigungsmitteln stecken oft Inhaltsstoffe mit kryptischen Namen wie Polyquaternium oder Dimethiconol. Hinter einigen dieser Bezeichnungen können sich umweltschädliche Stoffe verbergen, was die Produkte zu einer versteckten Umweltsünde macht. So gelangt beispielsweise Mikroplastik aus Körperpflegeprodukten über die Abflüsse ins Meer. Dort wird es von Fischen aufgenommen und findet somit auch den Weg in unsere Nahrung. Der Greenpeace-Ratgeber “Plastik abschminken” hilft euch dabei, gängige Kunststoffe in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten zu erkennen und Alternativen zu finden.

Auch Palmöl kann sich unter anderen Namen in Lebensmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln verstecken. Achtet deshalb auch auf andere Inhaltsstoffe, die die Bezeichnung “Palm” enthalten. Konventionelles Palmöl solltet ihr meiden, weil dafür weite Regenwaldflächen gerodet und Moore trockengelegt werden. Ein kompletter Verzicht auf Palmöl ist schwierig, zumal Alternativen oft auch nicht besser sind. Kauft am besten nur Bio-zertifiziertes Palmöl. Mindestens sollte es von der Palmoil Innovation Group (POIG) zertifiziert sein. Oder macht Lebensmittel und Kosmetik selbst – dann wisst ihr, was drin steckt.


Jana Kornely

Jana Kornely (*1994) ist Praktikantin im Bereich Online-Kommunikation bei Greenpeace in Hamburg.


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