Aktivistinnen und Aktivisten des Greenpeace-Schiffes „Rainbow Warrior“ protestieren vor der Einfahrt in einen schwedischen Hafen
11.09.2020

Weg mit dem Teufelszeug!

Öl und Gas zerstören unsere Meere und belasten das Klima

Lysekil, Schweden, 10. September 2020
Aktivistinnen und Aktivisten des Greenpeace-Schiffes „Rainbow Warrior“ protestieren vor der Einfahrt in einen schwedischen Hafen nördlich von Göteborg, um Öltanker zu stoppen, die eine Ölraffinerie anlaufen wollen. 

Sri Lanka, 11. September 2020
Einsatzkräfte vor Sri Lanka versuchen zu verhindern, dass 270.000 Tonnen Rohöl aus einem havarierten Tanker laufen und Blauwale, Pottwale, Haie und Meeresschildkröten gefährdet werden.

Vor wenigen Wochen war ich an Bord des Greenpeace-Schiffes „Esperanza“ in der Nordsee unterwegs, um mit meinen Kollegen zu untersuchen, wie stark die Öl- und Gasindustrie unser Klima und unsere Meere belastet. Wir sahen große Ölverschmutzungen auf der Wasseroberfläche in der Nähe der Plattformen, riesige Gasabfackelungsflammen, Methanlecks am Meeresboden, und auch in unseren Sedimentproben fanden wir Hinweise auf Verschmutzungen. Die Zahlen, die bekannt sind, schockieren: Allein durch den Normalbetrieb der Öl- und Gasplattformen werden jedes Jahr 9000 Tonnen Öl und 182.000 Tonnen Chemikalien in die Meere eingeleitet und außerdem 30.000 Millionen Tonnen CO2 und 72.000 Tonnen Methan ausgestoßen. Ein Alptraum, der sich seit Jahrzehnten hier in der Nordsee abspielt, wo über 400 Plattformen stehen.

Aktivistinnen und Aktivisten des Greenpeace-Schiffes „Rainbow Warrior“ protestieren vor der Einfahrt in einen schwedischen Hafen nördlich von Göteborg.

Traurige Geschichte

Die Geschichte der Tankerunfälle ist lang: Exxon Valdez 1989, Braer 1993, Sea Empress 1996, Erika 1999 und Prestige 2002; hoffentlich kommt jetzt nicht die New Diamond vor Sri Lanka dazu. Die New Diamond ist ein VLCC-Öltanker (Very Large Crude Carrier) unter der Flagge Panamas.

Am 3. September 2020 geriet der Tanker nach einer Explosion des Heizkessels vor der Ostküste Sri Lankas in Brand, geladen hat er 270.000 Tonnen Rohöl. Im Havariegebiet versuchen seit Tagen mehrere Militärschiffe, Schlepper, Ölbekämpfungsschiffe, Feuerlöschboote und Flugzeuge die Auswirkungen des Unfalls einzudämmen. Sollte auch nur ein Teil der 270 000 Tonnen Öl ins Meer laufen, wäre das eine der größten ökologischen Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte und würde die vor Sri Lanka lebenden Wal- und Riffhaie, Meeresschildkröten und Pott- und Blauwale gefährden.  

Hauptverursacher der Emissionen in Deutschland

Nach der Energiewirtschaft und der Industrie ist der Verkehr der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland. Der Verkehrssektor hat 2019 163 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Das von Greenpeace beauftragte Verkehrswende-Szenario zeigt: Verkehr kann bis zum Jahr 2035 emissionsfrei sein. Eine bloße Umstellung auf Autos mit Elektroantrieb ist jedoch keine Lösung. Wir müssen dort, wo es möglich ist, Personen- und Güterverkehr reduzieren und auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus und Bahn umsteigen.

Ein „weiter so“ verbietet sich, denn 

  • die Förderung von Öl und Gas ist aus Umwelt- und Klimaschutz-Gesichtspunkten nicht länger tolerierbar
  • der Transport von Öl mit Tankern war und ist eine riesige Bedrohung für unserer Meere 
  • der Verbrauch, also das Verbrennen, zum Beispiel im Verkehrssektor, ist eine der Hauptursachen für die Klimaerhitzung

Weg mit dem Teufelszeug Öl und Gas! Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien. Jetzt!


Autor: Dr. Christian Bussau, Greenpeace-Meeresexperte
 

Topic
Meere


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