27.02.2019

Wie organisiere ich eine Kleidertauschparty?

Schluss mit Fast Fashion. Tauschen ist das neue Kaufen.

Tauschen spart nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen. Allein für die Produktion einer Jeans werden rund 8.000 Liter Wasser benötigt. Wenn sie nicht mehr passt oder gefällt, sollte sie deshalb nicht einfach im Müll landen. Jemand anders freut sich womöglich über das noch gut erhaltene Kleidungsstück und muss so kein neues kaufen.

Bei einer Kleidertauschparty können Menschen Klamotten, die sie nicht mehr tragen, abgeben und neue Lieblingsteile finden. Wir erklären euch hier, wie ihr selbst so ein Tauschevent organisieren könnt.

 

Finanzierung

Mit den folgenden Tipps könnt ihr Kosten für eure Kleidertauschparty weitestgehend bis komplett vermeiden. Ansonsten könnt ihr während der Veranstaltungen Spenden sammeln oder einen kleinen Unkostenbeitrag erheben. Auch ist es möglich, eine Förderung oder einen Sponsor zu suchen.

 

Location

Welche Räumlichkeiten kann man günstig mieten oder im besten Fall kostenlos nutzen? Fragt bei Kulturhäusern, Gemeinden, Sozialunternehmen, Vereinen, Clubs usw. nach und erkundigt euch nach Freundschaftspreisen und Sozialtarifen. Bei gutem Wetter könnt ihr auch draußen auf Terrassen und in Gärten feiern.

Ihr könnt euch auch mit anderen Veranstaltern zusammentun. Möglicherweise könnt ihr eure Tauschparty in das Rahmenprogramm eines Festivals, einer Aktionswoche oder einer Messe integrieren.

Weniger lohnend sind Anträge auf Sondernutzung von öffentlichen Flächen. Diese werden meist nur mit Auflagen und Mindestgebühren gestattet. Trotzdem bieten sich auch Möglichkeiten über die Stadt, beispielsweise bei der Einweihung eines neu gestalteten Parks. Fragt bei den Stadtteilbeiräten nach. Sie können euch womöglich weiterhelfen.

 

Werbung

Damit möglichst viele Leute von eurer Kleidertauschparty erfahren, solltet ihr ein Facebook-Event erstellen und es von der Seite “kleidertausch.de” teilen lassen. Außerdem gibt es verschiedene lokale Veranstaltungsverzeichnisse, in die ihr die Veranstaltung eintragen könnt. Ihr könnt auch die Zeitung vor Ort bitten, einen von euch vorgefertigten Text abzudrucken.

Erfahrungsgemäß finden sich wenige Gäste über Plakate und Flyer. Falls ihr das dennoch ausprobieren möchtet: Fragt vorher bei den Geschäften oder Lokalen nach, ob ihr Plakate aufhängen oder Flyer auslegen dürft. Die meisten Geschäfte bevorzugen bei Plakaten die Größe DIN A4. Druckt eure Plakate also nicht zu groß.

Wenn ihr eure Kleidertauschparty wiederholt veranstaltet, könnt ihr euch ein Logo und einen Namen zulegen sowie eine Facebook-Seite und/oder Mailingliste einrichten. Abonnenent*innen für diese könnt ihr auf euren Tauschevents sammeln.

 

Helfer*innen

Mit ein wenig Hilfe geht die Arbeit doch gleich viel leichter von der Hand. Sucht euch deshalb frühzeitig Unterstützung. Je nachdem, wie groß die Tauschbörse werden soll, sind zwei bis vier Leute für die Organisation und fünf bis zehn Helfer*innen am Veranstaltungstag ideal. Plant Schichten von nicht länger als vier Stunden. Diese sollten sich um etwa zehn Minuten überschneiden, damit bei der Übergabe Zeit für eine kurze Beratung ist.

Am besten ihr klärt bereits vorab, wer welche Aufgaben übernimmt. Möglich sind zum Beispiel:

  • Helfer*innen für Auf- und Abbau

  • eine Ansprechperson am Eingang, welche den Gästen die Tauschregeln kurz erklärt

  • zwei bis drei Personen, welche am Eingang die mitgebrachten Teile sichten und nicht mehr brauchbare Kleidungsstücke aussortieren

  • eine Person, die darauf achtet, dass die Kleidung auf den Tischen ordentlich aussieht, und in den Umkleiden liegengelassene Sachen zurück räumt

  • Betreuer*innen für den Infostand und die Feedback-Wand

  • falls ihr eine Warteschlange einrichtet: eine*n Türsteher*in am Kopf der Schlange

  • Betreuer*innen für alle optionalen Angebote (Garderobe, Musik, Kuchen und Getränken)

Eure Teammitglieder sollten sich im besten Fall vorher kennenlernen. Auch ist es sinnvoll, wenn sie ein für alle sichtbares Erkennungszeichen tragen. Wenn möglich könnt ihr einen Rückzugsraum für Helfer*innen anbieten, in dem sie kurz Pause machen und ihre eigenen Sachen unterbringen können. Wertsachen sollten sie möglichst zu Hause lassen. Gibt es eine bewachte Garderobe, können sie ihre Sachen auch dort abstellen.

 

Logistik

Klärt vorher ab: Sind in der Location genug Kleiderstangen, Tische usw. vorhanden? Wenn nicht: Wo könnt ihr welche ausleihen? Wer holt sie dort ab und bringt sie zurück? Je nach Menge bekommt ihr die Sachen mit Bus und Bahn transportiert. Manche ÖPNV-Unternehmen erlauben zwar nur getragene Lasten, drücken aber bei Bollerwagen, Sackkarren o. Ä. beide Augen zu. Lastenfahrräder sind ebenfalls eine gute Transportmöglichkeit. Sie kann man bei Bedarf auch mieten.

Eventuell benötigt ihr einen Ort, an dem ihr eure Materialien bis zur nächsten Kleidertauschparty lagern könnt. Falls es vor Ort keine Lagermöglichkeiten gibt und niemand von euch eine Lagerfläche hat (z. B. einen privaten Keller), kann euch vielleicht jemand einen Keller oder eine Lagerfläche zur Verfügung stellen. Im besten Fall ist diese ohne viele Stufen, Türen und Ecken erreichbar. Das erleichtert das Ein- und Auslagern. Auch hier gilt: Rumfragen lohnt sich.  

Zur Logistik gehört auch die Nachsorge: Was macht ihr mit übrig gebliebener Kleidung? Die Frage wird auch oft von Tauschgästen gestellt. Stellt also sicher, dass eure Helfer*innen eine Antwort wissen. Erfahrungsgemäß gibt es immer Kleidung, welche von keinem Tauschgast mitgenommen wird. Ihr könnt sie (komplett oder vorsortiert) als Grundstock für den nächsten Tausch aufheben. Allerdings bringen die Gäste eurer nächsten Tauschparty auch wieder etwas mit, sodass die Kleidung womöglich schnell eure Lagerkapazitäten überschreitet. Alternativ könnt ihr die Sachen spenden. Wählt dafür soziale Projekte, welche die Sachen vor Ort verwenden und sie nicht kommerziell nutzen oder exportieren. Gute Erfahrungen haben wir mit einigen Mitgliedern des Dachverband FairWertung gemacht. Schaut euch am besten vorher genau an, was bei den Empfängern mit Spenden getan wird. So stellt ihr sicher, dass ihr deren Ziele gerne unterstützt.

 

Aufbau

Zeichnet einen Raumplan und hängt ihn vor Ort auf, damit alle Helfer*innen beim Aufbau wissen, wo was hingehört. Beim Anordnen der Möbel solltet ihr Folgendes beachten:

  • Vermeidet 90°-Winkel zwischen zwei Möbelstücken. In die Ecken passen nur wenige Leute, weshalb diese den Bewegungsfluss stauen.

  • Vermeidet auch Inseln und Reihen mit vielen Durchgängen. Hier kommen sich die Gäste häufig in die Quere.

Ecken und Inseln führen dazu, dass es auf der Veranstaltung voller und gedrängter wirkt als es ist. Stellt besser lange, gerade Gänge. Sie sollten breit genug sein, dass zwei bis drei Personen nebeneinander darin stehen können.

Damit eure Gäste die Kleidung anprobieren können, solltet ihr Umkleiden anbieten. Bei einer kleineren Tauschparty reichen womöglich die WCs vor Ort. Ansonsten gibt es vielleicht einen zweiten Raum, der sich zur Umkleide umfunktionieren lässt. Fenster könnt ihr mit Vorhängen, Stoffbahnen oder Planen abhängen. Oft reicht das schon, denn Gruppenumkleiden werden von den meisten Gästen angenommen. Einzelumkleiden könnt ihr aus Paravents oder Stellwänden bauen. Oder ihr nutzt Stangen und/oder auf Kopfhöhe gespannte Seile. An diese könnt ihr Stoffbahnen, Vorhänge, Planen, Bettlaken o. Ä. hängen.

Auch Spiegel sind hilfreich. Oft gibt es sie gebraucht und kostenlos auf eBay Kleinanzeigen. Aber Achtung: Spiegel können brechen. Beim Auf- und Abbau oder im Menschentrubel passiert das leicht. Deshalb solltet ihr die Spiegel gut befestigen. Alternativ könnt ihr Spiegelfolie oder Alu Dibond verwenden. Praktisch ist es, wenn ihr eure Kleidertauschparty in einer Tanzschule oder einem Gymnastiksaal feiert. Dort gibt es meist sowieso eine Spiegelwand.

 

Präsentation der Kleidung

Verwendet Kleiderstangen: Das schafft Ordnung und man kann die Klamotten besser begutachten. Auf Tischen ausgelegte Kleidung verwandelt sich schnell in einen Wühltisch. Kleiderbügel gibt es häufig umsonst bei großen Kaufhäusern. Ruft einfach bei der Telefonzentrale an und fragt freundlich nach.

Auch solltet ihr die Kleidung nach Kategorien sortieren, zum Beispiel:

  • Jacken und Mäntel

  • T-Shirts und Tops

  • Pullover und Longsleeves

  • Blusen & Hemden

  • kurze Hosen und Röcke

  • lange Hosen

  • Schuhe

  • Accessoires

  • ggf. Wäsche

Je nach erwarteter Zielgruppe könnt ihr einen Bereich für Kinderkleidung vorsehen oder die Kleidung nach Geschlechtern trennen. Oder ihr entscheidet euch für Unisex: Viele Schnitte – insbesondere Basics – passen und gefallen den unterschiedlichsten Menschen. Natürlich muss sich eure Tauschparty nicht auf Kleidung beschränken. Auch Spielsachen, Bücher, Filme und vieles mehr können prima getauscht werden.

Fertigt Schilder für die unterschiedlichen Kategorien und befestigt diese gut sichtbar auf Augenhöhe. Druckt die Schilder am besten in großer Schrift aus oder malt sie mit breiten Stiften oder Pinseln. Es ist wichtig, dass man die Schilder auch aus ein paar Metern Entfernung lesen kann. Überlegt euch, ob die Gäste ihre mitgebrachte Kleidung selbst den Kategorien zuordnen sollen oder ob Helfer*innen diese am Eingang entgegennehmen und verteilen.

 

Tauschregeln

Wie viele Kleidungsstücke darf jede Person mitbringen und wie viele mit nach Hause nehmen? Möchtet ihr das überprüfen oder vertraut ihr auf die Ehrlichkeit der Tauschgäste? Dies sind Dinge, die ihr individuell für eure Tauschparty festlegen könnt.

Auch wenn sich viele defekte Kleidungsstücke reparieren lassen, solltet ihr genau überlegen, ob ihr diese bei eurer Tauschparty erlauben wollt. Einige Gäste sind enttäuscht, wenn sie makellose Kleidung mitbringen und im Gegenzug überwiegend löchrige oder fleckige Teile finden. Eine Möglichkeit ist es, solche Kleidungsstücke gesondert in einer Upcycling-Ecke zu sammeln.

Informiert bereits über die Regeln, wenn ihr euer Event bewerbt. So können sich eure Gäste darauf einstellen. Außerdem solltet ihr die Regeln auf ein Plakat drucken und am Eingang eurer Tauschparty aufhängen.

 

Feedback sammeln

Sammelt Feedback. So könnt ihr von den Gästen erfahren, was ihr gut gemacht habt und unbedingt wiederholen solltet und was ihr verbessern könnt. Legt Zettel und Stifte aus und stellt eine Box auf, in welche das Feedback anonym eingeworfen werden kann. Wenn ihr Feedback zu konkreten Fragen wünscht, könnt ihr diese auf die Zettel vordrucken, z. B.: Wie hast du von dem Event erfahren? Was war gut? Was können wir besser machen? Alternativ könnt ihr für kurzes, direktes Feedback eine Stellwand oder ein Flipchart aufstellen.

 

Aushänge

Hängt am Eingang ein Poster mit den Tauschregeln auf. Sinnvoll ist auch ein Haftungsausschluss, Vorlagen findet ihr im Internet. Möchtet ihr Fotos von dem Event machen und veröffentlichen? Dann informiert eure Gäste auch darüber auf einem Aushang.

 

Das gewisse Etwas

Musik

Musik hebt die Stimmung. Deshalb ist es super, wenn ihr eine DJane oder einen DJ für euer Event gewinnen könnt. Fragt nach, welche Geräte sie oder er braucht. Möglicherweise hat eure Location das meiste davon schon vor Ort. Alternativ könnt ihr eine Playlist erstellen und diese über eine Soundanlage abspielen. Je nach Größe des Raumes sind kleine Lautsprecher ausreichend.

Nicht vergessen: Die Anmeldung bei der GEMA. Die geht ganz einfach online.

 

Kuchen und Getränke

Mit einer Kuchentheke könnt ihr Spenden für die Finanzierung des Events sammeln. Außerdem können sich die Gäste so die Zeit vertreiben, während sie auf neu eintreffende Kleidung warten. Bietet am besten ein paar Sitzgelegenheiten und nach Möglichkeit Tische an. Vermeidet Einweggeschirr, vor allem solches aus Plastik – schließlich geht es bei einer Kleidertauschparty auch um Ressourcenschutz.

Veranstaltet ihr euer Event in einem Café, einer Bar oder einem Club? Vielleicht könnt ihr kooperieren. Statt Raummiete bietet ihr Gäste, die sicherlich das ein oder andere Getränk bestellen.  

 

Garderobe

Eine Garderobe ist sinnvoll, damit die Jacken der Gäste nicht mit Tauschware verwechselt und versehentlich mitgenommen werden. Lasst die Garderobe unbedingt von Helfer*innen betreuen. Besorgt euch Garderobenmarken und stellt das Mobiliar so, dass niemand außer den Helfer*innen an die Jacken gelangt. Eine Garderobe ist eine weitere Möglichkeit, um Spenden zu sammeln.  

 

Informationen und Workshops

Macht mit Plakaten, Flyern o. Ä. darauf aufmerksam, warum ihr überhaupt eine Kleidertauschparty organisiert. Mit Plakaten oder Bildern sieht der Raum auch gleich viel schöner aus. Vorlagen mit Fakten gibt es auf den Websites von Greenpeace e.V. und Fashion Revolution. Kooperationen für Infostände sind z. B. mit Clean Clothes Campaign, Global Fashion Exchange, Fashion Revolution oder der lokalen Greenpeace-Gruppe möglich.

Außerdem könnt ihr Upcycling-Ideen ausstellen oder ein Repair-Café für Kleidung anbieten. In dem Fall benötigt ihr einige Helfer*innen, die mit Nadel und Faden umgehen können. Beliebt ist auch Siebdruck, mit dem die Gäste ihre T-Shirts oder Taschen aufpeppen können.

 


Jana Kornely

Jana Kornely (*1994) ist Praktikantin im Bereich Online-Kommunikation bei Greenpeace in Hamburg.


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