Dicke Luft in Cottbus

24. Mai 2013

Protest gegen Braunkohle-Abbau in Cottbus.

Es liegt was in der Luft vor Cottbus’ Stadthaus an diesem Donnerstagmorgen. Zum einen der schwefelige Geruch brennender Braunkohle, der aus den Feuerkörben der Bergleute am Stand der Bergbaugewerkschaft IG BCE steigt. Aber daran hat man sich hier, im Braunkohle-Herzland über die Jahrzehnte gewöhnt. Zum anderen das leichte Knistern erhöhter Spannung. Es speist sich aus BCE-Schildern wie: “Steuerzahler statt Aktivisten”. Weil sich der Sinn nicht auf Anhieb erschließt, hilft die Farbgebung nach: “Steu-erza-hler” ist in schwarz-rot-gold gesetzt, “Aktivisten”, die ein paar Meter weiter vor dem Stadthaus gegen neue Tagebaue demonstrieren, in grün. Steuerpflichtschuldige Patrioten versus spendenfinanzierte Ökos. Die Welt kann so einfach sein.

Wenig Komplikationen wünscht sich auch die Mehrheit des Braunkohleausschusses drinnen im Stadthaus. Er soll drüber entscheiden, ob und wann sich die Öffentlichkeit zu den Plänen zum neuen Tagebau in Welzow-Süd äußern kann. Doch einem kritischen Gutachter wird kurzerhand das Wort verboten. Professor Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) war Donnerstag früh aus Berlin angereist, um dem Ausschuss sein Gutachten zu erläutern.

Das Gutachten lässt sich so zusammenfassen: Vattenfall muss kein neues, 2000 Hektar großes Loch bei Welzow baggern, Dörfer müssen nicht geräumt werden – die dort lagernde 200 Millionen Tonnen Braunkohle werden dank der Energiewende in Deutschland nicht mehr benötigt. Es überrascht nicht, dass der schwedische Energiekonzern so etwas nicht gerne hört. Schon eher, dass Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) das Gutachten ausführlich kritisieren darf, von Hirschhausen aber keine Gelegenheit eingeräumt wird, darauf zu antworten.

In Christoffers und manchem Ausschussmitglied steckt viel Bewunderung für Pippi Langstrumpf. Die singt gerne “Ich mach’ mir die Welt widdewiddewidd wie sie mir gefällt”, und da singt auch die IG BCE gerne mit. Tags zuvor, am Mittwoch, karrte sie den Braunkohle-Fanblock mit Bussen aus der ganzen Lausitz nach Cottbus.

Plakate, Flugblätter, ja sogar einen kleinen Braunkohle-Rap hatte man gebastelt. Schließlich waren vollmundig 5000 Bergleute angekündigt worden. Es galt, breite Unterstützung für schmutzige Braunkohle zu demonstrieren. Dass es dann selbst bei großzügigen Schätzungen nicht mehr als die Hälfte waren, kümmerten weder Gewerkschaft noch branchentreue Lokalmedien: vermeldet wurden die versprochenen 5000.

Am Donnerstag geht es mit Überraschung weiter. Unter einem Tagesordnungspunkt, der Fragen an Minister Christoffers ankündigt, tritt noch in der Vormittagsrunde der Vattenfall-Deutschlandchef Hartmuth Zeiss ans Mikrofon. Fragen stellt Zeiss keine, stattdessen hält er ungeachtet wiederholter Beschwerden einiger weniger Ausschussmitglieder eine wortreiche Laudatio auf den zweiten Planentwurf.

Als die tatsächlich Betroffenen des geplanten neuen Tagebaues am Nachmittag zu Wort kommen, sind Christoffers und sein Ministerkollege Jörg Vogelsänger (SPD) längst gegangen. Die größte Überraschung aber ist wohl die geheime Abstimmung zur neuerlichen Auslegung des überarbeiteten Planentwurfs: Dem stimmten zwar mit zwölf Mitgliedern die Mehrheit zu, aber sieben Nein-Stimmen und eine Enthaltung zeigen, wie gespalten der Ausschuss inzwischen ist.

Für Beständigkeit an diesem Tag sorgt hingegen die Gewerkschaft. Auf Kommando stehen 17 jungen IG BCE-ler oben auf dem Zuschauerrang im Stadthaus stramm und recken die Buchstaben-T-Shirts, die zusammen “Braunkohle Zukunft” ergeben. Auf die Frage, ob sie gelegentlich auch an die Zukunft der 800 Menschen dächten, die von der Zwangsumsiedlung bedroht sind, haben sie keine Antwort. Aber vielleicht sollte man froh sein, wenn die Gewerkschaftler die Aktivisten nicht – wie kürzlich bei einer Demo in Köln – mit “Homos, Homos”-Sprechchören angehen.

(Autor: Gregor Kessler)

Palmöl-Geschäft bedroht Kamerun

23. Mai 2013

Kakao-Farmer in Kamerun.

Update vom 23. Mai 2013: Mit einem neuen Report (engl.) zeigt Greenpeace die Nachteile des Herakles-Palmölprojekts für Kamerun noch einmal deutlich auf. Interne Dokumente und Kommunikate verdeutlichen, wie die Firma versucht, die kamerunische Regierung und Investoren hinters Licht zu führen. Dabei profitiert Herakles von extrem günstigen Vertragsbedingungen, die man bei ähnlichen Palmölprojekte in anderen Länder, z.B. in Malaysia, vergeblich sucht.

Zudem versucht der Palmöl-Konzern sein Projekt profitabler erscheinen zu lassen, als es tatsächlich ist. Seit dieser Woche muss Herakles seine Arbeiten auf seiner Plantage aussetzen, da die kamerunische Regierung ein vorläufiges Abholzungsverbot ausgesprochen hat. Wir bleiben dran und berichten weiter. Unterschreibt unsere Protest-Mail “Stoppt das Herakles Farm-Projekt”.

19. April 2013: Das Kongobecken, das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde, gerät zunehmend ins Visier der Agrarfirmen. Die klimatischen Bedingungen sind günstig, um dort Ölpalmen anzubauen. Der lokalen Bevölkerung nutzt dies zunächst einmal wenig, denn es sind vor allem ausländische Großinvestoren und korrupte nationale Politiker, die vom Ausverkauf des afrikanischen Agrarlandes profitieren. Ein Geschäft zu solch miesen Konditionen, das man eher als Landraub bezeichnen möchte.

Eines dieser Unternehmen ist Herakles Farms, ein Unternehmen der in New York ansässigen Unternehmensgruppe Herakles Capital und deren lokalen Tochterfirma SG Sustainable Oils Cameroon Limited (SG-SOC). In Kamerun baut Herakles Farms bereits Palmölplantagen auf – obwohl noch längst nicht geklärt ist, ob dieses Projekt überhaupt legal ist! Die geplante Palmölplantage in einer Dimension von 70.000 Hektar würde das Leben von Zehntausenden Menschen in Dutzenden Dörfern schlagartig verändern. Es ist ein Projekt mit verheerenden sozialen und ökologischen Folgen. (Mehr dazu im englischen Greenpeace Report: “Herakles Crime File”.)

Die Rote Linie zeigt wo Herakles Farms Palmölplantagen plant.

Die Plantage in der Größe des Stadtgebiets Hamburgs soll in einem der artenreichsten Wälder der Welt angelegt werden. In der Mitte von vier Naturschutzgebieten gelegen, würde die Plantage eine Schneise der Verwüstung zwischen dem Korup Nationalpark und dem Naturschutzreservat Rumpi Hills ziehen. Die im Gebiet lebenden Tiere würden voneinander isoliert und eine ökologisch höchst sensible und einzigartige Region zerstört werden.

Bei einer Vertragslaufzeit von 99 Jahren(!) ist zudem davon auszugehen, dass dieses Vorhaben dramatische Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, Ernährung und die Kultur der Menschen haben wird. Der Wald als Erwerbs- und Nahrungsquelle würde fehlen. Selbständige Kleinbauern müssten dann im besten Fall Erntehelfer auf der Plantage werden. Den meisten drohte wahrscheinlich Arbeitslosigkeit oder sie würden aus der Region vertrieben. Sowohl die Bevölkerung vor Ort, als auch lokale und internationale Menschenrechts- und Umweltorganisationen sowie Wissenschaftler protestieren gegen das Vorhaben.

CED – Centre pour l’Environnement et le Développement, eine NGO in Kamerun,
hat die Konsequenzen für die lokale Bevölkerung zusammengefasst und fordert zusammen mit anderen kamerunischen NGOs ein Moratorium auf die weitere Expansion von großen industriellen Agrarprojekten in Kamerun. Solange, bis sichergestellt werden kann, dass die Landrechte der Bevölkerung nicht ignoriert werden, und nicht weiterer Urwald zerstört wird.

Greenpeace zeigt: Entwicklung fördern, statt zerstören

Es gibt jedoch Alternativen, mit denen die Bevölkerung der Regionen profitieren kann und die Umwelt geschont wird. Greenpeace Afrika hat heute zusammen mit der kamerunischen NGO L’Association citoyenne de défense des intérêts collectifs (ACIDIC) einen Report veröffentlicht, der Entwicklungsoptionen für eine Region in Kamerun aufzeichnet.

Der Report “Agriculture systems and food security in Toko, Mundemba, and Nguti, in SW Cameroon” zeigt an mehreren Beispielen, wie die Menschen das von Herakles beanspruchte Gebiet für eine kleinbäuerliche Landwirtschaft nutzen könnten. Damit würde die lokale Wirtschaft bestärkt, ohne die Urwälder zu zerstören und ein Stück weit verhindert, dass subventionierte Nahrungsmittel aus dem Industrieländern importiert werden. Die Zusammenfassung des Reports ist auf englisch verfügbar.

Video (engl.): Landgrabbing Cameroon: The Story of Herakles Farm

Palmöl – ein zerstörerisches Geschäft

Die Palmölindustrie expandiert: erst Indonesien und Malaysia – und nun Kamerun. Ein falscher Entwicklungspfad, der die Urwälder zerstört und den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage raubt. Der weltweite Bedarf an Palmöl steigt – es landet in Produkten wie Schokoriegel, Speiseeis, Pizzas, Waschmittel, Seife oder auch als Biotreibstoff. In Indonesien und Malaysia haben sich in den letzten 20 Jahren die Flächen, auf denen Urwald für Ölpalmplantagen vernichtet worden ist, verzehnfacht. Heute erstrecken sich dort die Monokultur-Plantagen auf mehr als acht Millionen Hektar. Die Firmen sind längst dabei, neue Flächen zu erschließen und breiten sich nun in Ländern wie z.B. Kamerun in Zentralafrika aus. Dort legt die Firma “Herakles Farm” bereits den Grundstein für großflächigen Palmölanbau – obwohl noch längst nicht alle Genehmigungen vorliegen.

Green Storys: Rätselt mit uns!

23. Mai 2013
Green Storys (c) Hannah Fink / Greenpeace

Green Storys (c) Hannah Fink / Greenpeace

Green Storys sind kleine, gruselige Rätsel. Wir haben uns für euch zehn verschiedene Geschichten rund um unsere Buchenwälderkampagne ausgedacht, die ihr immer und überall ganz einfach spielen könnt. Dazu müsst ihr nur die Bastelvorlage zum Selbstausdrucken herunterladen und die einzelnen Karten ausschneiden und fix zusammenkleben – und schon kann es losgehen!

So geht’s:

Die Spielkarten werden als Stapel mit der Vorderseite nach oben auf den Tisch gelegt. Nun legt ihr einen Spielleiter fest. Dieser nimmt die oberste Karte des Stapels und liest euch den Fakt, der darauf steht, laut vor und fragt:

Warum wohl?

Nur der Spielleiter liest die auf der Rückseite der Karte stehende Antwort durch: die anderen müssen sie erraten. Wie das geht? Ihr stellt reihum Fragen zu dem Fakt, die nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind. So kommt ihr Stück für Stück des Rätsels Lösung auf die Spur.

Als kleine Hilfe: Ihr dürft NICHT fragen: “Warum schwiegen sie?” – Das kann nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Mögliche erste  Fragen wären “Können sie nicht sprechen?”, “Würden sie lieber darüber reden als zu schweigen?” oder “Werden sie am Reden gehindert?”.

Wir wünschen euch viel Spaß dabei! Und wenn ihr nicht nur rund um den Wald rätseln, sondern euch aktiv für den Schutz der alten Buchen einsetzen wollt, könnt ihr ganz einfach Baumpate werden, euch in der Greenaction-Kampagne “Alte Buchen retten” engagieren oder gleich in einer unserer Greenpeace-Gruppen ehrenamtlich dabei sein!