Greenpeace Gastautor
30.12.2015

Der lange Weg des Großen Bären

Eine Kampagne die Geschichte schrieb… und schreibt. Ein Beitrag von Sandra Hieke

In diesen letzten Tagen des Jahres, bin ich gedanklich immer wieder bei meinen KollegInnen in Kanada. Dort bahnt sich mit dem neuen Jahr auch ein neues Kapitel in Sachen Waldschutz an. Die laufenden, sich fortsetzenden Verhandlungen um den Schutz eines einzigartigen Regenwaldgebiets sind erfolgsversprechend.

 

Der Great Bear Rainforest an der Westküste Kanadas ist einer der größten noch intakten gemäßigten Küstenregenwälder der Welt. Aber er ist noch mehr: er ist ein Wunder der Natur, ein Märchenwald,  Ort zahlreicher Mythen und Sagen, Heimat verschiedenster First Nations wie den Nuxaulk und auch des weißen „Geisterbären“ – dem seltenen Kermode-Bären. Wer in diesen Wald einmal eingetaucht ist, vergisst ihn nicht mehr: Zedern, über tausend Jahre alt, ragen über das Kronendach hinaus, Flechten hängen wie Bärte von den Bäumen, Nebel zieht in Schwaden durch den Wald, eine feuchte Kühle schlägt sich auf der Haut nieder. Wenn man ganz still ist, meint man ein Flüstern zu hören, nicht mehr und nicht weniger als ein Wispern und Knarzen in den alten Ästen. 

Spirit Bear

In dieser idyllischen Stille erahnt man nicht, wie viel Lärm in den letzten zwei Jahrzehnten für den Erhalt dieses Waldgebiet gemacht werden musste. Man verliert sich gerne hier in der Natur, sie erfüllt einen mit Leichtigkeit. Kaum zu glauben wie kurvenreich und steinig der Weg zum Schutz des Great Bear Regenwaldes war, und immer noch ist. Seit fast zwanzig Jahren kämpft Greenpeace zusammen mit kanadischen Umweltverbänden wie ForestEthics und Sierra Club BC an der Seite von lokalen First Nations nun schon für den Erhalt dieses einzigartigen Urwalds. Zellstoff-, Papier- und Holzindustrie hatte lange  Zugriff auf den Wald und machten davon Gebrauch. Der Wald drohte zu verschwinden. Das war in den 90ern. Seither geht man Schritt für Schritt auch über sehr unwegsames Gelände in Richtung Schutzgebiet. Das Ziel ist mit Ende dieses Jahres näher als je zuvor.

 

Ich werfe gerne auch einen Blick zurück auf die Anfangszeit der Kampagne für dieses ganz besondere Waldgebiet – eine Kampagne, in der auch Deutschland ein wichtige Rolle spielt: Bereits gegen Ende der Neunziger protestiert Greenpeace wochenlang bei Zellstoff-Kunden, Verlagen und Botschaften auf der ganzen Welt - auch in Deutschland. Eine deutsche Greenpeace-Aktivistin verbrachte nach einem friedlichen Protest mehrere Wochen im kanadischen Gefängnis. Im Sommer 1999 - kurz bevor ich als Wald-Campaignerin bei Greenpeace anfing – besuchten zwei Vertreter der Nuxalk, die im Great Bear Regenwald leben, für drei Monate 15 deutsche Städte. Auf dieser „Totem Tour“ machen sie gemeinsam mit Greenpeace auf die Bedrohung ihrer Heimat aufmerksam. Sie schnitzen einen sechs Meter hohen Totem-Pfahl, den sie uns am Ende ihrer Reise schenken: als Mahnmal gegen die Zerstörung des kanadischen Regenwaldes und als Zeichen tiefer Verbundenheit. Er steht heute noch im Greenpeace-Büro und ist Teil der Ausstellung. 

 

Auf dem gemeinsamen Weg, hat sich eine Bewegung entwickelt – eine Bewegung die Meilensteine gesetzt hat. So ist man über lange Jahre dem Schutz eines Lebensraumes für Mensch und Tier Stück für Stück näher gekommen und hat trotz großer Hürden, niemals aufgegeben. Mein kanadischer Kollege schrieb kürzlich: „And as I have written here and elsewhere, this has also been both a personal and professional journey for the past seven of the nearly twenty years of this campaign - with many twists and turns, bumps and potholes; never a dull moment!”

 

Die „Great Bear Regenwald-Kampagne“ hat bereits Geschichte geschrieben. In den nächsten Wochen wird sich das Ende dieser Geschichte weisen. 

 

 

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Wälder, Kanada
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Wälder

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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