11.06.2017

Europas Urwälder sollen leben

Es gibt sie noch, Urwälder in Europa. Einer davon liegt zwischen Polen und Weißrussland und erstreckt sich über eine Fläche von 1.600 Quadratkilometern: Der Bialowieza Urwald. Er ist Heimat von über 5.500 Pflanzenarten, über 11.500 Tierarten und der größten freilebenden Bison-Population Europas. Aufgrund seiner Einzigartigkeit ist der gesamte Wald zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt worden.

Der polnische Teil ist darüber hinaus ein von der EU ausgewiesenes Schutzgebiet, ein sogenanntes Natura 2000 Gebiet. Und doch ist dieses Naturjuwel bedroht. In den vergangenen Jahren ist der Holzeinschlag im Bialowieza Urwald massiv gestiegen und nun sind selbst die 100 Jahre alten Waldbestände von Politik und Industrie bedroht. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht: Hunderte Umweltschützer*innen, darunter meine Greenpeace-Kolleg*innen in Polen, setzen sich mit aller Kraft vor Ort für den Schutz des Waldes ein.

Sie stellen sich vor Forstmaschinen, treffen sich zu Protestmärschen und werden nicht müde immer wieder neue kreative Wege zu finden, um den Jahrhunderte alten Bäumen jenen Schutz zu bieten, den sie verdienen. Um diesen einmaligen Urwald zu schützen sind die Umweltschützer*innen 24 Stunden vor Ort und errichteten ein Protestcamp.

Die Aktivist*innen setzen sich unermüdlich für den Schutz des Bialowieza Urwalds ein.

Die Bedrohung

Im Jahr 2012 verabschiedete das polnische Umweltministerium Pläne für eine ökologisch nachhaltigere Waldnutzung des Bialowieza Urwalds und erfüllte hiermit die Empfehlungen der Europäischen Kommission. Die Pläne sehen eine Reduzierung des Holzeinschlags auf 48,500 Kubikmeter pro Jahr vor und sichern den Schutz von über 100 Jahre alten Bäumen.

Die zuständigen Forstreviere sind diesen Anforderungen nur sehr bedingt nachgekommen. Im Gegenteil: Unter dem Vorwand der Bekämpfung des Borkenkäfers hat der Einschlag im polnischen Teil des Waldes in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Gerodet wird nun auch in alten Waldbeständen und während der Nist- und Brutzeit. Letzteres war bis Januar 2017 nach polnischem Recht verboten und wurde erst durch eine von Umweltminister Jan Szyszko initiierte Gesetzesänderung möglich. Mit seiner Politik verstößt Szyszko gegen polnisches sowie europäisches Recht und boykottiert Polens Verpflichtungen im Rahmen der UNESCO.

Mit Schablonen haben Aktivist*innen Portraits des polnischen Umweltministers, Jan Szyszko, mit dem Slogan „Ich war hier“ auf die Enden von gefällten Baumstämmen gemalt. Sie wollen deutlich machen wer für die Zerstörung einer der letzten Urwälder Europas letztendlich verantwortlich ist.

Es geht weiter…

Der Widerstand zeigt, das sich die polnische Regierung für einen besseren Schutz dieser Wälder einsetzten sollte. Die Gesetze dürfen einen solchen Umgang nicht zulassen und sollten Waldnaturschutz und eine naturnahe Waldwirtschaft fördern, statt die letzten Urwälder Europas weiter zu gefährden. Da das internationale UNESCO Welterbe Komitee Anfang Juli in Krakow tagt, sollte die polnische Regierung die Zerstörung dringend und langfristig stoppen.

Wer sich online am Widerstand beteiligen will, kann dies auf dem Twitter Profil von Greenpeace Polen und auf der Kampagnenseite des Wiederstandes tun.



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