Schweine in der Massentierhaltung
Stephie Töwe
01.12.2015

Fleisch ist nicht mein Gemüse

Die einen lieben es, die anderen hassen es. Den einen schmeckt es richtig gut, die anderen essen es mit schlechtem Gewissen. Für die einen ist es selbstverständlich, keine Tiere oder deren Produkte zu essen. Die anderen finden es selbstverständlich, dass zu einer Mahlzeit Fleisch gehört, am besten jeden Tag. Nur wenige Konsumgewohnheiten sind so stark identitätsstiftend wie der individuelle Fleischkonsum.

 

Wir essen zu viel Fleisch: 60 Kilogramm vertilgt der Deutsche jährlich an Wurst, Brathähnchen, Schinken und Steak. In den USA sind es sogar 75 Kilogramm pro Kopf. Seit 1980 ist der Verzehr von Fleisch weltweit um 40 Prozent angestiegen. Während der Trend in Deutschland langsam zurückgeht, wächst der Markt für Fleisch aus Massentierhaltung in anderen Ländern wie z.B. Indien oder China. 

Was würden passieren, wenn die Deutschen ihren Fleischkonsum, um 80 Prozent senken würden? Dieser Frage geht ein Beitrag des Senders 3sat nach und zeigt auf, dass das viele gute Effekte hätte - für Mensch, Tier und Umwelt.

Ungesund und umweltschädlich

Ein hoher Fleischkonsum ist nicht nur ungesund, sondern hat auch immense Folgen für unsere Umwelt: Massentierhaltung ist mitverantwortlich für den Klimawandel, den Verlust von Wäldern, den Verlust der Artenvielfalt sowie die Verschmutzung von Luft und Wasser und die Zerstörung wertvoller Ackerflächen. Wälder werden für die Viehhaltung abgeholzt, um dort Futterpflanzen wie Soja anzubauen. Die Haltung der Tiere und der Anbau von Futtermitteln beansprucht 80 Prozent aller Weide- und Ackerflächen. Ein Wahnsinn, der das weltweite Hungerproblem massiv verschärft.

 

Über 15 Prozent aller Treibhausgasemissionen stammt aus der Tierhaltung. Damit gehört sie neben dem Energiesektor und Verkehr zu den Hauptverursachern der Erderwärmung. Auf der Weltklimakonferenz in Paris im Dezember geht es zwar im sprichwörtlichen Sinne um die Wurst, Fleisch wird dort aber keine große Rolle spielen. Höchstens in den Verhandlungspausen auf dem Teller. Das ist mehr als bedauerlich. 

Wie eine fleischlose Ernährung zu einem gesunden Planeten beiträgt.

Rund 98 Prozent aller in Deutschland verzehrten Tiere stammen aus der Massentierhaltung. Der eigenen Gesundheit, den Tieren und der Umwelt zuliebe, ist es besser, auf Produkte aus Massentierhaltung zu verzichten. Es gibt viele gute Gründe weniger oder gar kein Fleisch zu essen - in diesem Factsheet präsentieren wir fünf

Politiker scheuen das Thema

Vorschläge, wie sich der Appetit auf Fleisch global reduzieren lässt, gibt es reichlich. Doch bessere Haltungsbedingungen oder fortschrittliche Ideen wie eine Steuer auf Fleisch werden von der einflussreichen Fleisch-Lobby oftmals schon im Keim erstickt. 

 

Viele Politiker machen vermutlich auch aus Furcht vor einem "Veggie Day"-Effekt einen weiten Bogen um das Thema Fleisch. Als die Grünen im Wahljahr 2013 die Einführung eines fleischlosen Tags in öffentlichen Kantinen forderten, litten sogar bei der Umwelt-Partei die Umfragewerte. Kaum zu glauben eigentlich. 

 

Format
Analyse

Stephie Töwe

Stephanie Töwe

Stephanie Töwe arbeitet seit 1999 bei Greenpeace Deutschland als Campaignerin im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft.


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