Intakter borealer Wald in Kanada.
Portrait Jannes Stoppel
31.05.2017

Für die Wälder angeklagt

Das kanadische Forstunternehmen Resolute verklagt einige meiner Waldschützer-Kolleg*innen – weltweit erklären sich viele Menschen solidarisch mit den Umweltschützer*innen.

Die Rolle von Greenpeace ist es, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen auf ihre ökologischen Auswirkungen auf die Umwelt, Natur und Klima zu analysieren und die verantwortlichen Akteure aufzuzeigen. Einflüsse und Auswirkungen, die den dramatischen Schwund der Artenvielfalt beschleunigen oder den Klimaschutz, und somit uns alle, gefährden, kritisieren wir in der Öffentlichkeit. Hierfür benötigt Greenpeace die Möglichkeit wissenschaftlich zu arbeiten, unsere Fakten, Analysen und Erkenntnisse veröffentlichen zu können, zum Beispiel, um Wälder durch unsere Kampagnenarbeit vor Zerstörungen und einer Nutzung zu schützen, die nicht nachhaltig ist. Könnte Greenpeace sich nicht mehr äußern und veröffentlichen, wollte man das der Organisation per Gerichtsbeschluss verbieten, dann könnte das in das Recht der freien Meinungsäußerung eingreifen.

Bisons in Kanada
Wald- oder Bergbisons im borealen kanadischen Regenwald.

Seit Jahren setzen sich meine Kolleg*innen in Kanada und den USA für den Schutz der kanadischen Wälder ein und zeigen auf, wie speziell das Unternehmen Resolute Forest Products diesem nicht nachkommt. Dann im Mai 2013 kommt die Klage: Resolute verklagt in Kanada Greenpeace Kanada und zwei seiner Mitarbeiter*innen auf Schadenersatz in der Höhe von sieben Millionen kanadischen Dollar. Im Mai 2016 folgt eine zweite Klage in den USA über 300 Millionen kanadische Dollar. Diesmal richtete sich die Klage gegen Greenpeace International, Greenpeace USA, die NGO Stand.Earth und fünf Mitarbeiter*innen. Details und Hintergründe zum Gerichtsverfahren sind hier zu finden.

Das angewendete Verfahren in den USA wird als SLAPP Klage bezeichnet, das für ein „strategisches Gerichtsverfahren gegen die Öffentliche Beteiligung“ steht, und gegen das es viel Widerstand gibt. In einem Interview erklärt Rechtsexpertin Roda Verheyen SLAPP-Klagen und sagt dazu: „Die, die viel Geld haben, spielen ein Spiel vor Gericht, um die Gegner bei Ihrer Arbeit zu behindern, sie finanziell zu ruinieren und mundtot zu machen.“

Zitat Naomi Klein

Dagegen erhebt nun nicht nur Greenpeace seine Stimme, sondern auch bereits mehr als 100 unabhängige Organisationen. Auch Nobelpreisgewinner J.M. Coetzee (Schande), Man Booker Prize Gewinnerin Margaret Atwood (Der Report der Magd), Bestseller Autor*innen Yann Martel (Schiffbruch mit Tiger), und Peter Wohlleben (Das geheime Leben der Bäume) stellen sich nun an unsere Seite. Mit dabei ist zum Beispiel auch Naomi Klein (Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima).

Warum unterstützen Autoren die Umweltschützer? Viele der Autor*innen schreiben ihre Geschichten auf Papier, das ihren Ursprung in den kanadischen Wäldern haben könnte, denn ihre Verlage sind oft Großabnehmer von kanadischen Papierwaren. Diese Verlage könnten sich wie ihre Autor*innen für eine nachhaltigere Waldbewirtschaftung und einen umfassenderen Schutz der Urwaldgebiete Kanadas aussprechen und ihre Lieferketten sorgfältiger überprüfen. Damit könnten Verlage und Waldbewirtschafter gemeinsam für den Schutz des Waldes arbeiten

Die Autor*innen Peter Wohlleben, Jürgen Banscherus, Andrea Wulf sowie der deutsche Komiker Bülent Ceylan erheben ihre Stimme für Waldschutz und Meinungsfreiheit.

Ich hoffe, dass diese weltweite Unterstützung die Firma Resolute Forest Products endlich zu einem lösungsorientierten Dialog und einem nachhaltigeren Umgang mit den kanadischen Wäldern bewegt. Dies sollte auch im Sinne der großen Verlagshäuser sein, die von dem Recht für freie Meinungsäußerung leben. Denn die oben beschriebene Art der Anklage bedroht nicht nur Greenpeace, sondern würde im amerikanischen Rechtssystem als Exempel gelten und damit die freie Meinungsäußerung von kritischen Autoren, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen bedrohen, die sich gegen mächtige Wirtschaftsinteressen aussprechen und sich, wie in diesem Fall, für besseren Waldschutz in Kanada einsetzen. 

Topic
Wälder

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.