Portrait Jannes Stoppel
29.09.2017

Wir brauchen gute Regeln für den Klimaschutz

In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass wir dem Klimawandel mit aktiven Schutzmaßnahmen begegnen müssen. Nur so können wir verheerende Auswirkungen auf zukünftige Generationen vermeiden. Das Pariser Klimaschutzabkommen setzt seit 2015 die Rahmenbedingungen dafür, die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius, möglichst sogar unter 1,5 Grad Celsius, zu halten.

Es ist ein ambitioniertes Ziel. Denn schon jetzt haben wir einen großen Überschuss an klimaschädlichem Kohlendioxid in der Erdatmosphäre. Es ist also klar, dass wir in allen Lebensbereichen unsere CO2-Emissionen massiv verringern müssen. Zusätzlich brauchen wir ökologische und sozial-verträgliche Visionen wie wir überschüssiges CO2 speichern können. Hierfür sind transparente und genaue Regeln notwendig, damit die Emissionen und die Speicherung von Kohlendioxid (Senke) erfasst werden können.

Protest im Urwald von Bialowieza gegen dessen Abholzung.
In Polen kämpfen derzeit viele Aktivist*innen für den Erhalt des Białowieża Urwaldes. Teile des Waldes werden entgegen EU-Recht abgeholzt.

Letzte Woche war ich in Brüssel, um mit Kolleg*innen anderer Verbände zu diskutieren, wie sich die EU zu diesem Thema positioniert. Die EU gilt international zwar als die treibende Kraft, die internationalen Klimaschutzbemühungen voranzubringen. Doch bei der Entwicklung der EU Regeln für Emissionen aus dem Landnutzungssektor (LULUCF, also „land-use, land use change and forestry“) ist die EU bei weitem kein Vorreiter. Mit diesen Regeln sollen die Emissions- und Senkenberechnung aus der Land- und Forstwirtschaft für die Zeit nach 2020 bestimmen.

Diese Regeln sollten aber aus meiner Sicht nicht nur die Ziele von Paris erfüllen und Vorbildfunktion haben, sondern auch die internationalen Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen. Zudem  ist die Entwicklung dieser EU-Position für die nächste Klimakonferenz COP23 in Bonn relevant, bei der ein gutes Regelwerk für die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erarbeitet werden muss.

Die neuen Regeln werden darüber entscheiden, ob wir die Vorräte in unseren Wäldern weiter abbauen, also die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit unserer Waldnutzung gefährden, oder ob wir durch naturnahe und ökologische Forstwirtschaft mehr Vorräte in den Wäldern aufbauen und dadurch mehr Klimaschutz für zukünftige Generationen erreichen. Im internationalen Kontext werden die Regeln zeigen, ob wir die erste Region sind, die sich ambitionierte Ziele für die Verbesserung der Senkenfunktion im Wald setzt, oder halt nicht. Mir persönlich geht es darum, dass unsere Wälder Teil eines Generationenvertrags werden, der unseren Kindern, durch den in ihnen gespeicherten Kohlenstoff, eine positive Zukunft sichert und unser Klima für sie schützt.

Die LULUCF Regeln lagen am 13. September dem EU Parlament zur Wahl vor. Hierbei hat sich die Mitte-Rechts-Partei EPP - mit Unterstützung der liberal-demokratischen Partei ALDE und den Europaskeptikern ECR - gegen klimafreundliche Landnutzungsregeln positioniert. Der abgeänderte Regelvorschlag, wie er jetzt weiter verhandelt wird, ist nach den Errungenschaften von Paris ein grober Fehltritt. Er zeigt zudem wenig internationalen Führungswillen in Sachen Klimaschutz im Landnutzungssektor. So sehen es auch 190 Wissenschaftler, die ihre Sorgen in einem offen Brief dargelegt haben.

Abgeholzte Bäume aus dem Bialowieza Urwald.
Das Portrait des polnischen Umweltministers Jan Szyszko und die Worte “tu byłem” (Ich war hier) zieren die abgeholzten und für den Transport zurecht gelegten Bäume im Białowieża Urwald.

Finnland, Schweden, Österreich und weitere Länder wollen Regeln im Sinne der Forstwirtschaft – also möglichst keine Kontrolle und Vorratsabbau durch weitere Kahlschläge. Deutschland muss sich mit weiteren Partnern dafür einsetzen, dass die bisher diskutierten Regeln nicht durchkommen, sondern deutlich im Sinne des Klima- und Artenschutzes verbessert werden.

Wie absurd die Regeln sind, wird schon jetzt klar, denn das bisher entwickelte LULUCF-Regelwerk würde der Emissionsberechnung der EU Erneuerbaren Energien Richtlinie zur energetischen Biomasseverwendung wiedersprechen. Es würden weiter Subventionen in die Bioenergieerzeugung fließen, ohne dass die Emissionen unter den LULUCF-Regeln genau erfasst werden. Eine genaue Erfassung der Kohlenstoffentnahme aus den Wäldern wäre nach den vorgenommenen Änderungen an den Regeln kaum möglich.

Aus meiner Sicht wäre es ein fatales Signal gerade an die Länder, die nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, ein Umdenken in der Landnutzung einzuläuten und die Senkenfunktion ihrer Wälder zu verstärken. Hier in der EU können wir unsere Wälder wachsen lassen und so CO2 aus der Atmosphäre in dicker werdenden Bäumen speichern. Auch für den Erhalt der Artenvielfalt würde dies sehr viel bringen. Die Aufgabe der massiven CO2 Bindung nur auf die Tropenländer abzuwälzen, kommt unserer historischen Verantwortung einfach nicht nach!

Topic
Wälder

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


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