Kleidertausch Hamburg
Greenpeace Gastautor
09.12.2015

Ich habe Spaß an individueller Mode

Eileen hat eine Kleidertauschparty in Hamburg mitorganisiert und erzählt, warum Menschen tauschen.

Ich könnte diesen Text damit einleiten, dass 83 Prozent der Befragten in einer Greenpeace-Umfrage angegeben haben, dass sie noch nie getauscht haben. Aber viel lieber möchte ich eine Besucherin zitieren, die bei der Kleidertauschparty am 5. Dezember im Betahaus Hamburg Kleider getauscht hat. „Es war mir ein Vergnügen! Danke für die unkomplizierte Orga! Mein Silvesteroutfit steht! Glitzer Glitzer!“, schrieb sie und postete ein Bild von einem schwarzen Party-Top. Solche Kommentare freuen uns! Sie zeigen, dass Kleidung tauschen nichts mit dem angestaubten Image zu tun hat, das leider oft mit Secondhand-Kleidung assoziiert wird.

 

Siehe auch: Mein Jahr ohne Klamotten-Shopping

Kleidertauschpartys sind in Hamburg und in anderen Städten echte Institutionen geworden. Die Menschen kommen, weil sie sich auf Abwechslung im Kleiderschrank freuen. Kleidung hat eben nicht nur den Zweck, die Haut vor Kälte zu schützen. Wie man sich kleidet, ist Teil der eigenen Identität. Die Kleidung, die man von einer Kleidertauschparty nach Hause trägt, hat eine Geschichte. Sie wurde bereits getragen und hat den vorigen Besitzer schon in den verschiedensten Lebenssituationen begleitet. „Dieses Shirt habe ich getragen, als ich erfuhr, dass ich schwanger bin“, steht auf einem der Etikette (sog. "Hangtags"), die die BesucherInnen ausfüllen und an den Kleidungsstücken anbringen können. Bei einer Kleidertauschparty sieht man keine meterlangen Kleiderstangen mit zigmal der gleichen Hose. Hier kann jeder seinen individuellen Stil finden.

Glückliche Gesichter gibt’s aber nicht nur, wenn man ein besonders schönes Stück gefunden hat – viele freuen sich auch, wenn sie sehen, dass ihre Sachen einen neuen Besitzer gefunden haben. Nichts zum Anziehen haben, trotz prall gefülltem Kleiderschrank – das kennen viele. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass der Rock, die Hose oder das T-Shirt nicht mehr im heimischen Schrank immer weiter nach hinten rutscht, sondern getragen wird.

Dass die Textilindustrie eine riesige Zerstörungsmaschinerie mit immensem Chemikalieneinsatz ist, wissen wohl die meisten. Auch dass der Preis der billigen Fastfashion-Ware nicht an der Primark-Kasse bezahlt wird. Dass die ArbeiterInnen in den Textilfabriken unter unvorstellbar schlimmen Bedingungen für unseren Konsumwahn schuften. Dass Flüsse vergiftet werden. Dass wir letztlich alle mit unserer Gesundheit bezahlen. Doch dieses Wissen allein reicht eben nicht aus. Was wir brauchen sind Alternativen. Tauschen ist eine davon.

Wir wollen mit den Kleidertauschpartys einen Anstoß zum Weiterdenken geben. Deshalb haben wir am  5. Dezember auch wieder die Upcyclerinnen von redesign Hamburg eingeladen. Auch die Reparatur und kleinere Änderungen wie das Kürzen eines Rocksaums sind wichtige Aspekte, die es den BesucherInnen ermöglichen sich den ertauschten Kleidungsstücken zu nähern und sie sich anzueignen. Hinter dem Begriff "Upcycling" verbirgt sich die Idee, dass man Kleidung nicht nur umnähen kann, sondern den Zweck eines Stück Stoffes ganz neu definieren kann.

Kleidertausch Hamburg Antonia
Antonia hat schon häufig im Freundeskreis Kleidertauschpartys veranstaltet. „Super, dass das Konzept so massentauglich ist. Ein privater Kleidertausch ist natürlich nicht so anonym wir hier. Beim Schrankausmisten für die Kleidertauschparty sollte man trotzdem nach der Devise vorgehen: Nur mitnehmen, was man auch der besten Freundin schenken würde.“

 

Kleidertausch Hamburg David
David hat schon öfters mit Freunden getauscht. Er tauscht Kleidung aus konsumkritischen Gründen. „Immer mehr geht eben nicht. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass auch mehr Männer solche Angebote wahrnehmen.“
Kleidertausch Hamburg Jula
Sehr gefreut haben wir uns über eine alte Bekannte: Jula von JAN`N JUNE (www.jannjune.com). Das junge Label steht für nachhaltige Mode und war schon auf dem Greenpeace-Laufsteg der ökofairen Modenschau #ecothical zu sehen. „Kleider tauschen heißt für mich, Spaß zu haben an individueller Mode, ohne schlechtes Gewissen, ohne Kompromisse. Die Hose, die ich gefunden habe, ist DER Hammer!“

 

Kleidertausch Hamburg Anna
Anna bloggt seit Anfang 2015 auf www.kunstkinder-mag.de über Slow Fashion. Sie ist fasziniert von den vielen Geschichten, die hinter den Kleidungsstücken stecken. Mitgebracht hat sie u.a. einen Pullover und gefunden hat sie eine Bluse. „Auf dem Hangtag habe ich gelesen, dass das die Konfirmationsbluse der vorigen Besitzerin ist. Ist das nicht toll?! Daran werde ich vermutlich häufiger denken, wenn ich die Bluse trage!“
Kleidertausch Hamburg Friederike
„Upcycling heißt für mich, nicht von der Meterware Stoff auszugehen, sondern sich von konfektionierten Stücken inspirieren zu lassen“, erklärt Friederike von Redesign Hamburg. Seit 2011 werden hier ganze Upcycling-Kollektionen entworfen und umgesetzt. Dem Thema Upcycling hat sich Friederike interessanterweise über Kleidertauschpartys genähert. Diese Verzahnung von verschiedenen Mode-Konsum-Alternativen ist einfach großartig!
Jedes Kleidungsstück erzählt eine Geschichte
Jedes Kleidungsstück erzählt eine Geschichte.

 

Kleidertausch Hamburg Marc
„Ich lege gern bei Greenpeace-Kleidertauschpartys auf. Die Leute sind unkompliziert und nett. Die Zeit ist mal wieder echt schnell rumgegangen. Schade, dass das Konzept bei Männern noch nicht so angekommen ist. Trotzdem habe ich zwei neue Hemden gefunden.“

 

Es hat sich herausgestellt, dass viele BesucherInnen von dem Event an sich angezogen werden. Deshalb ist uns die Atmosphäre sehr wichtig. So gab es auch diesmal eine Rückzugsmöglichkeit für erschöpfte TauscherInnen. Zur Atmosphäre gehört auch Musik. Die wurde uns von 10Takel geliefert, ein DJ, der schon vorige Tauschveranstaltungen von uns bereichert hat.

Wir wünschen uns möglichst viele Nachahmer. Egal, ob Kleidertauschparty zuhause mit Freunden, Buffet und Prosecco oder öffentlich. Je länger ein Kleidungsstück getragen wird, desto ökologischer. 2.000.000.000 selten oder nie getragene Kleidungsstücke in deutschen Schränken sind einfach verschwendetes Material und verschwendetes Potential!

Du willst auch etwas gegen die Wegwerfkultur unternehmen? Das kannst du tun:

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Autorin Eileen Wolf engagiert sich in der Greenpeace-Gruppe Hamburg und hat die Kleidertauschparty mitorganisiert.

Tags
Detox, Konsum

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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Hej! Ich bin derzeit mit einigen Freunden dabei, eine größere Kleidertauschparty in meiner Heimatstadt auf die Beine zu stellen, und würde mich sehr über Tipps freuen:)
Das freut uns sehr! Am besten schreibst du uns hier: http://www.greenpeace.de/kontakt oder besser, schickst uns auf unserer Facebook-Seite eine Nachricht. Wir können dann mal schauen, ob bei euch schon eine Greenpeace-Gruppe eine Kleidertauschparty organisiert hat, die Tipps hat. Sonst finden wir sicher jemand anderes, der/die helfen kann.