Gesche Jürgens
30.08.2016

In Rumäniens wilden Wäldern

Es gibt ihn (noch) mit all seinen anmutigen grünen Riesen und dem bunten Leben rundum. Wir haben all das dokumentiert, um für angemessenen Schutz dieses uralten Waldgebiets zu sorgen. Rumänien beherbergt große Teile der letzten Urwälder Mitteleuropas. Schützen wir sie!

Mit rund 90 Aktivistinnen und Aktivisten aus 14 europäischen Ländern war ich in den vergangen drei Wochen mit Maßband, GPS-Gerät, Fernglas, viel Ausdauer und Geduld in den rumänischen Karpaten unterwegs. Unser Ziel: beispielhaft schützenswerte wilde Wälder zu kartieren und sie zur Aufnahme in ein von der rumänischen Regierung beschlossenes „Urwaldregister“ vorzuschlagen. Nur so können sie dauerhaften vor der Säge geschützt werden.

Für ein 141,5 Hektar großes Gebiet haben wir eine genaue Inventarisierung durchgeführt. Wir wählten 15 repräsentative Messflächen von 50 mal 100 Metern aus. Innerhalb dieser Flächen vermaßen wir jeden Baum mit einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 7 Zentimetern, bestimmten Art und gegebenenfalls Biotopmerkmale. Auch die Totholzmengen ab einem Durchmesser von mehr als 20 Zentimetern haben wir genau erfasst. Insgesamt wurden 3.960 lebende Bäume registriert, davon 616 alte Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 50 Zentimetern. Dazu kommen 197 stehende Totholzbäume und 357 Stück liegendes Totholz.

In insgesamt drei Gebieten identifizierten wir auf 845 Hektar Wälder, die sich aufgrund ihres ökologischen Werts und ihrer Großteiles ungestörten Entwicklung für eine Aufnahme ins Urwaldregister eignen. Diese Flächen legen wir der rumänischen Regierung nach Aufbereitung der Daten zur Prüfung vor.

Große Mengen an alten und toten Bäumen sind ein wichtiger Indikator für intakte Waldökosysteme und deuten darauf hin, dass diese Wälder die ganze Breite der natürlichen Artenvielfalt beherbergen.

Umso trauriger, dass wir bei der genauen Analyse zweier Täler in den Karpaten einen Urwaldverlust von 38,5 Prozent in den letzten elf Jahren feststellen mussten. Von im Jahr 2005 registrierten 2.585 Hektar Urwald wurde eine Fläche von 985 Hektar durch Holzeinschlag und Straßenbau massiv beschädigt. Und das sind nur zwei Beispiele. Wir müssen leider davon ausgehen, dass sich eine ähnliche Entwicklung im gesamten rumänischen Urwald abzeichnet. Die Zeit um dieses Naturjuwel endlich ein für alle Mal vor den Einflüssen des Menschen zu schützen drängt also.

Die rumänische Regierung hat vor gut einem Monat beschlossen, den Urwaldschutz zu stärken und ein sogenanntes nationales Urwaldregister ins Leben gerufen. Darin sollen alle Urwälder und „Quasi-Urwälder“, also sehr alte und naturnahe Wälder, die lediglich geringe Spuren menschlicher Nutzung aufweisen, dokumentiert und dauerhaft geschützt werden. Wir haben in den vergangenen Wochen angefangen und die ersten Flächen ausgewiesen. Nun liegt es an der rumänischen Umweltministerin, den Schutz dieser Urwälder konsequent voranzutreiben.

Hilf uns, die Rumänischen Urwälder zu schützen: www.greenpeace.de/kampagnen/wald-rumaenien

Topic
Wälder

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


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