Pottwale (Archiv)
Greenpeace Gastautor
16.02.2016

Live-Blog: Gestrandete Wale

Mehrere Wale, vor allem Pottwale, strandeten in den letzten Wochen an den Küsten Englands, der Niederlande, Frankreichs und Deutschlands.

In den letzten Wochen strandeten 28 Pottwale an den Küsten Englands, der Niederlande, Frankreichs und Deutschlands.  In diesem Blog berichten Larissa Beumer, Jörg Feddern, Lisa Otte und Thilo Maack über aktuelle Ereignisse und ordnen die Meldungen ein.


(16.02 | 5.30 Uhr) Die Forschung nach den möglichen Ursachen für die Pottwalstrandungen läuft auf Hochtouren. Eine erste Erklärungsmöglichkeit für die an der deutschen Küste gestrandeten Pottwale liefern das Institut für Ozeanforschung in Kiel und das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Die Pottwale waren nach ersten Erkenntnissen in einem guten Gesundheitszustand und nicht ausgehungert. Die Forscher fanden in den Mägen fast ausschließlich die Reste von zwei Tintenfischarten, die überwiegend im hohen Norden verbreitet sind. Durch heftige Stürme und erhöhte Wassertemperaturen seien die Pottwale ihren Beutetieren in die Nordsee gefolgt, so die Forscher. Und die ist, je weiter die Pottwale nach Süden vordringen, für die Tiere in den meisten Fällen eine tödliche Sackgasse, da das Ortungssystem der Wale in der flachen See nicht funktioniert. Auf diese Weise sind insgesamt 28 Pottwale an den Küsten Englands (6), Frankreichs (1) den Niederlanden (5 – also nicht 6 wie oft geschrieben) und Deutschlands (16) gestrandet. Mit weiteren Ergebnissen ist in den nächsten Wochen zu rechnen.

Karte der in England, Deutschland und den Niederlanden gestrandeten Pottwalen.

 

(9.02 | 15.30 Uhr) In den flachen Gewässern vor der Ostküste Englands wurde erneut ein Pottwal gesichtet. Zur Stunde ist der Wal noch am Leben.

(8.02 | 14.30 Uhr) Leider gab es heute erneut eine traurige Meldung: Ein junger toter Schwertwal  wurde an die Küste Sylts gespült. Das 2,50 Meter lange Jungtier soll laut Medienberichten ins Büsumer Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAF) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gebracht werden (zur Pressemitteilung der ersten Ergebnisse). Es ist ein eher seltenes Ereignis, da Schwertwale soweit im Süden der Nordsee nur gelegentlich anzutreffen sind. Im Gegensatz zu Pottwalen kommen Schwertwale mit flachen Küsten und geringen Meeretieen aber gut zurecht. 

(5.02) Eine traurige Meldung aus England: Der an der englischen Ostküste gestrandete Pottwal ist trotz aller Bemühungen der Experten vor Ort am Donnerstagabend verendet. Damit hat sich die Zahl der toten Pottwale auf 28 erhöht. Keiner hat überlebt. Allein an der deutschen Küste sind in den letzten Wochen 16 Pottwale gestrandet. Ob in den nächsten Tagen mit Meldungen zu weiteren Pottwalstrandungen zu rechnen ist, mag niemand vorhersagen. Es gab in den letzten Wochen immer mal wieder Tage an denen es keine Meldungen über Strandungen gegeben hat. Wollen wir hoffen und Daumen drücken, dass das Tier in England das letzte war. 

Bergung Pottwale Dithmarschen
Bergung der toten Pottwale am Kaiser-Wilhelm-Koog in Dithmarschen am Donnerstag.

 

(4.02 | 18 Uhr) Gestern wurden fünf, heute wurden drei der vor Kaiser-Wilhelm-Koog gestrandeten Pottwale an Land gebracht. Die zwei toten Pottwale vor Büsum liegen noch vor Ort, die Bergung ist für Freitag früh angekündigt worden. In Meldorf haben Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit der Obduktion und Zerlegung des ersten Wals begonnen. 

Lisa Otte, Greenpeace-Campaignerin ist zurück in Hamburg. Sie hat die letzten Tage die Walstrandungen vor Ort dokumentiert. ""Der tote Wal dort mit weit aufgerissenem Maul - das war ein ganz trauriger Anblick. Wir wissen letztlich nicht, warum die Wale auf ihrem Weg nach Süden falsch abgebogen sind - ein möglicher Grund ist der zunehmende Unterwasserlärm. Es ist dringend erforderlich, die Ursachen zu klären und sie möglichst zu beseitigen, damit sich diese traurigen Ereignisse nicht wiederholen."

Bei allen bisher gefundenen Tieren handelt es sich um junge Pottwalbullen. Die Zähne der Pottwale haben mit Baumringen vergleichbare Spuren: Erst wenn diese untersucht sind, lässt sich auch etwas über das Alter der Tiere sagen.

Einer der am 3.2. gefundenen Pottwale vor Büsum
Einer der am 3.2. 2016 gefundenen Pottwale vor Büsum.

 

(4.02  | 14 Uhr) Die dpa meldet vom Vormittag eine neue Pottwalstrandung an einem Küstenabschnitt zwischen Old Hunstanton und Holme-next-the-Sea in der Grafschaft Norfolk. Der Wal atmet noch, die Einsatzkräfte versuchen, ihn am Leben zu erhalten. Am Morgen des 3. Februar - so eine französische Zeitungsmeldung - ist zudem ein Pottwal vor Calais/ Frankreich gestrandet. 

 

(3.02. | 16 Uhr) Das Drama scheint kein Ende zu nehmen. Erneut sind zwei Pottwale vor der Küste Schleswig-Holsteins in der Nähe von Büsum entdeckt worden. Allein in Deutschland sind seit dem 8. Januar damit 16 Pottwalbullen an unseren Küsten gestrandet. (Siehe Karte). Insgesamt sind es 27 Tiere. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wichtig ist es, die Ursachen für solche Massenstrandungen zu untersuchen. Sollten menschliche Einflüsse - wie z.B. Unterwasserlärm - der Auslöser sein, dann müssen diese umgehend abgestellt werden! Welchen Einfluss der Mensch auf die Gesundheit der Wale hat, zeigt allerdings mehr als eindrücklich der Obduktionsfund Mitte Januar: Laut Medienberichten wurde dabei ein mehrere Quadratmeter großes Fischereinetz im Wal des Pottwals entdeckt, das allerdings nicht als Todesursache gilt. Diese soll noch geklärt werden. Funde von Fischerei- und Konsummüll in Walmägen sind jedoch leider keine Seltenheit

Greenpeace-Campaignerin Lisa Otte zu den gestrandeten Pottwalen in Dithmarschen - Video

 

(2.02. | 15 Uhr) Es ist schon ein zutiefst trauriger Anblick, die acht Pottwalbullen vor der Küste beim Kaiser-Wilhelm-Koog tot im Meer treiben zu sehen. Erneut mussten wir ohne Chance zum Eingreifen miterleben, wie diese Tiere strandeten und umkamen. Heute sollten die Tiere geborgen werden, doch ein heftiger Sturm machte dem Vorhaben ein Strich durch die Rechnung. Das Wasser lief einfach nicht weit genug ab, um an die Tiere zu gelangen.

Trotz des herrschenden Sturmes haben wir uns gestern Abend kurzfristig entschlossen, mit einem Kleinflugzeug entlang der Nordseeküste zu fliegen. Wir hielten Ausschau nach weiteren Pottwalen, die sich eventuell in der Deutschen Bucht verirrt haben, um ihnen zu helfen, bevor sie stranden. Die gute Nachricht: Wir haben auf unserem Flug keine Pottwale entdecken können. Das bedeutet allerdings leider noch nicht, dass keine weitere Pottwale durch die Wellen der aufgewühlten Nordsee schwimmen - dafür ist das Gebiet zu groß und der Sturm hat es uns nicht gerade einfacher gemacht. Doch die Möglichkeit bestand und die wollten wir unbedingt nutzen.

Luftaufnahme von mehreren gestrandeten Pottwalen am Kaiser-Wilhelm-Koog in der Nähe von Brunsbüttel. Insgesamt sind 8 verendete Wale gefunden worden.

(1.02. | 20 Uhr) Aus einer schlimmen Vorahnung ist traurige Realität geworden: Erneut sind acht Pottwalbullen vor der Küste Dithmarschens an der deutschen Nordseeküste gestrandet, mittlerweile sind alle Tiere gestorben. Bereits am Wochenende wurden die Tiere im Wattenmeer entdeckt. Morgen soll mit der Bergung der Tiere begonnen werden. Nach Auskunft eines Augenzeugen lebte einer der Bullen noch, als die Tiere im flachen Wasser entdeckt worden sind.

Damit erhöht sich die Zahl der gestrandeten Wale auf mindestens 25 Tiere, die seit dem 8. Januar an den Küsten Deutschlands, den Niederlanden und Englands gestrandet sind. Erste Ergebnisse der Untersuchung der gestrandeten Tieren zeigen, dass es sich um gesunde Pottwale gehandelt hat, die keine äußeren Verletzungen zeigten oder unter einer Infektionskrankheit litten: Das sind die ersten Erkenntnisse der Stiftung tierärztliche Hochschule Hannover.

(30.01. | 17 Uhr) Ob das Drama vorbei ist oder ob wir mit weiteren Meldungen über erneute Strandungen rechnen müssen, kann leider niemand mit Gewissheit sagen. Die Ursachen der Strandungen liegen nach wie vor im Dunklen. Zurzeit wird untersucht, ob die Tiere eventuell krank waren, auch wenn es relativ unwahrscheinlich ist, dass alle 16 Tiere gleichzeitig krank geworden sind und dies der Grund für die Massenstrandungen ist.

Die Feuerwehr hat den Pottwal im Watt verankert. Gruppen von Pottwalen verirren sich häufiger auf ihrem Weg Richtung Äquator und stranden in der Nordsee. Gründe könnten der zunehmende Unterwasserlärm durch Schiffsverkehr und Ölbohrungen sein.

Bereits sicher kann davon ausgegangenen werden, dass die Pottwale hochgradig mit langlebigen Chemikalien wie PCBs (Polychlorierte Biphenyle) und Schwermetallen belastet sind. Dies haben Untersuchungen vergangener Strandungen nachgewiesen. So mussten die Tiere in der Vergangenheit aufgrund der hohen Schadstoffbelastungen sogar oft als Sondermüll entsorgt werden! Was für ein erschreckendes und erniedrigendes Ende für diese majestätisch anmutenden Tiere.

Was die jungen Pottwalbullen bewogen hat, fälschlich in die Nordsee abzubiegen und damit dem (fast) sicheren Tod entgegen zu schwimmen, wird nicht so schnell geklärt werden können. Der zunehmende Unterwasserlärm, hervorgerufen durch zahlreiche Ölplattformen, seismische Tests und Schiffslärm, wird mit Sicherheit seinen Beitrag zur Verwirrung der Tiere beigetragen haben. Erst kürzlich haben Wissenschaftler die Ergebnisse einer Untersuchung zur Lärmbelästigung im Mittelmeer veröffentlicht und negative Effekte auf Meeresbewohner festgestellt. Was können wir tun?

  1. Die Forschung muss intensiviert werden, um die Ursachen dieser Massenstrandungen zu klären. 
  2. Wir selbst müssen zusehen, dass unsere Meere so schnell wie möglich in einen wesentlich besseren Zustand versetzt werden. Dazu gehört das Verbot langlebiger Chemikalien ebenso wie die Beseitigung der zunehmenden Lärmbelästigung und der Stopp der unglaublichen Vermüllung der Meere durch Plastik.
Eine ermutigende Erinnerung: Nicht jeder Wal, der sich in gefährlich flaches Wasser verirrt, muss stranden und sterben. 1998 ist es Greenpeace mit Unterstützung der Küstenwache gelungen, drei Pottwale vor der Strandung an der Küste von Sankt-Peter-Ording zu bewahren. Also es lohnt sich, die Augen aufzuhalten beim nächsten Strandspaziergang oder einer Schiffsreise.

 

(24.01. | 18 Uhr) Nachdem am Freitagnachmittag ein einzelner Pottwal‎ an der Ostenglischen Küste gestrandet und nach langem Todeskampf im seichten Wasser verendet war, fanden Spaziergänger weiter nördlich (bei Skegness) weitere drei gestrandete Tiere. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind dies die Wale, die in der Nähe des am Freitag gestorbenen Tieres gesichtet worden waren. In den vergangenen Wochen waren 12 Pottwale an der niederländischen und deutschen Küste tot aufgefunden worden. Insgesamt strandeten und starben im Januar 16 Pottwal-Männchen. Die genauen Ursachen müssen noch geklärt werden.

(23.01. | 15 Uhr) Nach Aussagen einzelner Beobachter geht es laut BBC um "mindestens vier Pottwale", von denen einer bereits verendet sein soll. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um Tiere der gleichen Gruppe handelt, aus der die vor der deutschen und niederländischen Küste verendeten Tiere stammen. Die Strömung vor der britischen Küste ist südweisend, das heißt, die noch lebenden Tiere kommen möglicherweise in den nächsten Tagen weiter Richtung Süden. Es besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, dass sie an der deutschen Nordseeküste landen. Ein Tier ist gestrandet – wie ein Video der Eastern Daily Press zeigt, drei sind weitergeschwommen.

Quelle: Eastern Daily Press

Mitte Januar verirrte sich bereits eine Schule von Pottwalen in die Nordsee. Zwölf junge Wale fanden den Tod. Meine Einschätzung zu den Hintergründen der Unglücksserie auf www.greenpeace.de.

 

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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